Do, 14:18 Uhr
12.02.2009
Die Was-Wäre-Wenn-Frau
20 Jahre ist sie im Theater, macht aber selbst kein Theater. Es gibt Ecken und Winkel, die sie nicht (noch) kennt, dafür aber jeden Mitarbeiter. Jetzt gehört sie zur ersten Reihe, obwohl ihr das eher unangenehm ist. Die nnz sprach mit der neuen Verwaltungsdirektorin.
Es war der 2. Mai des Jahres 1989, die damals 22 Jahre junge Angela Kalms hat ihren ersten Arbeitstag im Nordhäuser Theater als Haushaltssachbearbeiterin. Hinter den Kulissen sah sie damals schon ihren Arbeitsplatz, nicht davor. Diese Einstellung ist bis heute geblieben, trotz Mitgliedschaft im Theaterjugendklub oder im Extrachor.
Zahlen statt Noten, später Bilanzen statt Dia- oder Monologe. Mitten unter Präsentatoren wie man Künstler auch bezeichnen könnte, stört sie das Rampenlicht, wenn es auf sie selbst gerichtet ist. Ich fühlte und fühle mich wohl in der zweiten Reihe, hinter dem Rücken eines Chefs, meint die 41jährige Nordhäuserin.
Die Zahlen und Buchungen hatten es ihr angetan, ohne die Menschen zu vernachlässigen. Ein Spagat? Nein! Unter der Intendanz von Monika Pirklbauer stieg Kalms zur künstlerischen Betriebsdirektorin auf. Sie blieb den Zahlen treu, hatte jedoch auch Zugang zu den Künstlern, konnte in deren eigene Welt eintauchen – ohne darin zu ertrinken. Zum Beispiel war sie jetzt endlich beim Vorsingen dabei, im Hinterkopf jedoch wurde schon die Gage ausgerechnet.
Die Arbeit im Theater im Allgemeinen und dem in Nordhausen im Besonderen hatte nicht nur erfolgreiche und spannende Seiten, sondern schmerzliche Momente. So musste Angela Kalms die Gespräche zur Nichtverlängerung der Schauspieler führen. Im Klartext, sie musste die Schauspielsparte mit abwickeln. Damals, im Herbst 2002, war das.
Vier Jahre später die Hiobsbotschaft eines unmöglichen Kultusministers aus Erfurt. Radikale Kürzungen der Landeszuschüsse für das Nordhäuser Theater. Momente der Hilflosigkeit, dann des Nichtaufgebens, danach das ungeheuerliche Gefühl der Solidarität einer ganzen Region und schließlich der Erfolg. Es war ein scheinbarer Erfolg, denn ab diesem Jahr gibt es trotzdem weniger Geld aus Erfurt.
Die Frau für’s Theater, wie sich Angela Kalms selbst beschreibt, wollte mehrfach aus der Provinzialität Nordhausens ausbrechen. Versuche in Gera oder in Leipzig wurden vorzeitig abgebrochen. Ihr Theater befindet sich in der Käthe-Kollwitz-Straße. Mehr denn je seit dem Frühjahr 2008, als klar war, das Wolfgang Schwerdtfeger die Rolandstadt verlassen würde. Da fragte Intendant Lars Tietje die Frau, ob sie sich selbst als Verwaltungsdirektorin verstellen könnte. Sie konnte. Hier in Nordhausen. Gefragt hat sie sich dennoch, wie so oft in ihrem Leben: Was wäre wenn?
Jetzt ist sie scheinbar angekommen in der ersten Reihe. Nein, meint sie, eher ist es die Reihe 1a, denn da ist immer noch der Rücken des Chefs. Lars Tietje ist nicht nur Intendant, sondern auch Geschäftsführer der GmbH. Einen überaus breiten Rücken hat er nicht und so kann sich Angela Kalms auch nicht dahinter verstecken.
Sie wollte nie auf die Bühne, jetzt ist sie aber dort angekommen: Auf der Bühne der Nordhäuser Öffentlichkeit. Und mit dem Textchen auf der Internetseite des Nordhäuser Theaters wird es wohl auch bald was werden.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz/knEs war der 2. Mai des Jahres 1989, die damals 22 Jahre junge Angela Kalms hat ihren ersten Arbeitstag im Nordhäuser Theater als Haushaltssachbearbeiterin. Hinter den Kulissen sah sie damals schon ihren Arbeitsplatz, nicht davor. Diese Einstellung ist bis heute geblieben, trotz Mitgliedschaft im Theaterjugendklub oder im Extrachor.
Zahlen statt Noten, später Bilanzen statt Dia- oder Monologe. Mitten unter Präsentatoren wie man Künstler auch bezeichnen könnte, stört sie das Rampenlicht, wenn es auf sie selbst gerichtet ist. Ich fühlte und fühle mich wohl in der zweiten Reihe, hinter dem Rücken eines Chefs, meint die 41jährige Nordhäuserin.
Die Zahlen und Buchungen hatten es ihr angetan, ohne die Menschen zu vernachlässigen. Ein Spagat? Nein! Unter der Intendanz von Monika Pirklbauer stieg Kalms zur künstlerischen Betriebsdirektorin auf. Sie blieb den Zahlen treu, hatte jedoch auch Zugang zu den Künstlern, konnte in deren eigene Welt eintauchen – ohne darin zu ertrinken. Zum Beispiel war sie jetzt endlich beim Vorsingen dabei, im Hinterkopf jedoch wurde schon die Gage ausgerechnet.
Die Arbeit im Theater im Allgemeinen und dem in Nordhausen im Besonderen hatte nicht nur erfolgreiche und spannende Seiten, sondern schmerzliche Momente. So musste Angela Kalms die Gespräche zur Nichtverlängerung der Schauspieler führen. Im Klartext, sie musste die Schauspielsparte mit abwickeln. Damals, im Herbst 2002, war das.
Vier Jahre später die Hiobsbotschaft eines unmöglichen Kultusministers aus Erfurt. Radikale Kürzungen der Landeszuschüsse für das Nordhäuser Theater. Momente der Hilflosigkeit, dann des Nichtaufgebens, danach das ungeheuerliche Gefühl der Solidarität einer ganzen Region und schließlich der Erfolg. Es war ein scheinbarer Erfolg, denn ab diesem Jahr gibt es trotzdem weniger Geld aus Erfurt.
Die Frau für’s Theater, wie sich Angela Kalms selbst beschreibt, wollte mehrfach aus der Provinzialität Nordhausens ausbrechen. Versuche in Gera oder in Leipzig wurden vorzeitig abgebrochen. Ihr Theater befindet sich in der Käthe-Kollwitz-Straße. Mehr denn je seit dem Frühjahr 2008, als klar war, das Wolfgang Schwerdtfeger die Rolandstadt verlassen würde. Da fragte Intendant Lars Tietje die Frau, ob sie sich selbst als Verwaltungsdirektorin verstellen könnte. Sie konnte. Hier in Nordhausen. Gefragt hat sie sich dennoch, wie so oft in ihrem Leben: Was wäre wenn?
Jetzt ist sie scheinbar angekommen in der ersten Reihe. Nein, meint sie, eher ist es die Reihe 1a, denn da ist immer noch der Rücken des Chefs. Lars Tietje ist nicht nur Intendant, sondern auch Geschäftsführer der GmbH. Einen überaus breiten Rücken hat er nicht und so kann sich Angela Kalms auch nicht dahinter verstecken.
Sie wollte nie auf die Bühne, jetzt ist sie aber dort angekommen: Auf der Bühne der Nordhäuser Öffentlichkeit. Und mit dem Textchen auf der Internetseite des Nordhäuser Theaters wird es wohl auch bald was werden.
Peter-Stefan Greiner


