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Mi, 14:41 Uhr
12.11.2025
Nordhäuser Steinmetzbetrieb feierte Jubiläum

Einhundert Jahre im Handwerk

Wenn der Mensch Stein auf Stein geschichtet hat, da war der Steinmetz nicht fern. Von der Bedeutung des alten Handwerks zeugen Burgen, Schlösser, Klöster und Kirchen. Heute ist die Profession seltener anzutreffen als ehedem, aber noch wird der Steinmetz gebraucht…

In der Familie Hans aus Nordhausen ist man seit nunmehr einhundert Jahren mit Hammer und Meißel am Werk, 1925 wurde der "Steinmetzbetrieb Otto Hans" in der Wilhelm-Nebelung-Straße gegründet, blieb dort aber nicht lange verhaftet. Mit der Anlage des Hauptfriedhofs am Stresemannring zieht der Großvater Otto seinen Betrieb hierhin um, nach der Gärtnerei das zweite Geschäft am Platz, kann sein Enkel Gerald Hans berichten.

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Er selber hat den Betrieb zu Beginn der neunziger Jahre übernommen und so wie einst Vater und Großvater hat inzwischen auch der eigene Sohn das Handwerk von der Pike auf gelernt und seinen Meister gemacht. In der Stadt steht die Familie inzwischen fast alleine da, wo es einst ein halbes Dutzend Steinmetze gab, sind heute noch zwei bei der Arbeit. Die ist bis heute kein leichtes Geschäft, trotz aller Maschinenkraft, über die man dieser Tage verfügt. „In der Ausbildung muss man noch mit Muskelkraft ran und das Material richtig kennen lernen, muss sich mit der Geologie auseinandersetzen. Jeder Stein ist ein bisschen anders. Und man braucht auch eine kreative Ader, muss auch ein Stück weit Bildhauer sein“, erzählt Steinmetzmeister Hans.

Die Steinmetz-Familie Hans geht seit einhundert Jahren mit Hammer und Meißel zu Werke (Foto: agl) Die Steinmetz-Familie Hans geht seit einhundert Jahren mit Hammer und Meißel zu Werke (Foto: agl)

Filigrane Blumenmuster, Ranken, Laubwerk oder Sternenhimmel, sanfte Schwünge, klare Kanten, Inschriften, feinste Ornamentik und inzwischen sogar eingearbeitete Fotografien gehören genauso zum Alltag, wie das herumwuchten riesiger Steinquadrate in der Werkstatt und der grobe Zuschnitt von Bänken, Säulen, Treppenanlagen, Arbeitsplatten und natürlich Grabsteinen.

Die Zierde für die letzte Ruhestätte ist das Hauptgeschäft der Familie, das nötige Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Hinterbliebenen bringt Martina Hans mit. „Man braucht schon Einfühlungsvermögen und sucht nach Gemeinsamkeiten. Was hätte dem Verstorbenen gefallen, was stellen sich die Hinterbliebenen vor, welcher Stein ist der richtige - man hat ein paar Fragen zu klären und es ist schön zu sehen, wenn sich die Leute nach und nach öffnen“, sagt die Dame des Hauses. Wie überall gibt es auch in der Grabgestaltung Trends, über die letzten Jahre habe sich etwa gezeigt, dass die Generation der Friedhofsgänger abnimmt, Familien leben oft weit voneinander entfernt und nicht immer ist jemand vor Ort, der sich um die Ruhestätten kümmern könnte. Entsprechend einfacher und pflegeleichter fallen die gewünschten Grabsteine häufig aus, erzählt Martina Hans.

Florian Hans mit schwerem Gerät in der Werkstatt (Foto: agl) Florian Hans mit schwerem Gerät in der Werkstatt (Foto: agl) Fünf Mitarbeiter zählt der Steinmetzbetrieb heute, darunter Vater, Mutter und Sohn Florian sowie ihr Geselle Eric Höpfner. Auf dem Werkshof präsentieren Vater und Sohn ihr Werk, grauer Himmel und Nieselregen stören nicht, weder den Stein noch den Handwerker, man ist bei Wind und Wetter zu Gange. Florian Hans ist zwischen Granit und Marmor groß geworden, die Entscheidung die Tradition hoch zu halten fiel schon in der frühen Jugend, erzählt der jüngste Meister der Familie. Sein Gesellenstück - eine elegante Steinbank - ist zu einhundert Prozent in Handarbeit entstanden, kein Strom, keine Maschinen, nur Hämmer und Meißel aller Art. „Der Stein ist zäh und man muss wissen, wie und wo man ihn anpackt. Das braucht Geduld und Zeit. Was am Ende übrig bleibt, das hat Bestand, nichts ist so nachhaltig wie Naturstein.“, erzählt Florian Hans, auch das mache einen Teil der Faszination aus.

Der Vater ist inzwischen selber 40 Jahre im Geschäft, dass es den Steinmetzbetrieb Otto Hans nach einhundert Jahren noch gibt, wo andere lange aufgegeben haben, das sei vor allem auch sein Verdienst, erzählt seine Ehefrau, „nur hören tut er das nicht gern, dafür ist er zu bescheiden“. Mit der nächsten Generation im Rücken kann der Traditionsbetrieb mit Ruhe in die Zukunft blicken, Arbeit für die alten Steinmetze wird es auch noch in den nächsten einhundert Jahren geben.
Angelo Glashagel
Der Steinmetzbetrieb Otto Hans am Stresemannring feierte dieses Jahr seinen 100. Geburtstag (Foto: agl)
Der Steinmetzbetrieb Otto Hans am Stresemannring feierte dieses Jahr seinen 100. Geburtstag (Foto: agl)
Der Steinmetzbetrieb Otto Hans am Stresemannring feierte dieses Jahr seinen 100. Geburtstag (Foto: agl)
Der Steinmetzbetrieb Otto Hans am Stresemannring feierte dieses Jahr seinen 100. Geburtstag (Foto: agl)
Autor: red

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