Di, 14:34 Uhr
08.07.2008
nnz-doku: Ehre, wem Ehre gebührt
Lothar Werkmeister aus Sollstedt hat eine der höchsten Ehrungen in unserem Land erhalten – das Verdienstkreuz am Bande. Dazu eine Würdigung von Bürgermeister Jürgen Hohberg in der nnz-doku-Reihe.
Werkmeister (Foto: GVS)
Lothar Werkmeister, geboren am 28.06.1933, ist seit mehr als 43 Jahren Bürger unserer Gemeinde. Nach Ausbildung und Studium hat er nahezu seine gesamte berufliche Vita im Südharzer Kalibergbau verbracht. Mit der Stilllegung der Kaliwerke1990 kam für Herrn Werkmeister das Angebot, die damalige Vorruhestandsregelung in Anspruch nehmen zu können, viel zu früh und so hielt er Ausschau nach einer sinnvollen Beschäftigung, mit der die umfangreich gewonnene Freizeit gefüllt werden konnte. Neben seinem Garten in der
Sollstedter Kleingartenanlage, dem er sich auch heute noch mit Hingabe widmet, sollte es aber möglichst auch eine intellektuell anspruchsvolle Tätigkeit sein und so bedurfte es keiner all zu großen Überredungskünste, Herrn Werkmeister als stellvertretenden Vorsitzenden des im Dezember 1991 gegründeten Fördervereins Soziales Zentrum Sollstedt e.V. zu gewinnen.
Der kürzlich verstorbene Herr Metz, der seit der Gründung bis zum Juni 2007 den Vorsitz des Vereins innehatte, stand bis zum Jahr 2002 noch voll im Berufsleben, so dass Herr Werkmeister eigentlich zu allen Zeiten der Macher war, doch in seiner ihm eigenen zurückhaltenden und bescheidenen Art stets der Mann im Hintergrund blieb. Er war, wie man so sagt, der spiritus rector oder anders ausgedrückt ehrenamtlich aber total professionell tätig.
Der Vereinszweck des Fördervereins Soziales Zentrum Sollstedt e.V. beschränkte sich zu Beginn auf die Unterbreitung von Angeboten für ältere und sozial benachteiligte Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde. Dieses Feld war bis 1990 in unserer Gemeinde von der damaligen Volkssolidarität beackert worden, deren Kreisverband aber die Wende nicht überlebte. Unter Einsatz der sich bietenden finanziellen und personellen Möglichkeiten über die Bundesanstalt für Arbeit, co-finanziert durch die Gemeinde Sollstedt, wurde zunächst unter Federführung des Fördervereins auch mit großzügiger Unterstützung durch den Freistaat Thüringen eine Seniorenbegegnungsstätte geschaffen.
Doch auch unsere Jugend forderte alsbald ihr Recht und so folgte im Sommer 1992 die Einweihung eines Jugendclubs, der ebenfalls in die Regie des Fördervereins Soziales Zentrum Sollstedt e.V. übergeben wurde. Da in der Seniorenbegegnungsstätte eine großzügige Küche eingerichtet worden war, wurde in der Folge damit begonnen, für Bedürftige und Rentner Mittagessen anzubieten. Der Küchenbetrieb wurde in den Folgejahren auch auf Mittagsversorgung im Bringedienst und für die Kinder des hiesigen Kindergartens ausgeweitet. Und der Kindergarten – die Thüringer Gesetzlichkeiten machten eine Überführung an einen Freien Träger sinnvoll – wurde ab 1997 durch den Förderverein Soziales Zentrum Sollstedt e.V. betrieben. Da zwei der Mitarbeiterinnen in der Seniorenbegegnungsstätte von Hause aus examinierte Krankenschwestern waren, wurde aus einem anfänglich sporadischen Pflege- und Betreuungsdienst ein nunmehr gewachsener ambulanter Pflegedienst mit einem stetig anwachsenden Patientenstamm. Dieser Pflegedienst wird ergänzt durch hauswirtschaftliche Angebote und einen Fahrdienst.
Aus anfangs vier bis fünf Beschäftigten waren nach den ersten 5 Jahren inclusive Ehrenamtler, ABM-Kräften und Praktikanten sukzessive etwa 40 bis 50 geworden, für die die Arbeitgeberpflichten durch einen aus 9 Mitgliedern bestehenden ehrenamtlichen Vorstand wahrgenommen werden mussten. Verdeutlichen kann man die Dimension des Vereins durch die Mittel, die zwischenzeitlich umgesetzt werden: Für 2008 stehen 834.800 Euro an Einnahmen und Ausgaben im Wirtschaftsplan!
Es ist durchaus keine Übertreibung, wenn konstatiert wird, dass Herr Werkmeister als stellvertretender Vorsitzender mehr als 50 % der Vorstandsaufgaben wahrgenommen hat, angefangen von der Verantwortlichkeit für Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz über die Erstellung der Arbeitsgrundlagen wie Dienst- und Geschäftsanweisungen für die Mitarbeiter/innen und den Vorstand bis hin zur Protokollführung und zu detaillierten Wirtschaftlichkeitsberechnungen.
Da Herr Werkmeister im Verlauf seiner beruflichen Tätigkeiten auf Grund des Standes der Technik keine Gelegenheit gehabt hatte, mit einem PC umzugehen, schaffte er sich für seine Vorstandsarbeit alsbald einen Computer an und
machte sich im Rahmen von learning by doeing fit.
Als nächstes musste ein Arbeitszimmer her, also wurden kurzerhand von ihm privat weitere Räumlichkeiten zu seiner Wohnung angemietet, die ihm die nötigen Rückzugsmöglichkeiten boten, um seine anspruchsvollen Aufgaben zu bewältigen. Dies alles wurde wie selbstverständlich aus eigener Tasche finanziert. Im Jahr 2001 wurde auf Vorschlag des Bürgermeisters der Gemeinde Sollstedt erstmals eine Entschädigungsordnung für den Vorstand des Fördervereins erlassen, in der ein eher als symbolisch zu betrachtender Obulus von 50,00 DM/Monat für den Vorsitzenden und seinen Stellvertreter festgesetzt wurde. Der schärfste Kritiker dieser Entscheidung war Herr Werkmeister, der damit seine Ehrenamtlichkeit nicht mehr zu 100 Prozent gewahrt sah.
Herr Werkmeister ist aber bei Weitem kein Schreibtischtäter, vielmehr sucht er ständig den
persönlichen Kontakt zu allen Mitarbeiter/inne/n und auch den Nutzern der drei Häuser, stets auf der Suche nach qualitativen Verbesserungen der Angebote. Auch für die Gemeindeverwaltung Sollstedt, die ab 1997 die kaufmännische Geschäftsbesorgung des Vereins übernahm, ist Herr Werkmeister ständiger und kompetenter Ansprechpartner. Für die Erledigung dieser Aufgaben bewältigt er ein großes Laufpensum und dies alles trotz einer bereits seit einigen Jahren angeschlagenen Gesundheit. Anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahr 2003 erhielt Herr Werkmeister auf Beschluss des Gemeinderates Sollstedt als erster Bürger eine Ehrung als Verdienstvoller Bürger unserer Gemeinde, die entsprechend der dafür bestehenden Richtlinie mit der Überreichung einer Ehrengabe (Wappenteller) und einer Ehrennadel verbunden ist.
Wir vertraten jedoch die Ansicht, dass Herrn Werkmeister in Anerkennung seiner Verdienste eine Ehrung zuteil werden sollte, die auch überregionale Beachtung findet. Wir erachteten Herrn Werkmeister für mehr als würdig, das Bundesverdienstkreuz überreicht zu bekommen, um ihm mit einer solchen Auszeichnung für sein bisheriges Wirken im Dienste des Gemeinwohls zu danken und damit auch ein weiteres positives Zeichen für die Wertschätzung des Ehrenamtes in Thüringen zu setzen. Nach eingehender Prüfung unseres Vorschlags wurde diesem durch den Bundespräsidenten Horst Köhler gefolgt und Herr Werkmeister erhielt heute stellvertretend durch die Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit, Frau Christine Lieberknecht, im Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt im Beisein des Bürgermeisters die Ordensinsignien für das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.
Wir gratulieren Herrn Werkmeister zu dieser Ehrung und wünschen ihm und seiner Ehefrau, die durch ihr Verständnis einen nicht unwesentlichen Anteil an seiner Arbeit leistete, noch viele Jahre bei bester Gesundheit.
Jürgen Hohberg, Bürgermeister
Autor: nnz
Werkmeister (Foto: GVS)
Lothar Werkmeister, geboren am 28.06.1933, ist seit mehr als 43 Jahren Bürger unserer Gemeinde. Nach Ausbildung und Studium hat er nahezu seine gesamte berufliche Vita im Südharzer Kalibergbau verbracht. Mit der Stilllegung der Kaliwerke1990 kam für Herrn Werkmeister das Angebot, die damalige Vorruhestandsregelung in Anspruch nehmen zu können, viel zu früh und so hielt er Ausschau nach einer sinnvollen Beschäftigung, mit der die umfangreich gewonnene Freizeit gefüllt werden konnte. Neben seinem Garten in derSollstedter Kleingartenanlage, dem er sich auch heute noch mit Hingabe widmet, sollte es aber möglichst auch eine intellektuell anspruchsvolle Tätigkeit sein und so bedurfte es keiner all zu großen Überredungskünste, Herrn Werkmeister als stellvertretenden Vorsitzenden des im Dezember 1991 gegründeten Fördervereins Soziales Zentrum Sollstedt e.V. zu gewinnen.
Der kürzlich verstorbene Herr Metz, der seit der Gründung bis zum Juni 2007 den Vorsitz des Vereins innehatte, stand bis zum Jahr 2002 noch voll im Berufsleben, so dass Herr Werkmeister eigentlich zu allen Zeiten der Macher war, doch in seiner ihm eigenen zurückhaltenden und bescheidenen Art stets der Mann im Hintergrund blieb. Er war, wie man so sagt, der spiritus rector oder anders ausgedrückt ehrenamtlich aber total professionell tätig.
Der Vereinszweck des Fördervereins Soziales Zentrum Sollstedt e.V. beschränkte sich zu Beginn auf die Unterbreitung von Angeboten für ältere und sozial benachteiligte Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde. Dieses Feld war bis 1990 in unserer Gemeinde von der damaligen Volkssolidarität beackert worden, deren Kreisverband aber die Wende nicht überlebte. Unter Einsatz der sich bietenden finanziellen und personellen Möglichkeiten über die Bundesanstalt für Arbeit, co-finanziert durch die Gemeinde Sollstedt, wurde zunächst unter Federführung des Fördervereins auch mit großzügiger Unterstützung durch den Freistaat Thüringen eine Seniorenbegegnungsstätte geschaffen.
Doch auch unsere Jugend forderte alsbald ihr Recht und so folgte im Sommer 1992 die Einweihung eines Jugendclubs, der ebenfalls in die Regie des Fördervereins Soziales Zentrum Sollstedt e.V. übergeben wurde. Da in der Seniorenbegegnungsstätte eine großzügige Küche eingerichtet worden war, wurde in der Folge damit begonnen, für Bedürftige und Rentner Mittagessen anzubieten. Der Küchenbetrieb wurde in den Folgejahren auch auf Mittagsversorgung im Bringedienst und für die Kinder des hiesigen Kindergartens ausgeweitet. Und der Kindergarten – die Thüringer Gesetzlichkeiten machten eine Überführung an einen Freien Träger sinnvoll – wurde ab 1997 durch den Förderverein Soziales Zentrum Sollstedt e.V. betrieben. Da zwei der Mitarbeiterinnen in der Seniorenbegegnungsstätte von Hause aus examinierte Krankenschwestern waren, wurde aus einem anfänglich sporadischen Pflege- und Betreuungsdienst ein nunmehr gewachsener ambulanter Pflegedienst mit einem stetig anwachsenden Patientenstamm. Dieser Pflegedienst wird ergänzt durch hauswirtschaftliche Angebote und einen Fahrdienst.
Aus anfangs vier bis fünf Beschäftigten waren nach den ersten 5 Jahren inclusive Ehrenamtler, ABM-Kräften und Praktikanten sukzessive etwa 40 bis 50 geworden, für die die Arbeitgeberpflichten durch einen aus 9 Mitgliedern bestehenden ehrenamtlichen Vorstand wahrgenommen werden mussten. Verdeutlichen kann man die Dimension des Vereins durch die Mittel, die zwischenzeitlich umgesetzt werden: Für 2008 stehen 834.800 Euro an Einnahmen und Ausgaben im Wirtschaftsplan!
Es ist durchaus keine Übertreibung, wenn konstatiert wird, dass Herr Werkmeister als stellvertretender Vorsitzender mehr als 50 % der Vorstandsaufgaben wahrgenommen hat, angefangen von der Verantwortlichkeit für Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz über die Erstellung der Arbeitsgrundlagen wie Dienst- und Geschäftsanweisungen für die Mitarbeiter/innen und den Vorstand bis hin zur Protokollführung und zu detaillierten Wirtschaftlichkeitsberechnungen.
Da Herr Werkmeister im Verlauf seiner beruflichen Tätigkeiten auf Grund des Standes der Technik keine Gelegenheit gehabt hatte, mit einem PC umzugehen, schaffte er sich für seine Vorstandsarbeit alsbald einen Computer an und
machte sich im Rahmen von learning by doeing fit.
Als nächstes musste ein Arbeitszimmer her, also wurden kurzerhand von ihm privat weitere Räumlichkeiten zu seiner Wohnung angemietet, die ihm die nötigen Rückzugsmöglichkeiten boten, um seine anspruchsvollen Aufgaben zu bewältigen. Dies alles wurde wie selbstverständlich aus eigener Tasche finanziert. Im Jahr 2001 wurde auf Vorschlag des Bürgermeisters der Gemeinde Sollstedt erstmals eine Entschädigungsordnung für den Vorstand des Fördervereins erlassen, in der ein eher als symbolisch zu betrachtender Obulus von 50,00 DM/Monat für den Vorsitzenden und seinen Stellvertreter festgesetzt wurde. Der schärfste Kritiker dieser Entscheidung war Herr Werkmeister, der damit seine Ehrenamtlichkeit nicht mehr zu 100 Prozent gewahrt sah.
Herr Werkmeister ist aber bei Weitem kein Schreibtischtäter, vielmehr sucht er ständig den
persönlichen Kontakt zu allen Mitarbeiter/inne/n und auch den Nutzern der drei Häuser, stets auf der Suche nach qualitativen Verbesserungen der Angebote. Auch für die Gemeindeverwaltung Sollstedt, die ab 1997 die kaufmännische Geschäftsbesorgung des Vereins übernahm, ist Herr Werkmeister ständiger und kompetenter Ansprechpartner. Für die Erledigung dieser Aufgaben bewältigt er ein großes Laufpensum und dies alles trotz einer bereits seit einigen Jahren angeschlagenen Gesundheit. Anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahr 2003 erhielt Herr Werkmeister auf Beschluss des Gemeinderates Sollstedt als erster Bürger eine Ehrung als Verdienstvoller Bürger unserer Gemeinde, die entsprechend der dafür bestehenden Richtlinie mit der Überreichung einer Ehrengabe (Wappenteller) und einer Ehrennadel verbunden ist.
Wir vertraten jedoch die Ansicht, dass Herrn Werkmeister in Anerkennung seiner Verdienste eine Ehrung zuteil werden sollte, die auch überregionale Beachtung findet. Wir erachteten Herrn Werkmeister für mehr als würdig, das Bundesverdienstkreuz überreicht zu bekommen, um ihm mit einer solchen Auszeichnung für sein bisheriges Wirken im Dienste des Gemeinwohls zu danken und damit auch ein weiteres positives Zeichen für die Wertschätzung des Ehrenamtes in Thüringen zu setzen. Nach eingehender Prüfung unseres Vorschlags wurde diesem durch den Bundespräsidenten Horst Köhler gefolgt und Herr Werkmeister erhielt heute stellvertretend durch die Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit, Frau Christine Lieberknecht, im Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt im Beisein des Bürgermeisters die Ordensinsignien für das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.
Wir gratulieren Herrn Werkmeister zu dieser Ehrung und wünschen ihm und seiner Ehefrau, die durch ihr Verständnis einen nicht unwesentlichen Anteil an seiner Arbeit leistete, noch viele Jahre bei bester Gesundheit.
Jürgen Hohberg, Bürgermeister

