Mo, 19:03 Uhr
16.09.2019
Betrachtet
Es geht eben auch anders...
Selten habe ich eine Diskussionsrunde zum Thema Gips im Südharz so unaufgeregt erlebt wie heute im Nordhäuser Bürgersaal. Die wichtigste Erkenntnis: man muss gemeinsam reden...
Denn immerhin hat die sogenannte Kohlekommission in ihrem Abschlusspapier auf Seite 86 folgendes aufgeschrieben: Um die Wertschöpfungsketten der Gipsindustrie zu erhalten, sind Maßnahmen zu ergreifen, um den fortschreitenden Wegfall an REA-Gips durch eine zusätzliche umweltverträgliche Gewinnung von Naturgips auszugleichen. Beschlossen wurde das einstimmig, also auch von Vertretern des BUND.
Und da kommen die Gegner des Südharzer Gipsabbaus nicht umhin: es bedarf mehr an Naturgips, wenn sechs Zehntel des Gipsbedarfs in Deutschland durch das Abschalten der Kohlekraftwerke wegfallen. Die zweigeteilte Veranstaltung des NUV brachte denn auch zuerst die Faktenlage durch die beiden Vorträge, danach die Diskussionsrunde. Sicher, der BUND-Geschäftsführer, muss seine Position verteidigen, doch Dr. Burghardt Vogel tat das nicht aggressiv und introvertiert, sondern sachlich. Nur den Vergleich beim Ausbau seines Hauses - preiswerte Gipsplatten gegen preisintensivere Holzplatten - den hätte er sich sparen können. Nicht jeder durchschnittliche Häuslebauer kann auf Preisvorteile verzichten.
Heute wurde einander zugehört, weil durch die beiden Referenten und die sechs Diskutanten verständlicher Klartext geredet wurde. Der NUV hat sich den Spielball Gips nun endgültig in sein eigenes Spielfeld gerollt. Dort sollte er auch bleiben, wenn es weitere Möglichkeiten einer sinnhaften Diskussion geben soll. Nur wer miteinander redet, der bekämpft sich nicht, auch nicht verbal und die Politik muss wissen, dass diesmal kein Zeitpuffer von mehreren Legislaturen vorhanden sein wird. Wenn es ab 2030 keinen REA-Gips mehr geben wird, dann muss der Ersatz verfügbar sein. Letztlich ist ein Mehr an Naturgips - auch aus dem Südharz - ein Teil des Preises für den Schutz des Klimas in diesem Land.
Wenn dieses Szenario tatsächlich für den Südharz eine Chance darstellen soll, dann muss jetzt mit den Planungen für mehr Abbaumöglichkeiten begonnen werden, denn die notwendigen Genehmigungen dauern länger als eine Dekade. Es sei denn, der Gesetzgeber schafft neue Möglichkeiten der Vorbereitung.
Noch einmal zurück zum NUV. Der ist gut beraten, den Ball weiterzuspielen, am Thema dranzubleiben, kritisch nachzufragen und die Akteure in einem gewissen zeitlichen Abstand wieder auf das heute vorbereitete Spielfeld zu bitten. Damit aus der Chance für unsere Region nicht am Ende ein Risiko wird.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redDenn immerhin hat die sogenannte Kohlekommission in ihrem Abschlusspapier auf Seite 86 folgendes aufgeschrieben: Um die Wertschöpfungsketten der Gipsindustrie zu erhalten, sind Maßnahmen zu ergreifen, um den fortschreitenden Wegfall an REA-Gips durch eine zusätzliche umweltverträgliche Gewinnung von Naturgips auszugleichen. Beschlossen wurde das einstimmig, also auch von Vertretern des BUND.
Und da kommen die Gegner des Südharzer Gipsabbaus nicht umhin: es bedarf mehr an Naturgips, wenn sechs Zehntel des Gipsbedarfs in Deutschland durch das Abschalten der Kohlekraftwerke wegfallen. Die zweigeteilte Veranstaltung des NUV brachte denn auch zuerst die Faktenlage durch die beiden Vorträge, danach die Diskussionsrunde. Sicher, der BUND-Geschäftsführer, muss seine Position verteidigen, doch Dr. Burghardt Vogel tat das nicht aggressiv und introvertiert, sondern sachlich. Nur den Vergleich beim Ausbau seines Hauses - preiswerte Gipsplatten gegen preisintensivere Holzplatten - den hätte er sich sparen können. Nicht jeder durchschnittliche Häuslebauer kann auf Preisvorteile verzichten.
Heute wurde einander zugehört, weil durch die beiden Referenten und die sechs Diskutanten verständlicher Klartext geredet wurde. Der NUV hat sich den Spielball Gips nun endgültig in sein eigenes Spielfeld gerollt. Dort sollte er auch bleiben, wenn es weitere Möglichkeiten einer sinnhaften Diskussion geben soll. Nur wer miteinander redet, der bekämpft sich nicht, auch nicht verbal und die Politik muss wissen, dass diesmal kein Zeitpuffer von mehreren Legislaturen vorhanden sein wird. Wenn es ab 2030 keinen REA-Gips mehr geben wird, dann muss der Ersatz verfügbar sein. Letztlich ist ein Mehr an Naturgips - auch aus dem Südharz - ein Teil des Preises für den Schutz des Klimas in diesem Land.
Wenn dieses Szenario tatsächlich für den Südharz eine Chance darstellen soll, dann muss jetzt mit den Planungen für mehr Abbaumöglichkeiten begonnen werden, denn die notwendigen Genehmigungen dauern länger als eine Dekade. Es sei denn, der Gesetzgeber schafft neue Möglichkeiten der Vorbereitung.
Noch einmal zurück zum NUV. Der ist gut beraten, den Ball weiterzuspielen, am Thema dranzubleiben, kritisch nachzufragen und die Akteure in einem gewissen zeitlichen Abstand wieder auf das heute vorbereitete Spielfeld zu bitten. Damit aus der Chance für unsere Region nicht am Ende ein Risiko wird.
Peter-Stefan Greiner

