Do, 06:37 Uhr
11.10.2012
nnz-Forum: Kaum Akzeptanz
Der Vorsitzende des Nordhäuser Unternehmerverbandes hat sich in jüngster Zeit lobend über die großen Baustellen wie zum Beispiel das IG Goldene Aue, aber auch den Pferdemarkt und die Kulturbibliothek geäußert. Dazu Anmerkungen eines nnz-Lesers...
Erst vor einigen Wochen weilte eine NUV-Delegation bei einem Windkraftwerkshersteller in Niedersachswerfen, wo Junker die Rettung der Erde als Aufgabe erwähnte (siehe nnz). Damals kommentierte ich dies in einem nnz-Kommentar als eine für einen Unternehmer bemerkenswerte Äußerung, weil er mit ihr zugibt, WIE "weit" es der Mensch mit der Bewirtschaftung unseres Planeten in nur 150 Jahren Industrialisierung gebracht hat: bis zur Bedrohung seiner eigenen Existenz durch Klimawandel, Ressourcenverschwendung in geradezu unglaublichem teils vielfach bereits wirtschaftsschädlichen Ausmaß, durch Meeresversauerung mit all ihren unkalkulierbaren Folgen u.s.w..
Auch Herr Junker dürfte den Zusammenhang zwischen der lokalen wirtschaftlichen Entwicklung und diesen massiven globalen, ökologischen Problemen nicht leugnen und er müsste sie unter der Voraussetzung von Weitblick auch in seine Argumentation einbeziehen. Die Summe der lokalen Wirtschaften und Konsumgewohnheiten dieser Welt führt zu den globalen Auswirkungen. Vor dieser Tatsache sollten wir in unserem eigenen Interesse nicht die Augen verschließen. Letztlich geht es um die Frage, ob wir heute Lebenden für kurze Zeit in einem materiellen Wohlstand leben wollen, künftigen Generationen aber die Auseinandersetzung mit all den dramatischen Folgen auf den unterschiedlichsten Gebieten überlassen wollen. Letzteres nenne ich kurzsichtig, unethisch, ja unmenschlich.
Man muss beileibe kein Marxist sein, um die Richtigkeit der Zusammenfassung des eben gesagten durch Friedrich Engels in seiner Dialektik der Natur für richtig und durch unzählige Falten als verifizierbar zu erachten: "Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unseren menschlichen Siegen über die Natur. Für jeden solchen Sieg rächt sie sich an uns. Jeder hat in erster Linie zwar die Folgen, auf die wir gerechnet, aber in zweiter und dritter Linie hat er ganz andre, unvorhergesehene Wirkungen, die nur zu oft die ersten Folgen wieder aufheben."
Die Wirtschaft wäre auf Grund der Faktenlage gut beraten, langfristiger zu denken und zu handeln, um ihrer Verantwortung nicht nur für unsere eigene Generation, sondern auch für die folgenden gerecht zu werden. Denn was nützt eine Wirtschaft, die sich und die, für deren Wohl sie eigentlich angetreten ist, auf Grund ihres Strebens nach schnellen Effekten mittelfristig selbst in die Krise stürzt. Ich könnte renommierte Ökonomen als Quellen dieser Ansichten nennen.
Weiterhin fordere ich Herrn Junker auf, den Kontakt zum Beispiel zu Bürgern bezüglich Kulturbibliothek zu suchen. Ich habe noch niemanden gehört, der sich mit diesem monströsen Bau identifiziert. Das ist ein Bau, der die Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Stadt bisher nicht erhöht. Er und der neue Konsumtempel im Zentrum widersprechen auch den Empfehlungen für eine Anpassung der Städte an den Anstieg der globalen Mitteltemperaturen, die sich in eng bebautem Gebiet besonders drastisch auswirken. Konferenzen bzw. Studien fordern, die Städte mit mehr Parkanlagen und Gewässern stadtklimafreundlicher zu gestalten.
Bekanntermaßen verstarb im letzten Rekordsommer 2003 die Mehrheit der Hitzeopfer in europäischen Städten und nicht auf dem Land. Hierzu gibt z.B. das Potsdaminstitut für Klimafolgenforschung PIK Informationen. Ich hätte mir von den Planern mehr Visionen im Sinne der Menschen, statt kurzsichtige Entscheidungen gewünscht.
Scharf kritisieren muss ich Herrn Junkers Äußerungen zu Jenen, die sich gegen Autohöfe oder Biogasanlagen engagieren (siehe nnz Archiv). Diese Möglichkeit, gegen unliebsame und zweifelhafte Projekte vorzugehen, ist eine der wesentlichen Errungenschaften der friedlichen Revolution von 1989. Eine neue Entmündigung darf es nicht geben, auch wenn sie sich manche Protagonisten offenbar wünschen. Nicht alles, was machbar ist, sollte auch gemacht werden.
Bodo Schwarzberg, Nordhausen
Autor: nnzErst vor einigen Wochen weilte eine NUV-Delegation bei einem Windkraftwerkshersteller in Niedersachswerfen, wo Junker die Rettung der Erde als Aufgabe erwähnte (siehe nnz). Damals kommentierte ich dies in einem nnz-Kommentar als eine für einen Unternehmer bemerkenswerte Äußerung, weil er mit ihr zugibt, WIE "weit" es der Mensch mit der Bewirtschaftung unseres Planeten in nur 150 Jahren Industrialisierung gebracht hat: bis zur Bedrohung seiner eigenen Existenz durch Klimawandel, Ressourcenverschwendung in geradezu unglaublichem teils vielfach bereits wirtschaftsschädlichen Ausmaß, durch Meeresversauerung mit all ihren unkalkulierbaren Folgen u.s.w..
Auch Herr Junker dürfte den Zusammenhang zwischen der lokalen wirtschaftlichen Entwicklung und diesen massiven globalen, ökologischen Problemen nicht leugnen und er müsste sie unter der Voraussetzung von Weitblick auch in seine Argumentation einbeziehen. Die Summe der lokalen Wirtschaften und Konsumgewohnheiten dieser Welt führt zu den globalen Auswirkungen. Vor dieser Tatsache sollten wir in unserem eigenen Interesse nicht die Augen verschließen. Letztlich geht es um die Frage, ob wir heute Lebenden für kurze Zeit in einem materiellen Wohlstand leben wollen, künftigen Generationen aber die Auseinandersetzung mit all den dramatischen Folgen auf den unterschiedlichsten Gebieten überlassen wollen. Letzteres nenne ich kurzsichtig, unethisch, ja unmenschlich.
Man muss beileibe kein Marxist sein, um die Richtigkeit der Zusammenfassung des eben gesagten durch Friedrich Engels in seiner Dialektik der Natur für richtig und durch unzählige Falten als verifizierbar zu erachten: "Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unseren menschlichen Siegen über die Natur. Für jeden solchen Sieg rächt sie sich an uns. Jeder hat in erster Linie zwar die Folgen, auf die wir gerechnet, aber in zweiter und dritter Linie hat er ganz andre, unvorhergesehene Wirkungen, die nur zu oft die ersten Folgen wieder aufheben."
Die Wirtschaft wäre auf Grund der Faktenlage gut beraten, langfristiger zu denken und zu handeln, um ihrer Verantwortung nicht nur für unsere eigene Generation, sondern auch für die folgenden gerecht zu werden. Denn was nützt eine Wirtschaft, die sich und die, für deren Wohl sie eigentlich angetreten ist, auf Grund ihres Strebens nach schnellen Effekten mittelfristig selbst in die Krise stürzt. Ich könnte renommierte Ökonomen als Quellen dieser Ansichten nennen.
Weiterhin fordere ich Herrn Junker auf, den Kontakt zum Beispiel zu Bürgern bezüglich Kulturbibliothek zu suchen. Ich habe noch niemanden gehört, der sich mit diesem monströsen Bau identifiziert. Das ist ein Bau, der die Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Stadt bisher nicht erhöht. Er und der neue Konsumtempel im Zentrum widersprechen auch den Empfehlungen für eine Anpassung der Städte an den Anstieg der globalen Mitteltemperaturen, die sich in eng bebautem Gebiet besonders drastisch auswirken. Konferenzen bzw. Studien fordern, die Städte mit mehr Parkanlagen und Gewässern stadtklimafreundlicher zu gestalten.
Bekanntermaßen verstarb im letzten Rekordsommer 2003 die Mehrheit der Hitzeopfer in europäischen Städten und nicht auf dem Land. Hierzu gibt z.B. das Potsdaminstitut für Klimafolgenforschung PIK Informationen. Ich hätte mir von den Planern mehr Visionen im Sinne der Menschen, statt kurzsichtige Entscheidungen gewünscht.
Scharf kritisieren muss ich Herrn Junkers Äußerungen zu Jenen, die sich gegen Autohöfe oder Biogasanlagen engagieren (siehe nnz Archiv). Diese Möglichkeit, gegen unliebsame und zweifelhafte Projekte vorzugehen, ist eine der wesentlichen Errungenschaften der friedlichen Revolution von 1989. Eine neue Entmündigung darf es nicht geben, auch wenn sie sich manche Protagonisten offenbar wünschen. Nicht alles, was machbar ist, sollte auch gemacht werden.
Bodo Schwarzberg, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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