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Do, 18:30 Uhr
26.06.2025
Alle Einsatzzahlen aus dem Jahre 2024 im Landkreis Nordhausen

Resümee von Feuerwehr und Rettungsleitstelle

Alle Jahre wieder stellt Landrat Matthias Jendricke auf einer Pressekonferenz das Einsatzgeschehen im Katastrophenschutz des vergangene Jahres dar. Unterstützt wird er dabei traditionell von seinen Experten, die tägliche im Einsatz sind, um zu retten und zu helfen …

Fachgebietsleiter Tobias Mielke, Landrat Matthias Jendricke und Kreisbrandinspektor Daniel Kunze zogen heute Bilanz für 2024 (Foto: emw) Fachgebietsleiter Tobias Mielke, Landrat Matthias Jendricke und Kreisbrandinspektor Daniel Kunze zogen heute Bilanz für 2024 (Foto: emw)


So war es dann auch Daniel Kunze, dem Nordhäuser Kreisbrandinspektor vorbehalten, mit seinem Rückblick auf das vergangene jähr zu beginnen. Erfreuliche Zahlen konnte er bei den geleisteten Einsätzen verkünden, denn die Wehren des Kreises mussten 2024 fast zweihundert Fahrten weniger absolvieren als noch 2023. Den glücklichen Umstand schreiben die anwesenden Fachleute hauptsächlich einer ruhigeren Wetterlage im abgelaufenen Jahr zu. Fast noch positiver ist aber die Tatsache, dass alle freiwilligen Feuerwehren keinerlei Personalsorgen haben und vor allem die Jugendfeuerwehren als Kaderschmiede der Floriansjünger sich großer Beliebtheit erfreuen.

Nur zwei Großbrände suchten den Landkreis im letzten Jahr heim, die keine menschlichen Opfer forderten. Dafür machten die schnell zu bekämpfenden Kleinbrände 88 Prozent aller Einsätze aus. Auch bei den geleisteten Hilfestellungen der Feuerwehren handelte es sich zu 96 Prozent um kleine und kleinste Verrichtungen. Immerhin 41 schwere Fälle mit Verkehrsunfällen, eingeklemmten Personen und anderen Widrigkeiten wurden registriert.

Der Kreisbrandinspektor möchte gern zwei neue Fahrzeuge anschaffen und beantragte Förderungen beim Land Thüringen für ein Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug HLF 10, das der Feuerwehr Wolkramshausen zur Verfügung gestellt werden soll, die auch überörtliche Aufgaben zu erfüllen hat. Kostenpunkt hierfür schlappe 620.000 Euro, die Fördersumme des Freistaats wird davon maximal ein Viertel abdecken. Auch ein Gerätewagen Messtechnik GW-Mess für den Gefahrgutzug des Landkreises Nordhausen, welcher von der Berufsfeuerwehr Nordhausen bedient werden soll, steht auf Kunzes Wunschzettel. Dieses Fahrzeug ist schon für schlanke 300.000 Euro zu haben. Vor drei Jahren kostete es noch die Hälfte, klagte Landrat Jendricke. Nun erweist sich als gut für die Wehren des Kreises, dass schon vor den enormen Preissprüngen aufgrund der Corona- und später der Ukraine-Krise so viele Fahrzeuge im Kreis erneuert werden konnten.

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Schließlich informierte Daniel Kunze über einen Waldbrandeinsatzplan, der alle Möglichkeiten aufzeigt, die dem Landkreis im Ernstfall zur Verfügung stehen. Das erstreckt sich von den Feuerwehrkapzitäten über das Technische Hilfswerk, Luftunterstützung durch Löschflugzeuge bis hin zu Löschwasserentnahmestellen und einsatzbereiten Drohnen.

Davon hat der Landkreis gerade eine neue für 10.000 Euro angeschafft, die zur Überwachung und Lageklärung genau so genutzt werden kann wie zur Suche von Menschen oder Dingen aus der Luft. Sieben Feuerwehrleute wurden dafür extra geschult, denn es bedarf einer Pilotenausbildung und Genehmigungen des Luftfahrtbundesamtes, ein solches Gerät zu steuern. Drei Teammitglieder sind jeweils bei einem Drohneneinsatz mit Steuerung und Beobachtungen gebunden.

Der Aufbau eines Löschwasserfachzuges, der sich um Behälter, Schläuche, Tanks und Transport kümmern soll, wurde nach dem Großbrand in der Bleicheröder Bäckerei ins Leben gerufen und nun Stück für Stück ausgebaut, damit zukünftig niemals Löschwasser an Einsatzorten fehlt.

Einer der beiden Großbrände des letzten Jahres war dieser Dachstuhlbrand in Sollstedt (Foto: Landratsamt) Einer der beiden Großbrände des letzten Jahres war dieser Dachstuhlbrand in Sollstedt (Foto: Landratsamt)


Tobias Mielke, der Fachgebietsleiter Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt Nordhausen übernahm den zweiten Teil der Ausführungen, in dem er mit der Anzahl der geleisteten Rettungseinsätze begann. Zusammengefasst sind mehr Rettungswagen unterwegs als früher und weniger Notarztwagen und Hubschraubereinsätze nötig gewesen. So erfreulich letzteres ist, um so besorgniserregender ist der Anstieg der Rettungswagenfahrten, die sich oftmals als unbegründet herausstellten. Auch Krankentransporte und Facharztfahrten für Patienten finden vermehrt statt und die demografische Entwicklung einer immer älter werdenden Gesellschaft läßt hier für die Zukunft weitere Steigerungen voraussagen. Der sich verschärfende Facharztmangel bewirkt zusätzlich einen Anstieg von Notarzteinsätzen bei Patienten, deren Krankheitssymptome nicht mehr auf den Termin im übernächsten Quartal warten wollen.

Ein standardisiertes Notrufabfragesystem ist im Landkreis als Pilotprojekt an den Start gegangen und zeitigt erste gute Ergebnisse. Durch das vereinheitlichte Fragesystem werden die Hilfskräfte besser auf ihren Einsatz vorbereitet und rechtlich abgesichert. Die Einsatzabfolgen der beteiligten Retter können durch dieses Fragesystem im Vorfeld besser koordiniert werden. An dieses Stelle lobte Mielke seine Mitarbeiter in der Leitstelle, die eine umfangreiche Schulung für diese Standardisierung bei laufendem Betrieb absolvierten. Auch die hohe Bereitschaft der Kollegen in Notsituationen wie bei dem Unfall in Werna, als ein Feuerwehreinsatzfahrzeg verunglückte, einzuspringen und die freie Zeit zu opfern, um den Rettungsbetrieb abzusichern, nötigte dem Fachgebietsleiter großen Respekt ab.

Standort der heutigen Pressekonferenz war einmal mehr die Leitstelle hinter dem Südharz Klinikum, die der Landrat gern gegen einen Standort bei der neuen Feuerwache tauschen möchte; jedoch auch hier sind die bürokratische Hürden der Förderanträge, Fristen und Genehmigungen zu überwinden, so dass Jendricke heute hoffte, mit dem Neubau der Leitstelle im Jahre 2026 beginnen zu können. Hierbei soll es eine enge Abstimmung mit der Stadt Erfurt geben, die ebenfalls eine neue Leitstelle plant und als backup für die Nordhäuser Leitstelle dienen soll, wie umgekehrt die Nordhäuser für die Erfurter in Notfällen parat stehe soll. Dafür werden beide mit der adäquaten Technik ausgerüstet. Ziel ist die gegenseitige Absicherung, was die Fachleute eine Retundanz-Leitstellenvariante nennen. Dieses Projekt ist wie die „Standardisierte Notrufabfrage“ thüringenweit erstmalig.

Wie wichtig es ist, eine gute Rettungs-Leitstelle vor Ort zu haben, bewies nur wenige Stunden nach der Pressekonferenz ein Starkregenereignis, dass die Feuerwehr mit der Kettensäge an Bord ausrücken ließ, um umgestürzte Bäume von der Bundesstraße zu entfernen.

Olaf Schulze

P.S.: In den beiden hier angefügten Dateien aus dem Landratsamt können interessierte Leser die detaillierten Zahlen der Rettungstätigkeiten des Jahres 2024 im Landkreis Nordhausen entnehmen.
Autor: osch

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