Mi, 08:30 Uhr
06.11.2019
Nordhausens Festveranstaltung zum Mauerfall-Jubiläum
Intensives Gedenken in trüber Nacht
Kalt war es und dunkel und regnerisch. Nicht umsonst gilt ja der November als tristester Geselle unter den Monaten. Und dennoch gab es gestern Abend ein freudiges Gedenken an längst vergangene Novemberzeiten.
Drei Schulen, das Theater, die Stadtverwaltung, die Polizei, die Kirche, Bibliothek und Buchhändler, eine Band und ein Redner schwangen sich zu Akteuren einer würdigen Erinnerung an die mutigen Menschen auf, die auch in Nordhausen vor dreißig Jahren mithalfen, das marode Regime der alten, überforderten Männer mit ihrer Einheitsbreipartei zu beenden.
Daran erinnerten die Demonstrationszüge der gut 300 Jugendlichen mit Kerzenlichtern und selbst gebastelten Plakaten. Wie schon vor drei Jahrzehnten fand auch diese Gedenkveranstaltung an die Montagsdemos in Nordhausen an einem Dienstag statt. Damals stand es den Nordhäusern wie kaum anderen DDR-Bürgern frei, gleich an zwei Demos pro Woche teilzunehmen. Montags beispielsweise in Leipzig und dienstags dann auf dem August-Bebel-Platz in der Rolandstadt.
Gegen 18 Uhr trafen die Schüler der Mittel- und Oberstufen auf dem Theaterplatz ein, begleitet von Ordnern in gelben Westen. Einer von ihnen war niemand Geringerer als der Nordhäuser Intendant Daniel Klajner, der maßgeblich an der Entstehung dieses Abends beteiligt war. Erwartet wurden die Demonstranten auf der Bühne bereits von der Nordhäuser Rockband FRANZ KARAFKA, die mit ihren frisch-frechen Titeln für Stimmung sorgte.
Ein buntes und umfangreiches Programm von Schülern der beiden Nordhäuser Gymnasien und der Käthe-Kollwitz-Schule folgte dem musikalischen Auftakt. Eigens komponierte Raps zur DDR-Geschichte wurden vorgetragen, ein Chorwettstreit verschiedener Hymnen deutscher Prägung ausgetragen und eine sehr sportliche symbolische Mauererstürmung und -zerstörung dargeboten. Das alles warf ein sehr unterhaltsames Licht auf die umfangreiche Beschäftigung der jungen Leute mit geschichtlichen Ereignissen in ihrer Heimat. Auch wenn die stürmischen Tage des 89er Herbstes für sie in etwa so weit zurückliegen, wie für die damaligen Akteure die Völkerschlacht bei Leipzig, war es erstaunlich und erfreulich zu sehen, mit welch großem Engagement Lehrer und Schüler diese Gedenkveranstaltung vorbereitet hatten.
Kurz bevor dann zum krönenden Abschluss im ausverkauften Theater eine der berühmtesten DDR-Bands ihr Konzert spielte und der Schwanenkönig seinen Hals auf das Wasser hinab neigte, spielte draußen noch einmal das Quartett mit dem skurrilen Namen FRANZ KARAFKA. In ihrem letzten Titel besangen sie Mein Land, eine sehr ambivalente Heimat, die sich ihnen mal weltennah, mal erdenfremd, mal Mantel und mal letztes Hemd, mal sauber und mal Bahnhofsvierteldreck präsentiert. Womit sie wohl den Nagel auf den Kopf getroffen hatten, denn auch 30 Jahre nach dem Mauerfall sind weder Demokratie noch Freiheit Selbstverständlichkeiten und es gilt weiter, jeden Tag darum zu kämpfen.
Olaf Schulze
Autor: oschDrei Schulen, das Theater, die Stadtverwaltung, die Polizei, die Kirche, Bibliothek und Buchhändler, eine Band und ein Redner schwangen sich zu Akteuren einer würdigen Erinnerung an die mutigen Menschen auf, die auch in Nordhausen vor dreißig Jahren mithalfen, das marode Regime der alten, überforderten Männer mit ihrer Einheitsbreipartei zu beenden.
Daran erinnerten die Demonstrationszüge der gut 300 Jugendlichen mit Kerzenlichtern und selbst gebastelten Plakaten. Wie schon vor drei Jahrzehnten fand auch diese Gedenkveranstaltung an die Montagsdemos in Nordhausen an einem Dienstag statt. Damals stand es den Nordhäusern wie kaum anderen DDR-Bürgern frei, gleich an zwei Demos pro Woche teilzunehmen. Montags beispielsweise in Leipzig und dienstags dann auf dem August-Bebel-Platz in der Rolandstadt.
Gegen 18 Uhr trafen die Schüler der Mittel- und Oberstufen auf dem Theaterplatz ein, begleitet von Ordnern in gelben Westen. Einer von ihnen war niemand Geringerer als der Nordhäuser Intendant Daniel Klajner, der maßgeblich an der Entstehung dieses Abends beteiligt war. Erwartet wurden die Demonstranten auf der Bühne bereits von der Nordhäuser Rockband FRANZ KARAFKA, die mit ihren frisch-frechen Titeln für Stimmung sorgte.
Ein buntes und umfangreiches Programm von Schülern der beiden Nordhäuser Gymnasien und der Käthe-Kollwitz-Schule folgte dem musikalischen Auftakt. Eigens komponierte Raps zur DDR-Geschichte wurden vorgetragen, ein Chorwettstreit verschiedener Hymnen deutscher Prägung ausgetragen und eine sehr sportliche symbolische Mauererstürmung und -zerstörung dargeboten. Das alles warf ein sehr unterhaltsames Licht auf die umfangreiche Beschäftigung der jungen Leute mit geschichtlichen Ereignissen in ihrer Heimat. Auch wenn die stürmischen Tage des 89er Herbstes für sie in etwa so weit zurückliegen, wie für die damaligen Akteure die Völkerschlacht bei Leipzig, war es erstaunlich und erfreulich zu sehen, mit welch großem Engagement Lehrer und Schüler diese Gedenkveranstaltung vorbereitet hatten.
Kurz bevor dann zum krönenden Abschluss im ausverkauften Theater eine der berühmtesten DDR-Bands ihr Konzert spielte und der Schwanenkönig seinen Hals auf das Wasser hinab neigte, spielte draußen noch einmal das Quartett mit dem skurrilen Namen FRANZ KARAFKA. In ihrem letzten Titel besangen sie Mein Land, eine sehr ambivalente Heimat, die sich ihnen mal weltennah, mal erdenfremd, mal Mantel und mal letztes Hemd, mal sauber und mal Bahnhofsvierteldreck präsentiert. Womit sie wohl den Nagel auf den Kopf getroffen hatten, denn auch 30 Jahre nach dem Mauerfall sind weder Demokratie noch Freiheit Selbstverständlichkeiten und es gilt weiter, jeden Tag darum zu kämpfen.
Olaf Schulze






















