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Fr, 16:01 Uhr
06.03.2009

nnz-Forum: Autobahn in die Hölle

Das ist Musik aus einem anderen Jahrtausend. Nichts für schwache Nerven und sensible Trommelfelle. nnz-Leser Dirk Daniel war in Leipzig und ließ den Wechsel- und den Gleichstrom abwechselnd in seine Nervenbahnen. Hier das Ergebnis der darauffolgenden Schwankungen...


Gestern waren wir beim AC/DC Konzert in Leipzig. Es war mein erstes AC/DC-Konzert, und das ist dann etwas Besonderes, wenn man weiß, dass ich schon 41 bin, aber die Riffs zu "Highway To Hell" und "Touch Too Much" schon mit 14 auswendig konnte. Es hat halt vorher noch nie geklappt und dann war ja einige Jahre Sendepause.

Jetzt war es also soweit, meine Frau und ich trafen voller Vorfreude an der Messe in Leipzig ein. Dank der Fanclub-Tickets konnten wir uns an den Wartenden am Haupteingang vorbei schlängeln und über einen separaten Eingang die Halle betreten. So gegen 18:00 Uhr war es da noch überschaubar, nur die Halle hatte wirklich riesige Dimensionen. So fanden wir auch recht schnell den Zugang zur Fanclub-Area, die natürlich genau vor der Bühne war. Die ganz heißen Fans waren schon früher da und bevölkerten den Angus-Catwalk, wir standen etwas weg auf der rechten Seite der Bühne, quasi direkt am vorderen Sperrgitter. Beste Sicht zur Bühne also.

Dank eines Stempels konnte man den Fanclub-Bereich verlassen und kam auch wieder hinein. Das nutzten wir zur Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeiten sowie der Absonderung selbiger. Dann - gegen 20:00 Uhr - ging es los mit der Vorband: "The Answer" aus Irland spielten einen melodisch-harten Beat und unterhielten die wartenden Fans ca. 30 Minuten lang. Für ihre Performance bekamen sie auch ordentlich Beifall.

Dann wurde auf der Bühne gebastelt - altes Schlagzeug weg, neues Schlagzeug für Phil aufgebaut - und alles sah sehr geschäftig aus. Aus den Boxen klangen neben den "Bluesbrothers" auch schon einzelne Gitarrenriffs durch, die jedes Mal mit frenetischem Beifall honoriert wurden. Dabei waren das nur die Techniker, die alles einstellten.

Irgendwann waren diese auch damit fertig, die Uhr zeigte 21:00 Uhr. Zeit für den "Rock 'n Roll Train"! Nach einem genialen Intro mit Comicfilm und einem lauten Getöse stand nicht nur eine ramponierte Dampflok auf der Bühne, sondern die fünf Jungs waren endlich da: das Eröffnungskonzert der AC/DC-Deutschlandtour 2009 hatte begonnen. Der totale Hammer!

Nach einer zünftigen Begrüßung durch Brian ("Schön Euch wiederzusehen!) ging es weiter mit "Hell Ain't A Bad Place To Be". Die Hände der 15.000 Besucher waren in der Luft, und es war höllisch. Auch höllisch laut, was auch am zum Teil übersteuerten Sound lag. Irgendwann hatten die Herren Tontechniker aber dann den Bogen raus. Leiser wurde es aber nie, weil auch 15.000 Kehlen die Songs mitsangen.

Weiter ging es mit einem gelungen Mix von neuen (vom Album "Black Ice") und altbekannten Songs, die man eben auf solch einem Konzert hören möchte. "The Jack" zum Beispiel, der Angus dazu diente, sich bis auf die Unterhose (schwarz mit "AC/DC in Schwarz / Rot / Gold drauf) auszuziehen. Allerdings zog er dann seine kurze Hose wieder an. "Hells Bells" mit Turnübungen von Brian und geilen Gesang der Fans. "Shout To Thrill" und dann "War Machine", ebenfalls mit einem geilen Video zur bildlichen Untermalung. Hammermäßig!

Fast wäre das Konzert ja ausgefallen, zumindest hatten wir das befürchtet, nachdem zwei Tage vorher ein zusätzlicher Gig in Antwerpen wegen einer Grippeerkrankung von Brian abgesagt wurde. Aber er hatte sich, die Erkrankung und seine Stimme ganz gut im Griff, auch wenn in der zweiten Stunde die Stimme fast nur noch kratzte. Tapferer Mann!

Dann kam Rosie - und zwar in gigantischer Größe. Sie passte gerade in die Halle rein und tanzte auf der geschrotteten Dampflok. Eine geile Nummer, und Angus wurde besser und besser! Aber es kam noch besser: den Song "Let There Be Rock" dehnte Angus durch das beste Gitarrensolo aller Zeiten (und das war die einhellige Meinung aller um uns stehenden Fans) auf ca. 14 Minuten Länge aus. Und dann war schon Schluss.

Naja, nicht wirklich, denn zwei Klassiker standen noch auf der im Internet kursierenden Titelliste. "Highway To Hell" wurde von heiseren Kehlen mitgesungen, und mit den Kanonenschlägen bei "For Those About To Rock" wurde wohl auch das letzte Trommelfell zumindest temporär in den Ruhestand geschickt.

Noch ein wenig Einzelkritik:
Malcolm hielt sich wie immer dezent im Hintergrund und trat nur gemeinsam mit Cliff zu kleinen Choruseinsätzen ans Mikrofon. Dennoch war seine Gitarre immer präsent und trieb durch perfekte Rhythmusarbeit die Songs voran. Ebenfalls gute Arbeit lieferte Cliff am Bass ab, den er mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks bediente. Phil an den Drums ist für mich einer der effektivsten Trommler im Rockbereich: mit Lesebrille und einer lässigen Fluppe im Mund schlug er genau dann auf die Zwei und die Vier, wenn es sein musste. Entspannter kann man ein Rockschlagzeug wohl nicht bedienen.

Brian sorgte trotz seiner über 60 Jahre und eines Bierbäuchleins für die notwendige Schwüle auf der Bühne. Er sagte das, was er immer sagte. Er sang die Songs, die er immer singt. Er machte das Publikum an, wie er es immer macht. Und er machte alles gut. Nach fast 30 Jahren noch von Ersatz zu reden, ist echt ein Frevel. Der Mann versteht sein Handwerk und hat jede Menge Spaß dabei.

Schließlich Angus: wie er sein Instrument beherrscht (eine schwarze SG-Gibson) ist einfach beeindruckend. Mit einer Leichtigkeit und gleichzeitig Besessenheit lockt er aus dem Stück Holz Töne hervor, die man zwar kennt, aber trotzdem kaum glauben kann. Für meine Frau und mich gibt es keinen besseren Gitarristen auf der Welt. Er ist der wahre Boss!

Heute lässt nun das Rauschen im Ohr langsam nach, das Bauchgefühl aber ist noch immer mehr als präsent und wird sich wohl auch noch eine Weile halten. Schon so viele Jahre lang wollte ich auf ein AC/DC-Konzert gehen, nun endlich hat es geklappt. Ich bin absolut glücklich und werde noch lange davon zehren.
Und habe ich eigentlich schon erwähnt, dass es der Hammer war?!?!
Dirk Daniel

Bilder und einen kleinen Videoclip gibt es im Blog des Autors.
Autor: nnz

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