Di, 09:00 Uhr
08.04.2025
Ehrenfriedhof neu eingeweiht
Kein einfacher Ort
Im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten zum 80. Jahrestag der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora wurde gestern Nachmittag auch der neugestaltete Ehrenfriedhof der Stadt Nordhausen eingeweiht. Die feierliche Eröffnung sollte aber keine reine Nordhäuser Angelegenheit werden...
Die Reihen sind schmal, je zwei Meter breit und ziehen sich nach und nach den Hang hinab, jede abgeschlossen mit einem einfachen, grauen Schlussstein. Darunter ruhen die Toten, 2.300 an der Zahl, die meisten unbekannt. Die Nordhäuser selbst hatten sie ab April 1945 zu Grabe zu tragen, auf Anweisung der amerikanischen Armee. Schuld und Schande sollten die Bürgerinnen und Bürger nicht aus dem Weg gehen können, denn die Toten, die man hier in Massengräbern der Erde übergab, waren Opfer des deutschen Wahnsinns, Opfer von Verbrechen, die inmitten der Gesellschaft an Menschen verübt worden waren.
Der Ehrenfriedhof sollte zu einem der zentralen Gedenkorte der Nachkriegszeit für Nordhausen werden, dass er aber nicht allein die Nordhäuser kümmert, dass zeigte zum einen die harsche Kritik, die sich die Stadt in den letzten Jahren ob des desolaten Zustandes von ehemaligen KZ-Häftlingen und Opferverbänden anhören musste, wie auch die rege Teilnahme internationaler Gäste an der gestrigen Neueröffnung des Areals.
Mit großer Sorgfalt und unter Wahrung der Totenruhe wurde das beinahe zur Wiese verkommene Gelände seit 2023 umgearbeitet, die letzten Handgriffe und Pflanzungen nahm man im Herbst 2024 vor. Zum Umbau gehören auch mehrere Tafeln, die an das Geschehen in Nordhausen während und nach des Krieges erinnern. Details scheut man nicht, sowohl das Leiden der zum sterben zurückgelassenen Häftlinge in der Boelcke-Kaserne wie auch die Reihenbegräbnisse werden in aller Deutlichkeit dargestellt.
Dafür das man sich hierzulande genau davor nicht scheut, dass man sich mit den dunkelsten Kapiteln der eigenen Geschichte bewusst und kritisch auseinandersetzt, dafür erhielt man gestern viel Lob. Man könne Stolz darauf sein, dass man aus der Geschichte Lehren gezogen habe, sagte etwa der ehemalige US-Botschafter, Professor James D. Bindenagel. Wer Verantwortung in der Politik habe, der müsse dafür sorgen, dass man nicht wieder auf den Pfaden wandele, die letztlich nach Dora geführt haben. Wo Unmenschlichkeit herrsche, dürfe man nicht schweigen, das gelte auch für die Amerikaner. Von Schuldkult und Vogelschiss zu sprechen sei falsch und gefährlich, mahnte der Diplomat, die Aufklärung über das Böse dürfe man nicht aussetzen.
Eindringliche Worte findet auch Philip Heylen, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Antwerpen. Rund 5.000 seiner Mitbürger sterben im zweiten Weltkrieg unter Ansturm der deutschen Wunderwaffen V1 und V2, die hier in Nordhausen gefertigt wurden. Heute komme man in Freundschaft, auch wenn Trauer und Wut noch immer präsent seien, sagt Heylen. Was man hier gehört habe, werde man nicht vergessen, aber allein beim passiven Zuhören sollte es nicht bleiben. Man habe die Verantwortung zu erinnern und weiter zu geben. Die deutsche Geschichte und die Bemühen um die Erinnerung zeigten auch, dass der Horror nicht länger anhalte als die Hoffnung, dass der Tod nicht für immer herrsche und sich letztlich der Geist des freien Menschen durchsetze. Wichtig sei aber auch, zu erkennen das die Freiheit nicht ohne Opfer gewonnen wurde. Die Lehren der Geschichte finde man auf den Feldern Flanderns und in der Normandie, in Auschwitz, Buchenwald und Dora. Sich der Tyrannei entgegen zu stellen und die Freiheit zu gewinnen, sei eine Aufgabe die in jedem Zeitalter neu gestellt werde und vor der man auch heute wieder stehe.
In den Chor aus Anerkennung und Mahnung stimmt auch die Gedenkstätte Mittelbau-Dora ein. Man sollte es nicht unerwähnt lassen, sagt Sebastian Hammer, dass die Neugestaltung des Ehrenfriedhofs auch gegen Widerstände aus der Region durchgesetzt werden musste und das es eine Partei gab, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit versucht habe, dass Vorhaben zu torpedieren und die kein echtes Interesse daran habe, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Eben diese Auseinandersetzung sucht die Gedenkstätte dieser Tage auch mit einer Open-Air Ausstellung unter dem Titel Nach der Befreiung die an fünf Orten im Landkreis zu sehen ist, darunter auch der Ehrenfriedhof.
Der ist in Thüringen im übrigen die größte Anlage seiner Art. Von der Neugestaltung geht eine gewissen Kühle aus, die aber durchaus gewollt ist, erklärt Oberbürgermeister Kai Buchmann Eingangs, der Friedhof soll kein leichter Ort sein. Wobei die neue Form des Friedhofs noch nicht voll zu sehen ist, bisher ist es nur ein paar Frühblühern gelungen, das Erdreich zu durchstoßen. Ergänzt wurden diese heute um weiße Rosen und im Falle Ernest Gaillard auch um einen Blumenkranz.
Der französische Widerstandskämpfer hatte Dora und die Boelcke-Kaserne überlebt, verfügte in seinem letzten Willen aber, dass man ihn in Nordhausen auf dem Ehrenfriedhof in der Reihe der Toten zur Ruhe betten möge. Polizeihauptkommissar Jens Bönisch, der eine Art diplomatischer Dreh- und Angelpunkt für die internationale Erinnerungsarbeit in Nordhausen geworden ist, legte hier mit seiner Tochter einen Kranz nieder, dem sich die französische Delegation spontan anschloss. Eine kleine Geste, die noch einmal verdeutlichte, das dass Gräberfeld nicht allein ein Nordhäuser Friedhof ist und die Bemühungen der Stadt, hier Ordnung zu schaffen, durchaus ihre Berechtigung hatten.
Angelo Glashagel
Autor: redDie Reihen sind schmal, je zwei Meter breit und ziehen sich nach und nach den Hang hinab, jede abgeschlossen mit einem einfachen, grauen Schlussstein. Darunter ruhen die Toten, 2.300 an der Zahl, die meisten unbekannt. Die Nordhäuser selbst hatten sie ab April 1945 zu Grabe zu tragen, auf Anweisung der amerikanischen Armee. Schuld und Schande sollten die Bürgerinnen und Bürger nicht aus dem Weg gehen können, denn die Toten, die man hier in Massengräbern der Erde übergab, waren Opfer des deutschen Wahnsinns, Opfer von Verbrechen, die inmitten der Gesellschaft an Menschen verübt worden waren.
Der Ehrenfriedhof sollte zu einem der zentralen Gedenkorte der Nachkriegszeit für Nordhausen werden, dass er aber nicht allein die Nordhäuser kümmert, dass zeigte zum einen die harsche Kritik, die sich die Stadt in den letzten Jahren ob des desolaten Zustandes von ehemaligen KZ-Häftlingen und Opferverbänden anhören musste, wie auch die rege Teilnahme internationaler Gäste an der gestrigen Neueröffnung des Areals.
Mit großer Sorgfalt und unter Wahrung der Totenruhe wurde das beinahe zur Wiese verkommene Gelände seit 2023 umgearbeitet, die letzten Handgriffe und Pflanzungen nahm man im Herbst 2024 vor. Zum Umbau gehören auch mehrere Tafeln, die an das Geschehen in Nordhausen während und nach des Krieges erinnern. Details scheut man nicht, sowohl das Leiden der zum sterben zurückgelassenen Häftlinge in der Boelcke-Kaserne wie auch die Reihenbegräbnisse werden in aller Deutlichkeit dargestellt.
Dafür das man sich hierzulande genau davor nicht scheut, dass man sich mit den dunkelsten Kapiteln der eigenen Geschichte bewusst und kritisch auseinandersetzt, dafür erhielt man gestern viel Lob. Man könne Stolz darauf sein, dass man aus der Geschichte Lehren gezogen habe, sagte etwa der ehemalige US-Botschafter, Professor James D. Bindenagel. Wer Verantwortung in der Politik habe, der müsse dafür sorgen, dass man nicht wieder auf den Pfaden wandele, die letztlich nach Dora geführt haben. Wo Unmenschlichkeit herrsche, dürfe man nicht schweigen, das gelte auch für die Amerikaner. Von Schuldkult und Vogelschiss zu sprechen sei falsch und gefährlich, mahnte der Diplomat, die Aufklärung über das Böse dürfe man nicht aussetzen.
Eindringliche Worte findet auch Philip Heylen, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Antwerpen. Rund 5.000 seiner Mitbürger sterben im zweiten Weltkrieg unter Ansturm der deutschen Wunderwaffen V1 und V2, die hier in Nordhausen gefertigt wurden. Heute komme man in Freundschaft, auch wenn Trauer und Wut noch immer präsent seien, sagt Heylen. Was man hier gehört habe, werde man nicht vergessen, aber allein beim passiven Zuhören sollte es nicht bleiben. Man habe die Verantwortung zu erinnern und weiter zu geben. Die deutsche Geschichte und die Bemühen um die Erinnerung zeigten auch, dass der Horror nicht länger anhalte als die Hoffnung, dass der Tod nicht für immer herrsche und sich letztlich der Geist des freien Menschen durchsetze. Wichtig sei aber auch, zu erkennen das die Freiheit nicht ohne Opfer gewonnen wurde. Die Lehren der Geschichte finde man auf den Feldern Flanderns und in der Normandie, in Auschwitz, Buchenwald und Dora. Sich der Tyrannei entgegen zu stellen und die Freiheit zu gewinnen, sei eine Aufgabe die in jedem Zeitalter neu gestellt werde und vor der man auch heute wieder stehe.
In den Chor aus Anerkennung und Mahnung stimmt auch die Gedenkstätte Mittelbau-Dora ein. Man sollte es nicht unerwähnt lassen, sagt Sebastian Hammer, dass die Neugestaltung des Ehrenfriedhofs auch gegen Widerstände aus der Region durchgesetzt werden musste und das es eine Partei gab, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit versucht habe, dass Vorhaben zu torpedieren und die kein echtes Interesse daran habe, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Eben diese Auseinandersetzung sucht die Gedenkstätte dieser Tage auch mit einer Open-Air Ausstellung unter dem Titel Nach der Befreiung die an fünf Orten im Landkreis zu sehen ist, darunter auch der Ehrenfriedhof.
Der ist in Thüringen im übrigen die größte Anlage seiner Art. Von der Neugestaltung geht eine gewissen Kühle aus, die aber durchaus gewollt ist, erklärt Oberbürgermeister Kai Buchmann Eingangs, der Friedhof soll kein leichter Ort sein. Wobei die neue Form des Friedhofs noch nicht voll zu sehen ist, bisher ist es nur ein paar Frühblühern gelungen, das Erdreich zu durchstoßen. Ergänzt wurden diese heute um weiße Rosen und im Falle Ernest Gaillard auch um einen Blumenkranz.
Der französische Widerstandskämpfer hatte Dora und die Boelcke-Kaserne überlebt, verfügte in seinem letzten Willen aber, dass man ihn in Nordhausen auf dem Ehrenfriedhof in der Reihe der Toten zur Ruhe betten möge. Polizeihauptkommissar Jens Bönisch, der eine Art diplomatischer Dreh- und Angelpunkt für die internationale Erinnerungsarbeit in Nordhausen geworden ist, legte hier mit seiner Tochter einen Kranz nieder, dem sich die französische Delegation spontan anschloss. Eine kleine Geste, die noch einmal verdeutlichte, das dass Gräberfeld nicht allein ein Nordhäuser Friedhof ist und die Bemühungen der Stadt, hier Ordnung zu schaffen, durchaus ihre Berechtigung hatten.
Angelo Glashagel






























































