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Mo, 08:00 Uhr
02.02.2026
Meine Meinung:

Harzer Schmalspurbahnen – die letzte Chance?

Die Harzer Schmalspurbahnen planen eine Neubaustrecke von Elend nach Braunlage, um den Harzort nebst Wurmbergebiet an das Stammnetz des defizitären Unternehmens anzuschließen. nnz-Kolumnist Bodo Schwarzberg mit einigen Gedanken dazu...

Die letzte Chance? (Foto: der_niels auf Pixabay) Die letzte Chance? (Foto: der_niels auf Pixabay)
Die HSB befindet sich im Umbruch. Trotz alljährlich nach hunderttausenden zählenden Fahrgästen auf der Brockenstrecke fährt die heutzutage einmalige Schmalspurbahn mit dem längsten planmäßig mit Dampfloks betriebenen Schmalspurnetz Europas Schulden ein.

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Dabei kostet eine Fahrkarte zum Brocken mittlerweile 65 Euro pro Person für Hin- und Rückfahrt und für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren 39 Euro. Das ist richtig teuer. Denn für 65 Euro bekommt man bei der nicht weniger gebeutelten Deutschen Bahn immerhin ein Ticket für Regionalzüge, mit dem man einen ganzen Monat lang unser Land hoch und runter kutschieren kann, - zumindest sofern Züge fahren.

Wenn von einer Förderung des Tourismus‘ die Rede ist, sind solche HSB-Preise sicherlich nicht förderlich und dürften für viele Zeitgenossen unerschwinglich bleiben.

Natürlich ist es teuer, ein Gleisnetz von 140 Kilometern Länge in zum Teil schwierigem, extremen Wetterbedingungen ausgesetzten Gelände auf einem hohen Sicherheitsniveau instand zu erhalten, zumal zum Beispiel auf der Selketalbahn viel zu wenige Fahrgäste unterwegs sind, als dass diese sich auch nur annähernd rechnen könnte. Und auch die überwiegend in den 50er Jahren gebauten Dampflokomotiven werden in der Unterhaltung nicht billiger.

Eine Hauptuntersuchung verschlingt üblicherweise mehrere hunderttausend Euro pro Lokomotive. Diese Kosten führten sicher auch dazu, dass die fünf ältesten Dampflokomotiven der HSB, darunter die vier über hundertjährigen Mallet-Loks, seit Jahren abgestellt sind.

Zwar wollte die HSB diese Kosten durch die Inbetriebnahme der gläsernen Dampflokwerkstatt 2022 in Wernigerode mit der Lizenz zur in Eigenregie durchführbaren Hauptuntersuchung senken, jedoch entpuppte sich diese als Zukunftsbau vorgesehene Einrichtung als Flop.

„Warum Dampflok-Werkstatt in Wernigerode zum Sargnagel für die HSB werden könnte“, titelte zum Beispiel die Volksstimme am 30.08.25. - Fehlende Ausstattung für den optimalen Betrieb, viel zu geringe Besucherzahlen - versenkte Millionen.

Die Dampfloks und ihre zahllosen Verehrer haben meiner Meinung Besseres verdient. „Schuster bleib bei deinen Leisten“, sage ich, was in diesem Fall bedeutet hätte, den Dampflokpark wie seit Jahrzehnten üblich, den ausgewiesenen Dampflokspezialisten im weltbekannten Dampflokwerk Meiningen zur Hauptuntersuchung und Reparatur zu überlassen.

Hätte man sich die Fehlinvestition in die Dampflokwerkstatt nicht geleistet, wäre vielleicht auch Geld für die betriebsfähige Aufarbeitung wenigstens einer der vier alten Mallet-Loks in der Geldbörse, die Eisenbahnfans aus aller Welt gern wieder durch den Harz dampfen sehen wollen.

Hier war bei der HSB und im Harz die "Welt" noch in Ordnung. Blick vom Brocken auf einen in Gipfelfahrt befindlichen Zug am 29.06.2012. (Foto: Bodo Schwarzberg) Hier war bei der HSB und im Harz die "Welt" noch in Ordnung. Blick vom Brocken auf einen in Gipfelfahrt befindlichen Zug am 29.06.2012. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Immerhin. Viele Krisen produzieren auch Gutes: An der HSB in ihrer heutigen Ausdehnung wollen alle im Harz festhalten, Lokal- und Landespolitik ebenso. Mit Umrüstungen auf Leichtöl oder andere Antriebsstoffe zum Ersatz der Kohle will man auch auf jeden Fall das Herz der HSB, also den planmäßigen Betrieb mit den legendären Dampfloks, erhalten, zugleich aber in eine Elektrifizierung und damit in höhere Geschwindigkeiten investieren, die die Schmalspurbahn auch für den ÖPNV attraktiver macht.

Dieser Kompromiss klingt doch schon viel besser als die kurzzeitig nach der Wende aufkommenden Bestrebungen westdeutscher Investoren, das Netz bis auf die Brockenstrecke stillzulegen und Schnelltriebwagen zwischen Wernigerode und dem Brocken einzusetzen.

Auch, dass Politik und HSB nun auch noch eine Neubaustrecke zwischen Elend und Braunlage anstreben, passt in eine möglicherweise gelingende Zukunftsvision. Ein Neubau zwischen Elend und Braunlage dürfte dabei jedenfalls auch naturschutzfachlich weniger schädlich als eine Wiederbelebung der historischen Strecke zwischen Sorge und Braunlage durch das Tal der Warmen Bode sein.

Ob allerdings die optimistischen Schätzungen zu Gewinnen und Fahrgastzahlen die notwendigen Investitionen effektiv machen, muss sich noch zeigen. Denn auch bei der Gläsernen Dampflokwerkstatt in Wernigerode hatten Verantwortliche einst Dollarzeichen in den Augen. – Bisher vergeblich, wie wir heute wissen. Vorsicht ist also angebracht.

Eines dürfte aber schon jetzt feststehen: Sich eine Eindämmung des Autoverkehrs durch den Ausbau der HSB vorzustellen, wie gelegentlich zu lesen, ist aus jetziger Sicht fraglich. Das könnte wohl nur gelingen, wenn es Politik und Bahn schaffen, tatsächlich den Spagat zwischen nostalgischer Touristenbahn mit Dampfbetrieb und einem schnellen, preiswerten ÖPNV-Taktbetrieb zu allen angefahrenen Harzorten hinzubekommen.

Um das aber zu realisieren, bräuchte es ganz sicher das Geld von Dutzenden Rothesütter Hexenbesen und Gläsernen Wernigeröder Dampflokwerkstätten. Hoffentlich übersteigen solche Ideen nicht doch das Machbare und führen am Ende doch noch zum endgültigen Ruin der legendären und weltweit einzigartigen, Harzer Dampflokbahn.

Dann hätte sie zwar Kaiserreich, Weimarer Republik, zwei Diktaturen und zwei Weltkriege überlebt, nicht aber die 1949 gegründete deutsche Republik. Und das ist schlimmer als nur ein Armutszeugnis.
Bodo Schwarzberg
Autor: psg

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Kommentare
Fönix
02.02.2026, 10:14 Uhr
Chapeau für diese präzise Analyse
der gegenwärtigen Situation und sinnvoller Perspektiven. Auf den Punkt!
Einen Korrekturvorschlag hätte ich trotzdem:
Richtig kritisch für unsere geliebte Harzquerbahn wurde es erst nach 1990 ...

Wenn ich sehe, welche als Fördermittel und Subventionen deklarierte Milliardensummen jedes Jahr in völlig absurde Projekte versenkt werden, in deren Ergebnis dann z.B. eine "Energiewende" steht, die die deutsche Wirtschaft, immerhin eine unserer wesentlichsten Existenzgrundlagen, an den Rand des Abgrunds und einzelne Schlüsselbranchen auch schon ein Stückchen darüber hinaus gebracht hat, dann frage ich mich wirklich, ob nicht auch ein paar zusätzliche Pimperlinge für wirklich historisches und gleichzeitig lebendiges, aktives und beliebtes Kulturgut lockergemacht werden können ...
Gehard Gösebrecht
02.02.2026, 12:25 Uhr
Die Strecke wird nix ändern
Die Strecke nach Braunlage wieder an das Netz der HSB zu bringen wird an der gesamten Lage nichts ändern.
Das geht eine Weile gut und dann wird doch wieder in das Auto gestiegen.
Paulinchen
02.02.2026, 12:52 Uhr
Tourismushotspot Harz?
Wohl eher nicht. Zumindest nicht mit derartigen Preisen für die Harzquerbahn. Da reise ich lieber nach Südtirol, übernachte dort in einem der unzähligen Hotels und erhalte den Südtirolpass. Mit dem kann ich mit der Bahn im gesamten Gebiet Südtirols ,mit allen Bussen und Seilbahnen mindestens mit einem Preisnachlass reisen. In Museen ist damit der Eintritt frei. Weshalb kommt man hier nicht auf solche Ideen? Zumindest betrifft das den sterbenden Harz. Glaubt etwa jemand, dass Windräder im Harzwald eine Attraktion werden?
ArreeTim
02.02.2026, 13:04 Uhr
Chance oder Risiko, genau, Hier zu Ideen - 2030 für die HSB
Die HSB trägt ein Netz, das groß und "teuer" ist. Andere Schmalspurbahnen funktionieren, weil sie kleiner, touristisch fokussiert und subventioniert sind. Die HSB dagegen soll Gebirge, ÖPNV, Brockenverkehr und Nostalgie gleichzeitig stemmen. Das Netz wird wohl nur mit Förderung instand zu setzen zu sein, dabei getreckt und mit Priorität, mit Plan vorgehen! Dampf sollte bleiben, genau wie heute: als nostalgisches, identitätsstiftendes Premiumangebot, als Herz, teilsubventioniert und mit Einnahmen. Adon? 1) Wie kann es günstiger, denn teurer werden? 2) Braucht die HSB ein modernes, wirtschaftliches Rückgrat: Harzhexe (?)– ein Hybrid- oder Akkutriebwagen mit guter Beschleunigung, Panoramasicht, Komfort und optionalem Barbereich. (Gegen Akkubedenken: Wechselvorrichtungen). Senkt Kosten, verbessert Fahrzeiten und schafft nebenher "dual use fähig" ein zweites touristisches Produkt, attraktiver, das sich selbst tragen muss, ab 2030 digital gesteuert, um Personalaufwälzungen zu vermeiden? Die Lösung "nur" neue Strecke, wenn das Problem ist, die Strecke instand zu halten, ist wohl eher als Lösung fraglich, aber eben auch abhängig von der Finanzierungsmodalität.
Bodo Bagger
02.02.2026, 13:26 Uhr
Zumindest würde mit der Anbindung von Braunlage
der Pool der möglichen Geldgeber um das Land Niedersachsen erweitert werden.

Wenn ich den Artikel und weitere zum Thema verfügbaren Artikel richtig verstanden haben, sind die Hauptkostentreiber wohl die Dampftraktionen und die Fehlinvestition in die Dampfwerkstatt?
Hier stellt sich tatsächlich die Frage, wie auf Dauer der Betrieb kostengünstiger zu gestalten wäre. Hierbei ist die Überlegung, das gesamte Netz zu elektrifizieren sicher nicht abwegig. Erfahrung dazu sollte ja mit der Rübelandbahn genügend vorhanden sein, wie man dies auf einem Inselnetz auch ohne typischen Bahnstrom realisieren kann, allerdings würde dies wohl die darstellbaren, finanziellen Möglichkeiten sprengen.
mabe39
02.02.2026, 15:05 Uhr
Zum Artikel HSB
Früher gab es zwischen den einzelnen Bahnhöfen Streckenläufer die die Gleise kontrolierten und liefen diese Strecken wöchentlich einmal ab
Zum Bsp.lief einer von Benneckenstein bis Elend oder bis Eichsfelder Thalmühle.Zurück ging es mit dem Zug.ImB'stein gab es eine Brigade Gleisbauer die das ganze in den Sommermonaten Arbeiten wie Austausch von Schwellen,auswechseln vpn Schienen u.s.w.beschäftigt waren und das bei laufenden Fahrbetrieb
In den Wintermonaten waren diese Leute auf den Bahnhöfen zum freihalten der Weichen und der Bahnsteige eimgesetz.
Am ganzen Streckennetz gab es Brandabschnitte auf beiden Seiten der Strecke
Ich bin selbst ab Sebtember 1961 zur Lehre jeden Morgen 5 Uhr 13 nach Wernigerode drei Jahre gefahren bei jedem Wetter.In dieser Zeit gab es nie eienenZugausfall oder.Verspätung
RWE
02.02.2026, 18:53 Uhr
Die HSB ist eine Touristenattraktion
für Gäste aus dem In-und Ausland gerne mal tiefer in die Tasche greifen. Aber nur wenn es dampft. Die anderen Strecken müssen halt mit Diesel betrieben oder eingestellt werden.
Als Öffi taugt die HSB jedenfalls nicht.
Es gibt ja einige internationale prominente Dampfbahnen. Auch dort muss oft gespart werden. Häufig wechseln sich Dampfloks und Dieselloks ab, wobei der Dampf natürlich teurer ist.
Paulinchen: Natürlich gibt es eine Harzcard und wenn sie pauschal im Harz die Öffis nutzen wollen kaufen sie sich eben das Deutschlandticket. Wissen sie, ich war in war schon oft in den Alpen. In allen Ländern außer Lichtenstein. Der Südtiropass ist kostenpflichtig und die Hauptattraktionen wie der Schnalstaler Gletscherbahn sind auch nicht inclusiv. Also reden sie den Harz doch nicht schlechter als er ist. Danke.
Wyatt Earp
02.02.2026, 20:17 Uhr
Die wirtschaftliche Grundlage der Bahn starb 1990
Und damit ist sie nicht mehr zu retten. Früher wurden Güter wie Holz oder arbeitende Menschen tranportiert. Heute nur noch Nostalgen, und das rechnet sich nicht. Die Hürden einen Bahnbetrieb in Deutschland zu betreiben wurden von Behörden, sprich Beamten, unheimlich hoch gelegt. Nennt man Arbeitsplatzsicherung.
Insgesamt ist die HSB ein Relikt des vorigen Jahrhunderts und stirb nun. Es schickt ja heute auch niemand, außer privater Geldadel, mehr Großsegler oder Dampfschiffe über den Ozean. Ich weiß, das klingt hart, ist aber leider so!
Piet
02.02.2026, 21:25 Uhr
Das Problem
Ist immer wieder das selbe. Deutschland hat genug Geld. Es wird nur falsch eingesetzt. Besonders seit 2015
RWE
03.02.2026, 12:40 Uhr
Sehe ich genauso Wyatt Earp
Man sollte erst mal Marktforschung betreiben. Wo besteht eine touristische Nachfrage und wo eine nach ÖPVN? Die Combino zeigt ja, dass das Schienennetz auch Öffi kann.
Aber wie gesagt, für den ÖPVN kommen wohl nur ein elektrischer oder ein Dieselantrieb in Frage. Für geht es auch mit Dampf-dann aber mit Aufschlag.
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