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02.12.2013

Elise Rächler, eine Nordhäuser Poetin

Vor 180 Jahren starb am 2. Dezember 1833 in Nordhausen eine angesehene Schriftstellerin mit erst 44 Jahren, 10 Monaten, 26 Tagen - Elise Charlotte Rächler, geborene Ehrhardt. Sie war acht Jahre verheiratet, da starb ihr Mann, ein angesehener Baumwollhändler aus Neudietendorf...


Ein Sohn wurde geboren, dessen weibliche Nachfahren, Anna und Charlotte, in Nordhausen einen Kindergarten in der Nähe der Jacobi-Kirche führten. Annas Name erscheint 1930 das letzte Mal im Adressbuch Nordhausens.

Was wissen wir heute über diese Poetin, von der zahlreiche literarische Werke erschienen, die in mehreren Archiven aufbewahrt werden. Ans Tageslicht soll einiges davon am 7. Dezember ab 15.30 Uhr in der Flohburg | Das Nordhausen Museum kommen.

Porträt von Karin Kisker (Foto: Archiv Kneffel) Porträt von Karin Kisker (Foto: Archiv Kneffel)

Die Rächler, im Jahr der französischen Revolution am 14. Januar geboren, hat die politischen und literarisch-geistigen Strömungen ihrer Zeit bewusst miterlebt und ihre Stimme mit Gedichten, Verserzählungen und Prosa eingebracht. Napoleon beherrschte Europa, immer wieder wurde das Leben von kriegerischen Phasen geprägt.

Der Vater, in Nordhausen Magister Ehrhardt genannt, aus Rüxleben stammend, spielte in ihrem Leben eine entscheidende Rolle. Nach dem Abitur in Nordhausen studierte er Theologie in Göttingen, Halle und Jena. In Frankfurt am Main war er in der bekannten Bankiersfamilie Bethman-Metzler für die Söhne als Lehrer eingestellt. 1786 zog er nach Nordhausen, heiratete und konnte sich in seinem weiteren Leben seinen Neigungen hingeben, da er von den Bethmans eine lebenslange Pension erhielt. Ehrhardt gründete mit Freunden in Nordhausen einen literarischen Club, aus dem sich am 2. Juni 1790 die Johannisloge „Zur gekrönten Unschuld“ bildete.

Von 1793–1795 war Elises Vater Logenmeister. Dieses Amt musste er abgeben, da die Hypochondrie ihn schwer ergriff. Unter diesem Zustand litt auch die Familie, denn er erwartete, dass auch sie die Öffentlichkeit mied. Man wohnte Vor dem Vogel.

Vor dem Vogel um 1830 (Foto: Archiv Kneffel) Vor dem Vogel um 1830 (Foto: Archiv Kneffel) Elise wurde von ihm anfangs bewusst von Bildung ferngehalten, sollte traditionell mit Hausarbeit aufwachsen. Dazu lernte sie Sticken, Nähen und das Lautenspiel. Aber sie wollte an der Bildung Anteil haben, die ihr Vater ja reichlich besaß. Endlich gab dieser nach und unterrichtete sie selbst.
Mit 14 Jahren war das eingeschränkte Leben des Mädchens vorbei, dem Vater ging es besser.

Da es in Nordhausen zahlreiche musikalische Aufführungen von Haydn, Händel, Mozart und Beethoven gab, kam Elise intensiv mit Musik in Berührung, aber sie war auch der bildenden Kunst zugetan, wie wir aus ihrem Werk erfahren. Besonders aber zieht es sie zur Dichtkunst. Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller und Friedrich von Matthisson sind ihre Vorbilder. Auch die Romantiker sind ihr vertraut.

1814, mitten in der Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon, kommt ihre erste Erzählung in Briefform in Nordhausen heraus: „Die Freundinnen oder Das Geheimnis“, zum Besten der verwundeten Nordhäuser, wie es im Untertitel heißt. Ihren Namen setzte sie noch nicht dazu. Der Vater wirbt in der Zeitung, der Verkauf geht zügig und der Frauenverein für verwundete Landwehrmänner kann das Geld nutzen. 1817 wurde in Nordhausen die Erzählung „Die Wahlverwandten zu Marienthal“ gedruckt, gleichfalls noch ohne ihren Namen.

Wassertreppe um 1830 (Foto: Archiv Kneffel) Wassertreppe um 1830 (Foto: Archiv Kneffel) Aber 1818 erscheint unter ihrem Namen ihr erster Gedichtband, „Wiesenblumen“, der sie bekannt macht und 1831 in erweiterter Zweitauflage vorliegt. Die Themenvielfalt darin ist groß. Seitdem veröffentlichte sie kontinuierlich in vielgelesenen Zeitungen, Almanachen und Taschenbüchern, herausgegeben von angesehenen Verlegern in Leipzig, Chemnitz, Heidelberg, Breslau, Dresden, Erfurt, Jena.

Es ist Elise Ehrhardt-Rächler sicherlich nicht eingefallen, zu den poetischen Genies gerechnet zu werden, aber zum Dichten berufen fühlte sie sich und ließ sich davon bis zu ihrem Tode am 2. Dezember 1833 nicht abbringen.
Heidelore Kneffel
Autor: red

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