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So, 19:02 Uhr
21.10.2012

Von Limlingerode nach Italien

In der Langen Reihe 11 lernen die Besucher am kommenden Samstag ab 14.30 Uhr den Italiener Giacomo Leopardi (1798-1837) kennen. Er war Dichter, Essayist und Philologe, gilt als ein Querdenker des beginnenden 19. Jahrhunderts und wird mit dem bedeutendsten Lyriker Italiens, Francesco Petrarcas (1304–1374), verglichen. Er wird auch der Goethe Italiens genannt...


Einer seiner deutschen Übersetzer sagte über ihn: „Leopardi ist einer der größten Sprachmusiker der Weltliteratur. Er verwandelt Bilder und Gedanken restlos in Musik, in Klang. Er berichtet in seinen Gedichten nicht nur davon, dass es donnert – sondern der Vers donnert selbst, der Vers ist Donner.“ Sein Werk in der literarischen Umbruchzeit zwischen Neoklassizismus und Romantik schaffend, durchläuft Leopardi höchst unterschiedliche Schaffensperioden. Da sind die frühen, zum Teil noch politisch gefärbten Kanzonen, es folgen in der mittleren Phase die Idyllen, die von den späteren, oft von Pessimismus und Melancholie geprägten Gesängen, den Canti, abgelöst werden.

Leopardis Leben war kurz, es dauerte nur 39 Jahre. Er hatte keine feste Anstellung, deshalb fast ständige Geldnot, viel Sehnsucht, aber keine erfüllte Liebesbeziehung und nur wenige, dann aber verlässliche Freunde. Er war kleinwüchsig, bucklig und meistens kränklich. Sein vielleicht auch daher rührendes verschlossenes Wesen erschwerten den Umgang mit ihm. Auf der anderen Seite bestach er mit weitgefächerter Gelehrsamkeit, die sich mit Witz und Klugheit verband.

Blenden wir in die Kindheit und frühe Jugend zurück, so erklärt sich einiges. Ab 1807 erhielt Giacomo Unterricht von geistliche Hauslehrern, 1809 begann er sich intensiv mit Philosophie und Literatur zu beschäftigen. 1812 löste sich der Frühreife von den Lehrern und eignete sich autodidaktisch ein enormes Wissen in der umfangreichen Bibliothek des Vaters an. Neben Griechisch und Latein lernte er Hebräisch, Französisch, Spanisch und Englisch.

1816 begann er die italienische Klassiker wie Dante und Petrarca zu lesen, wurde sich dabei seiner dichterischen Berufung klar und begann, intensiv Gedichte zu schreiben. Er übersetzte Homer und andere griechische Autoren. Auf der Suche nach einer Anstellung hielt er sich in mehreren Städten Italiens auf, als erstes bei Verwandten in Rom. Dort suchte er auch das Grab des Dichters Torquato Tasso im Kloster Sant’Onofrio auf.

Hier liegt der Dichter begraben (Foto: privat) Hier liegt der Dichter begraben (Foto: privat)

Es folgten in Abständen Mailand, Bologna, Pisa, Florenz. Fast zwangsweise kehrte er immer wieder in seine konservativ geprägte Geburtsstadt Recanati zurück, obwohl er sie als ein Exil bezeichnet, wo er „Wut, Langeweile und Melancholie“ empfinde. Da der Nachmittag in Limlingerode sich überwiegend auf die späte Schaffensphase des Dichters konzentrieren wird, begleiten wir Leopardi insbesonder ab 1833. Damals holte ihn ein Freund nach Neapel. Im Frühling 1836 brach in der Stadt eine Choleraepedimie aus, weshalb beide Männer in eine Villa am Vesuv umzogen. Die „Villa delle Ginestre“, verdankt ihren Namen dem Lyriker Leopardi, denn hier, zwischen Pinien und golden strahlenden Ginsterbüschen, schrieb er sein großes Gedicht „La Ginestra“, auf deutsch „Der Ginster“, außerdem „Der Untergang des Mondes“.

Auf dem Vesuv (Foto: privat) Auf dem Vesuv (Foto: privat)

Beide Gesänge gelten als ein Höhepunkt seiner Dichtkunst. Sie geben in bewegender Sprache einen Blick auf seine Menschen- und Weltsicht. Im Februar 1837 zwang seine zunehmende Schwäche Leopardi zur Rückkehr nach Neapel, wo er am 4. Juni starb.

An diesem Nachmittag wird auch eine neue Ausstellung in der Dichterstätte eröffnet, und zwar „Floridianische Impressionen“. Rolf Richter aus Neustadt, bekannt als ausgezeichneter Fotograf und Naturkenner, zeigt Naturaufnahmen, die er in ihrer Farbigkeit und Struktur digital „verwandelt“ hat. Die Fotografien entstanden in Florida.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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