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28.03.2011

Durch den Harz (Ende)

Für den 15. Juli 2011 wird im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen eine Ausstellung vorbereitet, die den Titel „Künstlerinnen und Künstler um Caspar David Friedrich“ trägt, des wohl bekanntesten deutschen Malers und Zeichners der Frühromantik, der vor allem von Dresden aus wirkte. Dazu der letzte Teil einer Beitragsreihe der Kuratorin Heidelore Kneffel in der nnz...


Welche weitere Verknüpfung in die Region um Nordhausen entdeckt man in den Aufzeichnungen der Wilhelmine Bardua? Seit 1840 hielten sich die Schwestern wieder häufiger in Ballenstedt auf und waren mit dem regierenden Herzogpaar von Anhalt-Bernburg in Kontakt gekommen. Ihr Hauptwohnort war aber nach wie vor Berlin. Erst im Juli 1852 zogen sie wieder in ihren Geburtsort, auch, weil sie dort am Hof mit ihren vielseitigen künstlerischen Talenten anerkannt waren und für die Herzogin Friederike auch Ratgebende. Caroline von Bardua war außerdem für den geistig kranken Herzog Alexander Carl (1805-1863) eine ihm wohltuende Gesellschafterin, die man nicht missen wollte. Sie wirkte beschwichtigend auf seine oft heftigen Stimmungs-schwankungen.

Kurz nach ihrem Umzug Mitte August 1852 fand einer der nicht seltenen größeren Ausflüge des Herzogpaares statt, dessen Hauptsitz das Schloss in Ballenstedt war. Man startete in Alexisbad, fuhr über Stolberg, Rottleberode nach Neustadt bis hinauf zur Ruine Hohnstein.

Alexisbad war deshalb Ausgangsort dieser Tour, weil sich der Hof im Sommer oft im Schweitzerhaus in Alexisbad aufhielt. Die Entwürfe für dieses Haus des Herzogpaares stammten vom Architekten Karl Friedrich Schinkel. Seit 1822 stand es im Selketal.

Berühmte Kurgäste waren z. B. der Komponist Carl Maria von Weber, den Caroline von Bardua in Berlin porträtierte, Christian Gottfried Körner, enger Freund Friedrich Schillers und Vater des Freiheitsdichters Theodor Körner und der dänische Schriftsteller Hans Christian Andersen. Wilhelm von Kügelgen, als Kammerherr und Hofmaler am Ballenstedter Hof tätig, beschrieb das Leben im Harzbad so: „Schmucke Gebäude, wohlgekleidete Badegäste, brilliante Tafeln, klingendes Spiel, glänzende Bälle.“

Alexisbad (Foto: privat) Alexisbad (Foto: privat)

Bereits 1755 entdeckte man eisen-, mangan- und schwefelhaltige Heilquellen an diesem Ort und nahm einen Kur- und Badebetrieb auf, der aber bald wegen Mangels an Gästen eingestellt wurde. Herzog Alexius Friedrich Christian von Anhalt-Bernburg, in dessen Diensten der Vater der Schwestern Bardua gestanden hatte, ließ das Wasser des Stollens 1809 durch den Mediziner Carl Ferdinand von Graefe erneut untersuchen. Wegen seines Gehaltes an Iod, Fluor und Eisen wurde eine Wiederaufnahme des Kurbetriebes empfohlen.

Das Kurbad erhielt den Namen des Herzogs, die Einweihung fand am 12. Juni 1811 statt. Was berichtet Wilhelmine Bardua in ihren Aufzeichnungen über den Augustausflug des Jahres 1852? „Die große Hofpartie nach der Ruine Hohnstein ist schön verlaufen. Früh um 9 Uhr flogen wir vom Schweizerhaus fröhlich ins Tal hinein. Kurz vor Stolberg kam uns der Graf, eine edle und schöne Erscheinung, dahergeritten. Er lud unsere Herrschaften zum Tee nach Rottleberode ein; dann kam er auch an unseren Wagen und begrüßte – zur sichtlichen Überraschung unserer fremden Damen – auch Caroline gar freundlich.

Die Ruine Hohnstein ist ein romantischer Platz, mit einer reichen, weiten Aussicht. Ein Musikchor, hinter Büschen versteckt, begrüßte die herzoglichen Wagen. Aber auf die ersehnte Suppe mußten wir lange warten – der Gedanke an die herrlichen Würste, die uns bei der Durchfahrt durch Stolberg aus den Fleischerläden angelacht hatten, wurden in Erwartung des späteren Diners zur grausamen Qual. Um 6 Uhr gelangte dann unsere Gesellschaft in Rottleberode an. Die ganze gräfliche Familie stand am Eingang des Gartens. Unter den alten schönen Bäumen wurde der Tee serviert - es war ein wenig steif. Um so schöner war die Heimfahrt.

Die gräfliche Familie kehrte gleichzeitig nach Stolberg zurück. Es mochte sich stattlich ausnehmen: zwei herzogliche und zwei gräfliche Wagen, jeder mit 4 Pferden bespannt und Vorreitern, hintereinander. Je reicher der Tag gewesen, desto stiller wurde im Dunkeln des Abends die Unterhaltung, bis schließlich alles in tiefes Schweigen verfiel. Der Wald duftete im nächtlichen Tau, die Sterne traten mehr und mehr hervor, am westlichen Horizont wetterleuchtete es – eine göttliche schöne Nacht.“

Hohenstein um 1840 (Foto: privat) Hohenstein um 1840 (Foto: privat)
„Hohenstein“, Lithographie nach einer Vorlage von Carl Duval Quelle: „Thüringen und der Harz mit ihren Merkwürdigkeiten, Volkssagen und Legenden ...“ 7 Bände mit 84 Original-Lithographien. Sondershausen. Verlag Friedrich August Eupel 1839-42.

Die Burg Honstein (ursprüngliche Schreibweise) entstand um 1120. Ihre Gründung schreibt man Graf Konrad von Sangerhausen zu, einem Neffen des Thüringer Landgrafen „Ludwig der Springer“. Die Erben Konrads übernahmen als Grafen von Ho(h)nstein die Vorherrschaft im Südharz. Im 1. Viertel des 15. Jahrhunderts erwarben die Grafen von Stolberg die Burg und ließen die Anlage militärisch und baulich mit großem Aufwand modernisieren. Graf Heinrich zu Stolberg baute sie zu einem repräsentativen Renaissanceschloss aus.

Im 30jährigen Krieg steckte eine kaiserliche Truppe unter dem Obristleutnant Christian Vitzthum von Eckstedt das von seinen Leuten bereits weitgehend ausgeplünderte Bauwerk und das zugehörige Vorwerk in Brand.

Unterhalb der Ruine wurde 1908 ein Gasthaus erbaut, denn sie war zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Nach 1990 wurde die Anlage mit Sicherungs- und Restaurierungs-arbeiten durch den Landkreis Nordhausen stabilisiert, so dass sie wieder zu einer Attraktion geworden ist.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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