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Sa, 08:45 Uhr
14.02.2026
Die Flohburg blickt zurück

Voll der Osten

In der Flohburg blickt man in der neuen Sonderausstellung in eine andere Welt, an die sich mancher Nordhäuser aber noch gut erinnern wird. Die Reise geht in die 70er und 80er Jahre und einmal quer durch den Ostberliner Alltag, abgelichtet von Harald Hauswald. Dazu gibt es eine Prise Nordhäuser Stadtgeschichte und Erinnerungsstücke von damals…

v.l.: Volontärin Alisa Behrens und Depot-Chefin Astrid Lautenschläger in der Ausstellung "Voll der Osten" in der Flohburg (Foto: agl) v.l.: Volontärin Alisa Behrens und Depot-Chefin Astrid Lautenschläger in der Ausstellung "Voll der Osten" in der Flohburg (Foto: agl)

Mit dem ungetrübten Blick durch die Linse auf den Alltag seiner Heimat eckte Hauswald Ende der 80er Jahre bei der Obrigkeit an, heute stoßen die Aufnahmen das Fenster zu einer Welt auf, die gerade für die Jüngeren nicht einmal mehr in der Erinnerung lebendig ist. Ein verliebtes Paar, Rocker, Popper und Hooligans, behütete Kinder und einsame Alte, die ersten zarten Pflanzen der friedlichen Revolution, kleine Momente des Lebens in der Hauptstadt der DDR - in über 100 Aufnahmen auf 20 Tafeln präsentiert die Ausstellung „Voll der Osten“ einen kleinen Ausschnitt aus dem Werk des Fotografen.

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Zum Bild kommt das Wort - unter den großen Stichworten der Ausstellung erklärt der Historiker und Autor Stefan Wolle den Kontext des Abgelichteten, kurz aber eindringlich. „Die Ausstellung ist mehr Erinnerung als „Ostalgie“, man findet viele Punkte an denen das eigene Erleben wieder wach wird aber auch Texte, die einen nachdenklich stimmen“ sagt Astrid Lautenschläger, die die Bilderschau in schwarz-weiß mit „Farbtupfern“ aus dem Fundus des Nordhäuser Museumsdepots erweitert hat. Lautenschläger war selbst ein Kind des Sozialismus, ist in den letzten Jahren der DDR erwachsen geworden und erinnert sich noch gut an „damals“. „Für mich ist die Ausstellung mitunter ein Wechselbad der Gefühle. Das ist zum Beispiel die Gemeinschaft, die ich damals gesehen und erlebt habe und dann aber auch, dem gegenüber, der Umgang mit den Älteren im Land, der mir so bis heute nicht wirklich bewusst war“, erzählt die Depotleiterin.

Ein weiterer Kontrastpunkt, der für die, die sich noch erinnern können ist der Ort an sich: Berlin. „Für uns hätte Berlin damals genauso gut ein anderer Stern sein können. Das war weit weg. Die Eindrücke aus Berlin hier zu sehen und mit dem zu vergleichen, was man selber erlebt hat, das hat auch seinen Reiz“, erzählt Lautenschläger.

Für Alisa Behrens ist die Diskrepanz zwischen dem, was sie über die DDR zu wissen glaubte und dem, was die Ausstellung zeigt um Längen größer. Die Museums-Volontärin kommt aus dem Hamburger Raum und wurde Mitte der 90er Jahre geboren, die Berührungspunkte zum „Osten“ gingen gegen Null. „Meine Vorstellung von der DDR waren immer kaputte Häuser und von einem Land, in dem jeder jedem misstraut. Mit der Ausstellung zu arbeiten und darüber mit den Kollegen zu reden, die fast alle Zeitzeugen sind, war für mich wie das Eintauchen in eine neue Welt.“

Wie der jungen Volontärin dürfte es auch einem nicht unerheblichen Teil der hiesigen Nachgeborenen gehen, als Ergänzung zur eigentlichen Ausstellung hat man neben den Nordhäuser Artefakten der Vergangenheit auch einige Begrifflichkeiten wie „Feierabendheim“ oder „Perestroika“ gesondert erläutert. Zudem besteht die Möglichkeit, über QR Codes an den Tafeln mehr über die Fotografien und ihren Kontext zu erfahren.

Die Auswahl der Objekte begleitet ebenfalls die Berliner Motive, wo sich Hauswald und Wolle mit Fernweh und Sehnsucht beschäftigen, garniert das Museum dies mit einer Flasche „Kreuz des Südens“, einem landesweit bekannten Schnaps - aus Nordhäuser Produktion, versteht sich. „Die Ausstellung ist so angelegt, dass man sie alleine erkunden kann und das sollte man mit Zeit tun, es lohnt sich die Texte zu lesen und die Bilder wirken zu lassen“, sagt Lautenschläger. Für Schulklassen ab Stufe 10 und aufwärts wird es pädagogische Angebote geben.

(Stadt)- Geschichte spielerisch erleben
Die Wissensvermittlung rund um die Nordhäuser Geschichte für Kindergartenkinder und Schüler erfreut sich auch im allgemeine Museumsalltag großer Beliebtheit. Für das jüngere Publikum wird man auch in diesem Jahr wieder die Stadtführungen „Auf den Spuren der Königin Mathilde“ und „Meine Heimatstadt“ anbieten, die sich vor allem an Kindergärten und Grundschulen richten.

„Besonders freut uns, das wir unser „Scriptorium“ ausbauen können. Das Schreiben mit Feder und Tinte war da immer fester Bestandteil, in diesem Jahr gehen wir den Spuren der „Schwarzen Kunst“ nach und klären, wie der Buchstabe auf das Papier kam. Zur Feder kommen Stylus und Wachstafel, wie bei den Römern und richtiges Druck setzen“, erzählt Astrid Lautenschläger. Einen ersten Probelauf gab es bereits.

Ebenfalls beliebt: das „Escape“-Spiel, dass Volontärin Alisa Behrens im vergangenen Jahr zusammen mit den jungen Kollegen erdacht hat, die ihr soziales Jahr im Museum bestreiten. Über diverse, interaktive Rätsel arbeiten sich zwei bis fünf Spieler ab 14 Jahren für rund anderthalb Stunden durch die drei Nordhäuser Museen und lernen so nebenher auch etwas über die Stadthistorie, Kunst und Kultur. Garniert wird das ganze mit einer spannenden Geschichte um „den Schatten“, der in den Museen und der Geschichte sein Unwesen treibt. „Das schöne ist, dass man dabei nicht wie bei der klassischen Führung durch das Museum geschoben wird, sondern im eigenen Tempo über den spielerischen Ansatz an die Fakten kommt. Da ist mehr eigene Entdeckung aus Neugierde dabei und das funktioniert einfach. Wir sind gerade dabei das Escape-Spiel noch einmal zu überarbeiten. Der Schwierigkeitsgrad wird angehoben und es wird noch etwas mehr Anspruch in die Sache gebracht. Wer das Spiel also schon einmal absolviert hat, kann gerne Wiederholungstäter werden und noch einmal wiederkommen“, erläutert Behrens.

Für den Sommer steht ihr eigenes, großes Finale an: eine breit angelegte Museumsrallye für bis zu 25 Personen will Behrens den Museen hinterlassen. „Es gab für das Escape Spiel öfter anfragen von größeren Gruppen - von Schülern, Auszubildenden aber auch Tagesausflüglern. Dafür ist die kleine Runde aber nicht ausgelegt. Deswegen die große Museumsrallye, mit einem ähnlichen Ansatz. Aber das sind wir im Moment noch in der Ideenfindung.“

Ein wenig wird man sich für das große Museumsspiel also noch gedulden müssen, die Ausstellung „Voll der Osten“ ist indes ab sofort zu besichtigen und wird bis zum 17. Mai zu sehen sein.
Angelo Glashagel
Autor: red

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