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Sa, 08:55 Uhr
14.11.2009

Grenz-Erfahrungen

Die nnz hatte vor einer Woche über ein Projekt der Nordhäuser Kreisvolkshochschule berichtet. Jetzt erzählen Doreen Grebehem und Deborah Pendzialek von ihren Grenz-Erfahrungen...

Erfahrungen (Foto: privat) Erfahrungen (Foto: privat)

Alle sitzen ganz gespannt auf den guten alten DDR-Holzbänken unter dem Pavillon und hören konzentriert unserem Anleiter Rüdiger Neitke von Mobilé zu. Hier auf dem Petersberg, im Hochseilgarten von Nordhausen beginnt unsere Reise zum Thema 20 Jahre Grenzöffnung, organisiert von der Jungen Volkshochschule Nordhausen. Das Konzept: Jugendliche aus Ost und West, die die Wende nicht bewusst erlebt haben, begeben sich auf Spurensuche – frei nach dem Semestermotto der Kreisvolkshochschule „Bildung überwindet Grenzen“: bei einer Geocaching Tour an der ehemaligen Ellricher Grenze, beim Museumsbesuch mit altdeutschen Inventar, bei Gesprächen und erlebten Vorträgen von Zeitzeugen aus DDR und BRD. Das Ziel: Mehr über das Alltagsleben der Menschen in Ost und West der innerdeutschen Grenze erfahren.

Bis wir uns der echten Grenze nähern, wollen wir sie erst einmal symbolisch überschreiten. Eigentlich ist es schon etwas kühl für eine Attraktion wie den Hochseilgarten. Auf den Bänken sitzen wir mit den Jugendlichen aus Sollstedt, die mit Jugendclubleiterin Carmen Tietze und Freizeitleiter Pedro Bormemann gekommen sind, und den Jugendlichen aus dem Landkreis Osterode am Harz mit Sozialarbeiter Sandro Schirmer. Der Blick auf das Gelände lässt erahnen, dass wir uns wohl langsam hocharbeiten werden. Das sieht nach einem lustigen Gemeinschaftsabenteuer aus. Schwenke wir den Blick nach links, liegt direkt vor unseren Augen, in riesiger Ausführung, ein Klettergerüst für Erwachsene.

Erfahrungen (Foto: privat) Erfahrungen (Foto: privat)

Geschätzte zehn Meter hoch, gefühlt aber 50. Naja mal schauen, wir können ja immer noch als Fotojournalisten am Rand agieren. Jemand muss schließlich Fotos machen, dann sind wir schon mal raus aus der Sache. Dann geht es los. Als erstes folgt ein kleines Spiel zum Aufwärmen. Wir überqueren bildlich gesehen die Mauer von Ost nach West. Unsere Gruppe soll versuchen, über eine 80 Zentimeter hohe Leine zu kommen. Natürlich ohne unten durch zu kriechen und ohne die Leine zu berühren. Nach mehrmaligen Fehlversuchen haben wir sind wir auf die organisatorisch beste Lösung gekommen: Wir teilen die Größten der Gruppe auf, lassen einen Teil vor und heben die Kleinsten dann über das Seil. Geschafft.

Erfahrungen (Foto: privat) Erfahrungen (Foto: privat) Als nächstes überqueren wir als Menschenkette die Grenze – auf einer Hochseilgarten-Miniaturausführung von 20 Metern Länge, etwa einen Meter vom Boden weg. Mit einem farblich geschmackvoll, leuchtend roten Helm, mit voller Sicherungsmontur ist der Zeitpunkt für höhere Aufgaben gekommen. Die ersten Meter sind noch ganz einfach. So fühlt man sich also, wenn man zwar das Ziel schon sehen kann, aber noch nicht genau weiß, wie man dort sicher ankommen soll und die Reise ausgehen wird - von Ost nach West.

Aber irgendwie geht es doch, wenn auch etwas wacklig. Unten angekommen sind wir alle sichtlich erleichtert, wieder Boden unter den Füßen zu haben. Noch ganz benommen von der Fülle an Eindrücken und Bildern im Kopf, wissen wir, das dies erst der Anfang unserer Reise durch ein randvoll gefülltes Wochenende sein wird.

Im Jugend- und Bildungshaus Tettenborn treffen wir auf den ersten Zeitzeugen unseres zeitgeschichtlichen Ausflugs. In einer Diskussionsrunde mit Hartmut Funk und unseren Jugendlichen aus Ost und West bekommen wir bildhafte Eindrücke der Teilung Deuschlands bis hin zum Mauerfall am 9. November 1989. Nachdem wir im Hochseilgarten die symbolisch Grenzen überwunden haben, durchlaufen wir am nächsen Tag die echte Grenze in einer modernen Schnitzeljagd, dem Geocaching. Ganz ohne Zettelchen, dafür mit GPS-Geräten und den richtigen geografischen Koordinaten versuchen wir, zum nächsten Zielort zu kommen.

Nicht einfach, wenn die Nachrichten mit den nächsten Koordinaten erstens versteckt und zweitens verschlüsselt sind. Insgesamt durchlaufen wir fünf Stationen. Die Reise führt direkt entlang der alten Ellricher Grenze, die heute nur noch als das „Grüne Band“ erkennbar ist. Nostalgische Gefühle kommen bei uns jedoch nicht auf. Es hat eher den Charakter eines wunderschönen Wanderausfluges. Wir können uns kaum vorstellen, welche Geschichten in diesem Weg stecken – zu Zeiten der Teilung von Ost- und Westdeutschland. Nach zwei Stunden sind wir am Warteberg, in der Jagd- und Naturschutzhütte Klettenberg angekommen und am Ziel unserer Geocaching Reise.

Vom Heimatmuseum Ellrich haben wir schon eher einen nostalgischen Eindruck. Unser Abend ist gefüllt mit Bildern und Filmen aus dem Grenzgebiet Ellrich und den Erzählungen von Eugen Meyer, unser zweiter Zeitzeuge der DDR- und BRD-Geschichte. So aufregend unsere symbolische Grenzüberschreitung im Hochseilgarten und unsere echte Grenzüberschreitung auf unserer Geocaching Tour entlang der Ellricher Grenze auch war – die Eindrücke von Hartmut Funk und Eugen Meyer sind doch sehr viel lebhafter. Sie lassen uns teilhaben an Geschichten aus ihrem Leben. So bekommen wir einen bildhafteren Eindruck der damaligen Zeit, die auch bei uns jungen Leuten nicht in Vergessenheit geraten soll.
Autor: nnz

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