eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Mi, 15:30 Uhr
09.04.2025
Zur Erinnerung an Dagmar Zimmermann

Die Tage der alten Bäume sollten nicht gezählt sein!

Die erschütternde Kunde vom Ableben einer außergewöhnlichen Persönlichkeit Nordhausens erreichte Heidelore Kneffel und andere: Dagmar Zimmermann ist am 2. April in Nordhausen verstorben, ihr Geburtsdatum war der 16. Mai 1937...

Sie war ein Mensch, der sehr im Leben stand, hat auf bemerkenswerte Weise Höhen und Tiefen des Daseins im wahrsten Sinn gemeistert, sich gern Menschen zugewandt, ihre Hilfsbereitschaft war umfassend. Auffällig war ihre Zugewandtheit zur Natur. Viele Beispiele dafür könnte ich aufzählen.

Welch beispielhaftes Zusammenfügen von Blüten und Kräutern hat sie kreiert und verschenkt, auch so manche Keramikkreation von ihr wechselte im Laufe der Jahre den Besitzer. Besucher verdankten ihren Naturkenntnissen so manchen Leckerbissen. Kultur, in die die Künste eingebunden waren, erachtete sie als wesentliche Lebensgrundlage, von der sie andere überzeugen wollte und konnte. Ihren Schülern an der Pestalozzischule, an der Kollwitzschule, in der Keramikwerkstatt lehrte sie die Fähigkeit, eine Komposition zu erfinden, die sich zusammenfügte, ohne in Spannunglosigkeit zu enden.

Anzeige symplr (1)
In einem der Arbeitsprotokolle, die man in der Keramikwerkstatt in der Kreisvolkshochschule in Nordhausen führte, als man 2002 vier große Tonplastiken für das Agenda 21 Projekt schuf, ist zu lesen: „Die alten Kastanien, Linden, Buchen, Eichen, Platanen, Haselnussbäume, Eiben, Ginkgos sind ein Schatz, den nicht jede Stadt aufweisen kann. Wir wollten deshalb mit unserem Kunstobjekt ein Zeichen setzen, um für den Erhalt der alten Bäume zu plädieren.

Ideen holten wir uns u. a. aus der reichhaltigen Sammlung an Fachliteratur, die uns Dagmar Zimmermann mitbrachte“, vermerkten fünf Frauen, die sich unter Zimmermanns Leitung mehr und mehr zu geschulten Keramikerinnen entwickelt hatten.

Baumtorso aus Keramik im Historischen Landratsamt in der Behringstraße in Nordhausen  (Foto: Heidelore Kneffel) Baumtorso aus Keramik im Historischen Landratsamt in der Behringstraße in Nordhausen (Foto: Heidelore Kneffel)


„Schließlich wählten wir als Symbol einen sehr alten Baum, der noch immer grünt. Für den hohlen Baumstamm mussten wir mehrere Ringe walzen. Werden die drei Teile nach dem Brand zusammenpassen, können wir sie dann miteinander standfest verfugen? Um die äußere rindenähnliche Struktur zu gestalten, experimentierten wir mit verschiedenen Materialien. Für die Farbgebung verwendeten wir Engobe und Eisenoxyd, deren Auswahl anhand von Farbproben erfolgte.“

Oberer Teil des Baumtorso mit Blattaustrieb (Foto: Heidelore Kneffel) Oberer Teil des Baumtorso mit Blattaustrieb (Foto: Heidelore Kneffel)


Diese kunstvolle Tongestalt des alten Baumstumpfes mit austreibendem Zweig im oberen Bereich ist wie geschaffen für das Historische Landratsamt in der Behringstraße/Grimmelallee. Zum einen wird hier das Baumkataster der Bäume dieser Region gepflegt, zum anderen erinnert die Plastik auf kongeniale Weise an den Baumstumpf auf dem 1948 von Erhard Heckel geschaffenen Wappen für den Landkreis Nordhausen, das bis 1952 galt und dann seit 1990 wieder das Hoheitszeichen wurde. Schon totgesagt, bringt der alte Baum, aller Welt zum Trotz, einen gesunden Zweig hervor.

Wappen des Landkreises Nordhausen (Foto: Heidelore Kneffel) Wappen des Landkreises Nordhausen (Foto: Heidelore Kneffel) Dem Thema: „Die Tage der alten Bäume sollten nicht gezählt sein!“ widmeten sich unter der Regie Dagmar Zimmermanns besonders Roswitha König und Anne Jödicke. Das Produkt ihres handwerklichen und künstlerischen Arbeitens, das seit dem 1. Juni 2004 im Landratsamt steht, soll daran erinnern, dass wesentliche Verpflichtungen der Menschen darin bestehen, die Natur und die in ihr gewachsene Kultur zu erhalten „für alle Zeiten.“

Joachim Claus, Landrat des Landkreises Nordhasen, bekommt die Baumplastik überreicht (Foto: Heidelore Kneffel) Joachim Claus, Landrat des Landkreises Nordhasen, bekommt die Baumplastik überreicht (Foto: Heidelore Kneffel)


„Alt wie ein Baum möchte ich werden..., mit Rinden, die sich immer wieder schälen, mit Wurzeln tief, dass sie kein Spaten sticht“, dichtete einst Louis Fürnberg. Die Band der Phudys hat diese Verse berühmt gemacht: „Alt wie ein Baum möchte ich werden, grad wie der Dichter es beschreibt...“ In diesem Sinne soll diese glasierte Tonplastik, die sich farblich so harmonisch in dem grün getönten Raum in der unteren Etage des historischen Landratsamtes mit den Glücksklee-Kacheln und den vier Metallsäulen einfügt, eine lange Dauer hier verweilen und das oben Ausgeführte anschaulich vor Augen führen: „Vergesst die alten Bäume nicht!“

Wie die Tochter der Verstorbenen, Carsta Zimmermann, mitteilt, wird die Trauerfeier am 10. April 2025 um 12.00 Uhr in der Kleinen Trauerhalle des Hauptfriedhofes in Nordhausen stattfinden mit anschließender Urnenbeisetzung.
Heidelore Kneffel
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentar hinzufügen
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)