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Sa, 11:24 Uhr
11.01.2020
Krankenkasse zu Diagnosen

ADHS zunehmend auch bei Erwachsenen diagnostiziert

Ständige Stimmungsschwankungen, Jähzorn, Impulsivität, Beziehungsunfähigkeit, Chaos: Die wenigsten denken bei diesen Symptomen an eine Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) – schon gar nicht bei Erwachsenen. Doch auch die werden zunehmend mit ADHS diagnostiziert, meldet die Kaufmännische Krankenkasse...

Zwar beginnt die ADHS in der Regel im Kindes- und Jugendalter und bei den meisten gehen die Symptome im Laufe der Jahre zurück. Doch immer häufiger bleiben sie bis ins Erwachsenenalter bestehen oder werden erst spät erkannt. Das zeigt eine Datenauswertung der KKH Kaufmännische Krankenkasse.

Demnach hat sich die Zahl der ab 19-Jährigen mit einer ärztlich diagnostizierten ADHS von 2008 auf 2018 nahezu verdreifacht. Zwar ist der Anteil der Kinder bis 18 Jahre, die an der Hyperaktivitätsstörung leiden, mit 4,7 Prozent deutlich höher als der der Erwachsenen (0,4 Prozent), doch der große Anstieg bei den ab 19-Jährigen zeigt, dass eine ADHS bei Älteren zunehmend zum Problem wird. Zuletzt erhielten insgesamt rund 20.000 KKH-Versicherte eine entsprechende Diagnose, davon mittlerweile rund 6.000 Erwachsene.

Das Tückische: Eine ADHS äußert sich bei Erwachsenen häufig anders als bei Kindern und Jugendlichen. Anstelle der Hyperaktivität stehen dann Unaufmerksamkeit und verminderte Konzentrationsfähigkeit im Vordergrund. Erwachsene mit ADHS haben vor allem Probleme, ihren Alltag, ihre Arbeit und ihre Finanzen zu organisieren, sich über längere Zeit auf Aufgaben zu fokussieren, Termine einzuhalten und ihre Gefühle zu kontrollieren.

Sie sind hochimpulsiv, leicht reizbar, neigen zu Wutausbrüchen und haben eine niedrige Frustrationstoleranz. Unbehandelt kann eine ADHS tragische Konsequenzen haben, etwa schlechtere Abschlüsse in Schule, Ausbildung und Studium, häufigen Arbeitsplatzverlust, Scheitern von sozialen Beziehungen, höheres Unfallrisiko durch rücksichtsloses Fahren, Suchtprobleme, Depressionen und Persönlichkeitsstörungen.

Die KKH weist darauf hin, dass eine Diagnose sorgfältig gestellt werden muss, damit es nicht zu unnötigen oder falschen Behandlungen kommt. Experten diagnostizieren eine ADHS nach bestimmten Kriterien, unter anderem nach unterschiedlichen Ausprägungen von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Eine Diagnose ist nicht leicht, denn gerade im Erwachsenenalter haben ADHS-Patienten häufig zusätzliche Begleiterkrankungen wie soziale Verhaltensstörungen, Depressionen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Die KKH rät, bei psychischen Problemen, die die Lebensqualität deutlich und über längere Zeit beeinträchtigen, dringend professionelle Hilfe zu suchen. Für Erwachsene mit einer ADHS kann dies allerdings schwierig sein, da die Beratungs- und Behandlungsangebote noch nicht so weit verbreitet sind wie für Kinder und Jugendliche. Betroffene sollten sich daher zunächst an ihren Hausarzt wenden, der alle weiteren Schritte zur Diagnostik und Behandlung einleiten kann – in erster Linie die Überweisung an einen Facharzt für Psychiatrie, psychosomatische Medizin, Neurologie oder einen psychologischen Psychotherapeuten.

Erläuterungen zur Datenanalyse
Eine Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) besteht bei einigen Betroffenen auch im Erwachsenenalter fort oder wird erst dann erkannt. Dazu hat die KKH Kaufmännische Krankenkasse bundesweit Daten zur Häufigkeit von ADHS-Diagnosen ausgewertet. Das Ergebnis: Von 2008 auf 2018 stieg der Anteil der Patienten mit ADHS-Diagnose bei den 0- bis 18-Jährigen von 4,3 Prozent auf 4,7 Prozent (maximaler Anstieg auf 10,7 Prozent bei den 11- bis 14-jährigen Jungen) und bei den ab 19-Jährigen von 0,1 Prozent auf 0,4 Prozent (maximaler Anstieg auf 2,5 Prozent bei den 19- bis 24-Jährigen Männern). Das entspricht einer Steigerung von rund 10 Prozent bei den bis 18-Jährigen und von rund 197 Prozent bei den ab 19-Jährigen. In den vergangenen Jahren hat also die Häufigkeit von ADHS-Diagnosen bei den Erwachsenen drastisch zugenommen, was unter anderem an einer mittlerweile höheren Sensibilität bei Ärzten und Patienten für eine ADHS im Erwachsenenalter liegen dürfte.
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Kommentare

11.01.2020, 14.01 Uhr
tannhäuser | Jetzt ist man nicht mehr cholerisch...
...sondern ADHS-Patient?

Die Krankenkassen wird es freuen, Medikamente gegen häusliche Gewalt bezahlen zu dürfen.

Heinrich Hoffmann wird sich im Grabe herumdrehen. Alles nur Opfer, über die er im "Struwelpeter" schrieb.

Armes Paulinchen und das Feuerzeug ;)

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