Mi, 14:43 Uhr
24.06.2026
Tag der Lehre und des Lernens an der Hochschule Nordhausen
Wie lernt und lehrt eine Hochschule von morgen?
Am 10. Juni trafen sich Lehrende und Studierende der Hochschule Nordhausen im Audimax, um gemeinsam über die Zukunft von Lehre und Lernen nachzudenken. Unter dem Motto The Future of Teaching and Learning" standen konkrete Ansätze, offene Fragen und ein ungewöhnlicher Blick auf das, was akademische Wissensvermittlung leisten soll, im Mittelpunkt des Tages.
Keynote: Wenn Wissen nichts hängen bleibt
Den inhaltlichen Auftakt setzte Ludwig David Lorenz, Future Scout Fellow der Reinhard Frank-Stiftung und DigitalChangeMaker beim Hochschulforum Digitalisierung. In seiner Keynote Connected Thinking" stellte er die Frage, ob akademische Wissensvermittlung wirklich nachhaltig wirkt – oder ob Studierende vieles lernen, was kurz darauf wieder vergessen ist. Lorenz plädierte für vernetzteres Denken und eine Hochschullehre, die nicht nur Stoff vermittelt, sondern Zusammenhänge sichtbar macht.
Wissen, das nicht angewendet wird, verschwindet. Die Frage ist nicht, was wir lehren, sondern was davon wirklich bleibt", brachte Lorenz die zentrale These auf den Punkt.
Studierende nehmen das Wort: Lehre oder Leere – let's fix the gap!
Ungewöhnlich für eine Hochschulveranstaltung: Ein ganzer Block gehörte den Studierenden selbst. Im Studierendenworkshop diskutierten sie offen, wo sie Lücken zwischen dem erleben, was Lehre verspricht, und dem, was sie im Alltag davon haben. Die Ergebnisse sollen in die weitere Entwicklung der Lehre an der Hochschule Nordhausen einfließen.
Wir wollen wissen, wie unsere Studierenden Lehre wirklich erleben. Das ist keine Selbstverständlichkeit – und heute war dafür Raum", sagte Prof. Dr. Cordula Borbe, Vizepräsidentin für Studium und Lehre, bei ihrer Begrüßung.
Vier Workshops: Von KI bis Bergsteigen
Am Nachmittag verteilten sich die Teilnehmenden auf vier parallele Workshops mit sehr unterschiedlichen Ansätzen.
- Uwe Cämmerer-Seibel, Geschäftsführer des eTeach Netzwerks, zeigte im Workshop Kursentwicklung mit KI: Lernziele taxonomisch denken", wie sich KI-Werkzeuge nutzen lassen, um Lernziele präziser zu formulieren – auf Basis etablierter Lerntaxonomien wie der Bloom'schen Taxonomie. Kein Selbstzweck, sondern ein praktisches Handwerkszeug für Lehrende.
- Kirsten Lamschus aus dem Studienbereich Gesundheits- und Sozialwissenschaften der Hochschule Nordhausen beschäftigte sich mit einem weniger technischen, aber mindestens ebenso wichtigen Thema: Resonanz und Beziehung als Grundlage guter Hochschullehre. Wer Studierende wirklich erreichen will, braucht mehr als gute Folien.
- Prof. Dr. Klaus-Peter Neitzke aus den Ingenieurwissenschaften der Hochschule Nordhausen bewies, dass auch trockene Fachgebiete lebendig erklärt werden können – mit einem Workshop über Analogien: Was verbindet Flugzeugtriebwerke mit Seifenblasen? Und was hat Elektrotechnik mit Bergsteigen zu tun? Sein Ansatz: Komplexe Zusammenhänge werden verständlich, wenn man sie mit vertrauten Bildern in Verbindung bringt.
- Dr. Manuel Robert Quaschner von der Fakultät für Mathematik und Informatik der Friedrich-Schiller-Universität Jena stellte vor, wie aktivierende Selbstlernformate in der Mathematik aussehen können – konkret am Beispiel von Selbsttests im Lernmanagementsystem Moodle, die Lernstände sichtbar machen, ohne Prüfungsdruck zu erzeugen.
Lehrprojekte im Rampenlicht
Abgeschlossen wurde das Programm mit einer Vorstellung aktueller Förderprojekte und Fellowships aus der Hochschule. Welche Lehrprojekte laufen gerade? Was wird erprobt? Der Spotlight-Block machte sichtbar, dass Lehrentwicklung an der Hochschule Nordhausen kein Einzelprojekt ist, sondern laufend stattfindet.
Der Tag der Lehre und des Lernens findet an der Hochschule Nordhausen regelmäßig statt und richtet sich an alle, die Lehre gestalten oder erleben: Professorinnen und Professoren, Lehrbeauftragte, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – und Studierende. Ziel ist ein offener Austausch über das, was Hochschullehre leisten kann und soll. Organisiert wurde das Event von Prof. Dr. Cordula Borbe, Kathleen Hahnemann und Martin Groß - Team Referat Studium & Lehre.


