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Mi, 06:37 Uhr
23.11.2011

nnz-Forum: Neues Papier?

In Sundhausen ist jetzt ein Landschaftspflegeverband für die Region Nordhausen und Kyffhäuser gegründet worden. Dazu die Meinung eines Lesers im Forum der nnz...

Landschaften pflegen (Foto: B. Schwarzberg) Landschaften pflegen (Foto: B. Schwarzberg)
Für die Rettung der deutschlandweit vom Aussterben bedrohten, unscheinbaren Klebrigen Miere ergriffen kein Ministerium und keine Verwaltung die Initiative, sondern zwei Freizeit-Botaniker. "So aber werden wir den Kampf gegen das Artensterben nicht gewinnen können", so Schwarzberg. Die Klebrige Miere konnte zumindest vorläufig für Ostdeutschland und damit wahrscheinlich sogar für ganz Deutschland gerettet werden.

Die angegebenen Ziele des Landschaftspflegeverbandes sind lobens- und begrüßenswert, sofern sie tatsächlich mehr sind, als die Quelle neuer Papiertiger, der sich neben viele andere Bekundungen, Gesetze und Schutzgebietsverordnungen stellen, die nicht oder nur stellenweise mit Leben erfüllt werden oder erfüllt werden können. Vor allem wünsche ich mir einen Blick über den Tellerrand: Global denken und lokal handeln, muss die Devise lauten, weil Landschaftspflege nichts anderes bedeutet, als Artenschutz.

Und der kann nur erfolgreich gemanagt werden und zielgerichtet erfolgen, wenn die überregionale bzw. mitteleuropäische oder gar globale Gefährdungslage vieler Arten analysiert und hernach berücksichtigt wird. Was haben wir seit den ersten richtigen Naturschutzgesetzen in den 30-er Jahren nicht alles für Ministerien, Behörden, Gesetze und Verbände gehabt! Keine Institution und keine Regelung hat den Trend, also den Rückgang von Arten aufhalten können! Von daher habe ich schon meine erfahrungsunterlegten, also nicht unberechtigten Zweifel daran, dass es diesmal wenigstens hier in unserer Region und mit Hilfe des Landschaftspflegeverbandes gelingt.

Und ich weiß genau, wovon ich spreche: Seit 2004 pflege ich selbst aktiv Standorte bedrohter Pflanzenarten, kostenlos natürlich, seit einem Jahr oft mit Mitstreitern vom BUND und analysiere die konkreten Auswirkungen auf die jeweiligen Populationen. Wenn ich auf die geltenden Regelungen vertraut hätte, dann hätten wir so manchen Standort in den vergangenen sieben Jahren im Landkreis ganz gewiss verloren. Und da sind wir bei einem gravierenden Problem aller geltenden Regelungen: Es gibt keine STANDORTSbezogene Förderung von Pflege- bzw. Erhaltungsmaßnahmen für bedrohte Arten.

Pflegeverbände sind richtig und gut gemeint. Wenn diese aber wieder, wie schon seit Jahrzehnten, den einzelnen Standort außer Acht lassen, sind sie nur halbwirksam, sofern sie überhaupt in die Gänge kommen. Denn die Pflege großer Strukturen ist das Eine: Die tatsächliche Bekämpfung des Rückganges bedrohter Arten ist oft aber nicht gleichbedeutend. Denn viele, um nicht zu sagen sehr viele Standorte dieser Arten befinden sich gerade NICHT auf großen Flächen, auf denen sich Landschaftspflege wirtschaftlich LOHNT. Was aber nützen internationale Willensbekundungen, z.B. anlässlich der jüngsten Biodiversitätskonferenz von Nagoya, das menschgemachte Artensterben bis 2020 aufzuhalten, wenn Diejenigen, die z.B. Landschaftspflege betreiben, oder für diese zuständig sind, von der Regierung, über die Länder bis hin zu den örtlichen Behörden, nicht in der Lage sind, sich um jeden einzelnen Standort hochgradig gefährdeter Arten zu kümmern oder diesen überhaupt erst einmal wahrzunehmen!

Es fehlt allzu oft am wirklichen Willen, am Enthusiasmus, am Idealismus und NICHT unbedingt am Geld. Dieses Totschlagargument will ich nicht mehr hören, weil es oft nur dazu dient, nicht zugeben zu müssen, keine Zeit oder keinen Idealismus zu haben. Letzterer aber, liebe Verantwortliche, ist unabdingbar, um das Artensterben zu bekämpfen.

Unsere Aktivitäten, ich meine die von der BUND-Kreisgruppe und mir persönlich zeigen doch, dass es auch ganz ohne Geld, mit wenigem zeitlichem Aufwand und vor allem erfolgreich geht. Mein Lieblingsbeispiel in diesem Zusammenhang ist die deutschlandweit vom Aussterben bedrohte Klebrige Miere Minuartia viscosa, die auch in allen deutschen Nachbarländern überwiegend verschwunden ist.

Bei Halle haben mein Botanikerfreund Dr. Heino JOHN und ich den eventuell letzten deutschen Standort zurück ins Leben geholt, nachdem sieben Jahre lang keine Pflanze zu sehen gewesen war. 2009 hatten wir nach Pflegemaßnahmen eine und 2010 17 Pflanzen. Im Botanischen Garten Halle etablierte ich eine Erhaltungskultur. Keine Institution, weder Bundesamt für Naturschutz, noch Landes- oder lokale Behörden haben sich dafür interessiert. Von denen aber hätte ich das erwartet! Verwalten die doch die ganzen Gesetze und Regelungen, die eigentlich das Aussterben von Arten verhindern sollen! Von denen hätte sogar die Initiative zur Erhaltung des eventuell letzten deutschen Standortes der Art kommen müssen, wenn sie glaubwürdig sein wollen! Beispiele dafür gibt es viele.

Wenn die oft hochbezahlten Leute in den Regierungen von Berlin bis Erfurt nicht erkennen, dass Artenschutz nicht einfach nur Verwalten und Landschaftspflege heißt, dann wird auch der neue Landschaftspflegeverband nicht den erwünschten Effekt, also einen Stopp der Artenrückgänge bringen. Dass dieser bisher nicht aufgehalten wurde, dafür tragen neben einer ganzen Reihe von wirtschaftlichen Faktoren, auch diese Institutionen, ja die gesamte Legislative und die Verwaltungen von Generation zu Generation die Verantwortung.

Ein positiver Fingerzeig wäre es, wenn der Landschaftspflegeverband, der Naturpark mit uns vom BUND diesbezüglich in enge Zusammenarbeit treten würde. Ich setze dem nicht enden wollenden Wust aus Papier und noch mehr Papier mein Konzept vom „Referenzkreis Artenschutz“ entgegen. Dieses Konzept beinhaltet das Bremsen des Artenrückganges durch einfache, unbürokratische und kaum kostenintensive Maßnahmen mit nachweislichem Erfolg. So etwas nennt man effektiv! Referenzkreis Artenschutz bedeutet, den Artenrückgang im Landkreis Nordhausen beispielhaft zu stoppen und zwar im Sinne des UN-Zieles von Nagoya.

Dazu soll neben den bereits praktizierten, erfolgreichen Maßnahmen auch der Erhaltungsgarten im Park Hohenrode beitragen, der in enger Zusammenarbeit mit dem Förderverein Park Hohenrode e.V. gegenwärtig entsteht. Unverzichtbar ist dabei die großflächige Pflege, die der Landschaftspflegeverband anstrebt. Aber sie allein reicht nicht aus. Von daher fordere ich die Verantwortlichen des Verbandes auf, die Zusammenarbeit mit uns zu suchen. (bodo_schwarzberg@yahoo.de)
Bodo Schwarzberg, Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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