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Do, 16:02 Uhr
08.09.2011

nnz-Forum: Der Blick aus der Ferne

Noch immer wird in der nnz über den Mangel an Lehrern auch in Nordhausen diskutiert. Mit Unverständnis, manchmal auch mit Wut über die aktuelle Bildungspolitik. Wir haben einen bemerkenswerten Kommentar jetzt in das Forum der nnz gehievt...


Für mich als vom Thüringer Kultusministerium nach Hessen "verwiesene" Französischlehrerin sind die Informationen und Kommentare zur Lehrerlage am Herder-Gymnasium sehr interessant. Ich lese im Kommentar des Schulamtes Worbis, dass in Thüringen u.a. Französisch-Lehrer fehlen und dieses Fach somit zur Sorte "Mangelfach" gehört.

Sehr gern wäre ich 2004 in Thüringen geblieben, zumal mir das Land Thüringen bzw. seine Steuerzahler auch mein Erstes Staatsexamen an der Friedrich-Schiller-Universität Jena finanziert hatten. Aber mit einem guten Examen hatte man damals in Thüringen keine Chance auf einen Referendarsplatz an Gymnasien.

Selbst die sehr guten Absolventen hatten keine Aussicht auf eine Stelle nach dem Referendariat. Mir wurde stattdessen nach meiner Gymnasialausbildung an der Uni die Regelschullaufbahn angeboten. Dankend lehnte ich ab und suchte mir aus der Auswahl der angebotenen Referendarsplätze einiger Bundesländer das Studienseminar Darmstadt aus.

Nach dem Zweiten Staatsexamen im Land Hessen konnte ich übergangslos sofort eine Planstelle mit Verbeamtung an meiner Ausbildungsschule annehmen und unterrichte seitdem mit Leidenschaft Französisch an einem Odenwälder Gymnasium - hier handelt es sich auch um deutsche Bildungspoltik, aber wie geschildert wohl um eine andere!

Mich stimmen die Nachrichten aus meiner alten Heimat traurig, denn wie gern wäre ich damals in Thüringen geblieben. Eine Stelle in Nordhausen, meiner Geburtsstadt, wäre auch vorstellbar gewesen. Doch aus der Stellennot heraus, musste ich gehen bzw. ich "wurde gegangen".

An eine Rückkehr ist meinerseits derzeit nicht zu denken, denn was würde ich hier in Südhessen aufgeben?! Ich denke einen Studienratsstelle würde niemand so schnell aufgeben für ein Arbeitsverhältnis als angestellter Lehrer. Ich finde es sehr sehr traurig, dass es in Thüringen in Sachen Bildungspoltik so weit kommen musste. Doch der Mangel an Attraktivität des Lehrerberufs wird das Problem so schnell nicht lösen.

In meinen Fall hatte man mir vor sieben Jahren jedoch nicht einmal die Chance gegeben, auch nur einen Schritt in das Thüringer Gymnasiallehrerwesen treten zu können. Vielleicht wäre ich der Heimatverbundenheit zuliebe auch als angestellter Lehrer geblieben... Aber wie Konrad Adenauer schon sagte: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" und in diesem Falle das Thüringer Kultusministerium, was wohl immer mehr in Sachen Lehrerbesetzung in Notlage geraten wird.

Auch am benachbarten Humboldt-Gymnasium, meiner Schulausbildungsstätte, wird dieses Problem mit größter Wahrscheinlichkeit eine Rolle spielen. Ich wünsche aus der Ferne allen Betroffenen viel Glück, dass sich die Situation durch ein rasches Umdenken schnellstmöglich ändern kann.

Der Name ist der Redaktion bekannt
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Bodo Schwarzberg
08.09.2011, 20:31 Uhr
Thüringen treibt seine Lehrer weg
Erstens finde ich es schön, dass die nnz und ihre Beiträge zur Bildung offenbar auch noch in Hessen Wellen schlagen und zweitens freue ich mich über die Aufmerksamkeit, die das Thema Thüringer (Fehl-)Bildung hier auslöst. Fügt man die dürre Stellungnahme des Schualamts und den Inhalt der Thüringer Lehrerin in Hessen inhaltlich zusammen, dann ergibt sich also folgendes Bild: Das Schulamt äußert sich nicht zur Misere an seinen Schulen, entweder weil die Mitarbeiter sich dort nicht trauen, oder weil ihnen die wahre Situation hinter ihren Schreibtischen gezielt oder nicht gezielt entgangen ist.
Die Zuschrift der Lehrerin wiederum deckt die Beteuerungen der ostdeutschen Bundesländer als Blubberblasen auf, sie würden sich bemühen, die Abwanderung zu stoppen. Angesichts der vergeblichen Bemühung der Lehrerin, in Thüringen zu bleiben, werden diese angeblichen Bemühungen schlicht aals halbherzig und falsch entlarvt.
Die Eltern sind frustriert, die Lehrer sind frustriert und die Schüler maximal erfreut, wenn mal wieder der Unterricht ausfällt. Aus Gesprächen mit Lehrern aus Sachsen weiß ich, dass diese sich meist auch nicht trauen, den Schulbehörden gegenüber ihrem Unmut Luft zu machen. Wenn dem wirklich so ist, halte ich das für eine schlimme Entwicklung. Denn das bedeutete ja, dass Missstände in dem Monstrum Schhulsystem eventuell oder offenbar zu wenig zur Sprache kommen - aus Angst vor Disziplinierung oder um den Job. Wie ist so etwas in einem Land möglich, dass die freie Meinungsäußerung in seiner Verfassung stehen hat? Solche Ängste, sich zu äußern, kenne ich eigentlich nur aus der DDR. Ja selbst die Lehrerin nach Hessen vertriebene Lehrerin traut sich nicht, ihren Namen zu veröffentlichen.
Fssst man all das zusammen dann bleiben solche Einschätzungen zur Bildung übrig: Frust, Angst, Ignoranz, Bürokratie, Lüge und Unwillen.
Solche Gefühlsmuster sind aber kein Nährboden für geeignete und nachhaltige Lösungen!
Und da es mir so scheint, als seien diese Worte auch auf viele andere Bereiche der Gesellschaft übertragbar, plädiere ich für eine gesamtgesellschaftliche Diskussion. Vor allem aber sollten sich die Verantwortlichen offen äußern. Die eingefahrenen Gleise müssen verlassen werden! Ich persönlich wünsche mir eine so offene Diskussion, wie sie 1989/90 an den Runden Tischen geführt wurde. Dies wäre bezogen auf die Bildungsmisere auch mein Vorschlag: Runde Tische auf Landesebene und Kreisebene zu bilden mit Vertretern der Schulämter, des Ministeriums, der Eltern, Lehrer und Schüler. Die Ergebnisse sollten zu unmittelbaren Entscheidungen führen.
Für das Wichtigste aber halte ich es, endlich aus den vielen Problemen dergestalt zu lernen, dass das föderal organisierte Bildungssystem zugunsten einer kompletten Zuständigkeit des Bundes aufgegeben wird. Die Wirtschaft hat sich nach der Wende globalisiert, während man im Osten bildungsseitig den Schritt zurück in den Föderalismus gegangen ist. Sicher kostet eine Zentralisierung in Berlin auch Arbeitsplätze in den Behörden der Länder. Aber reden die Politiker nicht immer von leeren Kassen und vom Sparen? Hier ließen sich Millionen einsparen und zudem Lehrern und Schülern eine bundesweit einheitliche und vergleichbare Arbeit bzw. Bildung zuteil werden lassen. Auf Grund des bereits angesprochenen Primats des Eigeninteresses der Behörden an ihrem Erhalt, dürfte aber allein deren Widerstand schon ausreichen, um am status quo nichts zu ändern. Leider. Sollten aber die zuständigen Stellen nicht endlich aufwachen, dann sollte ziviler Ungehorsam ins Auge gefasst werden, der erst nachlassen dürfte, wenn sich die Entscheidungsträger genötigt sehen, wirklich grundlegende Reformen zu verwirklichen.Vermmutlich aber ist die Misere dafür noch immer nicht dramatisch genug. Vor diesem Hintergrund fordere ich die Eltern auf, die die Diskussion hier angestoßen haben, die Initiative auch weiterhin in die Hand zu nehmen und nicht aufzugeben.
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