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Mi, 08:15 Uhr
24.09.2008

Abbau Ost?

Es ist ein außergewöhnliches Buch, aus dem da gestern Abend gelesen wurde. Es war ein ungewöhnlicher Ort, in dem diese Lesung abgehalten wurde. Das alles machte die nnz neugierig. Ob diese Neugier befriedigt wurde, das erfahren Sie mit einem einzigen Klick.

Fahrradvorstellung (Foto: nnz) Fahrradvorstellung (Foto: nnz)
Vor der Lesung gab es eine Werksbesichtigung

„Unter rein ökonomischen Gesichtspunkten wäre es sinnvoll, die Regierung würde den ehemaligen DDR-Bürgern den Umzug in westdeutsche Bundesländer bezahlen und die ostdeutschen Verwaltungsgebiete – abgesehen von einigen Wirtschaftsstandorten – der Natur überlassen“. Dieser Satz steht auf Seite 28 des Sachbuches „Abbau Ost“. Erschienen ist es im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv), geschrieben hat es Olaf Baale.

Baale im Fahrradwerk (Foto: nnz) Baale im Fahrradwerk (Foto: nnz) Der 49 Jahre alte Journalist und Buchautor aus Wismar las in der Kantine des Nordhäuser Fahrradwerkes, jetzt Strike Bike GmbH. Und vielleicht paßte so alles nicht zusammen. Der Ort, das Buch? Letztlich gab es für die Frauen und Männer des neuen Unternehmens gerade unter marktwirtschaftlichen Aspekten die Möglichkeit des Neuanfangs.

Doch Baale sieht das anders. Auf 300 Seiten hat er eine Bestandsaufnahme zusammengeschrieben, die verheerender nicht sein kann. Drei Jahre habe er für dieses Buch recherchiert. „Es mußte gut werden, denn beim kleinsten fachlichen Fehler hätte man mich auseinandergenommen.“ Drei Teile gibt es, denen ein Prolog vorangestellt ist.

Baale analysiert die Wiedervereinigung, recherchierte den ökonomischen Zustand der DDR in den Zeiten der Wende und kommt zu dem Schluß: „Die gravierendsten Auswirkungen der deutschen Einigung werden erst in den kommenden Jahren sichtbar und in der gesamten westlichen Welt auf Interesse stoßen. Die Zwangsläufigkeit der bevorstehenden Ereignisse machen Ostdeutschland zu einem Studienobjekt. Wenn die heutige Generation der Großeltern ihre letzte Ruhe findet, wird es kaum noch jemanden geben, der in die frei werdenden Mietwohnungen und Einfamilienhäuser zieht. Räumkommandos werden den Abriß ganzer Dörfer, Stadtteile und Wohnsiedlungen organisieren, um Vandalismus vorzubeugen. Mit dem Ableben der zahlenmäßig starken, vergleichsweise finanzkräftigen Rentnergeneration werden nach und viele Einkaufszentren schließen, die in den 90er Jahren in großer Eile aus dem Boden gestampft wurden.... Die Bundesrepublik hat unter dem Banner der deutschen Einigung eine 108.000 Quadratkilometer große Problemregion mitten in Europa geschaffen und Millionen voller Vertrauen und Enthusiasmus in die Vereinigung gestarteter Menschen betrogen und ihrer Existenzgrundlage beraubt“.

Das hat gesessen – beim Publikum, das größtenteils dem linken politischen Spektrum zuzurechen war. Olaf Baale, der eigenen Angaben zufolge sich wirtschaftlich dem Ökonom Adam Smith verbunden fühlt, sonst jedoch völlig frei von Ideologie ist, will nicht nur Sachbücher schreiben, er will mit Gleichgesinnten eine „Bürgerstiftung Ost“ gründen. Sie soll unter anderem den Absatz ostdeutscher Produkte fördern oder das Meinungsspektrum erweitern. Mit großen Anzeigen in den Medien, die sonst gleichgeschaltet über den Osten und dessen Probleme berichten. Dazu solle jeder Ostdeutsche 100 Euro einzahlen und man käme auf ein Stiftungskapital von etwa einer Milliarde Euro.

Zum Buch konkret wurde nach der Lesestunde nicht viel diskutiert. Im Auditorium bestand zum größten Konsens mit dem Gehörten. Vielmehr ging es um das Wie der Bürgerstiftung.

Vor der Lesung übergab André Kegel, einer der Geschäftsführer der Strike Bike GmbH den Rest des einstigen Solidaritätskontos der Werksbesetzer. Damit soll ein Projekt der LINKEN unterstützt werden, das Kinder aus sozialschwachen Familien unterstützt.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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