Fr, 08:18 Uhr
08.04.2011
nnz-Forum: Rechts-Hobby-Historiker
Rechtsradikale Geschichtsrevision und einige Heim-werker der historischen Wissenschaften haben es einem Leser der nnz angetan. Dazu veröffentlichen wir seinen Beitrag im Forum der nnz.
Es ist immer interessant zu sehen, wie Rechtsradikale - und als solche bezeichne ich ganz offen Leute, die sich so äußern wie der Herr @heim-werker in seinem Kommentar zum nnz-Forum: Richtig oder falsch - die Geschichte verdrehen. Ich unterstelle ihnen aus dem von ihnen Geschriebenen heraus, dass es ihnen dabei nicht um die Fakten geht. Also z.B. den Fakt, dass die Alliierten Kriegsverbrechen begangen haben.
In jedem Krieg machen sich alle Beteiligten, die Guten und die Bösen, die Hände schmutzig. Es gibt weder saubere noch gerechte Kriege. Auch, dass es die Appeacement-Politik Großbritanniens und Frankreichs im Vorfeld des 2. Weltkrieges gegeben hat, die Hitler den Kriegsbeginn erleichterte, wird von Rechts als Argument der Relativierung der faschistischen Alleinschuld am 2. Weltkrieg und seiner Gräuel angebracht.
Um die Fakten geht es dabei den Herrschaften, die sich hier zunehmend in der Kommentarspalte der nnz tummeln, nicht. Ich höre bei denen ausschließlich eine Intonation heraus, die letztlich die deutsche Kriegsschuld in Frage stellt. Bitte, was ist das anderes als revisionistisches Gedankengut? So ist es für mich auch erklärlich, dass mit den vorliegenden Fakten dann, na sagen wir mal im Rahmen einer flexiblen Anwendung der Wahrheit, ein wenig flapsig umgegangen wird. Es ist nämlich nicht besonders entscheidend festzustellen, dass Chamberlain Hitler befrieden wollte, was ihm bekanntermaßen nicht gelang, sondern ehr, warum diese Politik betrieben wurde und warum sie misslang.
Und auch, warum sich die Hartliner um Churchill, der die Entwicklung lange vor Beginn des Krieges realistisch einschätzte, erst durchsetzten, als es zu spät war. Übrigens gleich gesagt, nicht deshalb, weil Großbritannien Deutschland in einen Krieg mit der Sowjetunion drängen wollte. Hier ist es auch interessant zu sehen, wie unsere Rechtshobbyhistoriker hier in der nnz die alten Stereotypen aus der sowjetisch-kommunistischen Geschichtsschreibung einfach übernehmen. Ich habe von sowjetischen Professoren der Geschichtswissenschaften noch die damals ernst gemeinte These gelehrt bekommen, dass der weise Stalin sich von vornherein klar war, dass England den zweiten Weltkrieg als Stellvertreterkrieg durch Hitler wollte, um die UdSSR und den Weltsozialismus fertig zu machen.
Churchill war ein erklärter Feind des Sozialismus und er hasste Stalin. Aber die Sowjetunion betrachtete er aus interessenpolitischem Blickwinkel, nicht aus seinen Emotion heraus. Das macht große Politiker aus. Wer ein unverfängliches – und auch umstrittenes – Geschichtsbild der Zeit haben möchte, dem empfehle ich die Arbeiten Sebastian Haffners, eines Konservative. Die sind ja häufig die Realisten.
In das geschichtsrevisionistische Bild unserer rechten Kommentatoren passt auch die Pseudoglobalisierungskritik der Herren. Die Argumente der linken Kritiker am modernen Kapitalismus und der Politik der westlichen Demokratien werden scheinbar nachgeplappert. Aber das Konstrukt, das am logischen Ende der rechten Globalisierungskritik steht, wird nicht ausgesprochen. Noch nicht! Doch hinter solchen Sätzen, die wie bei @heim-werker lauten: ...aber man sollte langsam an das heutige Unrecht denken, daß gerade von den Ländern verübt wird, die so für Demokratie und Freiheit einstehen., befindet sich immer eine sich im Kontext der Aussagen geradezu aufzwingende Schlussfolgerung der Art, dass nur eine nationale Revolution mit Deutschland den Deutschen oder ähnlicher faschistischer Scheiß einfacher Lösungen für komplexe Probleme einen Ausweg aus der gegenwärtigen Misere bilden.
Da üben diese Volkgenossen derweil noch innere Zensur und halten uns das vor. Um es klar zu stellen. Sollen diese Leute ihre Meinung haben! Die haben sie nämlich unabhängig davon, ob ich oder Frau Merkel oder unsere geschätzten Globalisierungsgegner das möchten oder nicht. Ich will denen auch nicht begegnen, indem man verbale, körperliche oder institutionelle Gewalt gegen sie ausübt, solange sie auf ihrer quasidemokratischen Gradwanderung balancieren und sich das Sieg Heil! verkneifen. Das kommt noch. So lange glaube ich auch nicht, dass es gut wäre, die nnz würde sie zensieren. Sollten die Rechten hier nur schreiben – dann bilden sie nämlich eine Angriffsfläche. Ich fordere allerdings vom demokratischen Publikum der nnz eine breite Gegenwehr ein.
Klaus-Uwe Koch, ein Liberaler aus Nordhausen
Autor: nnzEs ist immer interessant zu sehen, wie Rechtsradikale - und als solche bezeichne ich ganz offen Leute, die sich so äußern wie der Herr @heim-werker in seinem Kommentar zum nnz-Forum: Richtig oder falsch - die Geschichte verdrehen. Ich unterstelle ihnen aus dem von ihnen Geschriebenen heraus, dass es ihnen dabei nicht um die Fakten geht. Also z.B. den Fakt, dass die Alliierten Kriegsverbrechen begangen haben.
In jedem Krieg machen sich alle Beteiligten, die Guten und die Bösen, die Hände schmutzig. Es gibt weder saubere noch gerechte Kriege. Auch, dass es die Appeacement-Politik Großbritanniens und Frankreichs im Vorfeld des 2. Weltkrieges gegeben hat, die Hitler den Kriegsbeginn erleichterte, wird von Rechts als Argument der Relativierung der faschistischen Alleinschuld am 2. Weltkrieg und seiner Gräuel angebracht.
Um die Fakten geht es dabei den Herrschaften, die sich hier zunehmend in der Kommentarspalte der nnz tummeln, nicht. Ich höre bei denen ausschließlich eine Intonation heraus, die letztlich die deutsche Kriegsschuld in Frage stellt. Bitte, was ist das anderes als revisionistisches Gedankengut? So ist es für mich auch erklärlich, dass mit den vorliegenden Fakten dann, na sagen wir mal im Rahmen einer flexiblen Anwendung der Wahrheit, ein wenig flapsig umgegangen wird. Es ist nämlich nicht besonders entscheidend festzustellen, dass Chamberlain Hitler befrieden wollte, was ihm bekanntermaßen nicht gelang, sondern ehr, warum diese Politik betrieben wurde und warum sie misslang.
Und auch, warum sich die Hartliner um Churchill, der die Entwicklung lange vor Beginn des Krieges realistisch einschätzte, erst durchsetzten, als es zu spät war. Übrigens gleich gesagt, nicht deshalb, weil Großbritannien Deutschland in einen Krieg mit der Sowjetunion drängen wollte. Hier ist es auch interessant zu sehen, wie unsere Rechtshobbyhistoriker hier in der nnz die alten Stereotypen aus der sowjetisch-kommunistischen Geschichtsschreibung einfach übernehmen. Ich habe von sowjetischen Professoren der Geschichtswissenschaften noch die damals ernst gemeinte These gelehrt bekommen, dass der weise Stalin sich von vornherein klar war, dass England den zweiten Weltkrieg als Stellvertreterkrieg durch Hitler wollte, um die UdSSR und den Weltsozialismus fertig zu machen.
Churchill war ein erklärter Feind des Sozialismus und er hasste Stalin. Aber die Sowjetunion betrachtete er aus interessenpolitischem Blickwinkel, nicht aus seinen Emotion heraus. Das macht große Politiker aus. Wer ein unverfängliches – und auch umstrittenes – Geschichtsbild der Zeit haben möchte, dem empfehle ich die Arbeiten Sebastian Haffners, eines Konservative. Die sind ja häufig die Realisten.
In das geschichtsrevisionistische Bild unserer rechten Kommentatoren passt auch die Pseudoglobalisierungskritik der Herren. Die Argumente der linken Kritiker am modernen Kapitalismus und der Politik der westlichen Demokratien werden scheinbar nachgeplappert. Aber das Konstrukt, das am logischen Ende der rechten Globalisierungskritik steht, wird nicht ausgesprochen. Noch nicht! Doch hinter solchen Sätzen, die wie bei @heim-werker lauten: ...aber man sollte langsam an das heutige Unrecht denken, daß gerade von den Ländern verübt wird, die so für Demokratie und Freiheit einstehen., befindet sich immer eine sich im Kontext der Aussagen geradezu aufzwingende Schlussfolgerung der Art, dass nur eine nationale Revolution mit Deutschland den Deutschen oder ähnlicher faschistischer Scheiß einfacher Lösungen für komplexe Probleme einen Ausweg aus der gegenwärtigen Misere bilden.
Da üben diese Volkgenossen derweil noch innere Zensur und halten uns das vor. Um es klar zu stellen. Sollen diese Leute ihre Meinung haben! Die haben sie nämlich unabhängig davon, ob ich oder Frau Merkel oder unsere geschätzten Globalisierungsgegner das möchten oder nicht. Ich will denen auch nicht begegnen, indem man verbale, körperliche oder institutionelle Gewalt gegen sie ausübt, solange sie auf ihrer quasidemokratischen Gradwanderung balancieren und sich das Sieg Heil! verkneifen. Das kommt noch. So lange glaube ich auch nicht, dass es gut wäre, die nnz würde sie zensieren. Sollten die Rechten hier nur schreiben – dann bilden sie nämlich eine Angriffsfläche. Ich fordere allerdings vom demokratischen Publikum der nnz eine breite Gegenwehr ein.
Klaus-Uwe Koch, ein Liberaler aus Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.

