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Sa, 08:00 Uhr
29.11.2025
Meine Meinung:

Fahrschule ohne Fahren?

Die geplante Reform der Fahrschulausbildung des Bundesverkehrsministers soll Kosten sparen, sie begünstigt aber einige Fahranfänger als tickende Zeitbomben auf unseren Straßen, meint nnz-Kolumnist Bodo Schwarzberg...

Fahrschule (Symbolbild) (Foto: Markus Spiske auf Pixabay) Fahrschule (Symbolbild) (Foto: Markus Spiske auf Pixabay)
Kennen Sie den Riebeckplatz in Halle? Er hieß in der DDR Thälmann-Platz und galt als verkehrsreichster Platz meines Geburtslandes. Heute ist er das zumindest noch in Mitteldeutschland.

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Als ich in Halle 1994 die Fahrschule besuchte, hatte ich große Angst davor, dass mein damaliger Fahrlehrer den Riebeckplatz in eine unserer Trainingsrouten einbauen würde. Immerhin treffen sich dort die B91, die B6 und die B80. Bis zu 80.000 Kraftfahrzeuge passieren ihn heute laut Wikipedia täglich, hinzu kommen pro Stunde noch 52 Straßenbahnzüge.

Der Platz unweit des Hauptbahnhofs Halle ist heute durch eine wirklich gelungene Ampelregelung als Unfallschwerpunkt weitestgehend entschärft. Zuvor soll es dort täglich mindestens einen Crash gegeben haben. Dennoch: Unverstellbar, da realitätsfern wäre es, den Riebeckplatz als Fahrschüler allein an einem Monitor kennen- und achten zu lernen.

Denn noch immer gibt es dort viele Fahrspuren, die gewechselt werden, wo Schulterblick, Umsicht, Reaktionsschnelligkeit und Rücksichtnahme unabdingbar sind. Das sind Verhaltensweisen, die dem Autofahrer eine auch noch so ausgeklügelte Ampelschaltung nicht abnehmen kann. - Und die Ampeln könnten ja auch mal ausfallen? – Was dann?

All dies digital zu üben, sieht aber die von Bundesverkehrsminister Schnieder (CDU) geplante Reform der Fahrschulausbildung vor. Sonderfahrten, wie zum Beispiel Nachtfahrten sollen reduziert und die Dauer der praktischen Fahrprüfung statt bisher 55 Minuten nur noch 25 Minuten betragen.

Auch die Pflicht zum Präsenzunterricht soll demnach entfallen. „Wurde das Hirn nicht eingeschaltet“, titelte die tz aus München mit der Aussage eines oberbayerischen Fahrlehrers zur Initiative des Verkehrsministers. Und, es werde „Geld gegen Leben“ aufgewogen.

In der Tat ist es ja so, dass der Anteil junger Fahrer an schweren Unfällen besonders hoch ist: KI belehrt uns, dass 18- bis 24-Jährige „überproportional stark“ in tödliche Verkehrsunfälle involviert sind. Immer wieder machen vor allem junge Fahrer durch laut Strafgesetzbuch (§ 315 d Strafgesetzbuch) verbotene Kraftfahrzeugrennen mit hochmotorisierten Autos und horrenden Überschreitungen der jeweils geltenden Höchstgeschwindigkeit Schlagzeilen.

Schon mehrere junge Fahrer wurden wegen Mordes verurteilt, weil sie den Tod anderer Verkehrsteilnehmer durch ihre Raserei verursacht bzw. billigend in Kauf genommen haben.

Die „Ku’damm-Raser“, die 2016 beim Überrasen einer Rot zeigenden Ampel mit 160 km/h den ahnungslosen Fahrer eines Geländewagens töteten, führten damals zu einem Umdenken in der Rechtsprechung.

Vor diesem Hintergrund ist es wohl im Interesse der ganzen Gesellschaft, dass Digitalisierung und der Wunsch nach einem billigeren Führerschein nicht den gesunden Menschenverstand verdrängen: Erst in der realen Verkehrssituation erlebe man verschiedene Verkehrssituationen oder Konflikte, meinte ein Fahrlehrer laut tz.

Wie recht er hat: Das Kurven- und Bremsverhalten eines Autos bei Glätte, fast leer oder mit fünf Personen besetzt, das, und viel mehr, kann man nicht am heimischen Schreibtisch lernen und erfahren.

Ob man als Fahrlehrerin oder Fahrlehrer während der Fahrschulausbildung natürlich künftige Raser verhindern kann, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Denn hierbei spielen auch psychische Besonderheiten und Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle, die den Ausbildenden vermutlich meist verborgen bleiben. Aber von Mensch zu Mensch sind die Einfluss- und Warnmöglichkeit gewiss größer, da unmittelbarer, als über eine PC-App.

Der Bundesverkehrsminister könnte aber anderes tun:

Er könnte, statt an Gesetzen zur Fahrschulvereinfachung an Regelungen arbeiten, die die Nutzung von hochmotorisierten Boliden durch Fahranfänger mit 300, 400 oder 500 PS unmöglich machen, und, wie dies in Österreich Gesetz ist, ein Fahrzeug bei massiver Geschwindigkeitsüberschreitung ersatzlos einziehen. Im Interesse der jeweiligen Fahrer, ihrer Insassen und aller anderen Verkehrsteilnehmer. Oder er könnte die Kontrolldichte wesentlich erhöhen und sich an den drakonischen Strafen für Raser in der Schweiz orientieren: Wer dort beispielsweise in einer 30er Zone 70 km/h fährt, muss für ein Jahr in Haft, der Führerschein wird für mindestens zwei Jahre eingezogen und das Fahrzeug auf nimmer Wiedersehen verwertet.

Noch einmal zurück zum halleschen Riebeckplatz des Jahres 1994: Mein Fahrlehrer traute sich, und er folgte meiner bangen Bitte, mich über den Platz fahren zu lassen. Wir kamen heil drüber. Die dabei gewonnene Erfahrung hilft mir bis heute.
Bodo Schwarzberg
Autor: psg

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Kommentare
KlausMüller1960
29.11.2025, 09:44 Uhr
Fahrschul Abzocker...
Es wird Zeit der der Abzocke bei Fahrschulen ein Ende zu setzen.
Der durchschnittliche Preis von 120€ (und mehr) für eine Doppelstunde (90min.) ist in keinster Weise gerechtfertigt (auch nicht mit Lohn- und Kraftstoffkosten)
Ich werfe den Fahrschulen Profitgier vor.
Wenn ich dann noch sehe das es Fahrschulen gibt bei denen die Fahrschüler ihre Fahrstunden mit Bargeld bezahlen müssen und eine handgeschriebene Quittung bekommen weil eine Kartenzahlung nicht möglich ist und man eine Registrierkasse vergebens sucht,dann weiß ich nicht was ich davon halten soll. Welcher Jugendliche kann heutzutage aus eigener Kraft 3500€ für eine Fahrerlaubnis aufbringen?
Simulatoren funktionieren schon lange....zum Beispiel beim Militär oder bei der Luftfahrt.
Jürgen W.
29.11.2025, 11:42 Uhr
100 Prozent Zustimmung
Meine Fahrschule war 1960. Der scherzhafte Spruch meines Fahrlehrers lautete: Fußgänger und Radfahrer müssen umme jenietet werden. Ansonsten war der Mann Spitze. Bis heute bei der NVA, für den Job und privat etwa 2,2 Mio km gefahren, nach 1990 auch viel im Ausland = keinen selbstverschuldeten Unfall, keine Punkte in Flensburg und Strafen für Bagatellverstöße insgesamt unter 150 €.
Trotzdem musste ich 2 Totalschäden mit zum Teil erheblichen Verletzungen erdulden und weiß daher "aus erster Hand", wie es sich anfühlt, wenn jemand in einer Kurve überholt oder das Rotlicht missachtet.
Aber: In der DDR gabs in den größeren Betrieben regelmäßig Verkehrsteilnehmerschulungen, die die meisten Kollegen auch regelmäßig besuchten. Dafür gab es einheitliche Teilnehmerkarten mit Einträgen für die Teilnahme. Da hat dann der Bulle (werktags sagte ich natürlich "liebe Genosse der Verkehrpolizei") auch mal ein Auge zugedrückt, wenn er es verantworten konnte.
Diese Geschichten habe ich hier nicht erzählt, um anzugeben, sondern um zu zeigen, es geht auch heute noch mit Einhaltung aller Verkehrsregeln. Zugegeben gibt es heute mehr Chefs als damals, die auf Termine drücken. Es gibt auch weit mehr Versuchungen, die Straßenverkehrsordnung zu missachten. Gegen Beides müßte gesetzlich entschiedener vorgegangen werden.
Alkohol und Drogen am Steuer mit 10 Jahren Führerscheinentzug, Raserei (private Rennen) mit 15 Jahren zu bestrafen, halte ich durchaus für angemessen.
Den Riebeck-Platz habe ich manchmal 2 x die Woche befahren müssen und ihn nie als besonders gefährlich wahrgenommen. Mein Schreckensplatz war der Bersarin-Platz in Berlin, als er noch so "lecker" geflastert war.
DonaldT
29.11.2025, 14:40 Uhr
Nutzung von hochmotorisierten Boliden durch Fahranfänger untersagen
Das traut sich Dobrindt nicht, wie auch das ersatzlose Einziehen von fahrzeugen.

Denn wer fährt denn die "Boliden"?
P.Burkhardt
29.11.2025, 16:25 Uhr
vielleicht wäre eine Kombination sinnvoll:
Bereits heute setzen manche Fahrschulen Simulatoren ein. Ich finde das durchaus sinnvoll, da auf diese Weise Fahranfänger gefährliche Situationen vorab wenigstens schon mal virtuell erlebt haben... Im wahren Leben sind sie dann wenigstens etwas vorbereitet.

Ganz auf die Fahrstunden zu verzichten, halte ich für falsch. Auch ist es sehr individuell: Mancher Fahrschüler braucht eben länger als andere, braucht mehr Fahrpraxis als Andere.

Der Einsatz von Simulatoren könnte die Fahrschulkosten reduzieren aber die Fahrpraxis niemals ersetzen. Am Ende entscheidet der Fahrlehrer, ob sein Schützling bereit ist für die Straße und ob er zusätzliche Fahrstunden braucht oder nicht - schließlich können Fahrlehrer für grobe Ausbildungsfehler auch noch nach der Ausbildung und bestandener Führerscheinprüfung haftbar gemacht werden (wie auch immer das in der realen Welt funktioniert).

Was die PS-Begrenzung für Fahranfänger angeht... Steht bei mir zusammen mit der allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen ganz oben auf meiner Wunschliste !
Bodo Schwarzberg
29.11.2025, 20:17 Uhr
Fahrschule: Dank den Kommentatoren...
...für Ihre differenzierten Sichtweisen auf das Thema. Ihre Kommentare geben die bestehenden Probleme wieder: a: die Fahrschule ist teuer und sie wird immer teurer, und b: wir alle haben einen Anspruch auf Sicherheit im Straßenverkehr - auch durch die anderen Verkehrsteilnehmer. Wie das zu erreichen ist? Die Praxis muss bleiben, so schreiben Sie überwiegend, ich sehe das auch so, und auch sind härtere Strafen offenbar nicht unerwünscht.- Ich sehe das so: Niemand hat das Recht, Leben und Gesundheit anderer zu gefährden. Und was ein Kraftfahrzeug ist, ob Mordwerkzeug oder Transportmittel, entscheidet allein der Mann oder die Frau am Steuer. Und da sollte angesetzt werden. Da gibt es Spielraum. Und der Gesetzgeber sollte hir noch mehr tun.
P.Burkhardt
29.11.2025, 21:27 Uhr
vielleicht sollte ich kurz erklären:
Es gibt viele, sehr viele Fahrer, die auf der Autobahn nicht schneller als 130 fahren. Das führt dazu, dass eben diese Fahrer auch auf der linken Spur nicht schneller fahren, wenn sie einen LKW überholen.... auch die mittlerweile kanpp 2 Mio. Elektroautos sind im Normalfall selten schneller unterwegs... Der 200+ km/h-BMW, der dann von hinten angesegelt kommt, muss bremsen, ggf. drängeln und der ihn verfolgende GTi ebenso... Sowohl der BMW, als auch der GTi sind noch nicht in der Realität angekommen, provozieren Unfälle, knallen unnütz CO2 in die Atmosphäre... nur um etwas zu haben, was sie Spaß nennen... Tatsächlich kommen sie nicht schneller ans Ziel, als der 130 km/h-fahrende Dacia...oder eben E-Auto. Leute - ja, es macht Spaß schnell zu fahren (ich kenne das selbst und kann es nachvollziehen)... aber es macht auf der BAB einfach keinen Sinn ! für 600 km Autobahn braucht man tagsüber 6 Stunden (+/-30 Minuten), egal wie viele PS unterm Hintern kleben... Manche sehen die BAB als Spielfeld, auf dem sie glauben beweisen zu müssen, dass sie (oder ihr fahrbarer Untersatz) potenter sind als der vermeintliche Gegner (also alle anderen, die auch nur irgendwo hin wollen) ...blödsinnig ! Was soll sowas ... Jedes Auto fährt mittlerweile mehr als 200 km/h... es ist keine Kunst, den rechtenFuß nach unten zu drücken... das kann jeder !

Ich überlege gerade....vielleicht sind die Simulatoren in der Fahrschule ja der Gegenentwurf zu "Need-for-Speed" auf dem PC oder der Playstation... ist doch nicht schlecht, wenn die Fahrschüler dort mal sehen, dass die Karre eben nach einem Unfall nicht mehr Spiderbait (wunderbares "Black-Betty"-Cover aus NFS Underground2) -untermalt weiter fährt...
diskobolos
29.11.2025, 23:00 Uhr
Die Sache mit dem "Schulterblick" . . .
hat mich vor kurzem in einem Krimi erstaunt: Die Polizistin auf dem Beifahrersitz bemängelte gegenüber ihrem fahrenden Kollegen, dass er beim Spurwechsel diesen nicht gemacht hätte.
HÄH? Beim Anfahren sicherlich, aber auch dabei genügt i. d. R. ein Bick in gut eingestellte Rückspiegel. Aber ein Schulterblick während der Fahrt?
emmerssen
30.11.2025, 10:06 Uhr
Vielleicht
Wäre eine Differenzierung wie bei den Motorradfahrern eine Lösung. Junge Menschen erstmal mit einer Sperre bis Autos von maximal 150 PS belegen, die dann mit 25 Jahren aufgehoben wird. Hier sollte dann aber keine neue Prüfung neue Kosten entstehen lassen. Die Abzock bei den Fahrstunden durch Simulation entschärfen? Vielleicht eine Alternative. Am Ende entscheidet die Prüfung ob tauglich oder nicht.
diskobolos
30.11.2025, 14:49 Uhr
Abzocke?
Immer wieder stellt man fest, dass es Irrtümer über das Wesen einer Marktwirtschaft gibt.

Dabei ist das doch einfach: Ein Anbieter bietet ein Produkt oder eine Leistung (ein Auto, das Mieten einer Wohnung, eine Fahrschulausbildung) zu einem Preis an. Der Kunde kann den Vertrag abschließen, versuchen den Preis herunterzuhandeln oder zu einem anderen Anbieter zu gehen. Nur im ersten Fall wird der Angebots- zum Kaufpreis.

Klar ist, dass der Anbieter einen möglichst hohen Preis erzielen möchte und der Kunde einen möglichst niedrigen zahlen möchte. Wer von beiden „gierig“ ist, ergibt sich daraus erstmal nicht. letztlich geht es beiden Seiten um Geld.
Jedenfalls ist der Anbieter nicht verpflichtet, einen niedrigen Preis zu bieten und der Kunde nicht einen hohen Preis zu akzeptieren.

Im Sozialismus galten andere Prinzipien. Die haben sich anscheinend auch nicht bewährt, ebenso Mischformen zwischen beiden Systemen. Der Grund dafür ist, dass der Markt eine wichtige Steuerfunktion hat, auf die man nicht verzichten kann.

Im konkreten Fall kann man ja gern die Meinung vertreten, dass 3500 € zu viel für eine Fahrschulausbildung sind. Aber wenn man keinen Anbieter für 3300 € findet, muss es doch Gründe dafür geben. Sonst fände der teurere Anbieter einfach zu wenig Fahrschüler.
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