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Do, 08:30 Uhr
05.02.2026
Stadtrat entscheidet über Spielhallen

Das kleinere Übel?

Muss der Stadtrat den Spielhallen in Nordhausen unter die Arme greifen? Um diese Frage ging es vorgestern im Finanzausschuss. Aufgeworfen wurde die Problematik durch Tobias Schneegans, der in der Stadt zwei Hallen betreibt und die wirtschaftliche Existenz seines Unternehmens bedroht sieht…

Spielhalle Im Krug in Nordhausen (Foto: agl) Spielhalle Im Krug in Nordhausen (Foto: agl)

Von außen ist der klotzige Bau direkt gegenüber des McDonalds nahe der Halleschen Straße eher unscheinbar - ein grauer Schuhkarton mit schmalen, verdunkelten Fenstern. Nur der große Schriftzug an der Fassade lässt einen Schluss auf den Inhalt zu - es handelt sich um eine Spielhalle. Im Inneren herrscht gedämpfte Illumination, das Leuchten der bunten Bildschirme großer Spieleautomaten bestimmt das Bild, zwölf Stück an der Zahl. Auf jedem der Geräte finden sich Wiederrum dutzende Glücksspiele, die gegen Geldeinsatz mit Gewinn locken.

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Zur Mittagsstunde ist nicht viel los, berichtet der Herr hinter dem Tresen, in der Frühschicht kommen eher weniger Besucher, dafür aber umso mehr in den Abendstunden. Gute 300 Meter Luftlinie entfernt steht ein zweiter, unscheinbarer Bau an der Bundesstraße, deutlich größer und auch hier wird Glücksspiel geboten. Zwischen 50 und 60 Gästen zähle man dort am Tag, berichtet Tobias Schneegans, der Besitzer der beiden Spielhallen.

Sein Geschäft mit dem Glück war am Dienstag Gegenstand der Diskussion im Nordhäuser Finanzausschuss, die CDU hatte einen Antrag eingebracht, der die „Spielapparatesteuersatzung“ ändern soll. Die sieht im Moment vor, dass 10 Prozent des Brutto-Umsatzes der Spielhallen als eine Form der Vergnügungssteuer an die Stadt fließen. Im Jahr 2025 waren das fast 500.000 Euro, berichtete dazu das Rathaus, keine kleine Summe für eine Stadt, die finanziell randgenäht ist und spart, wo sie nur kann.

Dem Vorschlag der Christdemokraten zu Folge sollte die Deckelung von 10 Prozent nur bis zu einem Maximum von 150 Euro pro Gerät angewandt werden, befristet bis Ende des Jahres 2028. Stellt sich die Frage, warum man einem scheinbar gut gehendem Geschäft derart unter die Arme greifen sollte. Laut Schneegans ist der Betrieb der Spielhallen in den letzten Jahren zunehmend schwieriger geworden. Im Jahr 2019 hätte der Gewinn noch an der Millionen-Marke gekratzt, 2025 habe man gerade noch bei 100.000 Euro gelegen, berichtet der Unternehmer gegenüber der nnz.

Druck kommt unter anderem durch die Anpassung der Mindestlohngrenze, aber auch Altlasten auf Bundesebene trüben die Aussicht. Die „monetären Aufwandsgrenzen“, die den Betreibern von Spielhallen auferlegt werden, stammen noch aus dem Jahr 1993, erläutert Schneegans, eine Überarbeitung hätte unter der Rot-Rot-Grünen Bundesregierung ins rollen kommen sollen, was aber nie realisiert wurde. „Habeck hat uns verhungern lassen. Wirtschaftsministerin Reiche lässt uns jetzt dran kommen, aber solche Prozesse ziehen sich im Bürokratie-Staat Deutschland lange hin und wir kommen in der Zwischenzeit betriebswirtschaftlich an unsere Grenzen“, sagt der Unternehmer.

Zum Glücksspiel sei er Anfang der 90er Jahre ein wenig „wie die Jungfrau zum Kinde“ gekommen, erzählt der gelernte Bauingenieur. Zusammen mit einem Bekannten betrieb er damals eine Discothek in Sondershausen, der Geschäftspartner schlug vor die um eine Spielothek zu erweitern. So kamen die ersten Automaten ins Haus und eins führte zum anderen, heute beschäftigt Schneegans 100 Mitarbeiter an elf Standorten, ein normaler, mittelständischer Betrieb, wie er sagt.

„Gespielt wird so oder so, unterbinden kann man das nicht. Aber man kann das Glücksspiel kanalisieren und so kontrollieren“, meint der Hallenbetreiber. Die Reglementierungen seien streng, die Zulassungsprozesse lang und Änderungen nicht immer nachvollziehbar. Die zweite Halle in Nordhausen habe er unter anderem deswegen bauen müssen, weil in der größeren Halle nur wenige Meter entfernt nach einer Gesetzesänderung auf einmal zu viele Geräte standen. „Ich habe jetzt in Nordhausen sichtbar zwei Hallen, aber die Anzahl der verfügbaren Geräte ist am Ende die gleiche geblieben“, sagt Schneegans.

Details wie diese seien von außen nicht immer leicht zu erkennen, auch in der Ausschusssitzung am Dienstag sei viel mit Halbwissen hantiert worden. Die Verbundspielhallen etwa stünden nicht auf dem Spiel, die Konkurrenz durch das Online-Glücksspiel sei weit weniger folgenreich als dargestellt und auch die Einlassung, dass es nur wenige Orte in Thüringen gebe, die eine Regelung zur Deckelung der Abgaben vorsehen, entspreche nicht der Realität. Richtig sei, dass Nordhausen mit der Abgabe von zehn Prozent der Bruttoeinnahmen im Thüringer Vergleich im unteren Bereich liege, wobei es aber nur eine Handvoll Orte gebe, die die Möglichkeiten zur Besteuerung voll ausreizen würden. Insgesamt sei die Zahl der Spielhallen in Thüringen von einst 280 auf nun 220 Spielstätten gesunken, erläutert Schneegans, der auch im Verband der Automatenkaufleute organisiert ist.

Von einer möglichen Deckelung erhofft sich Schneegans kalkulatorische Sicherheit, bis gesetzliche Änderungen greifen könnten. „Wir wollen unseren Anteil leisten und auch gar nicht an den 10 Prozent an sich rütteln, aber eine temporäre Deckelung wäre hilfreich. Unsere Umsätze sind stabil, was uns trifft, ist die Kostenentwicklung und wenn wir das Geschäft aufgeben müssen, fallen die Einnahmen ganz weg“, meint der Unternehmer. Insofern sei der Vorschlag der Deckelung das kleinere Übel.

Ähnlich sieht man es bei der CDU, die den Antrag in den Ausschuss gebracht hat. Die Spielhallen seien ein legales Unternehmen wie jedes andere, dementsprechend sei man gerne bereit gewesen, die Sache in den Stadtrat zu tragen, sagt Steffen Iffland gegenüber der nnz. Die Optik sei kein Problem, schließlich seien auch Rubellos und Lotto Glücksspiel, entscheidend sei vielmehr, dass der Stadt kein größeres Defizit entstehe. Wie der die Sache weitergeht, wird sich kommenden Mittwoch zeigen, wenn der Stadtrat wieder zusammenkommt.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
abc123
05.02.2026, 09:03 Uhr
Spielhallen
"Entscheidend sei vielmehr, dass der Stadt kein größeres Defizit entstehe".

Na dann ist doch alles klar und Herr Iffland und seine Fraktion müssen konsequenterweise den eigenen Antrag ablehnen, schließlich würde er zu Mindereinnahmen von über 200.000 Euro führen.
KlausMüller1960
05.02.2026, 10:33 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Ohne das P.S. vielleicht?
Flitzpiepe
05.02.2026, 10:41 Uhr
Solange selbst in 2025
noch ein sechsstelliger Gewinn raus kommt, ist doch alles gut.
Warum muss da geholfen werden, wenn es gar nicht defizitär ist?
Sind die sogar 7stelligen Gewinne davor alle verprasst worden?
Legt man sich da nicht was für schlechtere Zeiten zurück?
Gibt es ein Anrecht auf Unternehmergewinn in diesem Land?
Das kommt mir so vor, als ob da (Partei?) Freunden mit verringerten Steuern auf Kosten der Stadt unter die Arme gegriffen werden soll, damit der Gewinn nicht so 'klein' ist. Mir kommen die Tränen.
Mundwerk (66)
05.02.2026, 11:26 Uhr
Nordhäuser Doppelkorn (oder Doppelmoral?)
Ich mag den Nordhäuser Humor wirklich. Gestern wie auch heute wird sich über die "bösen" Spielhallen aufgeregt, über Sucht doziert und der moralische Finger erhoben. Gleichzeitig sehe ich aber als Wahrzeichen unserer Stadt zwei Türme im Gewand von Schnapsflaschen. :-) Sucht jeglicher Art ist eine schlimme Geisel der Menschheit mit all ihren Ausprägungen. Aber in einer Gesellschaft, in der eine Flasche hochprozentiger Schnaps nur ein paar wenige Euro kostet, braucht man sicherlich andere Diskussionen. Nach wie vor ist die Alkoholsucht die mit Abstand am verbreitetste. Viel hört man aber nicht darüber, denn nach wie vor ist Alkoholkonsum gesellschaftlich akzeptiert und daher nicht verpönt. Das Glücksspiel hat, obwohl ihm auch viele Menschen nachgehen, diese Akzeptanz nicht. Obwohl die Zugangsbeschränkungen dazu wesentlich höher und besser geschützt sind, als das omnipräsente Angebot an alkoholischen Getränken. Wasch mich, aber mach mich nicht nass, könnte hier die Überschrift lauten. Oder, wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.
Wenn man den Antrag der CDU mit dem hier im Artikel geschilderten Hintergrundwissen objektiv betrachtet, ist der Sachverhalt meiner Meinung zumindest überlegenswert.
KeinKreisverkehr
05.02.2026, 11:27 Uhr
Der arme Betreiber.
Diese "monetären Aufwandsgrenzung" legt übrigens fest wie viel ein Spieler pro Stunde im Durschnitt verlieren darf. Dieser Wert stammt nicht aus 1993 sondern aus 2014 und soll wohl erhöht werden. Man möchte den Spielern als die Chance geben noch mehr in kürzerer Zeit zu verlieren.

"Gespielt wird so oder so, unterbinden kann man das nicht. Aber man kann das Glücksspiel kanalisieren und so kontrollieren."

Wie nobel von dem Herrn.

Man könnte auch den Schwarzmarkt aktiv bekämpfen anstatt sich diesem mit aufgeweichten Bestimmungen weiter anzunähern.

Zwei Spielhallen in 300m Luftlinie voneinander betreiben können. Aber trotzdem nach Hilfe rufen.

Übrigens: Weniger Menschen im Landkreis, weniger Spieler, weniger Spielautomaten. Bäcker in den Dörfern sterben wenn es weniger Menschen gibt. Spielhallen sterben wenn es weniger Menschen gibt. Nur einem trauere ich hinterher.

Ich kann das alles nicht mehr.
Leser X
05.02.2026, 11:41 Uhr
Suchtprävention
Dem Staat sollte etwas am Wohlergehen seiner Bürgerinnen und Bürger liegen. Da gibt es bei der Alkohol-, Nikotin- und Rauschgiftentwöhnung durchaus gute Ansätze. Da das Spielen auch zur Sucht werden und die finanziellen Grundlagen ganzer Familien zerstören kann, sollten wir besser überlegen, ob wir solche "Einrichtungen" überhaupt wollen und brauchen.
Albi
05.02.2026, 11:48 Uhr
Manchmal viel Meinung bei wenig Ahnung
Der Kommentar von Flitzpiepe deutet schon auf eine gewisse Neiddebatte hin. Wenn der zitierte Unternehmer in 2025 noch einen Gewinn von 100.000 hat, rutscht er allein schon durch die erste Stufe der Mindestlohnerhöhung 2026 bei 100 Mitarbeitern deutlich ins Minus. Das ergibt grob geschätzt Mehrkosten in Höhe von 200.000 Euro und 2027 das Ganze nochmal. Das heißt, die Anpassungen der Steuer allein rettet die Betriebe nicht, sie müssen überall den Rotstift ansetzen. Aber sie kann eine Hilfe sein, damit die Arbeitsplätze nicht verloren sind. Übrigens liebe(r) Flitzpiepe, Unternehmer reinvestieren auch oft ihre Gewinne für den Ausbau ihrer Betriebe. Zumindest das, was ihnen der Staat bis dahin noch nicht abgezogen hat. Und auch die Stadt Nordhausen hat ihren Anteil nicht nur bei der Spielapparatesteuer sondern auch über eine ordentliche Gewerbesteuer erhalten. Tun wir jetzt also nicht so, als ob das alles eine Einbahnstrasse wäre. Ich hatte in meinem Kommentar gestern schon erwähnt, dass eine sachliche Debatte zu diesem Thema eine schmale Gratwanderung ist.
Letzte Frage zum Schluss an Kommentator Flitzpiepe: Welchen unternehmerischen Beitrag leisten Sie zur Erhöhung der Wertschöpfung in dieser Stadt?
Betrachter
05.02.2026, 12:09 Uhr
Glücksspiel
sagt doch schon alles. Wenn man Menschen dazu animiert mit ihrem Glück sprich mit ihrem Leben zu spielen, sollte das keine Unterstützung erfahren. Zumal andere daran verdienen, ob am Glück oder am Unglück.
emmerssen
05.02.2026, 14:10 Uhr
Verlogen
Ist diese ganze Debatte. Hier geht es nur um das Geld und wieviel Steuern die Stadt über das Glücksspiel einnehmen kann. Den Brunnen will man nicht versiegen lassen. Notfalls pumpt man auch noch mit rein um, vielleicht später, wieder ordentlich raus zu holen. Wo war die CDU mit ihrer Hilfe als die vielen Bäcker und kleinen Ladengeschäfte der Stadt schließen mußten? Immerhin hat sie ja jahrelang die Landesregierung gestellt. Einer Spielhalle die schließen muss braucht man keine Tränen nach weinen. Vielleicht kommen die Leute welche dort ihr Geld verzocken dann mal auf die Idee ihre Zeit sinnvoller zu nutzen.
Albi
05.02.2026, 16:19 Uhr
Moralapostel?
Zitat ermessen: "Vielleicht kommen die Leute welche dort ihr Geld verzocken dann mal auf die Idee ihre Zeit sinnvoller zu nutzen."
Typische Reflexhandlung des tugendhaften, deutschen Sittenwächters. Wer legt denn fest, wie, wo, wann und warum ein Mensch sein erarbeitetes Geld ausgibt? Nur weil man eine Sache nicht mag bzw. gut findet, kann man doch dem mündigen Bürger unterstellen, dass er immer noch selbst entscheiden darf, wie er seine Moneten unters Volk bringt.
Ein gutes Beispiel dafür ist ja der Kauf von Feuerwerk. Hier ist ja auch jeder der Meinung, sich eine eigene bilden und kommunizieren zu müssen. Zum Glück ist die freie Entscheidung des Bürgers ein hohes Gut, dass Sittenwächter hin oder her, geschützt werden sollte.
KlausMüller1960
05.02.2026, 17:29 Uhr
Mir wird echt übel wenn ich das lese...
Ich wünsche allen Beteiligten, die dafür sind den Casinos unter die Arme zu greifen, das enge Familienangehörige der Spielsucht verfallen.
Die dumme Aussage mit Rubbellos und Lotto hätte sich der Genosse sparen können.
Bei der CDU wird anscheinend nur noch Lobbyarbeit geleistet.
Junge21
05.02.2026, 19:53 Uhr
Prioritäten
Man kann es sich kaum noch ausdenken... Erst sollen Kindergärten geschlossen werden, wegen fehlender Kinder, und zu hohen Kosten und jetzt sollen Glücksspiel- Höllen gefördert werden..Wegen fehlenden Zombies, die vor Automaten sitzen und sich "in den Ruin" zocken. Ich erspare mir, auf die moralische Verantwortung einzugehen. Die hat wohl in Nordhausen, oder im gesamten System keine Relevanz.
Relly8015
10.02.2026, 16:06 Uhr
Nein zur Senkung der Spielautomatensteuer in Nordhausen!
Der Vorschlag der CDU, den Betreibern wie Tobias Schneegans unter die Arme zu greifen, sollte klar abgelehnt werden. Nach meinem Kenntnisstand hat keine Kommune in Deutschland in den letzten Jahren die Spielautomatensteuer (Vergnügungssteuer) freiwillig gesenkt – im Gegenteil: Viele Städte und Gemeinden haben sie sogar angehoben, um Haushaltslöcher zu stopfen oder den Spielerschutz zu stärken. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei etwa 15 Prozent des Einspielergebnisses (manchmal sogar höher, je nach Bemessungsgrundlage).
Eine Senkung würde bedeuten, dass die Stadt Nordhausen auf dringend benötigte Einnahmen verzichtet – zugunsten einer Branche, die ohnehin umstritten ist und gesellschaftliche Folgekosten (Sucht, etc.) verursacht. Wirtschaftliche Härten einzelner Betreiber rechtfertigen keine Steuergeschenke auf Kosten der Allgemeinheit. Der Stadtrat sollte standhaft bleiben und dem Druck widerstehen.
Kurz & knapp: Finger weg von der Steuersenkung – das wäre das falsche Signal!
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