nnz-Betrachtung: Verhältnismäßig?
Sicher, Journalisten verfolgen die nationalen und internationalen Medien besonders kritisch. Vor allem die Platzierung der Nachrichten macht deren Gewichtung deutlich. So auch heute wieder.
Die wichtigste Meldung, das, was diese Welt oder dieses Land, wirklich bewegen könnte, was Auswirkungen auf viele Menschen haben könnte, das wird vorangestellt. Bei Spiegel-Online immer ganz oben, in Radio oder Fernsehen ganz am Anfang. Heute war es der Tod von Robert Enke, der selbst die Schweine-Grippe-Nachrichten heute vom Platz 1 verdrängt hatte.
Sicher, der Tod eines Menschen ist immer tragisch, auch der Freitod. Doch Robert Enke ist eben nur ein Mensch. Er war ein guter Sportler, ein guter Torwart. Er stand achtmal im Tor der Nationalmannschaft. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.
Ob nun die mediale Darstellung das alles so rechtfertigt, das wage ich zu bezweifeln. Der Tod eines Sportlers ist nicht die Nummer-Eins-Meldung und wäre in diesem Fall – bei einem Menschen wie Robert Enke – von diesem Menschen auch nicht so gewollt. Er, der das Private immer aus der Öffentlichkeit heraushalten wollte, wird nun postum gerade dorthin gezerrt. Da wird aus Krankenakten zitiert, das es einen graust. Das alles kann ich nicht verstehen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz
Kommentare
Bürgerin
11.11.2009, 21:09 Uhr
für den Einen...
ist es nicht die Top-Meldung des Tages und für viele andere Menschen ist es die erschütternde Nachricht des Tages.
Man sollte jedem die Verhältnismässigkeit dieser Todesnachricht selbst überlassen. Jeder trauert anders, einige für sich,ganz still und ohne daß es andere bemerken, andere brauchen den "Aufschrei", um dieses zu bearbeiten.
Viele der Journalisten kannten ihn, einige waren mit ihm befreundet, einige standen ihm vielleicht näher, als wir es einschätzen können.
Und auch seine Frau scheint den öffentlichen Weg der Trauer gewählt zu haben, ich kann das sehr gut akzeptieren und würde nie überlegen, ob der Umgang damit falsch oder richtig ist.
Robert Enke war Nationaltorwart, er spielte für Deutschland, tja und deshalb trauern viele, die ihn vielleicht nur aus dieser Position her kennen auch mit, warum auch nicht?
Und natürlich berichtet die Presse darüber, weil eben auch Deutschand es so will, Deutschland will darüber reden, so sind die Deutschen nuneinmal, dem konnten ja auch sie anscheinend nicht entziehen und das das Thema Schweinegrippe heute nur Thema Nr. 2 ist, kann ihnen doch nur gefallen, wenn ich mich recht erinnere, oder?
Pressefreiheit gibt es doch wohl auch unter Kollegen oder?
brazil
13.11.2009, 00:13 Uhr
Sicher ist die Frage nicht . . .
. . . für welchen Menschen welche Schlagzeile welches Ausmaß an Bedeutung hat.
Und ganz sicher lässt sich Pressefreiheit nicht durch das Beschwören derselben einschränken. Obwohl dieser vielleicht unbewusste Versuch durchaus putzig und natürlich ausgesprochen deutsch wirkt.
Die Frage ist, ob einer zunehmenden seelischen Verwahrlosung durch gezielte Platzierung von Top-Themen möglicherweise Vorschub geleistet wird.
Und das schon fast rituell zelebrierte Schlagzeilengetue signalisiert eben auch allen anderen Menschen, dass diese eine Schlagzeile momentan die Wichtigste ist. Egal in welcher Beziehung sie dazu stehen mögen.
Erinnert sich noch irgend jemand an die Schlagzeilen über Michael Jackson? Bevor er gestorben ist? Fast jeder der mittelmäßigen deutschen Fernseh-Blödel-Idioten musste die dämlichsten Witze über Nasen OP und dergleichen noch und nöcher wiederholen.
Und dann kam die Schlagzeile vom Tod. Mit einem Mal waren alle total traurig. Die Schlagzeilen haben es ja befohlen.
Und so verstehe ich den Artikel einfach so, dass Schlagzeilen durchaus eine suggestive Wirkung haben und teilweise auch manipulieren.
Und das sie Gewicht auf Umstände legen und damit öffentliche Aufmerksam erzeugen. Ob die immer im richtigen Verhältnis und in der richtigen Relation steht, das war die Frage.
Und für mich ganz privat würde es tatsächlich mehr Sinn machen, sich vielleicht mehr vor dem Ableben von Menschen denen zu widmen.
Anstatt unter Vorspiegelung von Anteilnahme das Privatleben eines Menschen öffentlich zu schlachten und auszuschlachten. Der sich dagegen nicht mehr zu Wehr setzten kann.
Bürgerin
13.11.2009, 07:27 Uhr
mit zweierlei Maß gemessen?
Zu der einen Sache habe ich meine Meinung geschrieben, zu der hier angesprochenen anderen Person kann ich wenig sagen, da mich dieser null bis garnicht interessiert hat und ich mich durch Medien auch nicht zum trauern "manipulieren" lasse.
Mich amüsiert nur die hier in der nnz- manchmal abwertende Haltung anderer Medien und derer Mitarbeiter und die sehr deutlich gemachte Anti-Haltung, die mir manchmal den informativen Charakter verliert, sondern sehr wertend hier zu lesen ist.
Da kann man sich aufregen über andere Reportagen-Strategien, wenn aber die eigenen auch immer und immer wieder einen wertenden Touch bekommen, dann sollte man einfach mal bei sich zuerst schauen...
Der Roland
13.11.2009, 07:39 Uhr
Hallo Redaktion!
Warum werden diese verwirrenden Kommentare überhaupt zugelassen? Ist doch kein Chat oder?
@Bürgerin: Was für ein Problem haben Sie denn überhaupt?
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