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Mo, 16:30 Uhr
09.02.2026
Wie die IHK dem Fachkräftemangel in Nordthüringen begegnet

Zu wenig Nachwuchs, neue Wege

Zu wenig Nachwuchs, viele Renteneintritte und neue Wege bei der Ausbildung: Die IHK zieht beim Jahresgespräch in Nordhausen Bilanz und setzt auf internationale Fachkräfte und praxisnahe Projekte...

Ulrich Schlegel und Christian Böduel mit der Auszeichnungsplakette für das TIP-Projekt. (Foto: ssc) Ulrich Schlegel und Christian Böduel mit der Auszeichnungsplakette für das TIP-Projekt. (Foto: ssc)
Mehr als 600 Betriebsbesuche haben die vier Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammer-Regionalgeschäftsstelle (IHK) Nordhausen im vergangenen Jahr absolviert. Das berichtete Regionalgeschäftsführer Christian Böduel beim Jahresgespräch in Nordhausen. Angesichts von rund 23.000 Mitgliedsunternehmen in den vier nordthüringischen Landkreisen sei diese Zahl gut, so Böduel.

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Die meisten Mitgliedsbetriebe verzeichnet die IHK im Landkreis Eichsfeld mit 7.968 Unternehmen. Es folgen der Unstrut-Hainich-Kreis mit 6.422 Betrieben, der Landkreis Nordhausen mit 4.958 sowie der Kyffhäuserkreis mit 4.289 Unternehmen.

Neben hohen Arbeits- und Energiekosten sowie einer angespannten Auftragslage beschäftigt die Betriebe vor allem der Fachkräftemangel. Ursache sei vor allem der demografische Wandel, machte Ulrich Schlegel, Vizepräsident Großhandel der IHK, deutlich. „Im Schnitt gehen in Thüringen derzeit rund 30.000 Menschen pro Jahr in Rente, dem stehen etwa 15.000 Schulabgänger gegenüber, von denen nur rund ein Viertel für eine Berufsausbildung zur Verfügung steht“, so Schlegel. Diese Zahlen zeigten klar, dass die wirtschaftliche Zukunft Nordthüringens ohne ausländische Fachkräfte kaum zu sichern sei.

Azubis aus Mongolei, Kasachstan und Kirgisistan
Ein Ansatz ist ein gemeinsames Projekt mit dem Firmenausbildungsbund, über den junge Menschen aus der Mongolei, Kasachstan und Kirgisistan nach Nordthüringen geholt wurden. Rund 55 von ihnen absolvieren hier derzeit eine Ausbildung. Die Erfolgsquote sei mit 95 Prozent sehr hoch. Entscheidend seien neben guten schulischen Leistungen vor allem die sprachliche Vorbereitung in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut. Sprachkenntnisse seien das A und O, betonte Schlegel. Er selbst bilde seit Herbst letzten Jahres eine junge Frau aus der Mongolei in seinem Dämmstoffhandelsbetrieb kaufmännisch aus. „Die größten Kritiker hatte ich im eigenen Haus. Heute sind wir sehr zufrieden und ich würde diesen Schritt jederzeit wieder gehen“, sagte er. Die junge Mongolin sei ein Sprachtalent und spreche sehr gut Englisch und Russisch, was im Geschäftsbetrieb oftmals von Vorteil sei, so Schlegel.

Die IHK sucht nun weitere Ausbildungsbetriebe, die bereit sind, ausländische Auszubildende einzustellen. „Alle wichtigen Informationen gibt es bei uns“, erklärte Böduel. Zu den bisherigen teilnehmenden Unternehmen zählen unter anderem Schachtbau Nordhausen, Feuer Powertrain und die Volksbank. Interessierte Betriebe können sich direkt an die IHK-Regionalstelle in Nordhausen wenden.

Preis für "Tag in der Praxis"
Ein weiteres positives Signal kommt aus dem Ausbildungsbereich: Um Ausbildungsabbrüche zu verringern, wurde 2022 das Projekt „Tag in der Praxis“ (TIP) eingeführt. Ab der achten Klasse verbringen Schülerinnen und Schüler der Regelschulen dabei einmal wöchentlich Zeit in einem Praktikumsbetrieb. Das Projekt wurde jetzt nicht nur mit dem Deutschen Fachkräftepreis ausgezeichnet, sondern zeigt auch messbare Erfolge. Im vergangenen Jahr haben rund 1.300 junge Menschen eine betriebliche Ausbildung neu begonnen. Das sind 3,5 Prozent mehr Ausbildungsverträge als 2024 – und das in einer Phase mit starkem Beschäftigungsrückgang „Langfristig würden wir auch gern die beiden Gymnasien der Stadt dazu bringen, sich am TIP zu beteiligen“, so Böduel.

Viele Nordthüringer Vertreter bei den IHK-Wahlen
Auch bei den IHK-Wahlen ist Nordthüringen gut vertreten. Bei der im vergangenen Herbst durchgeführten Wahl zur IHK-Vollversammlung entfallen 24 der insgesamt 78 Sitze auf Vertreterinnen und Vertreter aus Nordthüringen. Das sei ein guter Schnitt und unterstreiche die Bedeutung der Region innerhalb des Erfurter Kammerbezirks, erklärte Böduel.
Susanne Schedwill
Autor: ssc

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Kommentare
Helena2015
09.02.2026, 22:40 Uhr
Frage zu Schulabgang
Wenn es 15.000 Schulabgängern gibt, aber nur ein Viertel für eine Berufsausbildung in Frage kommt, sind dann die Gymnasien mit eingerechnet, die dann studieren möchten?

Wenn nicht, warum nur ein Viertel?
Ulrich Schlegel
10.02.2026, 07:17 Uhr
Antwort an Helena
Die Aussage ein Viertel für die Ausbildung bezieht sich auf die rund 30.000 Beschäftigten, die jährlich durchschnittlich in Rente gehen.
Dem stehen ca 15.000 - 16.000 Schulabgänger gegenüber.
Thüringen hat die höchste Studienquote, das heißt über die Hälfte der Schulabgänger nimmt ein Studium auf. Die verbliebenen ca 7.500 Schulabgänger stehen für eine Berufsausbildung zur Verfügung, diese schließen etwa 75 Prozent erfolgreich ab.

Mit freundlichen Grüßen Ulrich Schlegel
KeinKreisverkehr
10.02.2026, 08:27 Uhr
30.000 und ein Viertel
Also ich kann den Satz so oft wie ich will lesen aber die tatsächliche Aussage vom Herrn Schlägel lese ich da nicht raus.

Einfach unglücklich geschrieben oder möchte man Stimmung machen? Egal was zutrifft, beides unschön.
Mitternacht
10.02.2026, 08:43 Uhr
Nee, nee, nee, liebe Freunde, so nicht!
Wir holen doch nicht noch mehr Ausländer ins Land, die dann nur wieder remigriert werden müssen! Wir wollen doch jetzt schon "Millionen" remigrieren! Um auf "Millionen" zu kommen, müssen wir doch jetzt schon auch in Lohn und Brot Stehende, Auszubildende und Integrierte remigrieren, sonst kommen wir im Leben nicht auf diese Zahl!

Also, warum sollen wir uns noch mehr Arbeit machen, als unbedingt nötig! Warum erst Wasser ins Boot lassen, nur um es dann wieder auszuschöpfen!
Nee, nee, nee, da soll sich die IHK bitte was anderes überlegen!
Kritiker86
10.02.2026, 09:42 Uhr
Hallo,
Herr Schlegel. So richtig kann ich das alles nicht nachvollziehen!Es gibt soviele Deutsche Kinder/Jugendliche die eine Ausbildung suchen! Wo sind die alle? Das sich niemand bewirbt, oder keiner eine Ausblidung machen will??Unverständlich für mich. Da fährt man um die halbe Welt um Mongolen, Kasachen und Kirgisen bei uns arbeiten zu lassen?? Ich persönlich habe da ganz andere Erfahrungen gemacht. Das Problem liegt in den Betrieben selbst Herr Schlegel. Meine Erfahrungen sind sehr bitter, deswegen arbeite ich seit fast nunmehr 2 Jahrzehnten als Fachkraft in der Pflege, obwohl ich auch eine IHK Ausbildung gemacht habe. Ich habe damals sehr sehr schlechte Erfahrungen mit meinen Chefs gemacht. Die zwar Azubis ausgebildet haben, aber kein einzigen übernommen haben. Und das sind keine 20 Jahre her, da sprachen wir noch von überwiegend deutschen Jugendlichen. Und die Behandlung entsprach eher eines Sklavenarbeiters, als einer Ausbildung. Ich musste sogar zu meinen Chef um bei seinen Hausbau mitzuhelfen, obwohl das als Lagerist nun absolut nicht meine Aufgabe war. Aber war egal, Respekt vom Chef gab es nie. Aber dafür Streit jeden Tag mit seiner Frau, schreiend durch die ganze Halle. Oder ich wurde verdächtigt den Betrieb mit Sprühfarbe beschmiert zu haben. Nur weil die Statur auf meine passte. War ich natürlich nicht gewesen. Könnte ewig noch so weitermachen. Und da liegt das Problem: Die Menschen, auch Kollegen(Chefs) sind intolerant, unfair, und geben einen keine Chance sich in den Betrieb zu integrieren. Wenn man kommt und seine Aufgabe nicht sofort beherrscht, kann man gleich wieder gehen. Es wird sich mit neuen Kollegen oder Azubis keine Mühe mehr gegeben, nur der Profit zählt. So funktioniert es einfach nicht, genau deshalb gibt es den Fachkräftemangel in vielen Betrieben. So ist es beim Bund, Gastro, bei der Putzfrau, und auch in der Pflege ganz schlimm geworden. Der Mensch ist das Problem geworden. Unfähige Führungskräfte in unseren Land, mit unmotivierten Mitarbeitern, wo kein Mensch mehr arbeiten will. Diese BETRIEBE sind betroffen. Mit Studium sind die Perspektiven besser. Besseres Gehalt und vorallen Selbständiges Arbeiten ohne toxischen Chefs.Mehr Menschlichkeit muss wieder her
RWE
10.02.2026, 11:31 Uhr
Kritiker86
Vor 20 Jahren war die Situation sicher noch eine andere. Aber jetzt kann jeder eine Lehrstelle finden-wenn er denn will.
Kritiker86
10.02.2026, 11:47 Uhr
Die
Situation ist meines Erachtens jetzt wieder die selbe wie vor 20 Jahren. Gucken sie sich doch um, wieviel Leute ihre Arbeit verlieren überall in Deutschland. Viele bilden auch garnicht mehr aus. Durch die extrem gestiegenen kosten in allen Bereichen des Lebens.... Würd ich sagen, ist es sogar jetzt noch schlimmer als damals. Falls sie einen guten Job noch haben, gratuliere ich ihnen... Aber für viele wird es immer schwieriger.... Und unsere Fachkräfte aus den Ausland, sind erfahrungsgemäß meistens keine Fachkräfte.
RWE
10.02.2026, 12:51 Uhr
Die wirtschaftliche Situation wird schwieriger
unzählige gut bezahlte Facharbeiterjobs gehen verloren. Das stimmt. Um so wichtiger ist es eine Ausbidung zu haben. Ohne Ausbildung springt man als Erster über die Klinge. Dieser Vorgang ist bereits im Gang. Aber zumindest dieses Jahr gab genügend freie Ausbidungsstellen. Fragen sie mal Handwerk nach...
Solange es der Arbeitsmarkt hergibt darf man wählerisch sein. Diese Zeiten bald vorbei sein. Das Leben (und die Arbeit) ist kein Ponyhof.
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