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Fr, 11:15 Uhr
25.03.2011

Kaffee und Literatur

Wer an einem Mittwochnachmittag Einlass in die Stadtbibliothek begehrt, der findet sich für gewöhnlich vor verschlossenen Türen wider. Nur am letzten Mittwoch eines jeden Monats mit einem „R“ im Namen (also allen außer den Sommermonaten) öffnet die Bibliothek ihre Pforten und bittet zu Kaffee und Literatur...


Umgeben von Regalen voller Worte und Wissen sitzt ein gutes dutzend Nordhäuser(-innen) da, nippt dann und wann am Kaffee und lauscht interessiert. Heute hören sie von Menschen, die in ihrer eigenen Welt leben und denen, die zwar mit ihnen Leben aber doch in einer anderen Realität existieren, hören von Menschen, denen der Blick über die Zeit, den Raum und die Ereignisse verloren geht und ihren Angehörigen, die dem Prozess machtlos gegenüberstehen.

Rudolf Hagelstange (Foto: Angelo Glashagel) Rudolf Hagelstange (Foto: Angelo Glashagel)

Gleich mehrere Bücher rund um die Themen Alzheimer und Demenz wurden an diesem Mittwoch vorgestellt. Darunter Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“ in dem der Autor beschreibt wie er die Erkrankung seines Vaters erlebt, oder auch Agneta Ingbergs, „58: Mein Leben mit Alzheimer“, in dem eine Betroffene beschlossen hat ihr Leben mit der Krankheit so lange zu dokumentieren, wie es ihr möglich ist.

Kein besonders angenehmes Thema an diesem warmen Frühlingstag, aber eines das auf Interesse stößt, wie sich in der anschließenden Gesprächsrunde herausstellt. Angeregt erzählt eine ehemalige Krankenschwester wie sie Alzheimerpatienten erlebte und welche ihrer Erfahrungen sie in den Büchern bestätigt fand. Andere berichten dass es sie verwundert habe, dass die Krankheit anscheinend viel häufiger vorkomme als früher. Das müsse wohl an den besseren Diagnoseverfahren und der erhöhten Lebenserwartung liegen, lautet eine Antwort. Die Krankheit wurde früher in der Öffentlichkeit möglichst verschwiegen und erkrankte Angehörige wurden als peinlich und verrückt empfunden, berichtet daraufhin eine ältere Dame.

Einige der Diskutanten sind in den vergangenen zwei Jahren zu regelmäßigen Gästen des Lesecafés geworden. In angenehmer Runde ist jedes Thema, jedes Buch und jeder Gast willkommen. Mal wird nur ein Buch vorgestellt, manchmal werden, wie am vergangenen Mittwoch, größere Themenfelder behandelt und die Mitarbeiter der Bibliothek lesen aus mehreren Werken. Wer will kann auch eigene Themen vorschlagen und selbst zum Buch des Tages greifen um dem Rest des Publikums daraus vorzutragen.

Das Konzept ist schlicht und einfach offen für alles zu sein. „Selbst eine Pflanzentauschbörse hatten wir schon. Das klingt erst mal seltsam, aber es gibt hier ja auch Literatur rund um Garten- und Zierpflanzen.“ So Anja Schröder, Mitarbeiterin der Bibliothek. „und wir haben noch zahlreiche andere Themen im petto. Geburtstage und Jahrestage, wie etwa den von Franz Liszt in diesem Jahr, bieten da immer schöne Möglichkeiten. Oder wir behandeln die verschiedenen Arten von Kindermedien. Manchmal spielen wir auch Auszüge aus Hörbüchern oder holen uns Anregungen von unseren Besuchern.“ so Frau Schröder weiter.

Ab und an kommen auch richtige Autoren um aus ihren Werken zu lesen. Das passiert allerdings eher selten, weil es nur wenige Literaten gibt, die in Nordhausen und Umgebung wohnen und bereit sind unentgeltlich aus ihren Werken vorzutragen. Für größere Veranstaltungen mit bekannteren Autoren fehlen Geld, Platz, Zeit und auch das Publikum. „Diese Ressourcen können andere viel eher aufbieten. Das Buchhaus Rose etwa oder die Sparkassenstiftung.“ so die Leiterin der Bibliothek, Frau Kramer.

An einem Mittwochnachmittag kommen nicht viele Leute was aber angesichts der ohnehin begrenzten Räumlichkeiten der Bibliothek gar nicht so schlimm ist. Etwas mehr Besucher könnten es natürlich gerne sein, aber die Bibliothekare üben sich in Geduld und freuen sich auf den Einzug in die neue Bibliothek. „Im neuen Haus haben wir ganz andere Möglichkeiten und spätestens dann werden wir auch mehr Veranstaltungen anbieten können“ betonte Frau Kramer.

Informationen rund um das Lesecafé und zu den nächsten Themen gibt es regelmäßig auf der Website der Stadt und natürlich auch in ihrer nnz.
Angelo Glashagel
Autor: agl

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