Sa, 15:31 Uhr
23.06.2012
nnz-Forum: Aufregende Woche
Es war so einiges los während dieser Woche in unserer Stadt. Vor allem für einen Leser der nnz, der an gleich drei Veranstaltungen teilnahm...
Den Anfang machte die Fachhochschule mit dem Luther-Disput. Hier trafen der designierte Regionalbischof des Sprengels Erfurt-Eisenach, Christian Stawenow und der Chef der Thüringer Piratenpartei Gerald Albe aufeinander. Die Themen waren: Wie stehen die Piraten zum geistigen Eigentum? Wie geht man mit der Habgier der Menschen um? Wie kann eine Gesellschaft existieren, wenn sie auseinanderbricht?
Für mich war es eine sehr informative Veranstaltung. Beide Kontrahenten verteidigten ihren Standpunkt, wobei nach meinem Eindruck Herr Albe zu den meisten Themen die besseren Argumente hatte. Ein zentraler Punkt war die Frage: Wie zeitgemäß ist angesichts des Internets das 7. Gebot (Du sollst nicht stehlen.)? Zum Thema Eigentum interpretierte Stawenow Luther etwa so: Es gibt eigentlich nur einen Eigentümer und das ist Gott. Gott ist auch gegen die Geld- und Machtgier der Menschen, wobei man sich hier die Frage stellen muss, wo fängt die Gier an? Gottesfurcht ist der Anfang aller Weisheit., meinte der Bischof.
Der Vertreter der Piraten vertrat die Meinung, das geistige Eigentum solle jedem zur Verfügung stehen. Zur Gier meinte er, es solle jeder soviel Geld zur Verfügung haben, dass er damit ein menschenwürdiges Leben führen kann, vor allem auch in kultureller Hinsicht. Im Punkt Bildung forderte er, dass sie jedem Menschen kostenlos zur Verfügung stehen müsse.
Zum Urheberrecht argumentierte Gerald Albe, Luthers Bibelübersetzung aufgreifend, dass er dazu nach heutigem Recht keine Lizenz gehabt hätte. Auch Goethe hätte zu vielen Formulierungen in seinem Werk eigentlich die jeweilige Quelle angeben müssen. Er forderte auch mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei politischen Entscheidungen. Gut fand ich, dass der Bischof sagte: Ein Volk muss sich an den Armen messen lassen.
Was mich an der ganzen Geschichte stört, ist die Tatsache, dass im Rahmen der Vorbereitungen auf das Lutherjahr 2017 bisher fast nur die Schokoladenseite des verdienstvollen großen Reformators präsentiert wurde. Niemand spricht aber anscheinend von dem großen Judenhasser Martin Luther und wenn, dann nur in versteckten Nebensätzen.
Ich möchte Ihnen darum einmal ein paar Beispiele aufzeigen, wie sich Luther den Umgang mit Juden vorstellte. Luther zu den Juden: Ihr seid nicht wert, dass ihr die Bibel von außen ansehen sollt, geschweige dass ihr darin lesen sollt.
Ihr sollt allein die Bibel lesen, die der Sau unter dem Schwanz steht und die Buchstaben, die da herausfallen, fressen und saufen.
Darum, wo du einen rechten Juden siehst, magst du mit gutem Gewissen ein Kreuz für dich schlagen und frei und sicher sprechen: Da geht ein leibhaftiger Teufel. usw.
So konnte sich Adolf Hitler guten Gewissens (1924) einmal so äußern: Luther war ein großer Mann, ein Riese. Mit einem Ruck durchbrach er die Dämmerung, sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen. (Zitiert nach www.neo-lutheraner.de/juden.html.)
Beim Stadtgespräch am Dienstag, an dem etwa 65 Personen teilnahmen, ging es um die Errichtung einer Biomethangas-Anlage. Es wurde ja schon mehrfach darüber berichtet. Was ich dazu zu sagen habe ist auch nicht allzu viel. Ich bin auf keinen Fall gegen die Herstellung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen, im Gegenteil. Was mich bei der ganzen Veranstaltung gestört hat, war der Einwurf von den Investoren. Bei jeder Gelegenheit bekam man das Wort Wirtschaftlichkeit zu hören.
Ich meine mit so einer Argumentation vertreibt man die Bürger, es erweckt den Anschein, dass man nur am Geld interessiert ist. Es versteht sich doch von selbst, dass sich jeder Bau wie auch immer wirtschaftlich rentieren muss, wenn man das so oft in den Vordergrund stellt, muss man sich nicht wundern, wenn der Bürger misstrauisch wird.
Kommen wir zum Stadtrat, in der Sitzung ging es auch um die Biomethangas-Anlage, Man behandelte den Beschluss eine GmbH, zwecks Biogas zu gründen als erste Lesung, da es hier noch Handlungsbedarf gab. Allerdings ließ Frau Rinke durchblicken, das es hier um hohe Fördermittel geht, die man nicht verfallen lassen müsse. Es war auch die Rede von einer Haushaltssperre.
Die Erhöhung der Kitagebühren wurde beschlossen, auch wenn die LINKEN betonten, sie seien unsozial, das hinderte sie nicht daran dem Ganzen zuzustimmen. Herr Wieninger SPD übergab der Oberbürgermeisterin einen Blumenstrauß zum Abschied. Frau Rinke war davon so überrascht, dass ihr die Worte: Ich bin doch nicht so weit. Diese Reaktion zeigt, dass es für Frau Rinke nicht so leicht ist den lieb gewonnenen Arbeitsplatz, an dem ihr Herzensblut hängt zu verlassen. Eine Frage habe ich noch an die Stadträte. Stimmt das Gerücht, dass der Investor des nun schon legendären Pferdemarktes abgesprungen ist? Bekommen wir an dieser Stelle nun doch ein Freibad?
So gesehen war es doch schon eine sehr anstrengende Woche. Nun das Zitat: Wer in Glaubenssachen den Verstand befragt, kriegt unchristliche Antworten. –Wilhelm Busch
Harald Buntfuß, Nordhausen
Autor: nnzDen Anfang machte die Fachhochschule mit dem Luther-Disput. Hier trafen der designierte Regionalbischof des Sprengels Erfurt-Eisenach, Christian Stawenow und der Chef der Thüringer Piratenpartei Gerald Albe aufeinander. Die Themen waren: Wie stehen die Piraten zum geistigen Eigentum? Wie geht man mit der Habgier der Menschen um? Wie kann eine Gesellschaft existieren, wenn sie auseinanderbricht?
Für mich war es eine sehr informative Veranstaltung. Beide Kontrahenten verteidigten ihren Standpunkt, wobei nach meinem Eindruck Herr Albe zu den meisten Themen die besseren Argumente hatte. Ein zentraler Punkt war die Frage: Wie zeitgemäß ist angesichts des Internets das 7. Gebot (Du sollst nicht stehlen.)? Zum Thema Eigentum interpretierte Stawenow Luther etwa so: Es gibt eigentlich nur einen Eigentümer und das ist Gott. Gott ist auch gegen die Geld- und Machtgier der Menschen, wobei man sich hier die Frage stellen muss, wo fängt die Gier an? Gottesfurcht ist der Anfang aller Weisheit., meinte der Bischof.
Der Vertreter der Piraten vertrat die Meinung, das geistige Eigentum solle jedem zur Verfügung stehen. Zur Gier meinte er, es solle jeder soviel Geld zur Verfügung haben, dass er damit ein menschenwürdiges Leben führen kann, vor allem auch in kultureller Hinsicht. Im Punkt Bildung forderte er, dass sie jedem Menschen kostenlos zur Verfügung stehen müsse.
Zum Urheberrecht argumentierte Gerald Albe, Luthers Bibelübersetzung aufgreifend, dass er dazu nach heutigem Recht keine Lizenz gehabt hätte. Auch Goethe hätte zu vielen Formulierungen in seinem Werk eigentlich die jeweilige Quelle angeben müssen. Er forderte auch mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei politischen Entscheidungen. Gut fand ich, dass der Bischof sagte: Ein Volk muss sich an den Armen messen lassen.
Was mich an der ganzen Geschichte stört, ist die Tatsache, dass im Rahmen der Vorbereitungen auf das Lutherjahr 2017 bisher fast nur die Schokoladenseite des verdienstvollen großen Reformators präsentiert wurde. Niemand spricht aber anscheinend von dem großen Judenhasser Martin Luther und wenn, dann nur in versteckten Nebensätzen.
Ich möchte Ihnen darum einmal ein paar Beispiele aufzeigen, wie sich Luther den Umgang mit Juden vorstellte. Luther zu den Juden: Ihr seid nicht wert, dass ihr die Bibel von außen ansehen sollt, geschweige dass ihr darin lesen sollt.
Ihr sollt allein die Bibel lesen, die der Sau unter dem Schwanz steht und die Buchstaben, die da herausfallen, fressen und saufen.
Darum, wo du einen rechten Juden siehst, magst du mit gutem Gewissen ein Kreuz für dich schlagen und frei und sicher sprechen: Da geht ein leibhaftiger Teufel. usw.
So konnte sich Adolf Hitler guten Gewissens (1924) einmal so äußern: Luther war ein großer Mann, ein Riese. Mit einem Ruck durchbrach er die Dämmerung, sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen. (Zitiert nach www.neo-lutheraner.de/juden.html.)
Beim Stadtgespräch am Dienstag, an dem etwa 65 Personen teilnahmen, ging es um die Errichtung einer Biomethangas-Anlage. Es wurde ja schon mehrfach darüber berichtet. Was ich dazu zu sagen habe ist auch nicht allzu viel. Ich bin auf keinen Fall gegen die Herstellung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen, im Gegenteil. Was mich bei der ganzen Veranstaltung gestört hat, war der Einwurf von den Investoren. Bei jeder Gelegenheit bekam man das Wort Wirtschaftlichkeit zu hören.
Ich meine mit so einer Argumentation vertreibt man die Bürger, es erweckt den Anschein, dass man nur am Geld interessiert ist. Es versteht sich doch von selbst, dass sich jeder Bau wie auch immer wirtschaftlich rentieren muss, wenn man das so oft in den Vordergrund stellt, muss man sich nicht wundern, wenn der Bürger misstrauisch wird.
Kommen wir zum Stadtrat, in der Sitzung ging es auch um die Biomethangas-Anlage, Man behandelte den Beschluss eine GmbH, zwecks Biogas zu gründen als erste Lesung, da es hier noch Handlungsbedarf gab. Allerdings ließ Frau Rinke durchblicken, das es hier um hohe Fördermittel geht, die man nicht verfallen lassen müsse. Es war auch die Rede von einer Haushaltssperre.
Die Erhöhung der Kitagebühren wurde beschlossen, auch wenn die LINKEN betonten, sie seien unsozial, das hinderte sie nicht daran dem Ganzen zuzustimmen. Herr Wieninger SPD übergab der Oberbürgermeisterin einen Blumenstrauß zum Abschied. Frau Rinke war davon so überrascht, dass ihr die Worte: Ich bin doch nicht so weit. Diese Reaktion zeigt, dass es für Frau Rinke nicht so leicht ist den lieb gewonnenen Arbeitsplatz, an dem ihr Herzensblut hängt zu verlassen. Eine Frage habe ich noch an die Stadträte. Stimmt das Gerücht, dass der Investor des nun schon legendären Pferdemarktes abgesprungen ist? Bekommen wir an dieser Stelle nun doch ein Freibad?
So gesehen war es doch schon eine sehr anstrengende Woche. Nun das Zitat: Wer in Glaubenssachen den Verstand befragt, kriegt unchristliche Antworten. –Wilhelm Busch
Harald Buntfuß, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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