Mi, 14:40 Uhr
20.07.2011
nnz-Forum: Gipsabbau kontra Zeitgeist
Es ist mal wieder so weit: Wieder versucht die Gipsindustrie den Boden für neue Abbaufelder in unserer international gesehen einmaligen Südharzer Gipskarstlandschaft zu bereiten oder zumindest bestehende zu erweitern. Dazu das Statement des Nordhäuser BUND...
In einer jüngsten Wortmeldung legte der Geschäftsführer des Ellricher Gipswerkes Peter Knechtle zunächst einmal einen medialen Grundstein für seine nun sicher folgenden Erkundungsversuche bei regional und überregional verantwortlichen Behörden.
Doch der Wind, der ihm nach eigener Aussage von der Öffentlichkeit ins Gesicht weht, kommt nicht nur von dort, sondern sogar von ganz oben, nämlich von unserer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, die uns BUND-Mitstreitern bei ihrer Wanderung zur Nordhäuser Talsperre vor einigen Wochen mit den Worten entgegen ging: Wir wollen keinen Gipsabbau. Wir erfuhren schließlich von der Begeisterung der passionierten Wanderin, die sich ihr bei verschiedenen Touren durch unsere Südharzer Heimat bemächtigte.
Auch unser Landrat Joachim Claus hat sich mehrfach gegen so genannte Neuveritzungen ausgesprochen. Dieses Wort muss jedoch kritisch hinterfragt werden: Denn die Erweiterung z.B. des Steinbruchs Rüsselsee um mehrere Hektar würde der Landrat demnach eben als ERWEITERUNG und nicht als NEUVERRITZUNG ansehen. Das Ergebnis aber wäre letztlich dasselbe. Vorsicht ist bei solchen Politikerwortkreationen also angebracht.
Der Gegenwind, der dem Ellricher Gipswerk entgegen weht, ist beileibe nicht nur ein rein emotionaler. Mit zahlreichen Fakten möchten wir von der BUND-Kreisgruppe Nordhausen gegen die erneuten Versuche der Gipsindustrie argumentieren, die Zerstörung unserer Landschaft voranzutreiben. Heute greifen wir uns drei Punkte heraus:
1.) Der Gegenwind, von dem Herr Knechtle in seiner Wortmeldung spricht, resultiert nicht aus dem von ihm erwähnten Anblick des Kohnstein, sondern daraus, was er der Bevölkerung als mahnendes Faktum vor Augen führt: Nämlich, was aus der Südharzlandschaft wird, wenn die Pläne der Gipsindustrie z.B. am Rüsselsee, an den Ellricher Klippen, oder wie auch bereits geplant, im Kammerforst bei Ellrich/Cleysingen, realisiert werden. Nach dem Motto wir reichen dir den kleinen Finger, reißen dir aber später die Hand ab, wurde seit 1990 scheibchenweise immer wieder neues Terrain erobert.
Insbesondere die Firma BPB Formula mit dem in Walkenried ansässigen Tochterunternehmen Börgardts ist dafür bekannt. Salamitaktik aber spekuliert auf den Gewöhnungsprozess der Menschen. An derartige Methoden gewöhnen dürfen wir uns aber nicht, wenn uns die Eigenart und Schönheit unserer Landschaft wichtig ist.
2.) Herr Knechtle erwähnt die Firmentradition des Ellricher Gipswerks, die bis in das Jahr 1869 zurückreicht. Zwischen den Zeilen fürchtet er, dass diese Tradition zu Ende gehen könnte, wenn er keine neuen Abbaufelder genehmigt bekommt.
Ein solch altes, traditionsreiches Unternehmen aber sollte sich den Herausforderungen der jeweiligen Gegenwart stellen. Und die ist von Rohstoffverknappung und der damit verbundenen Notwendigkeit gekennzeichnet, vorhandene Ressourcen zu schonen bzw. so nachhaltig wir möglich zu nutzen. Das konkrete Gebot, das sich aus diesen Sachzwängen ergibt, heißt Subsitution. Ellrich ist kein Spezialgipswerk. Es kann problemlos Rea-Gips für seine Produkte einsetzen und mit den weniger guten Gipsen an der Hohen Schleife und auch in Bereichen des Rüsselsees oder der Ellricher Klippen strecken.
3.) Herr Knechtle beklagt, dass die Reserven des Gipswerkes nur auf dem Papier vorhanden seien und er nimmt damit Bezug auf die im Naturschutzgebiete Rüdigsdorfer Schweiz liegenden Flächen Kalkberg, Kahleberg und Winkelberg, wo er so gern abbauen würde. – Die Tatsache, dass er bestehende NSG für künftige Abbauvorhaben in Erwägung zieht, sollte in der Bevölkerung alle Alarmglocken schrillen lassen. Niemand hat etwas gegen eine nachhaltige Wirtschaftsweise, die den Zielen des Naturparks Südharz entspricht.
Abbaufelder in Naturschutzgebieten aber haben mit dieser Philosophie absolut nichts gemeinsam. Keine noch so gut angelegte Renaturierung kann zudem den Verlust an Jahrmillionen alten Landschaftsteilen mit all ihren Gliedern aus schonend angelegter und bewirtschafteter Kulturlandschaft und mit den in ihr seit Generationen lebenden Menschen, Tieren und Pflanzen auch nur annähernd ausgleichen.
Demnächst werden wir uns mit weiteren Argumenten von Peter Knechte, dem Geschäftsführer des Ellricher Gipswerks, hier in der nnz auseinandersetzen.
BUND-Kreisgruppe Nordhausen
Autor: nnzIn einer jüngsten Wortmeldung legte der Geschäftsführer des Ellricher Gipswerkes Peter Knechtle zunächst einmal einen medialen Grundstein für seine nun sicher folgenden Erkundungsversuche bei regional und überregional verantwortlichen Behörden.
Doch der Wind, der ihm nach eigener Aussage von der Öffentlichkeit ins Gesicht weht, kommt nicht nur von dort, sondern sogar von ganz oben, nämlich von unserer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, die uns BUND-Mitstreitern bei ihrer Wanderung zur Nordhäuser Talsperre vor einigen Wochen mit den Worten entgegen ging: Wir wollen keinen Gipsabbau. Wir erfuhren schließlich von der Begeisterung der passionierten Wanderin, die sich ihr bei verschiedenen Touren durch unsere Südharzer Heimat bemächtigte.
Auch unser Landrat Joachim Claus hat sich mehrfach gegen so genannte Neuveritzungen ausgesprochen. Dieses Wort muss jedoch kritisch hinterfragt werden: Denn die Erweiterung z.B. des Steinbruchs Rüsselsee um mehrere Hektar würde der Landrat demnach eben als ERWEITERUNG und nicht als NEUVERRITZUNG ansehen. Das Ergebnis aber wäre letztlich dasselbe. Vorsicht ist bei solchen Politikerwortkreationen also angebracht.
Der Gegenwind, der dem Ellricher Gipswerk entgegen weht, ist beileibe nicht nur ein rein emotionaler. Mit zahlreichen Fakten möchten wir von der BUND-Kreisgruppe Nordhausen gegen die erneuten Versuche der Gipsindustrie argumentieren, die Zerstörung unserer Landschaft voranzutreiben. Heute greifen wir uns drei Punkte heraus:
1.) Der Gegenwind, von dem Herr Knechtle in seiner Wortmeldung spricht, resultiert nicht aus dem von ihm erwähnten Anblick des Kohnstein, sondern daraus, was er der Bevölkerung als mahnendes Faktum vor Augen führt: Nämlich, was aus der Südharzlandschaft wird, wenn die Pläne der Gipsindustrie z.B. am Rüsselsee, an den Ellricher Klippen, oder wie auch bereits geplant, im Kammerforst bei Ellrich/Cleysingen, realisiert werden. Nach dem Motto wir reichen dir den kleinen Finger, reißen dir aber später die Hand ab, wurde seit 1990 scheibchenweise immer wieder neues Terrain erobert.
Insbesondere die Firma BPB Formula mit dem in Walkenried ansässigen Tochterunternehmen Börgardts ist dafür bekannt. Salamitaktik aber spekuliert auf den Gewöhnungsprozess der Menschen. An derartige Methoden gewöhnen dürfen wir uns aber nicht, wenn uns die Eigenart und Schönheit unserer Landschaft wichtig ist.
2.) Herr Knechtle erwähnt die Firmentradition des Ellricher Gipswerks, die bis in das Jahr 1869 zurückreicht. Zwischen den Zeilen fürchtet er, dass diese Tradition zu Ende gehen könnte, wenn er keine neuen Abbaufelder genehmigt bekommt.
Ein solch altes, traditionsreiches Unternehmen aber sollte sich den Herausforderungen der jeweiligen Gegenwart stellen. Und die ist von Rohstoffverknappung und der damit verbundenen Notwendigkeit gekennzeichnet, vorhandene Ressourcen zu schonen bzw. so nachhaltig wir möglich zu nutzen. Das konkrete Gebot, das sich aus diesen Sachzwängen ergibt, heißt Subsitution. Ellrich ist kein Spezialgipswerk. Es kann problemlos Rea-Gips für seine Produkte einsetzen und mit den weniger guten Gipsen an der Hohen Schleife und auch in Bereichen des Rüsselsees oder der Ellricher Klippen strecken.
3.) Herr Knechtle beklagt, dass die Reserven des Gipswerkes nur auf dem Papier vorhanden seien und er nimmt damit Bezug auf die im Naturschutzgebiete Rüdigsdorfer Schweiz liegenden Flächen Kalkberg, Kahleberg und Winkelberg, wo er so gern abbauen würde. – Die Tatsache, dass er bestehende NSG für künftige Abbauvorhaben in Erwägung zieht, sollte in der Bevölkerung alle Alarmglocken schrillen lassen. Niemand hat etwas gegen eine nachhaltige Wirtschaftsweise, die den Zielen des Naturparks Südharz entspricht.
Abbaufelder in Naturschutzgebieten aber haben mit dieser Philosophie absolut nichts gemeinsam. Keine noch so gut angelegte Renaturierung kann zudem den Verlust an Jahrmillionen alten Landschaftsteilen mit all ihren Gliedern aus schonend angelegter und bewirtschafteter Kulturlandschaft und mit den in ihr seit Generationen lebenden Menschen, Tieren und Pflanzen auch nur annähernd ausgleichen.
Demnächst werden wir uns mit weiteren Argumenten von Peter Knechte, dem Geschäftsführer des Ellricher Gipswerks, hier in der nnz auseinandersetzen.
BUND-Kreisgruppe Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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