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Sa, 08:00 Uhr
02.05.2026
Nachgefragt

Ideologie trifft auf Realität

Es schien einige Zeit so, als ob es um den Abbau von Rohstoffen ruhig geworden sei im Südharz. Doch vor einigen Tagen ploppte eine Meldung des Thüringer Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf, in der die Schließung eines Werkes der Knauf-Gruppe zum Anlass genommen wurde, zu einem erneute Rundumschlag gegen Gipsindustrie anzusetzen. Wir haben deshalb mal nachgefragt…

Die Knauf-Zentrale in Iphofen (Foto: Knauf) Die Knauf-Zentrale in Iphofen (Foto: Knauf)
Na, das war doch wieder einmal eine Meldung, so richtig gemacht für die Hardliner des BUND und seiner Vorfeldgruppen rund um den Südharz. Denn im Embsen muss das dortige Gipswerk schließen. Nun werden sie sich vielleicht fragen, wo liegt Embsen? Es liegt im Landkreis Lüneburg und wird in einer Art Joint Venture der Firmen Yara und Knauf betrieben. Ende dieses Jahres soll damit Schluss sein, das Werk mit einer Produktion von rund 22.000 Tonnen pro Jahr wird geschlossen. Es ist für die beiden Firmen nicht mehr rentabel zu betreiben die Ausgangsstoffe gehen aus. Hart ausgedrückt, so ist das nun mal im Kapitalismus. Eigentlich Ende der Geschichte.

Doch hier setzt der Thüringer BUND an und wittert die immer kleiner werdende Chance, auf das Ende des Gipsabbaus im Südharz hinzuweisen. Burkhard Vogel ist - im Gegensatz von vielen anderen Akteuren - nicht nur im Besitz eines abgeschlossenen Studiums, er promovierte zudem erfolgreich zum Doktor der Naturwissenschaften. Der Fachmann ist seit 1999 im BUND Landesverband tätig. Zuerst als Landesgeschäftsführer, aktuell als erster Vorsitzender. Zwischenzeitlich war Vogel Staatssekretär bei R2G im Freistaat.

Ich schreibe das, damit die geneigte Leserschaft weiß, dass Vogel kein Hobbybiologe, ehrenamtlicher Wegewart, Kakteenzüchter oder abschlussfreier Klimaaktivist ist. Er steht im Stoff und umso bedauerlicher ist es, dass er immer wieder in die gleiche Kerbe schlägt.

Das Werk in Embsen ist kein Gips-Recyclingwerk. Es lebt von den technisch notwendigen Stoffströmen, zu denen auch Gipse gehören, die aus anderen Prozessen wie zum Beispiel der Düngemittelherstellung stammen und die wieder zu Gipsputzen verarbeitet werden. Das Aufkommen in Deutschland an solchen gipshaltigen Abfällen ist derart gering, dass Knauf und Yara angesichts von 22.000 Tonnen im Jahr die Reißleine ziehen mussten. Zum Vergleich: Allein das Knauf-Werk in Rottleberode verarbeitet pro Jahr rund 900.000 Tonnen Rohstein.

Nun ist es ja nicht so, dass sich die deutsche Gipsindustrie angesichts des großen Vorkommens an Gips im Südharz in einer Art von Selbstgefallen suhlt. Jeder Kapitalist ist bemüht, die Kosten zu senken und den Erlös zu erhöhen. Und so wird an der Recyclingfront schon längst gearbeitet und geforscht. Alles mit dem Ziel, so wenig wie möglich Gips und Anhydrit aufwändig abbauen zu müssen, stattdessen durch bereits bearbeitetes Material zu ersetzen. Gips kann, wenn es irgendwann einmal technisch, physisch und chemisch tatsächlich recycelt werden wird, eine Art Perpetuum Mobile der Bauwirtschaft werden. Die Betonung liegt auf KANN.

Nichts desto trotz wird an möglichen Recycling-Verfahren geforscht. Auch am Nordhäuser Weinberg. Hier unterstützt Knauf seit 2 Jahren eine Professur zum Thema Recycling. Angaben zur Höhe der Unterstützung macht das Unternehmen nicht, wer sich jedoch in diesem Revier ein wenig auskennt, der weiß, dass es sich um jährliche sechsstellige Summen pro Jahr handelt. Weiter: nnz-Informationen zufolge baut Knauf aktuell in Neustadt an der Zenn ein neues Recyclingwerk.

Also, was wollen die Hardliner des BUND? In der nnz war jüngst folgendes zu lesen: „Wir fordern von der Politik, keinen weiteren Gipsabbau im Südharz zuzulassen und konsequent auf Alternativen zu setzen. Das nützt langfristig auch der Industrie und sichert Arbeitsplätze – denn der Naturgips im Südharz ist endlich“. Arbeitsplätze sind tatsächlich ein Argument, denn die drei abbauenden Unternehmen im Südharz rund 450 Arbeitsplätze auf die Waage des Jahrzehnte währenden Streits. Und auch der Rohstoff ist im Südharz endlich.

Warum anlässlich der Schließung des Nicht-Recyclingwerkes in Niedersachsen nun wieder “Öl ins Feuer gegossen” wurde, bleibt auf den ersten Blick dem Betrachter verschlossen. Es gibt doch einen “Abschlussbericht der Kohlekommission” vom Januar 2019 zum sogenannte Kohleausstieg”, der in einen Öffentlich-rechtlichen Vertrag mündete. In dem steht geschrieben, dass durch die schrittweise Abschaltung der Kohlekraftwerke in diesem Land der Rea-Gips wegfallen würde und wird. Und der machte einst die Hälfte des allein in Deutschland benötigten Rohstoffs aus, Experten sprechen von einem Wegfall bis 2038 von 4 Millionen Tonnen.

Bislang gibt es bedauerlicherweise keinen Baustoff, der in Effizienz, in punkto Sicherheit oder im Grad der Bearbeitung und Verarbeitung dem Gips auch nur ansatzweise nahekommt. Recycelter Rohstoff oder auch der sogenannte Phosphorgipse spielen auch in Zukunft eine wesentlich untergeordnete Rolle, denn letztlich geht es im aktuellen wirtschaftlichen Zusammenwirken immer um Gewinn. Nur wenn es den gibt, dann gibt es auch Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und so manches volksportliche Ereignis im Südharz. Und vor allem sichere Arbeitsplätze, sieh oben.

Zur Erinnerung: Den Streit um den Gips gibt es übrigens nicht nur im Südharz, sondern auch in Franken. Dort will Knauf ein neues Werk bauen und eine neue Lagerstätte erschließen. Im vergangenen Jahr machte eine Parteifreundin von Herrn Vogel während einer Diskussionsveranstaltung einen erstaunlichen Vorschlag. Mehr ist dazu nicht zu sagen oder zu schreiben.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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