Fr, 10:21 Uhr
27.02.2009
Überraschung, Überraschung
Jetzt kommt endlich Schwung ins politische Leben der Region. Die so genannten Volksparteien, oder die, die sich dafür halten, legen die Wunschlisten der jeweiligen Vorstände vor. Die Reaktionen reichen von Freude bis Entsetzen...
Wenn Listen mehr als 30 Namen enthalten, dann bleibt nichts geheim. Wir als Journalisten können nachfragen, offiziell sagt niemand was, hinter der bekannten vorgehaltenen Hand jedoch wird munter geplaudert. Die Motive hierzu sind unterschiedlich, meist will man jemand anderem schaden oder ist enttäuscht. Da Politiker, auch die in der tiefsten politischen Provinz, immer gern in der Öffentlichkeit stehen, müssen sie diese auch aushalten, wenn sie für den einen oder anderen als unangenehm empfunden wird. Und so sickerten sowohl von der CDU als auch von der SPD Listen und Namen durch, die niemand kommentieren will.
Nordhausens CDU-Chef Norbert Klodt hatte in den zurückliegenden Tagen mit Vertrauten an der Liste gebastelt, die gestern der Stadtratsfraktion und den potentiellen Kandidaten vorgestellt wurde. Der Inner-Cirkel wurde eingeladen. Verkündet wurden die Plätze, die bei den Christdemokraten schon Verwunderung ausgelöst haben sollen. So beugte sich Norbert Klodt der ministeriellen Allmacht von Dr. Klaus Zeh, der damit vor dem Fraktionsvorsitzenden und Ortschef die Vorschlagsliste anführt. Keine Überraschung ist die Platzierung von Dr. Niels Neu auf dem Bronzeplatz, der zwar keinerlei Erfahrung in Stadträten aufzuweisen hat, aber sich in den zurückliegenden Jahren innerhalb der Partei sehr engagiert haben soll. Es gibt Stimmen, die meinen, der Mann soll aufgebaut werden, ihm gehöre die Zukunft.
Die CDU-Stadtratsfraktion wird in der kommenden Legislatur wohl ohne Christine Wagner, Elisabeth Milbreth, Hartmut Lill oder Dr. Ferdinand Spangenberg auskommen müssen. Deren Namen sind nicht zu finden. Dafür wird auf bewährte Kräfte gesetzt. Zum Beispiel auf den 74jährigen Dr. Manfred Schröter oder die 67 Jahre alte Karin Busch. Deren Schwiegersohn, Stefan Nüßle, ist ebenfalls auf einem aussichtsreichen Listenplatz verortet worden. Einzig Hans Pistorius und Sven Lutze wurden auf Plätzen abgelegt, die kaum eine Chance auf eine Wiederwahl erhoffen lassen. Man könnte es auch ausdrücken: erwünschen lassen. Am Rande der christdemokratischen Würdigung von Leistungen sei noch vermerkt, dass auch zwei Rechtsanwälte in der Liste (Platz 12 und 14) zu finden sind.
In einer Woche soll dann die Basis der Nordhäuser CDU nach ihrer Meinung befragt werden. Da aber bei der christdemokratischen Parteidisziplin von keinen Beanstandungen auszugehen ist, könnte diese Liste dann fit für die Kreuzchen der Wähler sein.
Bei der Kreis-SPD dauert es nur noch wenige Stunden, da über das kommunalpolitische Schicksal einiger Frauen und Männer entschieden wird. Und natürlich sind auch da Namen durchgesickert. Platz 1 und 2 teilen sich zwei Frauen, deren Harmoniebedürfnis zueinander nicht gerade alltagstauglich ist: Platz 1 für Dagmar Becker, Platz für Barbara Rinke. Dann folgt – wie seit Wahlzeiten – Winfried Theuerkauf. Platz 4 belegt Andreas Wieninger. Die erste Überraschung wird für Matthias Jendricke ausgemacht. Der Nordhäuser Bürgermeister, der mit aller persönlicher und politischer Inbrunst in den nächsten Kreistag einziehen will, der erhält erst einmal den zehnten Listenplatz. Das würde vielleicht gerade so reichen. Zehn Kreistagsmitglieder sind es aktuell, die die SPD auszuweisen hat. Damals, im Jahr 2004, errangen die Sozis aber auch 22,7 Prozent der Stimmen. Heute glauben selbst die eigenen Kräfte nicht daran.
Auf Mattias Jendricke folgen weitere Bürgermeister des Landkreises Nordhausen. Matthias Ehrhold (Ellrich), Jochen Napiralla (Niedersachswerfen), Fritz Helbing (Heringen) oder Siegfried Junker (Görsbach).
Das letzte Wort jedoch hat am 7. Juni der Wähler. Der kann mit seinem Kreuz hinter den Namen der Kandidaten, diese Listen ordentlich durcheinander bringen. Der Souverän hat es in der Hand. Wenigstens einmal in fünf Jahren.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzWenn Listen mehr als 30 Namen enthalten, dann bleibt nichts geheim. Wir als Journalisten können nachfragen, offiziell sagt niemand was, hinter der bekannten vorgehaltenen Hand jedoch wird munter geplaudert. Die Motive hierzu sind unterschiedlich, meist will man jemand anderem schaden oder ist enttäuscht. Da Politiker, auch die in der tiefsten politischen Provinz, immer gern in der Öffentlichkeit stehen, müssen sie diese auch aushalten, wenn sie für den einen oder anderen als unangenehm empfunden wird. Und so sickerten sowohl von der CDU als auch von der SPD Listen und Namen durch, die niemand kommentieren will.
Nordhausens CDU-Chef Norbert Klodt hatte in den zurückliegenden Tagen mit Vertrauten an der Liste gebastelt, die gestern der Stadtratsfraktion und den potentiellen Kandidaten vorgestellt wurde. Der Inner-Cirkel wurde eingeladen. Verkündet wurden die Plätze, die bei den Christdemokraten schon Verwunderung ausgelöst haben sollen. So beugte sich Norbert Klodt der ministeriellen Allmacht von Dr. Klaus Zeh, der damit vor dem Fraktionsvorsitzenden und Ortschef die Vorschlagsliste anführt. Keine Überraschung ist die Platzierung von Dr. Niels Neu auf dem Bronzeplatz, der zwar keinerlei Erfahrung in Stadträten aufzuweisen hat, aber sich in den zurückliegenden Jahren innerhalb der Partei sehr engagiert haben soll. Es gibt Stimmen, die meinen, der Mann soll aufgebaut werden, ihm gehöre die Zukunft.
Die CDU-Stadtratsfraktion wird in der kommenden Legislatur wohl ohne Christine Wagner, Elisabeth Milbreth, Hartmut Lill oder Dr. Ferdinand Spangenberg auskommen müssen. Deren Namen sind nicht zu finden. Dafür wird auf bewährte Kräfte gesetzt. Zum Beispiel auf den 74jährigen Dr. Manfred Schröter oder die 67 Jahre alte Karin Busch. Deren Schwiegersohn, Stefan Nüßle, ist ebenfalls auf einem aussichtsreichen Listenplatz verortet worden. Einzig Hans Pistorius und Sven Lutze wurden auf Plätzen abgelegt, die kaum eine Chance auf eine Wiederwahl erhoffen lassen. Man könnte es auch ausdrücken: erwünschen lassen. Am Rande der christdemokratischen Würdigung von Leistungen sei noch vermerkt, dass auch zwei Rechtsanwälte in der Liste (Platz 12 und 14) zu finden sind.
In einer Woche soll dann die Basis der Nordhäuser CDU nach ihrer Meinung befragt werden. Da aber bei der christdemokratischen Parteidisziplin von keinen Beanstandungen auszugehen ist, könnte diese Liste dann fit für die Kreuzchen der Wähler sein.
Bei der Kreis-SPD dauert es nur noch wenige Stunden, da über das kommunalpolitische Schicksal einiger Frauen und Männer entschieden wird. Und natürlich sind auch da Namen durchgesickert. Platz 1 und 2 teilen sich zwei Frauen, deren Harmoniebedürfnis zueinander nicht gerade alltagstauglich ist: Platz 1 für Dagmar Becker, Platz für Barbara Rinke. Dann folgt – wie seit Wahlzeiten – Winfried Theuerkauf. Platz 4 belegt Andreas Wieninger. Die erste Überraschung wird für Matthias Jendricke ausgemacht. Der Nordhäuser Bürgermeister, der mit aller persönlicher und politischer Inbrunst in den nächsten Kreistag einziehen will, der erhält erst einmal den zehnten Listenplatz. Das würde vielleicht gerade so reichen. Zehn Kreistagsmitglieder sind es aktuell, die die SPD auszuweisen hat. Damals, im Jahr 2004, errangen die Sozis aber auch 22,7 Prozent der Stimmen. Heute glauben selbst die eigenen Kräfte nicht daran.
Auf Mattias Jendricke folgen weitere Bürgermeister des Landkreises Nordhausen. Matthias Ehrhold (Ellrich), Jochen Napiralla (Niedersachswerfen), Fritz Helbing (Heringen) oder Siegfried Junker (Görsbach).
Das letzte Wort jedoch hat am 7. Juni der Wähler. Der kann mit seinem Kreuz hinter den Namen der Kandidaten, diese Listen ordentlich durcheinander bringen. Der Souverän hat es in der Hand. Wenigstens einmal in fünf Jahren.
Peter-Stefan Greiner


