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Do, 16:11 Uhr
10.03.2011

Wie sprengt man eine Bombe?

Dieser Frage spürten in den vergangenen Tagen Nordhäuser Feuerwehrleute nach. Und es sollte sich ja um einen Fünf-Zentner-Bombe handeln, die mitten in der Stadt gesprengt werden soll. Die Antwort hat natürlich Ihre nnz...

In Hannover (Foto: Feuerwehr Hannover) In Hannover (Foto: Feuerwehr Hannover)
An dieser Stelle war in Hannover ein Blindgänger mit Chemie-Zünder gezielt gezündet worden. Dank der guten Vorbereitungsmöglichkeiten und dem gezielten Einsatz von großen Sandsäcken, die meterhoch in Hufeisenform gestapelt wurden, konnte die Druckwelle abgeleitet werden. Die Schäden im Umfeld konnten so auf ein Minimum beschränkt werden

Wie sprengt man mitten in der Stadt einen Bombenblindgänger mit Säure- Langzeitzünder, wenn eine Entschärfung vor Ort nicht machbar ist? Dieser Frage gingen jetzt bei einem Arbeitsbesuch in Hannover Nordhäuser Vertreter der Berufsfeuerwehr, des Ordnungsamtes, der Polizei und der für Thüringen zuständigen Sprengfirma nach. Geleitet wurde die Delegation vom zuständigen Bürgermeister Matthias Jendricke.

Aufgrund der tragischen Ereignisse in Göttingen im Juni letzten Jahres, wo sich bei einer Bombenentschärfung eine unkontrollierte Selbstzündung auslöste und dabei drei Personen zu Tode kamen, müssen nun bei den Entschärfungsmaßnahmen künftig weitaus aufwendigere Sicherheitsmaßnahmen greifen, damit die Menschenleben geschützt werden können. In der Innenstadt von Hannover musste daher erst Ende Januar eine amerikanische 5-Zentner-Bombe gezielt gesprengt werden. „Da dieses Szenario leider auch in Nordhausen eintreten kann, haben wir uns bei den Hannoveraner Kollegen von Feuerwehr und Polizei informiert, wie der damalige Einsatz geplant wurde und dann abgelaufen ist“, so Bürgermeister Matthias Jendricke.

Über Nordhausen waren im 2. Weltkrieg vermutlich rund 7.000 Bomben abgeworfen worden, darunter bekannterweise auch solche mit chemischen Langzeitzündern. Experten gehen auch in der Zukunft von weiteren Blindgängerfunden dieser Art aus. Bereits in der Vergangenheit waren derartige Blindgänger mit Säurezünder in Nordhausen vereinzelt gefunden worden, allerdings kommt diese Bombenbauart weit seltener vor als die mit mechanischen Zündeinrichtungen.

„In Hannover mussten im Januar 2011 knapp 11.500 Menschen in einem Radius von 1 Kilometer um den Fundort evakuiert werden. Darüber hinaus wurde auch der Luftraum über dem Fundort gesperrt und der Flughafen geschlossen. Knapp 700 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst waren dafür notwendig“, machte der Leiter der Nordhäuser Berufsfeuerwehr Gerd Jung ein solches Einsatzszenario deutlich. Das sei eine gewaltige logistische Leistung der Hannoveraner Sicherheitskräfte gewesen.

Das heikle bei diesem problematischen Bombentyp sei, „dass sowohl ein Abtransport als auch eine Entschärfung in der Regel ausgeschlossen ist. Das heißt in den meisten Fällen ganz klar: Kontrollierte Sprengung vor Ort – mit allen technischen, logistischen und rechtlichen Problemen. Im schlimmsten Fall für Nordhausen müssten so bis zu 15.000 Menschen binnen kurzer Zeit evakuiert werden“, erläuterte Jung.

Bei den bisherigen Bomben-Entschärfungsmaßnahmen in Nordhausen hat man in der Regel nur einen Sicherradius von rund 500 m geräumt. Künftig steht man vor der Herausforderung, den Evakuierungsradius auf einen Kilometer auszudehnen. „Das ist mit den örtlichen Kräften von Polizei und städtischen Feuerwehren nicht mehr zu leisten. Die Polizei muss dann zügiger als bisher mit weiteren Kräften aus Thüringen verstärkt werden und die Nordhäuser Feuerwehr ist auf die Unterstützung aus dem Landkreis angewiesen – das hat das Beispiel Hannover noch einmal deutlich gezeigt“, erklärte der Nordhäuser Ordnungsamtsleiter Holger Wengler.

Bei der Bombensprengung in Hannover wurden riesige Sandsäcke – so genannte Big Bags – um den unmittelbaren Fundort aufgestapelt, damit zum einen die Druckwelle nach oben entweichen konnte und zum anderen mögliche Splitter abgefangen werden. Der große Vorteil der Situation in Hannover war allerdings, dass es sich an einem Sonntag um eine geplante Aufsuchung im Rahmen des Landesräumprogramms handelte und somit der Einsatz weit koordinierter ablaufen konnte, als die für Nordhausen typischen Sofortmaßnahmen bei den üblichen Zufallsfunden während entsprechender Baumaßnahmen, gab hierzu der Chef der Berufsfeuerwehr zu bedenken.

In der Sorge um eine solch komplizierte Einsatzlage, hat die Stadt Nordhausen den Landkreis gebeten, bei einer solchen Notsprengung von Bomben mit Säurezündern im Stadtgebiet den Katastrophenalarm auszulösen.
Autor: nnz

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