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Fr, 15:11 Uhr
11.02.2011

Rückkehr besiegelt

Die so genannte Himmelgartenbibliothek soll nach Nordhausen zurückkehren. Seine Heimat soll der Schatz in der Kulturbibliothek finden. In der kommenden Woche wird ein Vertrag unterzeichnet...


Am Mittwoch wollen die Stadtverwaltung und die Kirchgemeinde St. Blasii-Altendorf einen Verwahrvertrag für die Himmelgartenbibliothek unterzeichnen. Die Himmelgartenbibliothek wird mit der Eröffnung der Nordhäuser Kulturbibliothek im Jahr 2013 nach Nordhausen zurückkehren, nachdem sie von hier über Naumburg und Wittenberg eine weite Reise zurückgelegt hatte. In den Räumen der neuen Bibliothek wird sie allen Interessierten offen stehen. Aktuell befindet sich die Bibliothek im Evangelischen Predigerseminar in Wittenberg.

Den Grundstock der Kirchenbibliothek St. Blasii bildet die Bibliothek des ehemaligen Servitenklosters Himmelgarten, das sich vor den Toren der Stadt Nordhausen befand. Obgleich das Kloster schon 1295 vom Servitenorden " Ordo Servorum Mariae" (OSM) gegründet wurde und aus dem Jahre 1488 Bucherwerbungen bezeugt sind, ist der zielgerichtete Aufbau der Bibliothek im wesentlichen die Leistung von Johannes Pilearius (Huter).

Obwohl das Kloster im Bauernkrieg zerstört wurde, konnte die Bibliothek gerettet werden und gelangte 1552 in die St. Blasii-Kirche zu Nordhausen, wo sie durch den 1717 von Pastor Johann H. Kindervater erstellten der 305 Bde " gebunden und noch wohl conditioniert" aufführt, erstmals wieder faßbar wurde.

Nach Auszählung des vorhandenen Zettelkataloges umfaßt die Bibliothek 714 Titel. Davon sind 230 Inkunabeln (32 Prozent). 384 Titel (54 Prozent) stammen aus der ersten Hälfte des 16. Jhs, 44 (6 Prozent) aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs, 39 (5 Prozent) aus dem 17. Jh sowie 17 (2 Prozent) aus dem 18. Jh.

Die Bücher sind unabhängig von ihrem Inhalt nach drei Formaten aufgestellt. 469 Titel behandeln theologische Themen. Darunter sind 76 Predigten. 186 Titel sind der philosophischen Fakultät, 21 der juristischen und 6 der medizinischen zuzuordnen.

Die philosophische Literatur spiegelt den Studienbetrieb an der Erfurter Artistenfakultät im Spätmittelalter wider und deckt die Gebiete Grammatik, Logik, Rhetorik, Metaphysik, Ethik und Naturphilosophie ab. 23 Titel, darunter eine Hs., widmen sich Aristoteles. 13 Werke sind Ausgaben antiker Schriftsteller.

Die theologische Literatur ist in ihrem älteren Teil durch Kirchenväter-Ausgaben (30 Titel) und scholastische Schriften geprägt, später durch konfessionelle Kontroverstheologie und Bibelwissenschaft. 13 Werke repräsentieren den Nominalismus (Duns Scotus, Wilhelm von Ockham, Robert Holcot, Gabriel Biel, Petrus de Aliaco), 7 die " Devotio Moderna". 22 Titel stammen von Erfurter Gelehrten.

Von den zahlreich vertretenen Humanisten sind mit jeweils mehr als 5 Titeln Erasmus, Jacob Wimpheling, Joannes Versor, Johann Geiler von Kaysersberg, Jacques Lefèvre, Paulus Schneevogel und Jodocus Trutfetter präsent. Unter den Reformatoren nimmt Luther mit 19 Titeln die Spitzenposition ein, von seinen Gegnern Konrad Koch mit 10 Schriften.
Autor: nnz

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