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Sa, 09:04 Uhr
31.01.2026
Keine Jagd auf Kormorane

NABU fordert stärkeren Fischartenschutz

Fischartenschutz ist ein heikles und wichtiges Thema, auch in Thüringen. Von den 41 einheimischen Fischarten werden 20 in der Roten Liste Thüringens in unterschiedlichen Gefährdungskategorien eingestuft...

Archivbild: Kormorane am Teich im Stadtpark.  (Foto: emw) Archivbild: Kormorane am Teich im Stadtpark. (Foto: emw)
So gelten zum Beispiel Bitterling, Europäischer Aal, Nase, Quappe, Schlammpeitzger und Zährte als vom Aussterben bedroht. „Die Gründe für den Rückgang der einheimischen Fischarten sind vielfältig“, sagt Marcus Orlamünder, der Naturschutzreferent des NABU Thüringen. „Unsere Gewässerökosysteme sind unterschiedlichsten Bedrohungen ausgesetzt, die im Wesentlichen menschengemacht sind.

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In oft begradigten, verbauten Flüssen und Bächen ohne ausreichend Rückzugsmöglichkeiten finden Fische kaum Lebensräume. Verschmutzungen durch Landwirtschaft, Industrie und Haushalte sowie die Strukturarmut der Gewässer sind Faktoren, welche die Lebensbedingungen der Tiere unter Wasser verschlechtern.“

Die wahren Gründe für den Rückgang bei den Fischarten angehen
Laut NABU Thüringen sind etwa 80 Prozent der Gewässer in Thüringen in keinem guten Zustand. Ein wesentlicher Grund hierfür sind die Defizite bei der Gewässerstruktur. Es fehlt an Raum, damit sich Flüsse und Bäche wieder frei entfalten können und an ausreichend breiten Gewässerrandstreifen. Dies würde auch den heimischen Fischarten helfen.

„In Thüringen wird zwar punktuell etwas dafür getan, um die Defizite bei der Gewässerstruktur zu verbessern, allerdings geschieht dies zu langsam und zu wenig“, bemängelt Orlamünder. „Wenn Thüringen den Rückgang der heimischen Fischarten wirklich stoppen möchte, braucht es ein zielgerichtetes Vorgehen mit strategischem Plan für den ganzen Freistaat und ganze Gewässersysteme.“

Der NABU Thüringen fordert deshalb die Landesregierung auf, den im Koalitionsvertrag vereinbarten Aktionsplan zur Belebung von Bach- und Flussauen umzusetzen. Bis jetzt hat Thüringens Umweltminister Tilo Kummer noch nichts dazu unternommen, einen solchen Aktionsplan anzugehen und auch wirklich in die Tat umzusetzen. Mit dem Aktionsplan würde das Land nicht nur die heimischen Fischarten schützen, sondern auch zentrale Lebensgrundlagen der Menschen, wie sauberes Trinkwasser, die Nahrungsmittelproduktion und den Klimaschutz, wofür eigentlich ausreichend finanzielle Mittel vorhanden sein sollten.“

Der Ausweitung der Jagd auf Kormorane, wie sie der Umweltminister geplant hat, erteilt der NABU Thüringen eine klare Absage. Wer Kormorane jagt, um damit heimische Fischbestände schützen zu wollen, will die ökologischen Zusammenhänge nicht verstehen. Die jahrelange Jagd von etwa 1.000 Kormoranen pro Jahr hat weder dazu geführt, dass sich der Kormoranbestand verändert, noch dass diese Maßnahme erkennbare Auswirkungen auf die Ausgleichszahlungen für angegebene fischereiwirtschaftliche Schäden hat. Zudem darf man nicht vergessen, dass sich Räuber- und Beutebestände gegenseitig regulieren – nimmt das Nahrungsangebot ab, reduziert sich zwangsläufig auch der Bestand der Räuber.

„Kormorane und heimische Fischbestände können gut nebeneinander existieren, wenn unsere Gewässer wieder naturnäher werden. Fische haben dann wieder genügend Raum, um sich zu reproduzieren, finden Flucht- und Versteckmöglichkeiten in unterschiedlichsten Strukturen. Die wirklichen Ursachen für den Rückgang der heimischen Fischbestände sind vielfältig und können nicht mit der Waffe gelöst werden, sondern mit Sachverstand, planmäßigem Vorgehen und wirklichem Einsatz für die gesamten Gewässerökosysteme“, sagt Marcus Oralmünder.
Autor: red

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Kommentare
HisMastersVoise
31.01.2026, 22:46 Uhr
Die Geister, die sie riefen !
Wie ignorant und realitätsfern muss man denn sein, um solche Thesen in den Raum zu stellen. Der Kormoranbestand hat sich dank dogmatischer und realitätsverweigernder Schutzmaßnahmen europaweit zu einer ökologischen Katastrophe entwickelt. Natürlich kann man die Videos aus Stralsund und Brandenburg von der Havel mit gigantischen Kormoranschwärmen ignorieren. Natürlich kann man ignorieren, dass inzwischen der Schwarm so groß ist, dass Exemplare wegen Futterknappheit einfach sterben. Natürlich kann man die Brutinseln im Greifswalder Bodden mit abertausenden an Brutpaaren ignorieren. Doch dass ist die Realität. Um in den Südharz zurückzukehren sollten wir einmal rechnen. Wenn wir eintausend Kormorane hier ernähren wollen, benötigen diese Vögel jeden Tag eine dreiviertel Tonne an Fisch. Das sind 270 Tonnen !!! Fisch pro Jahr. Man sollte von Seiten des NABU zumindest rechnen können, um diese Zahlen als faktisch unmöglich für die heimischen Gewässer zu erkennen. Anstatt nun aber die eigene jahrelange völlig verfehlte Schutzpolitik für den Kormoran zuzugeben, sollen nun die Gewässer als als All-can Eat Buffets für noch mehr Kormorane gebaut werden. Das ist Wahnsinn und sollte berechtigte Zweifel an der fachlichen Kompetenz des Verfassers hegen. Anstatt das eigene Versagen zuzugeben, sind unsere Gewässer schuld daran, dass die Kormorane zu wenig zu fressen haben. So weit man hört, hat der Angelverein Nordhausen die Schäden der letzten Kormoraninvasion mit sehr viel Geld und Engagement reduzieren können. Und nun steht er vor den Trümmern der Kormoraninvasion 2026. Anstatt dem Schwarm noch mehr Futter in den Hals zu schleudern, müssen endlich die Kormoranschwärme auf ein Maß gebracht werden, das ein Überleben der heimischen Fischarten ermöglicht. Die Gewässer sind nicht das Problem. Es ist ein völlig außer Kontrolle geratener Bestand an Kormoranen in Europa, welcher noch dazu vor 200 Jahren aus China eingeschleppt worden ist. Hier ist es höchste Zeit, dieser Naturkatastrophe Herr zu werden und nicht mit kruden Thesen das eigene Versagen zu vertuschen. Wir brauchen den Schutz unserer Biotope und nicht den Schutz von einzelnen Lieblingen !!
HisMastersVoise
31.01.2026, 23:00 Uhr
PS
Der Verfasser ist herzlich eigeladen, sich das Gemetzel an den Flüssen unserer Heimat anzusehen, welches gerade durch die Kormorane veranstaltet wird. Und das sind nur fünfzig Vögel. Gnade uns Gott, wenn der ganze Schwarm kommt !!!
Fönix
01.02.2026, 01:15 Uhr
@HMV
Mit einer solchen einseitigen Schwarz-Weiß-Malerei wäre ich vorsichtig. Auch wenn ich, z.B. im Zusammenhang mit der einseitigen Förderung der Vogelwelt auch und gerade in unserer Region (ich denke da beispielsweise an die vielen verpulverten Millionen für den Kranichzoo am Stausee Kelbra!), viele Argumente und Aktivitäten des NABU nicht teilen bzw. gutheißen kann, aber in Bezug auf die Defizite in der Gewässerstrukturgüte und deren nachteiligen Auswirkungen auf die aquatische und amphibische Fauna und Flora haben sie auf jeden Fall einen Punkt.

Ich kann deshalb (trotz aller persönlichen Vorbehalte!) nur empfehlen, zu diesem Thema eine Zusammenarbeit mit dem NABU anzustreben. Es wäre, wenn es richtig angefasst wird, eine klassische winwin-Situation, nicht nur für alle beteiligten zweibeinigen Akteure und ihre z.T. sehr spezifischen Interessen, sondern vor allem auch für unsere Flusslandschaften und ihre Bewohner!
HisMastersVoise
01.02.2026, 15:22 Uhr
Paradoxon !
Wenn man sich mit den Anglern unterhält und auch bei der Naturschutzbehörde nachfragt, sind unsere Gewässer so natürlich und so sauber im Südharz wie seit Menschengedenken nicht mehr. Der Wanderer kann aus der Zorge und der Beere trinken, so gut haben die Renaturierungs-und Schutzmaßnahmen gewirkt. Daher sind die Gewässer nicht das Problem. Die Angler bauen die am meisten bedrohten Fischbestände durch kostspieligste und umfangreiche Besatzmaßnahmen jedes Jahr erneut auf. Doch der Fraßdruck von Kormoran und Fischotter und Reiher und Mink und Gänsesäger und Schwarzstorch ist inzwischen so groß, daß unsere heimischsten aller Fischarten wie Bachforelle und Äsche vor dem Aussterben stehen. Es sind nicht mehr Angler geworden. Es sind saubere Gewässer geworden. Aber es sind einfach zu viele Fischräuberbestände ausser Kontrolle geraten und fressen sich durch unsere Biotope. Recht hat der Verfasser mit den menschgemachten Problemen. Erst durch den Kormoranschutz ist der Bestand eskaliert. Erst durch den Menschen ist der chinesische Kormoran eigeschleppt worden. Erst durch die Ignoranz und eine völlig verfehlte Artenschutzpolitik der Naturschutzverbände sind unsere Biotope in Gefahr geraten. Da ist noch gar nicht von der Influencerbrigade der zehntausenden von Kranichen in Kelbra oder den hunderten von Nilgänsen, welche unsere heimischen Wildenten und Wildgänse verdrängen, gesprochen worden. Vor zwanzig Jahren gab es diese Probleme nicht. Was also hat sich geändert ausser der Einflussnahme von NABU und BUND in der Betreuung der Biotope. Finde den Fehler !!! Ich würde mich nicht wundern, wenn der Autor ganz spontan ganz einfach aus Zufall schon einen Kollegen in Petto hätte, welcher auf Kosten von uns allen das Biotopmanagement hier im Südharz im Hauptberuf übernehmen könnte. Beauftragte für Biber und Luchs und Wolf und Kranich gibt es sogar schon. Soweit man auf den Internetseiten lesen kann, ist der Angelverein Nordhausen der einzige Verein, der die Biotope in Gesamtheit als eingetragener Naturschutzverein schützt. Vielleicht sollte da mal gefragt werden, denn die scheinen die Gewässer schon Jahrzehnte zu kennen!!
Fönix
02.02.2026, 00:38 Uhr
Ein wenig sortieren und auch korrigieren
muss ich hier schon, so sehr ich ihr Engagement für unsere Fließgewässer auch schätze. Zwischen Wasserqualität und Gewässerstrukturgüte gibt es zwar durchaus einen Zusammenhang, aber es sind letztendlich zwei sehr unterschiedliche Kategorien.

Die Wasserqualität wird in erster Linie von chemischen und physikalischen Parametern bestimmt. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen kann ich nicht empfehlen, Wasser aus der Zorge oder der Helme zu trinken. Bei der Bere oberhalb Ilfeld mag es besser aussehen, aber vorsichtig wäre ich auch hier. Für alle anderen Abschnitte liegt allein schon durch die Präsenz von intensiv bewirtschafteten Ackerflächen in den Talauen der Verdacht nahe, dass das Flusswasser nicht so sauber ist wie es auf den ersten Blick den Anschein hat. Nicht nur nitrophile Brennesselsäume an vielen Uferböschungen weisen auf erhebliche Schadstoffbelastungen und Nährstoffüberfrachtungen hin. Und wenn sie mal die Zorgeaue im Sommer bei Niedrigwasser (mit oder ohne Fliegenrute) unmittelbar am oder auch im Gewässerbett mit aufmerksamen Augen im gesamten Bereich des Stadtgebietes NDH (so etwa Höhe Möbelboss bis nach Krimderode) stromauf durchwandert haben, werden sie auch ohne Laboranalyse freiwillig auf eine Kostprobe verzichten und zur Mineralwasserflasche greifen...
Übrigens gibt es auch ein biologisches Verfahren. Die Ermittlung des Saprobienindex ist durchaus spannend und aufschlussreich. Es gibt unter den wasserlebenden Wirbellosen bestimmte Zeigerarten, die Rückschlüsse auf die Wasserqualität zulassen. Bachflohkrebse zeigen z B. eine ganz gute Wasserqualität. Findet man dagegen winzige feingliedrige rote Würmchen (Tubifex spec.), wird die Sache schon kritisch... Als Laie ohne fundierte Sachkenntnis steht man allerdings auf verlorenem Posten.
Um nicht missverstanden zu werden:
Natürlich ist in den letzten 30 Jahren die Wasserqualität unserer Fließgewässer deutlich besser geworden, keine Frage. Aber von Quellwasserqualität sind wir noch ein ganzes Stück entfernt, zumal das Selbstreinigungsvermögen unserer Fließgewässer noch erhebliche Defizite aufweist. Was wiederum auch mit der Gewässerstrukturgüte zusammenhängt...
Fönix
02.02.2026, 00:52 Uhr
Die Gewässerstrukturgüte beschreibt den morphologischen Zustand
unserer kleinen und mittelgroßen Fließgewässer in den vorgegeben Hauptparametern Laufentwicklung, Längsprofil, Querprofil, Sohlenstruktur, Uferstruktur und Gewässerumfeld. In jeder dieser Kategorien gibt es mehrere Einzelparameter, deren Ausprägungen in den Teilabschnitten des Gewässers nach einem vorgegebenen System bewertet und für die untersuchte Gewässerstrecke zusammengefasst und ausgewertet werden. Dafür gibt es mehrere Verfahren. Wer sich dazu genauer informieren möchte, kann das bei der LAWA nachlesen.
Wie sieht das nun bei uns im Südharz aus? Die Helme ist in weiten Teilen begradigt und mehr oder weniger im Regelprofil (Trapezform) ausgebaut. Die Zorge ab NDH sieht ganz ähnlich aus, ebenso die Wipper ab Bleicherode. Dieser Ausbau hat gravierende nachteilige Folgen, die erhöhte Fließgeschwindigkeit (führt u a. zu verstärkter Tiefenerosion und einer erheblich gestörten Geschiebeakkumulation) und massive Probleme im Hochwasserfall sind nur zwei von vielen. Grundsätzlich ergeben sich auf begradigten ausgebauten Gewässerabschnitten immer (!) erhebliche strukturelle Defizite, was z.B. auch bedeutet, dass u.a. den Fischen und insbesondere auch der Fischbrut schützende Unterstände fehlen. In einem derart strukturarmen Gewässer werden die Fische ihren Jägern (egal ob sie Federn, Fell oder Flossen tragen!) quasi auf dem Präsentierteller serviert. Das ist dann in etwa so, als würde ich in einen nackten Folienteich 20 Goldfische und drei mittelgroße Hechte einsetzen ...
Wie halbwegs naturbelassene Fließgewässer aussehen müssten, kann man beispielsweise im oberen Helbetal (oberhalb Ebeleben) sehen. Hier darf auch mal eine Erle in's Bachbett fallen und liegenbleiben. Wirklich natürliche Gewässerläufe in urbanen Bereichen sind in Mitteleuropa selten, ein Beispiel wäre der Tagliamento in Oberitalien, wo man tatsächlich noch anastomisierende Abschnitte finden kann. Auch in Frankreich gibt es durchaus gute Beispiele.
Im Detail sind die Zusammenhänge natürlich noch viel komplexer, aber dafür fehlen mir hier Raum und Zeit.

Nur soviel noch:
Diese Defizite wieder zu korrigieren ist eine Herkulesaufgabe. Erste zarte Ansätze gibt es, größere Lösungen scheitern an der Flächenverfügbarkeit ...
Fönix
02.02.2026, 12:28 Uhr
Noch ein paar Worte zu den Fischen
und den Anglern (bin übrigens sei 60 Jahren selber einer!):

Die Angler sind nahezu die einzigen Protagonisten, die sich kompetent für das Wohlergehen der Fische engagieren. Allerdings stehen sie in vielerlei Hinsicht auf verlorenem Posten, denn sie können nur die Symptome des Problems bekämpfen, nicht deren Ursachen. Bleiben wir vorrangig bei den genannten Bachforellen und Äschen, auch wenn ich z.B. in der Zorge schon in den 90-iger Jahren die strengenommen zu den Rundmäulern zählenden Flussneunaugen oberhalb der Ortslage NDH beim Paarungsritual beobachten konnte und eigentlich auch viele Kleinfische in der Helme wie Gründling und Schlammpeitzker unbedingt Beachtung verdienen.

Für Bachforellen ist die Wassertemperatur ein entscheidender limitierender Faktor. Über 20 Grad erreicht der Sauerstoffgehalt auch bei optimaler Durchlüftung des Wasserkörpers kritische Bereiche, die Forellen werden inaktiv oder wandern wenn möglich ab und werden so mittelfristig von wärmetoleranteren Arten verdrängt. Besonders betroffen sind Gewässerstrecken, wo durch die fehlende Gehölzbestockung die Sonne das Wasser übermäßig erwärmt. Kleinere (Schiedunger Teich) und größere (Stausee Kelbra) "Vorwärmbecken" verstärken dieses Problem noch einmal nachhaltig.
Für die natürliche Reproduktion (entscheidend für den Erhalt authochthoner Bestände, was mit Besatzmaßnahmen praktisch kaum zu erreichen ist) ist dieses Problem nicht ganz so relevant, Bachforellen steigen für die Fortpflanzung in geeignete kleine und kleinste Nebengewässer auf, die im Südharz durchaus noch vorhanden sind.
Fönix
02.02.2026, 12:32 Uhr
Bei der Äsche dagegen
liegt genau hier das Hauptproblem. Sie laichen ausschließlich auf Kiesbänken, die befruchteten Eier sind dort im Interstitial bestens geschützt und können sich ungestört entwickeln.

Als Beleg mal ein Auszug aus einem Fachartikel der Österreichischen Bundesforsten:
"Im Frühjahr, wenn die Wassertemperatur im Fluss wieder zu steigen beginnt, suchen erwachsene Äschen geeignete Laichhabitate auf, um sich fortzupflanzen. Neben der Strömungsgeschwindigkeit und Wassertiefe spielt die Beschaffenheit des Bodensubstrates eine zentrale Rolle. Die Eier werden vom Weibchen direkt in den Kiesboden gelegt. Damit sich diese gut entwickeln können, müssen die Kieslückenräume frei von Feinsediment und gut von sauerstoffreichem Wasser durchspült sein."

Diese Bedingungen sind im Unterlauf der Zorge und in der Helme unterhalb Heringen gegeben. Oberhalb Heringen dominiert in der Helme, bedingt durch die im Einzugsgebiet vorherrschende Präsenz des Buntsandsteins und seiner Verwitterungshorizonte (Sand und Lehm) Feinsediment und deshalb fehlen dort Kiesbänke und (von einzelnen Irrläufern abgesehen) auch Äschen nahezu völlig.
Auch unterhalb der Talsperre Kelbra ist die Herrlichkeit freier Kiesbänke schon wieder vorbei, allerdings sind hier überwiegend anthropogene Einflüsse maßgebend. Insbesondere die von der ehemaligen dunkelgrünen Umweltministerin in Sachsen-Anhalt zu Gunsten des Kranichzoos veranlasste jährliche Komplettentleerung der Talsperre hat jedesmal Unmengen auf dem Talsperrenboden abgelagertes Feinsediment mobilisiert. Mit der tragischen Folge, dass das Interstitial der Kiesbänke unterhalb der Talsperre jedesmal für längere Zeit komplett mit dem Schlamm überdeckt wurde. Was das für die Fortpflanzung der Äschen und vieler anderer Tierarten wie z.B. Mollusken, die dieses Laichhabitat ebenfalls bevorzugt nutzen, bedeutet, kann sich der interessierte Bürger sicher vorstellen.

Es wäre also wichtig, die betroffenen Lebensräume und deren Artenspektrum in Fauna und Flora ganzheitlich zu betrachten. Nur bei den richtigen Rahmenbedingungen mit funktionierenden Nahrungsnetzen in funktionierenden Habitaten besteht die Chance, besonders wichtige Arten nachhaltig zu erhalten und zu schützen.
HisMastersVoise
02.02.2026, 14:11 Uhr
Naivität kann ach intelligent sein !
Es geht immer noch um die Frage, ob renaturierte Gewässer einer völlig außer Kontrolle geratenen Kormoranpopulation stand halten können. Und nun kommt die Realität um die Ecke. Vor drei Wochen sind in die heimischen Flüsse ca. fünfzig Kormorane eingefallen. Sie haben innerhalb von gut zwei Wochen die Zorge und Helme und Wipper leergefressen. Das erkennt man daran, das sie nun weiter gezogen sind. Aktuell warten sie an der Fischzucht beim Salzabad als einziger verbleibenden Nahrungsquelle auf den Feierabend der Mitarbeiter. Nach also ca. vierzehn bis zwanzig Tagen sind alle Fische in den Flüssen in der Länge von zehn bis fünfzig Zentimeter vernichtet. Wie bitte soll sich denn ein Gewässer erholen, wenn faktisch jeder Fisch unserer Flüsse verdaut wurde. Hier kann man Gewässerqualität und vielen schlauen Dingen sinnieren. Doch da draußen schreit gerade die Realität um Kenntnisnahme. Ich verstehe dieses Herumgeeiere nicht um die Erkenntnis, daß der Kormoranschutz einer der verheerendsten ökologischen Katastrophen für unsere aquatische Fauna in den letzten Jahrzehnten geführt hat. Geht raus zum Salzabad und schaut Euch das Drama an. Und dann rechnet bitte, daß jeder dieser Vögel pro Tag eine große Forelle von vierzig Zentimetern Länge oder mehr braucht.... jeder Vogel ....jeden Tag. Es wird endlich Zeit die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Kormoranbestände auf ein naturverträgliches Maß zurückzuführen und nicht ständig mit hochintelligenten Ausreden das eigene Versagen zu vertuschen. Ist die fahrlässige Zerstörung von Biotopen nicht sogar ein Straftatbestand ? Wer haftet eigentlich für diese menschgemachten Schäden?
Wassermann
02.02.2026, 19:07 Uhr
Die Renaturierung ist nicht relevant
In der Kormorandiskussionen wird immer wieder auf eine fehlende Renaturierung und draus resultierenden fehlenden Rückzugs- bzw. Verstecksmöglichkeiten der Äsche hingewiesen. Aus jahrelanger Erfahrung kann ich sagen, dass ist schlichtweg eine Falschbehauptung. Ein natürlicher Bereich wird genau so intensiv von Kormoranen leer bejagt, wie ein verbauter. Beispielhaft ist der Abschnitt zwischen Nordhausen und Niedersachswerfen genannt. In diesem sind seit Mitte der 1990er Jahre die autochthonen Äschenbestände verschwunden. Wer diesen Abschnitt kennt, weiß, dass das einer der ursprünglichsten der gesamten Zorge ist.

Durch das Fluchtverhalten der Äsche, das keine Deckungspräverenz aufweist, sondern schwarmbildend bei Prädatorendruck ist, haben etwaige Versteckmöglichkeiten keine Bedeutung. Die Äschen stellen sich schlichtweg in die tiefsten Stellen einer Gumpe und werden dann leicht vom Kormoran erbeutet. Bestandsverluste von 90 Prozent sind daher eher die Regel als Ausnahme.

Vor dem Hintergrund, dass Äschen seit Ende der letzten Eiszeit in unseren Gewässern heimisch sind und sich dieser Schutzmechanismus bewährt hat, kommt man zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass der Kormoran ein Phänomen der letzten Jahrzehnte ist und für die Gewässer in Mitteleuropa eine invasive Art darstellt.

Wie sonst hätten Äschen einen regelmäßigen jährlich Populationsverlust von 90 Prozent in den letzten Jahrtausenden kompensieren können?

BUND und NABU sollten sich mal ehrlich machen, wir verlieren die Leitfische unserer Gewässer, insbesondere Äschen und Barben und schützen chinesische Kormorane, die im Mittelalter zum Fischfang vor allem durch die Niederländer mitgebracht wurden.
Wyatt Earp
02.02.2026, 23:08 Uhr
Das schreit ja förmlich nach einem Kormoran-Beauftragten,
der sich in die Riege der aus Staatsgeld finanzierten Beauftragten bei NABU und BUND einreiht. Für jede problematische Tierart, die einheimische Arten oder Nutztiere (sind Fische übrigens auch) schädigt, muss es bei NABU und BUND natürlich einen vvom Steuerzahler finanzierten Regulator geben, der vom Problem lebt.

Sehr gute Kommentare vom Wassermann und vom HMV. Das ganze Gedönse von Renaturierung findet in unserem Leben jedenfalls nicht mehr statt und gibt als Argument nichts, absolut gar nichts her. Absehbare Hilfe bietet nur das, was die Altvorderen mit solchen Problemen gemacht haben.
KeinKreisverkehr
03.02.2026, 15:28 Uhr
Angler
Leute die gerne Fische töten regen sich darüber auf, dass eine heimische Vogelart Fische zum Überleben braucht. Nun wollen Sie diese Vögel töten damit Sie wieder in Ruhe Fische töten können.
HisMastersVoise
04.02.2026, 20:05 Uhr
Ausländer ?
Wenn man Unsinn nachplappert, wird daraus doch nichts sinnvolles. Der chinesische Kormoran ist hier genau so heimisch wie der Waschbär oder der Nutria oder der Mink oder die Nilgans oder Herkulesstaude oder oder oder. Man muss das nur akzeptieren wollen und begreifen, was das für unsere Heimat bedeutet. Die genannten Tierarten haben völlig unnatürlich keine biologischen Feinde hier in Europa, weil Natur eben auf die Dummheit der Menschen nicht so schnell reagieren kann. Deswegen explodieren die Bestände und vernichten unsere heimische Tier-und Pflanzenwelt. Wenn also der Kormoran nicht bejagt werden darf, wird es bald keine Fische mehr geben, denn erst wenn der letzte fressbare Fisch erbeutet wurde, zieht der Schwarm weiter. Man muss also gedanklich den Mut haben, den geistigen Kreisverkehr zu verlassen. Sonst kommt man nie zu Erkenntnissen !!
Fönix
08.02.2026, 07:24 Uhr
Zur Zorge:
Der Kommentar vom Wassermann ist unbestritten sehr wichtig! Verdeutlicht er doch in anschaulicher Art und Weise, wo die tatsächlichen Probleme liegen. Der besagte Abschnitt der Zorge von der Einmündung der Bere bis zu der kleinen Brücke am Kohnsteinsteg oberhalb der Einmündung des Orbaches ist hinsichtlich der Gewässerstrukturgüte tatsächlich wahrnehmbar besser ausgestattet als der nachfolgende Abschnitt bis zur Mündung in die Helme. Allerdings betrifft das nicht alle Parameter gleichermaßen, sondern im Wesentlichen die Laufentwicklung, die Uferstruktur und in Ansätzen auch das Querprofil. Deshalb sieht das für den Uneingeweihten durchaus chick aus. Aber das Längsprofil und die Sohlenstruktur weisen auch hier wahrnehmbare Defizite auf und genau diese weitestgehend fehlenden Strukturelemente wie z.B. in das Flussbett gestürzte Bäume oder auch größere Treibgutansammlungen (Verklausungen) sind die Unterstände, die den Äschen und auch allen anderen Fischarten fehlen. Ein paar Kiesbänke, Störsteine oder auch der eine oder andere Ufersporn können das nicht kompensieren, denn sie bieten nicht genügend Deckung. Es ist mitnichten so, dass die Äsche solche schützenden Unterstände nicht annimmt und bevorzugt Gumpen und Kolke aufsucht. Sie hat nur keine andere Wahl, wenn wirklich schützende Unterstände fehlen. So wird sie genauso wie viele andere Fischarten auch zur leichten Beute für den geschickten und effektiv jagenden Kormoran. Auf dessen Jagdverhalten und die Folgen für unsere Fischbestände gehe ich später noch ein, denn sie bieten auch Lösungsansätze.

Und Lösungen für dieses Problem sind nicht trivial, denn zumindest im Bereich von Ortslagen wird aus nachvollziehbaren Gründen dem Hochwasserschutz immer eine größere Priorität eingeräumt als der fischartengerechten Strukturvielfalt unserer Fließgewässer. Trotzdem gibt es erfolgversprechende Lösungsansätze, wenn man das Thema in die aktuellen Rahmenbedingungen einordnet, komplex betrachtet (also z.B. nicht nur einen Abschnitt sondern das gesamte Einzugsgebiet!) und nicht nur einzelne Arten schützen will. Dazu ein Auszug aus einer Veröffentlichung des IGB in Berlin, den ich wegen seiner zentralen Bedeutung nachfolgend separat einstelle:
Fönix
08.02.2026, 07:44 Uhr
Auszug aus einer Veröffentlichung des IGB:
"Eine wirklich unberührte Natur existiert eigentlich fast nirgends mehr auf der Welt. In Deutschland haben wir keine Urwälder, in Europa kaum Flüsse, die unreguliert fließen und der Klimawandel betrifft und verändert alle ökologischen Systeme weltweit. Wir dürfen natürliche und vom Menschen beeinflusste Umwelt deshalb nicht als absolute Gegensätze begreifen. Zwischen diesen beiden Polen kann es alle denkbaren Zustände geben. Ein Ökosystem, in das der Mensch eingreift, kann zum Beispiel genauso biologisch vielfältig sein wie ein natürliches System, es kann mitunter sogar widerstandsfähiger sein – das zeigen erfolgreiche Renaturierungen. Wir brauchen also neue Ansätze, um zu verstehen, dass inzwischen alles, was wir gemeinhin als „Natur“ betrachten, von Menschen bewusst oder unbewusst verändert worden ist – und dass aus diesem Fakt auch eine besondere Verantwortung erwächst. Renaturierung sollte deshalb heute nicht mehr das strenge Ziel haben, einen „ursprünglichen Zustand“ wiederherzustellen, denn das ist meist gar nicht möglich. Vielmehr sollte Renaturierung eher als ein Prozess verstanden werden, der bestimmten, festgelegten Prinzipien folgt, aber flexibel genug ist, um auf die jeweiligen Bedingungen Rücksicht nehmen zu können."

Das sind zentrale Aussagen, die gerade für die Interessen der Anglerschaft von immenser Bedeutung sind. Das IGB mit Sitz in Berlin sollte dem engagierten Angler bekannt sein. Das Team um Professor Arlinghaus steht seit vielen Jahren für seriöse wissenschaftliche Arbeit mit besonderem Fokus auf die Betrachtung der Zusammenhänge und Wechselwirkungen in aquatischen Habitaten, auch und gerade unter besonderer Berücksichtigung der Fischfauna.
Fönix
08.02.2026, 07:48 Uhr
Das was Tulla
mit der durchgehenden Begradigung ganzer Flussgebiete vor über 200 Jahren am Rhein mit guter Absicht, aber katastrophalen Folgen begann, hat sich nachfolgend wie eine Pest über ganz Deutschland gelegt. Auch die Helme und die Zorge sind über weite Strecken betroffen. Die damit verbundenen Veränderungen in der Morphologie und Funktionalität lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Aber die gravierenden Defizite im Wasserhaushalt und in der Biodiversität sind mittlerweile unbestritten und es gibt erste zarte Bestrebungen, die nachteiligen Folgen durch intelligente Maßnahmen zu reduzieren. Der aktuelle Entwurf für die Raumplanung in Nordthüringen ist ein eindeutiger Beleg dafür. Diese erfreuliche Entwicklung sollten wir Angler nutzen, um unsere Interessen mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, ihnen Nachdruck zu verleihen und gemeinsam mit den relevanten Akteuren Lösungen zu erarbeiten und vor allem auch umzusetzen. Das bringt mehr, als immer nur gegen Gott und die Welt zu lamentieren und alle als Gegner zu betrachten, die nicht dem Fischartenschutz die höchste Priorität einräumen. Nach meiner Überzeugung sind auch und gerade die Entwicklung und der Schutz der relevanten Habitate mittel- und langfristig viel erfolgversprechender und nachhaltiger als purer Aktionismus mit arg begrenzter zeitlicher und räumlicher Wirkung. Was die Notwendigkeit bestandsregulierender Maßnahmen beim Kormoran (ähnlich wie z.B. auch beim Wolf) keinesfalls ausschließt, im Gegenteil. Sie sind unbedingt notwendig, solange die defizitäre Gewässerstrukturgüte den Kormoranen ihre Beute praktisch auf dem Präsentierteller serviert.
Fönix
08.02.2026, 09:05 Uhr
Zum Kormoran: Er kommt in den für uns
relevanten Bereichen Europas in zwei Unterarten vor:

Phalacrocorax carbo carbo (Nominatform): Ostkanada über Grönland und Island bis zu den Britischen Inseln und Norwegen.

Phalacrocorax carbo sinensis: Zentral- und Südeuropa bis Indien und China im Osten; kleiner und grünlicher und meist mehr weiß auf der Kehle als P. c. carbo.

Interessanterweise gibt eine erste Recherche keine eindeutige Aussage zu der Frage, ob der Kormoran in Europa heimisch oder zugewandt ist. Wissenschaftlich belegt ist lediglich, dass es gesicherte Nachweise in Form von Knochenfunden aus dem Neolithikum gibt, wonach der Kormoran bereits vor 7000 Jahren in Dänemark den Menschen als Nahrung diente. Ich gehe davon aus, dass die etwas größere Nominatform P. c. carbo, die vorwiegend Nord- und Westeuropa bevölkert, ein eingeborener Europäer ist, während P. c. sinensis später eingewandert ist und dessen Verbreitung dadurch verstärkt wurde, dass die Holländer bereits im Mittelater zum Fischfang abgerichtete Kormorane aus Ostasien eingeführt und weitergezüchtet haben. Eine Zeitlang war es im Mittelalter (schon vor weit nehr als 200 Jahren!) in ganz Mitteleuropa eine besondere Attraktion bei Hofe, mit diesen abgerichteten Kormoranen auf Fischfang zu gehen. Speziell dafür ausgebildete "Falkner" besaßen im Hofstaat eine herausgehobene Position...

Sei es, wie es sei, der Kormoran ist mittlerweile omnipräsent und wir werden mit ihm und seiner unerbittlichen Gier nach Fisch leben müssen. Auch für die Frage, wie das funktionieren kann, hilft ein Blick in das Mittelalter: Der Fischreichtum in den unregulierten, extrem strukturreichen Gewässern war so groß, dass Fisch als Arme-Leute-Essen galt. Lachs wurde am Rhein mit Schöpfrädern gefangen ...

Das schiere Überangebot verhinderte, dass Prädatoren gleich welcher Art die Bestände wahrnehmbar reduzieren. Auf die heutige Zeit übertragen bedeutet das, dass wir gerade in den begradigten Abschnitten von Helme und Zorge wieder für Strukturfalt sorgen müssen, um dort stabile artenreiche Bestände aufzubauen. Derzeit räumen die verschiedenen Kormorantrupps diese Abschnitte ruck-zuck leer und konzentrieren sich danach auf die wenigen, schwerer zu bejagenden strukturreichen Strecken ...
Fönix
08.02.2026, 09:26 Uhr
Den Kormoran abzuschießen
Ist keine Lösung, die uns wirklich und vor allem dauerhaft weiterbringt. Für alle, die Willens und in der Lage sind, sich von alten Feindbildern zu lösen und ein bisschen weiter denken als von der Angelrolle bis zum Würmchen am Haken, hierzu ein weiteres Zitat, diesmal vom Thünen-Institut, dass auch nicht gerade im Verdacht steht, vorrangig NABU und Gefolge das Wort zu reden:

"Aus zahlreichen Studien ist bekannt, dass Kormorane einen großen Aktionsradius haben. Sie legen in einem Jahr Entfernungen von mehr als 1.000 km zwischen Brut-, Rast- und Überwinterungsgebieten zurück und können im Laufe ihres Lebens auch die Brutplätze mehrfach über große Distanzen verlagern. Es macht daher fachlich sehr wenig Sinn, auf der Ebene eines Bundeslandes (oder selbst Deutschlands) „regulierend“ in den Bestand einzugreifen, da lokale „Lücken“ sehr schnell durch wandernde Kormorane geschlossen werden. Ein „echtes“ nachhaltig wirksames Management der Art müsste an den Brutkolonien ansetzen und eine massive großflächige Verringerung des Gesamtbestandes bewirken. Aktivitäten auf Landesebene erscheinen hier wenig sinnvoll.

Nichtsdestotrotz erfolgen gelegentlich kleine lokale Eingriffe (siehe Kormoranverordnungen) – etwa, um eine Teichwirtschaft zu schützen oder z.B. den Entnahmedruck durch Kormorane an besonders gefährdeten Fließgewässern aus Gründen des Fischartenschutzes zu reduzieren. Hier muss jedoch dauerhaft eingegriffen werden, da die existierenden Nahrungsressourcen weiterhin Kormorane aus der Umgebung anziehen.

Dem brauche ich zu diesem Thema wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Wir als Angler sollten aufhören, immer wieder zuerst Forderungen zu stellen und mit Schuldzuweisungen um uns zu werfen. Nur wenn wir sinnvolle und zielgerichtete Allianzen schmieden haben wir eine Chance, unsere Interessen auch wirklich durchzusetzen!

Das ist zumindest meine Überzeugung ....
Fönix
08.02.2026, 10:42 Uhr
Für alle die es interessiert, hier noch der Hinweis,
worauf meine Ausführungen basieren. Da ist zum einen meine eigene berufliche Erfahrung. Über fast 20 Jahre habe ich tausende Kilometer Fließgewässer bearbeitet. Neben der Erfassung wichtiger physikalischer, chemischer und biologischer Basisparameter waren insbesondere auch die Ermittlung von Überschwemmungsgebietsgrenzen für Extremhochwasser, die Interaktion zwischen Oberflächenwasser und Grundwasser, die ökomorphologische Strukturgütekartierung sowie die Umsetzung all der gewonnenen Erkenntnisse in Defizitanalysen und Maßnahmeplänen Schwerpunkte meiner Tätigkeit. Bearbeitet habe ich unter anderem unsere Südharzbode, die Bode und Selke im nördlichen Harzvorland, die Helme und die Thyra, die Unstrut und die Weiße Elster, die Neiße ...
Darüber hinaus beziehe ich mein Wissen z.B. auch aus den Veröffentlichungen renommierter Institute wie das Thünen-Institut und das IGB in Berlin, wo ich mehrfach auch persönlich mit verschiedenen Mitarbeitern über diverse fachliche Aspekte diskutieren konnte.

Gerne unterstütze ich mit meinem Wissen und meinen Erkenntnissen und Erfahrungen die engagierten Angelkollegen bei ihrer gerade auch für stabile Fischpopulationen so wichtigen naturschutzfachlichen Arbeit an den Gewässern, auch wenn ganz offensichtlich nicht alle meinen grundsätzlich interdisziplinären und integrativen Ansatz verstehen bzw. nachvollziehen können.

Gerade die Fische sind ähnlich wie die Reptilien eine Tiergruppe, die in der Bevölkerung aufgrund ihrer verborgenen Lebensweise kaum eine Lobby hat. Um so wichtiger ist es, hier aufzuklären und mit wissenschaftlich fundierter Arbeit die Situation für die Fauna und Flora unserer Gewässer Schritt für Schritt wieder zu verbessern.
Mit kopflosem Aktionismus, so verständlich die Beweggründe dafür auch sein mögen, erreicht man meist genau das Gegenteil. Denn gerade Fließgewässer sind sehr sensible Ökosysteme mit großer Bedeutung für den gesamten Naturhaushalt. Deshalb müssen alle Maßnahmen in einen ganzheitlichen Kontext gestellt werden. Nur so können alle relevanten Folgen und Wechselwirkungen im gesamten Einzugsgebiet betrachtet und bewertet werden und nur so erreicht man letztendlich die erforderliche Akzeptanz für sein Tun.
HisMastersVoise
08.02.2026, 12:28 Uhr
So viel warme Luft !
Aus den Diskussionen der letzte Artikel muss man leider erkennen, das die Verantwortlichen an dem Drama keine Lösung haben und diese Ahnungslosigkeit mit höchst intelligenten Ausführungen vertuschen. Wenn also von anmaßenden Anmerkungen wie kopflosem Handeln gesprochen wird, ist das eine Arroganz, die den Verursachern des Problems nicht zusteht. Das sich die Kormorane nach vier Wochen Winter auf die Fischzuchtanlagen stürzen, ist ein Indiz dafür, das wahrscheinlich in unseren Flüssen nichts mehr zu fressen ist. Anstatt jedoch eine Bestandkontrolle und eine sinnvolle Reduzierung des Bestandes dieser invasiven und nicht heimischen Vogelart des chinesischen Kormorans zu erwägen, wird weiterhin das Problem des katastrophal großen Kormoranbestandes ignoriert und unseren Gewässern die Schuld gegeben. Wann begreifen die Fönixe und Nabus und Bunds endlich, das nur eine Reduzierung der Kormorane die Lösung sein kann. Man muss doch völlig realitätsfern sein, um einer Art, die jetzt schon fast alles an Fisch gefressen hat, noch mehr Nahrung in Aussicht zu stellen. Es sollte jeden Lesenden und hoffentlich auch Erkennenden klar sein, das der hier so oft gesichtete chinesische Kormoran die gleiche Plage für unsere Gewässer ist wie der Waschbär für unsere Vogelwelt. Dort, wo eine von Menschen eingeschleppte Tierart ohne natürliche Feinde die Fauna zerstört, muss der Mensch auch dafür sorgen, das diese Tierart wieder verschwindet. Alles andere sind sinnfreie wenn auch hoch intellektuelle Ausflüchte. Wie verwerflich und verlogen wäre denn eine Naturschützer, der eine eingeschleppte Tierart schützt und dafür ganze heimische Ökosytheme der Zerstörung preis gibt. Wenn also der NABU einen stärkeren Fischartenschutz fordert und wirklich als ernst zu nehmender Schützer der Natur auftreten will, sollte er die Bestandsregulierung und Reduzierung des chinesischen Kormorans fordern. Sonst heißt er bald ABU für Artenschutzbund. PS. Was fressen eigentlich Fischadler und Seeadler und Reiher und Schwarzstorch und Rohrweihe und und und, wenn es keine Fische mehr gibt. HALLO !! Aufwachen !!
Fönix
08.02.2026, 14:21 Uhr
Hallo Aufwachen, kann ich nur
erwidern. Wenn man sich einer sachlichen Diskussion permanent verweigert und stattdessen lieber (etwas) anders denkende Kollegen diffamiert, wird es tatsächlich schwierig. Vor allem, wenn dabei wichtige Fakten und Zusammenhänge geleugnet oder sogar konsequent ignoriert werden.

Nur ein paar Richtigstellungen, diesmal in Steno:

Ob Kormorane (insbesondere die Unterart P. c. chinensis) hier wirklich als invasive Art zu betrachten ist, ist keinesfalls sicher

Dass sie in Mitteleuropa keine natürlichen Feinde haben, ist Blödsinn. Seeadler attackieren und fressen sie, wo immer sie sie greifen können. Leider gibt es in unserer aufgeräumten, großgewässerarmen Kulturlandschaft nur sehr wenige. Und ja, sie alleine reichen keinesfalls, das Problem zu lösen.

Für den überwiegend traurigen Zustand insbesondere unserer Fließgewässer bin ich nicht verantwortlich, für die Entscheidungen, was dort passiert oder meistens nicht passiert, auch nicht. Meine Arbeit bestand darin, den Status quo zu ermitteln und ggf. Handlungsoptionen abzuleiten. Mit anderen Worten: Ich habe u.a. für die verschiedenen Wasserwirtschaftsbehörden gearbeitet, war aber nie Mitarbeiter dort, auch nicht in irgend einer anderen Behörde. Sie sind (nicht nur in dieser Hinsicht!) auf einem völlig falschen Dampfer unterwegs...

Wenn sie nicht erkennen, wer auf ihrer Seite steht und die Probleme in ihrem Sinne lösen möchte ( und zwar so, dass es tatsächlich funktioniert!), dann ist ihnen nicht zu helfen und ich sehe auch keinen Weg, wie sie das, was sie wollen, erreichen könnten ...

Wundern sie sich bitte auch nicht, wenn sich die tatsächlichen Gegner der Anglerschaft, die es durchaus in großer Zahl gibt, gerade genüsslich die Hände reiben. Mindestens einer ist ja auch hier in diesem Thread unterwegs.

Ich bedauere es wirklich sehr, welche Entwicklung diese Diskussion genommen hat. Wirklich verwundert bin ich aber nicht darüber, dafür kenne ich die beteiligten Klientel zu gut ...
HisMastersVoise
08.02.2026, 22:38 Uhr
Keine Lösung ist auch ein Problem !
Und darum wird es weiterhin gehen. Die schlauen Artenschützer haben keine Idee, wie das aktuelle Problem gelöst werden soll. Und der Blick nach früher ist geradezu lächerlich. Jeder erinnert sich an unsere Flüsse aus den DDR-Zeiten mit Einleitungen aus allen möglichen Dreckquellen. Doch damals gab es überall die Fische, welche heute in unseren sauberen Flüssen offensichtlich um das Überleben kämpfen. Sollte das nicht zu denken geben. Was also hat sich geändert ? Rein optisch ist das Wasser sauberer, Wenn man Angler fragt, sind die nicht mehr geworden. Wenn man in diesen Tagen Menschen beim Spazierengehen an den Flüssen fragt, sagen alle Älteren, das sie noch nie so viele Kormorane gesehen haben. Und früher gab es mehr Winter und mehr Eis. Doch alle diese unumstößlichen Fakten nützen nichts, wenn man an der Realität und den daraus so dringend resultierenden Entscheidungen und Aktionen vorbei seine intellektuelle Parallelwelt verteidigt. Es ist leider die Erkenntnis unserer Zeit, das manche Menschen keine Lösung finden wollen, wenn das Problem doch so schön ist. Tragischer Weise werden sich mit Sicherheit die vernichteten Fischarten unserer Heimat nicht aus der Asche erheben und erneut erstrahlen. Die sind dann einfach unwiederbringlich ausgestorben. Denn ein genetisches Gedächtnis bleibt verloren. Wenn man nicht sehen kann, ist das sehr schlimm. Noch tragischer ist es, wenn man nicht sehen will ! Zum Glück wird aktuell überall die Frage gestellt, wie das passieren konnte und wie sich solche Fehler in Zukunft vermeiden lassen. Und es werden die Verursacher gesucht ! Gut so !
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