Di, 20:08 Uhr
06.07.2010
Post von Luisa (30)
Luisa Schäfer, eine junge Frau aus Niedersachswerfen, schreibt in der nnz ein ungewöhnliches Tagebuch über ihre Erlebnisse am anderen Ende der Welt, in Argentinien. Heute berichtet Luisa, wie sie das Fußballspiel Deutschland gegen Argentinien erlebte...
Die ganze letzte Woche hatte sich schon etwas Spannung aufgebaut. Alle wollten mit uns Deutschen wetten, bemitleideten uns schon im Vorhinein oder drohten im Falle einer Niederlage mit allem moeglichen. Nun ja, die Auswirkungen des Samstages sind nicht so stark zu spueren, wie gedacht. Man ist ruhig geworden hier. Das Thema Fussball sollte auch nicht unbedingt angeschnitten werden. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es macht Spass, wenn man es doch tut.
Aber jetzt mal alles der Reihe nach. Am Samstag holte uns ein Freund ab um mit uns in einem Einkaufszentrum das Spiel anzusehen. Als er uns Fahnenbemalt sah, hat er sich es dann doch fast nochmal anders ueberlegt, aber da musste er jetzt durch. Wir also auf den schnellsten Weg dorthin. Das ganze war eine groessere Halle, schon sehr gefuellt mit meist Jugendlichen. Wir haben da kaum ein Schritt hineingemacht, da fingen die Buhrufe an. Da waren dann also recht schnell alle informiert darueber, dass der Feind anwesend ist.
Doch die Sprueche wurden je unterbrochen, als auch schon das erste Tor fiel. Danach wurden die Bemerkungen weniger, dafuer aber auch agressiver. Ich haette vielleicht aber auch nicht so schreien sollen, als das Tor fiel! Bis zur Halbzeit zitterten wir uns alle halbwegs durch. Nur unterbrochen durch das "Abseitstor" der Argentinien, was einen so riessen Jubel und Ansturm auf uns ausloeste, dass wir alle erst sehr spaet mitbekamen, dass es gar kein Tor war!
Waehrend der Pause wurden wir dann interviewt. Die Stimmung war auch noch ganz okay, da ja noch nichts entschieden schien. Im Gegenteil, fuer uns alle sah es so aus, als wuerde es sich nur noch um eine Frage der Zeit handeln, wann das Anschlusstor kommen wuerde. Aber es kam nicht. Sondern es kam eins von uns!
Und so ueberraschend das wir uns wieder kreischend um den Hals gefallen sind. Nicht die beste Taktik im Verliererland, aber es ging nicht anders. Zu diesem Zeitpunkt verliessen dann auch schon die ersten Argentinier den Schauplatz. Wenn Stolz und Niederlage zusammentreffen, ist das nicht einfach damit umzugehen.
Aus Ruecksicht fuer die Anwesenden und unsere koerperliche Unversehrtheit unterliessen wir bei den anderen beiden Toren das grosse Jubeln ganz. Unser Taktgefuehl wurde aber nur teilweise belohnt, trotz dem trafen uns Pizzateile und die Sicherheitsleute hielten sich dann nach und nach immer in unserer Naehe auf.
Als dann schliesslich der Abpfiff kam, war der Raum schon fast leer. Einige gratulierten uns dennoch sehr nett, andere sprachen auch mit uns, aber eher nicht so nett. Um den aufgewuehlten Emotionen ein bisschen aus dem Weg zu gehen, warteten wir eine Weile ab, eh wir in Begleitung der Sicherheitsleute das Gebaeude verliessen.
Draussen warteten allerdings dennoch ein Haufen Leute. Ob auf uns oder einfach nur so, war nicht so klar auszumachen, daher suchten wir schnell das Weite. So weit meine Version. In der Zeitung konnten wir am naechsten Tag aber noch eine andere lesen. So haetten ein bis zwei deutsche Studenten die Menge so provoziert, dass eine Polizieeinheit ausruecken musste. Fotos dieses Einsatzes sieht man dann auch noch gleich. Den Artikel lade ich mal mit hoch.
Davon haben wir alle zu dem Zeitpunkt gar nichts mitgekriegt, ist wohl auch besser so fuer uns gewesen! Absichtlich provoziert haben wir natuerlich niemanden. Aber jetzt kann ich das ausloesen eines Polizeieinsatzes wenigstens von meine Lebensaufgabenliste streichen!
Fuer meinen Geschmack reicht einmal im Leben aber durch aus. Das Gute ist, dass wir wenigstens nicht auf irgendwelchen Fotos zu sehen sind, dann haetten wir wohl eine richtig tolle Woche bekommen! So koennen wir jetzt unsere Gewinne, wie Eisbecher und Abendessen, geniessen und die Stille auskosten. Denn es ist sehr ruhig hier geworden!
Morgen werden wir dann natuerlich auch das Halbfinale anschauen. Wenn sicherlich auch als einzige Deutschlandfans. Aber dafuer umso begeisterter!
Autor: nnzDie ganze letzte Woche hatte sich schon etwas Spannung aufgebaut. Alle wollten mit uns Deutschen wetten, bemitleideten uns schon im Vorhinein oder drohten im Falle einer Niederlage mit allem moeglichen. Nun ja, die Auswirkungen des Samstages sind nicht so stark zu spueren, wie gedacht. Man ist ruhig geworden hier. Das Thema Fussball sollte auch nicht unbedingt angeschnitten werden. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es macht Spass, wenn man es doch tut.
Aber jetzt mal alles der Reihe nach. Am Samstag holte uns ein Freund ab um mit uns in einem Einkaufszentrum das Spiel anzusehen. Als er uns Fahnenbemalt sah, hat er sich es dann doch fast nochmal anders ueberlegt, aber da musste er jetzt durch. Wir also auf den schnellsten Weg dorthin. Das ganze war eine groessere Halle, schon sehr gefuellt mit meist Jugendlichen. Wir haben da kaum ein Schritt hineingemacht, da fingen die Buhrufe an. Da waren dann also recht schnell alle informiert darueber, dass der Feind anwesend ist.
Doch die Sprueche wurden je unterbrochen, als auch schon das erste Tor fiel. Danach wurden die Bemerkungen weniger, dafuer aber auch agressiver. Ich haette vielleicht aber auch nicht so schreien sollen, als das Tor fiel! Bis zur Halbzeit zitterten wir uns alle halbwegs durch. Nur unterbrochen durch das "Abseitstor" der Argentinien, was einen so riessen Jubel und Ansturm auf uns ausloeste, dass wir alle erst sehr spaet mitbekamen, dass es gar kein Tor war!
Waehrend der Pause wurden wir dann interviewt. Die Stimmung war auch noch ganz okay, da ja noch nichts entschieden schien. Im Gegenteil, fuer uns alle sah es so aus, als wuerde es sich nur noch um eine Frage der Zeit handeln, wann das Anschlusstor kommen wuerde. Aber es kam nicht. Sondern es kam eins von uns!
Und so ueberraschend das wir uns wieder kreischend um den Hals gefallen sind. Nicht die beste Taktik im Verliererland, aber es ging nicht anders. Zu diesem Zeitpunkt verliessen dann auch schon die ersten Argentinier den Schauplatz. Wenn Stolz und Niederlage zusammentreffen, ist das nicht einfach damit umzugehen.
Aus Ruecksicht fuer die Anwesenden und unsere koerperliche Unversehrtheit unterliessen wir bei den anderen beiden Toren das grosse Jubeln ganz. Unser Taktgefuehl wurde aber nur teilweise belohnt, trotz dem trafen uns Pizzateile und die Sicherheitsleute hielten sich dann nach und nach immer in unserer Naehe auf.
Als dann schliesslich der Abpfiff kam, war der Raum schon fast leer. Einige gratulierten uns dennoch sehr nett, andere sprachen auch mit uns, aber eher nicht so nett. Um den aufgewuehlten Emotionen ein bisschen aus dem Weg zu gehen, warteten wir eine Weile ab, eh wir in Begleitung der Sicherheitsleute das Gebaeude verliessen.
Draussen warteten allerdings dennoch ein Haufen Leute. Ob auf uns oder einfach nur so, war nicht so klar auszumachen, daher suchten wir schnell das Weite. So weit meine Version. In der Zeitung konnten wir am naechsten Tag aber noch eine andere lesen. So haetten ein bis zwei deutsche Studenten die Menge so provoziert, dass eine Polizieeinheit ausruecken musste. Fotos dieses Einsatzes sieht man dann auch noch gleich. Den Artikel lade ich mal mit hoch.
Davon haben wir alle zu dem Zeitpunkt gar nichts mitgekriegt, ist wohl auch besser so fuer uns gewesen! Absichtlich provoziert haben wir natuerlich niemanden. Aber jetzt kann ich das ausloesen eines Polizeieinsatzes wenigstens von meine Lebensaufgabenliste streichen!
Fuer meinen Geschmack reicht einmal im Leben aber durch aus. Das Gute ist, dass wir wenigstens nicht auf irgendwelchen Fotos zu sehen sind, dann haetten wir wohl eine richtig tolle Woche bekommen! So koennen wir jetzt unsere Gewinne, wie Eisbecher und Abendessen, geniessen und die Stille auskosten. Denn es ist sehr ruhig hier geworden!
Morgen werden wir dann natuerlich auch das Halbfinale anschauen. Wenn sicherlich auch als einzige Deutschlandfans. Aber dafuer umso begeisterter!


