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So, 18:36 Uhr
27.03.2011

nnz-Forum: Tepco und die Verantwortung

Noch einmal äußert sich Bodo Schwarzberg zur Katastrophe in Japan und fordert von den Menschen in Nordthüringen, noch aktiver für einen Wechsel in der Energiepolitik einzutreten...


Als weitere Beweise für meine Behauptung, die Atomindustrie Japans sei verlogen, und schere sich kaum um das Leben und um die Gesundheit, sowie um die Informationssicherheit der Menschen dort und damit auch weltweit, wurden heute in zahlreichen Online-Zeitungen, so auch bei Spiegel- und Zeit-Online inhaltlich folgende Sachverhalte genannt:

1.) Die drei Arbeiter, denen vor einigen Tagen hochradiaktives Wasser in die Schuhe lief, waren vom Betreiber Tepco NICHT gewarnt worden. Das räumte ein Tepco-Sprecher selbst ein. In den Tagen zuvor hatte der Konzern hingegen schwere Vorwürfe gegen die Arbeiter erhoben: Sie hätten angeblich Warnhinweise ignoriert.

2.) Laut zeit.de ignorierte Tepco zudem Warnungen von Forschern vor schweren Erdbeben und darauffolgenden Tsunamis:

Zitat:"Okamuras (der Forscher - B.S.) Warnungen vor einem massiven Tsunami basieren auf einer Studie, die er im Jahr 2004 durchgeführt hatte. Er untersuchte Spuren, die angeblich auf einen großen Tsunami im Jahr 869 hindeuteten. Nach einem Erdbeben der Stärke 8.3 im Nordosten Japans soll die Riesenwelle angeblich um die 1000 Leute weg geschwemmt haben.

Der japanische Forscher hat herausgefunden, dass weite Bereiche der Küstenregionen im Nordosten Japans von dem Tsunami betroffen waren. Vom nördlich gelegenen Ishinomaki in der Präfektur Miyagi bis hin zur südlich gelegenen Stadt Namie in der Präfektur Fukushima. In der Nähe steht heute das AKW Fukushima-1. Drei bis vier Kilometer des Inlands seien von Wassermassen überflutet worden, so Okamuras Ergebnis."

Doch auch, wenn es die Äußerung dieses Forschers nicht gäbe: Jeder Mensch, der sich nur ein ganz klein wenig mit Naturwissenschaft beschäftigt, weiß, dass Kernkraftwerke in einer schwer erdbebengefährdeten Region, und zu einer solchen gehört ganz Japan auf Grund des Zusammentreffens von pazifischer und philippinischer Platte direkt vor dem japanischen Inselbogen, "nicht sehr sinnvoll" sind. Davon haben wir bereits im Geografieunterricht gesprochen. Dennoch haben die japanischen Energiekonzerne und die jeweiligen Regierungen mit dem Feuer gespielt und Dutzende A`KWs gebaut - gegen jedwede Vernunft und unter gutachtengestützter Beschwichtigung der Bevölkerung. Die sowie zur Technikgläubigkeit (v)erzogene Bevölkerung Japans hat sich nicht gegen diese Fahrlässigkeit gewehrt, verdrängt, und sich in Sicherheit gewähnt.

Immerhin sollen heute schon einige Tausend Tokioter auf die Straße gegangen sein. Bei 35 Mio Menschen im Großraum ist das dennoch eine recht bescheidene Zahl. Vom Abschalten ist dort übrigens kaum die Rede. Die Regierung plant lediglich eine Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen. Und ich bin mir sicher, dass die in sich ruhenden Japaner leider allein damit bereits einverstanden sein werden.

3.) Der Konzern revidierte heute die Zahlen einer Messung der radioktiven Belastung von Wasser im Meeres-Umfeld des AKW Fukushima 1 mit mehreren Millionen Becquerel. Es handele sich um eine nicht korrekte Angabe.

Angesichts der großen Bedeutung korrekter Informationen für Leib und Leben unzähliger Menschen und für den Schutz der Biosphäre, sind derartige Vorkommnisse ein weiteres Desaster, das das ganze Ausmaß der Unfähigkeit von Regierung und Konzern offenbart.

Allein aus diesen drei heutigen Meldungen wird deutlich, wie wenig Vertrauen wir selbst in die Politik und in die Konzerne haben sollten. Der Fall Fukushima zeigt die Unvollkommenheit des Menschen im Umgang mit der Kernenergie auf. Er ist intellektuell einfach nicht in der Lage, mit dieser Technik so umzugehen, dass sie ausschließlich zum Nutzen für diesen Planeten ist. Jedwede andere Behauptung und auch die jetzt oft in Deutschland gehörte, die deutchen AKW seien mit den japanischen nicht zu vergleichen, und sie seien bedeutend sicherer, entspricht nicht den Tatsachen.

Der Mensch, der gerademal rund 100 Jahre lebt, seiner Nachwelt aber ein Problem beschert, dass diese in Form der radioaktiven Abfälle noch Jahrzehntausende beschäftigen wird, und der nicht in der Lage ist, sein Profitstreben angesichts objektiverr Risiken im Zaum zu halten, bringt diesem Planeten, so wie wir ihn kennen, in große Gefahr.

So ist es Aufgabe der "Andersdenkenden", die Gesellschaft so zu verändern, dass Entgleisungen wie die Nutzung der Kernergie zur Energiegewinnung und zum Bau von Massenvernichtungswaffen nicht mehr möglich sind.

Nur bezweifle ich, dass Fukushima für eine Kehrtwende schon ausreichend ist. Zwar sind gestern 250.000 Menschen in Deutschland auf die Straße gegangen. Aber das sind bei 80 Mio Einwohnern zu wenig. Wir brauchen Demonstrationen von hunderten von Millionen Menschen überall dort, wo man ihnen Reaktoren als sichere Technologie verkaufen und sie, nach dem Beispiel von Japan, im Interesse einiger Multimillionäre blenden will.

Bitte kommen Sie am Montag, den 28.3., um 18 Uhr zur Mahnwache in die untere Rautenstraße. Es gab eine Zeit, da haben Montagsdemos die Welt verändert. Und unsere Gesellschaft braucht Veränderung um im Interesse aller Menschen wirfken zu können.
Bodo Schwarzberg, Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
-Insider-
27.03.2011, 20:55 Uhr
wirklich
löblich ihr einsatz aber, haben sie oder die demonstranten wirkliche alternativen die eine sofortige abschaltung auffangen können? die dagegen-partei wettert natürlich und auch zurecht gegen die AKWs, aber alternativen außer "naja, habt euch nicht so...bus, bahn und abends mit kerze ist doch auch nett" kommt da nicht...das ist mein problem was ich da zur zeit habe.

von den sozialhänkern mal ganz zu schweigen, heute predigen sie wie gefährlich die AKWs sind...wendehälse. zu ihrer amtszeit hätten sie die dinger doch abschalten können...
Herr Taft
28.03.2011, 10:03 Uhr
einige Anmerkungen:
Applause an -insider-, Realitätssinn ist eine wertvolle Eigenschaft. Die von Herrn Schwarzberg eingeforderten Veränderungen "...im Interesse aller Menschen..." sind aufgrund der Differenziertheit der Interessen nicht möglich und münden zwangsläufig in Kompromissen, die den "Andersdenkenden" wieder Anlass zu erneuter Dagegen-Retorik geben...

Es ist einfach, sich gegen alles aufzulehnen, was nicht der eigenen Interessenlage entspricht. Es ist ungleich komplizierter die Interessen verschiedener Menschen, politischer und gesellschaftlicher Gruppen oder gar ganzer Bevölkerungen unter einen Hut zu bekommen und dann "...im Interesse aller Menschen..." zu handeln.
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