Mi, 14:47 Uhr
16.11.2011
Herzensbrecher auf der Bühne
Auf der Bühne bricht er die Herzen der Damen gleich reihenweise, führt brave Ehefrauen in Versuchung, ihren Gatten davonzulaufen, und schlägt den Männern, die ihn sicher in Haft zu wissen glauben, immer wieder ein Schnippchen: Casanova, in Paul Linckes Operetten-Rarität nicht nur ein Herzensbrecher, sondern auch ein Tausendsassa à la Robin Hood oder Zorro, der edle Ganove sozusagen, dem keiner widerstehen kann...
Ihm zuzusehen macht Spaß – so wie sich wohl kaum jemand dem geballten Charme von Errol Flynn als Robin Hood oder Burt Lancaster in Der rote Korsar entziehen kann. Auf der Nordhäuser Bühne schlüpft in diese Rolle der US-Amerikaner Aaron Judisch. Und auch ihm, dem sympathischen, charmanten Tenor, nicht nur seiner Bühnenfigur, werden die Herzen des Publikums zufliegen. Mit viel Spaß und Energie bestimmt er die Handlung der turbulenten Berliner Operette Casanova. Und ist praktisch die ganze Zeit über auf der Bühne. Da bleibt keine Zeit, in der Garderobe kurz zu verschnaufen.
Der Weg zur Titelpartie in Nordhausen war nicht ohne Hindernisse: auf dem Weg zum Vorsingen saß er zunächst – mit über 30 anderen Reisenden – im falschen Zug. Nach 6½ Stunden Anreise musste er dann sofort vorsingen. Da rechnet man nicht unbedingt mit einem Erfolg. Doch die Jury machte ihm sofort ein Angebot. Und nun ist er im Südharz und freut sich auf die Premiere. Lampenfieber? Ich habe mehr Angst vor einer ersten Probe als vor der Premiere, lacht Judisch. Aufgeregt sei man, ja, aber das erste Zusammentreffen mit einem neuen Ensemble, mit einem neuen Regieteam, wenn man noch nicht wisse, was einen erwartet, das sei schlimmer.
Aaron Judisch unterscheidet nicht großartig zwischen Oper und Operette. Er sieht sich in erster Linie als Darsteller. Gesang und Spiel müssen die Figur zum Leben erwecken. Da kommt es ihm nicht so sehr darauf an, ob es eine dramatische Oper oder eine witzige Operette ist. Gesungen hat er in beiden Gattungen, auch in den USA bereits viel Operette, unter anderem Die Fledermaus und Die lustige Witwe, in Heidelberg unter anderem Frau Luna, ebenfalls von Paul Lincke. Dessen Casanova kannte er vorher nicht. Auch im Musical fühlt er sich zu Hause, vor allem im klassischen, wie in West Side Story und Guys and Dolls.
Aaron Judisch wuchs in einer sehr musikalischen Familie auf. Sein Vater war Sänger und Gesangsprofessor. Als Kind machte er Kirchenmusik, sang im Kinderchor. Zunächst wollte er jedoch nicht Sänger werden wie der Vater, sondern Musiker. Er lernte Klavier, dann, in der Schule, Saxophon. Mit 18 begann Aaron Judisch mit dem Gesangsunterricht – um für den besten Chor an seinem College vorsingen zu können und an dessen Welttourneen teilnehmen zu können. Und nach dem Hauptfach Biologie, das er zunächst studierte, um Lehrer zu werden, wechselte er dann doch zum Gesang.
Seinen Bachelor machte er am College seiner Heimatstadt Decorah in Iowa, es folgte das Master-Studium in Chicago. Hier hatte er bereits Gelegenheit, mit berühmten Sängern wie William Warfield zusammenzuarbeiten. Im Anschluss an das Gesangsstudium war er Mitglied des Houston Grand Opera Studio und trat an der Seite von Renée Fleming und Bo Skovhus auf.
Nach der Ausbildung wurde ihm empfohlen, nach Deutschland zu gehen, um dort ein festes Engagement anzunehmen und Erfahrungen zu sammeln. So ging er zunächst ins Festengagement nach Heidelberg, wo er heute noch lebt. Inzwischen arbeitet er freischaffend, das liegt ihm mehr, er braucht die Freiheit, die Möglichkeit, einmal für sich zu sein, nicht im Alltagstrott gefangen. Ohnehin sind Künstler in den Vereinigten Staaten freischaffend, dort gibt es praktisch keine festen Ensembles.
Jetzt läuft meine Karriere so, wie ich es mir vorgestellt habe, freut er sich. Sein ausgezeichnetes Deutsch hat er hier vor Ort gelernt, Bei der ersten Ensembleversammlung in Heidelberg habe ich drei bis fünf Prozent verstanden: La Traviata und so. Ein Jahr später waren es 97 Prozent, erzählt er von seinem ersten Jahr in Deutschland. Der Vorteil eines kleineren Hauses: alle sprachen Deutsch mit ihm.
Bis zur Premiere von Casanova sind es nur noch wenige Tage. Eine arbeitsreiche Zeit. Ausgleich sucht Aaron Judisch beim Lesen und beim Laufen in der Natur. Saxophon werde ich wohl erst in der Rente wieder spielen, lacht er.
Karte für die Premiere von Casanova am 18. November und die nächsten Vorstellungen am 25. November um 19.30 Uhr, am 7. Dezember um 15 Uhr und am 15. Dezember um 19.30 Uhr gibt es an der Theaterkasse (Tel. 0 36 31/98 34 52) und an allen Vorverkaufsstellen der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH.
Autor: nnzIhm zuzusehen macht Spaß – so wie sich wohl kaum jemand dem geballten Charme von Errol Flynn als Robin Hood oder Burt Lancaster in Der rote Korsar entziehen kann. Auf der Nordhäuser Bühne schlüpft in diese Rolle der US-Amerikaner Aaron Judisch. Und auch ihm, dem sympathischen, charmanten Tenor, nicht nur seiner Bühnenfigur, werden die Herzen des Publikums zufliegen. Mit viel Spaß und Energie bestimmt er die Handlung der turbulenten Berliner Operette Casanova. Und ist praktisch die ganze Zeit über auf der Bühne. Da bleibt keine Zeit, in der Garderobe kurz zu verschnaufen.
Der Weg zur Titelpartie in Nordhausen war nicht ohne Hindernisse: auf dem Weg zum Vorsingen saß er zunächst – mit über 30 anderen Reisenden – im falschen Zug. Nach 6½ Stunden Anreise musste er dann sofort vorsingen. Da rechnet man nicht unbedingt mit einem Erfolg. Doch die Jury machte ihm sofort ein Angebot. Und nun ist er im Südharz und freut sich auf die Premiere. Lampenfieber? Ich habe mehr Angst vor einer ersten Probe als vor der Premiere, lacht Judisch. Aufgeregt sei man, ja, aber das erste Zusammentreffen mit einem neuen Ensemble, mit einem neuen Regieteam, wenn man noch nicht wisse, was einen erwartet, das sei schlimmer.
Aaron Judisch unterscheidet nicht großartig zwischen Oper und Operette. Er sieht sich in erster Linie als Darsteller. Gesang und Spiel müssen die Figur zum Leben erwecken. Da kommt es ihm nicht so sehr darauf an, ob es eine dramatische Oper oder eine witzige Operette ist. Gesungen hat er in beiden Gattungen, auch in den USA bereits viel Operette, unter anderem Die Fledermaus und Die lustige Witwe, in Heidelberg unter anderem Frau Luna, ebenfalls von Paul Lincke. Dessen Casanova kannte er vorher nicht. Auch im Musical fühlt er sich zu Hause, vor allem im klassischen, wie in West Side Story und Guys and Dolls.
Aaron Judisch wuchs in einer sehr musikalischen Familie auf. Sein Vater war Sänger und Gesangsprofessor. Als Kind machte er Kirchenmusik, sang im Kinderchor. Zunächst wollte er jedoch nicht Sänger werden wie der Vater, sondern Musiker. Er lernte Klavier, dann, in der Schule, Saxophon. Mit 18 begann Aaron Judisch mit dem Gesangsunterricht – um für den besten Chor an seinem College vorsingen zu können und an dessen Welttourneen teilnehmen zu können. Und nach dem Hauptfach Biologie, das er zunächst studierte, um Lehrer zu werden, wechselte er dann doch zum Gesang.
Seinen Bachelor machte er am College seiner Heimatstadt Decorah in Iowa, es folgte das Master-Studium in Chicago. Hier hatte er bereits Gelegenheit, mit berühmten Sängern wie William Warfield zusammenzuarbeiten. Im Anschluss an das Gesangsstudium war er Mitglied des Houston Grand Opera Studio und trat an der Seite von Renée Fleming und Bo Skovhus auf.
Nach der Ausbildung wurde ihm empfohlen, nach Deutschland zu gehen, um dort ein festes Engagement anzunehmen und Erfahrungen zu sammeln. So ging er zunächst ins Festengagement nach Heidelberg, wo er heute noch lebt. Inzwischen arbeitet er freischaffend, das liegt ihm mehr, er braucht die Freiheit, die Möglichkeit, einmal für sich zu sein, nicht im Alltagstrott gefangen. Ohnehin sind Künstler in den Vereinigten Staaten freischaffend, dort gibt es praktisch keine festen Ensembles.
Jetzt läuft meine Karriere so, wie ich es mir vorgestellt habe, freut er sich. Sein ausgezeichnetes Deutsch hat er hier vor Ort gelernt, Bei der ersten Ensembleversammlung in Heidelberg habe ich drei bis fünf Prozent verstanden: La Traviata und so. Ein Jahr später waren es 97 Prozent, erzählt er von seinem ersten Jahr in Deutschland. Der Vorteil eines kleineren Hauses: alle sprachen Deutsch mit ihm.
Bis zur Premiere von Casanova sind es nur noch wenige Tage. Eine arbeitsreiche Zeit. Ausgleich sucht Aaron Judisch beim Lesen und beim Laufen in der Natur. Saxophon werde ich wohl erst in der Rente wieder spielen, lacht er.
Karte für die Premiere von Casanova am 18. November und die nächsten Vorstellungen am 25. November um 19.30 Uhr, am 7. Dezember um 15 Uhr und am 15. Dezember um 19.30 Uhr gibt es an der Theaterkasse (Tel. 0 36 31/98 34 52) und an allen Vorverkaufsstellen der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH.





