Mo, 18:09 Uhr
24.01.2011
Soziale Gerechtigkeit braucht unser Wirken
Es ist eine Tradition im VdK, zu Beginn eines Jahres Freunde und Förderer unseres Verbandes einzuladen, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, unsere Verbandsicht auf wichtige Ereignisse sowie die Schwerpunkte unserer Arbeit im neuen Jahr darzustellen. Von dieser Veranstaltung berichtet Klaus Henze...
Nachdem das am 12. Januar für den Bereich Hessen in der Nationalbibliothek in Frankfurt am Main geschah, hatte der Landesverband für den Bereich Thüringen am 20. Januar 2011 ins Comcenter "Brühl" in Erfurt eingeladen. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Staatsapparat und gesellschaftlicher Organisationen waren der Einladung gefolgt, an der Spitze der Thüringer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie Matthias Machnig.
Der VdK-Kreisverband Nordthüringen war durch seinen Kreisvorsitzenden Bernd Reiber, das Mitglied des Landesvorstandes und Vorsitzende des OV Ilfeld, Ingrid Müller und ihres Gatten Manfred, sowie die Bezirksgeschäftsführerin Birgit Zörkler und ihre Mitarbeiterin Doren Berner-Ose vertreten.
Der stv. Vorsitzende unseres Landesverbandes Dr. Claus-Dieter Junker stellte an die Spitze seiner Ausführungen die Information über die erfolgreiche Entwicklung unseres Landesverbandes und sich daraus ableitende Probleme. Er stellte u. a. fest: "Wenn in Thüringen 2010, so viele wie in keinem der 20 Jahre zuvor, 1.974 neue Mitglieder in unseren Verband gekommen sind und damit die Mitgliederzahl auf den Rekordwert von 17.720 haben anwachsen lassen, so sind das zwar stolze Zahlen, um die uns manche anderen Organisationen beneiden könnten, aber sie haben eine facettenreiche Kehrseite. Denn die Mehrzahl dieser Menschen verfolgen individuelle Zielsetzungen bei der Beantragung und Durchsetzung von Ansprüchen auf Sozialleistungen und sind weniger daran interessiert. ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten in die Verbandsarbeit einzubringen." Das fordere die Leistungskraft des Verbandes stark heraus.
Dafür einige Zahlen: Um diesen Ansturm bewältigen zu können, unternehmen wir große Anstrengungen in der Qualifikation unserer haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Durch unsere hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kreis- und Bezirksgeschäftsstellen wurden im vergangenen Jahr 1.166 Verfahren vor den Sozialgerichten vertreten und abgeschlossen. Für die Klagenden wurden dabei 3.549.816,08 Euro an Nachzahlungen erwirkt. Dafür muss man noch mindestens 20.000 Beratungsgespräche anfügen, um die Gesamtdimension unserer für Einwohner Thüringens auf dem Rechtschutzsektor erbrachten Leistungen kenntlich zu machen. Einsatzbereitschaft, die wir in der Zukunft stärker bauen müssen.
Dazu brauchen unsere Ehrenamtler Wissen in den verschiedensten Bereichen, darunter auch elementare Rechtskenntnisse, sowie Fähigkeiten, mit existenziellen Sorgen und Nöten der Ratsuchenden einfühlsam umgehen zu können. Der Verband vermittelt die dafür notwendigen Voraussetzungen in Fortbildungsveranstaltungen an der Ehrenamtsakademie unseres Landesverbandes in Nidda-Bad Salzhausen, aber auch mit von uns selbst ausgebildeten Referenten vor Ort. Um das aber entsprechend packen zu können brauchen der VdK und aber auch die befreundeten Sozial- und Wohlfahrtsverbände mehr Unterstützungen.
So kündigte Junker an, im Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 zu dieser Thematik den 4. Thüringer Sozialgipfel zu gestalten. Im zweiten Teil der Rede ging er sehr kritisch auf wichtige Sozialpolitische Entwicklungen und Probleme, wie Hatz IV, die Gesundheitsreform, die Rentenreform und die bevorstehende Reform der Pflegeversicherung ein und belegte das auch mit Fakten und Zahlen.
Dazu stellte er u. a. fest: "Dass unser Verband, andere Sozial- und Wohlfahrtsverbände, die Gewerkschaften und selbst Parteien einen "Heißen Herbst" entgegen gestellt haben, hat die Regierungsparteien nicht davon abgehalten, eine Gesundheitsreform durch das Gesetzgebungsverfahren zu bringen, die einen tiefen Einschnitt in das Solidarsystem hinterlässt. Nicht die Beteiligung Aller entsprechend ihres Einkommens und Vermögens an den Kosten des Gesundheitssystems ist ihr Markenzeichen, sondern die Einführung von einkommens- und vermögensunabhängigen Kopfpauschalen, verniedlichend "Zusatzbeiträge" genannt, die Absenkung der Beitragsbemessungsgrenze, der erleichterte Übergang Besserverdienender in die private Krankenversicherung, die weitere Demontage der vormaligen paritätischen Finanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer - kurz: der radikale Umbau des Gesundheitssystems zulasten der Versicherten. Das war gewollt!" Ähnliche Entwicklungen sind nun bei der Reform der Pflegeversicherung zu erwarten. Der VdK wird mit seinen Möglichkeiten dagegen halten.
Den Standpunkt des VdK-Landesverbandes legte Dr. Claus-Dieter Junker dar
Abschließend stellte Junker fest: "Im Bewusstsein der Bundesbürger haben solche Ziele, wie die Sicherung des sozialen Friedens, die Vermeidung von Armut, die Verbesserung von Chancen auf dem Arbeitsmarkt, die Förderung von mehr Eigenverantwortung, die Verringerung der Einkommensunterschiede zwischen arm und reich, um nur wenige zu nennen, höchste Priorität."
Der gegenwärtige Zustand der Bundesrepublik diesbezüglich ist nicht gut, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Z. B. wurde festgestellt dass in keinem anderen der analysierten 31 Industriestaaten die Ungleichverteilung innerhalb von zwei Jahrzehnten so sehr zugenommen hat wie in Deutschland. Im Ranking steht Deutschland bei der sozialen Gerechtigkeit am 15. Platz. Als "besorgniserregend" wird die Kinderarmut bezeichnet, und auch beim Vergleich der Bildungssysteme belegt unser Land einen Platz im unteren Mittelfeld.
Er schloss seine Rede schlussfolgernd mit: "Gründe genug für jeden von uns, das Jahr 2011 mit frischer Kraft anzugehen, um auch im nächsten Jahr sagen zu können, wir haben, wenn nicht alles, so doch vieles geschafft!.
Text und Foto: Bernd Reiber
Autor: khhNachdem das am 12. Januar für den Bereich Hessen in der Nationalbibliothek in Frankfurt am Main geschah, hatte der Landesverband für den Bereich Thüringen am 20. Januar 2011 ins Comcenter "Brühl" in Erfurt eingeladen. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Staatsapparat und gesellschaftlicher Organisationen waren der Einladung gefolgt, an der Spitze der Thüringer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie Matthias Machnig.
Der VdK-Kreisverband Nordthüringen war durch seinen Kreisvorsitzenden Bernd Reiber, das Mitglied des Landesvorstandes und Vorsitzende des OV Ilfeld, Ingrid Müller und ihres Gatten Manfred, sowie die Bezirksgeschäftsführerin Birgit Zörkler und ihre Mitarbeiterin Doren Berner-Ose vertreten.
Der stv. Vorsitzende unseres Landesverbandes Dr. Claus-Dieter Junker stellte an die Spitze seiner Ausführungen die Information über die erfolgreiche Entwicklung unseres Landesverbandes und sich daraus ableitende Probleme. Er stellte u. a. fest: "Wenn in Thüringen 2010, so viele wie in keinem der 20 Jahre zuvor, 1.974 neue Mitglieder in unseren Verband gekommen sind und damit die Mitgliederzahl auf den Rekordwert von 17.720 haben anwachsen lassen, so sind das zwar stolze Zahlen, um die uns manche anderen Organisationen beneiden könnten, aber sie haben eine facettenreiche Kehrseite. Denn die Mehrzahl dieser Menschen verfolgen individuelle Zielsetzungen bei der Beantragung und Durchsetzung von Ansprüchen auf Sozialleistungen und sind weniger daran interessiert. ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten in die Verbandsarbeit einzubringen." Das fordere die Leistungskraft des Verbandes stark heraus.
Dafür einige Zahlen: Um diesen Ansturm bewältigen zu können, unternehmen wir große Anstrengungen in der Qualifikation unserer haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Durch unsere hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kreis- und Bezirksgeschäftsstellen wurden im vergangenen Jahr 1.166 Verfahren vor den Sozialgerichten vertreten und abgeschlossen. Für die Klagenden wurden dabei 3.549.816,08 Euro an Nachzahlungen erwirkt. Dafür muss man noch mindestens 20.000 Beratungsgespräche anfügen, um die Gesamtdimension unserer für Einwohner Thüringens auf dem Rechtschutzsektor erbrachten Leistungen kenntlich zu machen. Einsatzbereitschaft, die wir in der Zukunft stärker bauen müssen.
Dazu brauchen unsere Ehrenamtler Wissen in den verschiedensten Bereichen, darunter auch elementare Rechtskenntnisse, sowie Fähigkeiten, mit existenziellen Sorgen und Nöten der Ratsuchenden einfühlsam umgehen zu können. Der Verband vermittelt die dafür notwendigen Voraussetzungen in Fortbildungsveranstaltungen an der Ehrenamtsakademie unseres Landesverbandes in Nidda-Bad Salzhausen, aber auch mit von uns selbst ausgebildeten Referenten vor Ort. Um das aber entsprechend packen zu können brauchen der VdK und aber auch die befreundeten Sozial- und Wohlfahrtsverbände mehr Unterstützungen.
So kündigte Junker an, im Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 zu dieser Thematik den 4. Thüringer Sozialgipfel zu gestalten. Im zweiten Teil der Rede ging er sehr kritisch auf wichtige Sozialpolitische Entwicklungen und Probleme, wie Hatz IV, die Gesundheitsreform, die Rentenreform und die bevorstehende Reform der Pflegeversicherung ein und belegte das auch mit Fakten und Zahlen.
Dazu stellte er u. a. fest: "Dass unser Verband, andere Sozial- und Wohlfahrtsverbände, die Gewerkschaften und selbst Parteien einen "Heißen Herbst" entgegen gestellt haben, hat die Regierungsparteien nicht davon abgehalten, eine Gesundheitsreform durch das Gesetzgebungsverfahren zu bringen, die einen tiefen Einschnitt in das Solidarsystem hinterlässt. Nicht die Beteiligung Aller entsprechend ihres Einkommens und Vermögens an den Kosten des Gesundheitssystems ist ihr Markenzeichen, sondern die Einführung von einkommens- und vermögensunabhängigen Kopfpauschalen, verniedlichend "Zusatzbeiträge" genannt, die Absenkung der Beitragsbemessungsgrenze, der erleichterte Übergang Besserverdienender in die private Krankenversicherung, die weitere Demontage der vormaligen paritätischen Finanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer - kurz: der radikale Umbau des Gesundheitssystems zulasten der Versicherten. Das war gewollt!" Ähnliche Entwicklungen sind nun bei der Reform der Pflegeversicherung zu erwarten. Der VdK wird mit seinen Möglichkeiten dagegen halten.
Den Standpunkt des VdK-Landesverbandes legte Dr. Claus-Dieter Junker dar
Abschließend stellte Junker fest: "Im Bewusstsein der Bundesbürger haben solche Ziele, wie die Sicherung des sozialen Friedens, die Vermeidung von Armut, die Verbesserung von Chancen auf dem Arbeitsmarkt, die Förderung von mehr Eigenverantwortung, die Verringerung der Einkommensunterschiede zwischen arm und reich, um nur wenige zu nennen, höchste Priorität."
Der gegenwärtige Zustand der Bundesrepublik diesbezüglich ist nicht gut, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Z. B. wurde festgestellt dass in keinem anderen der analysierten 31 Industriestaaten die Ungleichverteilung innerhalb von zwei Jahrzehnten so sehr zugenommen hat wie in Deutschland. Im Ranking steht Deutschland bei der sozialen Gerechtigkeit am 15. Platz. Als "besorgniserregend" wird die Kinderarmut bezeichnet, und auch beim Vergleich der Bildungssysteme belegt unser Land einen Platz im unteren Mittelfeld.
Er schloss seine Rede schlussfolgernd mit: "Gründe genug für jeden von uns, das Jahr 2011 mit frischer Kraft anzugehen, um auch im nächsten Jahr sagen zu können, wir haben, wenn nicht alles, so doch vieles geschafft!.
Text und Foto: Bernd Reiber


