Das Bürgerhaus in Nordhausen, die neueste kommunal-architektonische Errungenschaft ist noch nicht komplett. Noch immer können die zahlreichen Bibliotheksbesucher nicht, intellektuell schwärmend, einen heißen Kaffee im Café genießen...
Demnächst in Nordhausen (Foto: nnz)
"Demnächst", das ist ein Wort, das im Journalismus eigentlich nicht vorkommen sollte. Es zeugt davon, dass zum Beispiel nicht konkret nachgefragt wurde, wann etwas eröffnet oder geschlossen werden soll.
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Im Sprachgebrauch der kommunalen Politik ist "demnächst" hingegen eine gern benutzte Vokabel. Man legt sich halt nicht fest. Beim Café des Bürgerhauses ist das ähnlich. Hier hängt man an die sündhaft teuren verspiegelten Scheiben einen Zettel. Drauf steht: "Hier entsteht demnächst ein Café"!
Dieser Teil des Bürgerhauses steht symptomatisch für die bauliche Vita des Gesamtkomplexes. Erst ohne Ausschreibung zu supergünstigen Konditionen vergeben. Dann Vertrag zurückgenommen. Danach wieder ausgeschrieben - zu veränderten Konditionen. Betreiber gefunden. Endlich konnte es losgehen mit der Bewirtung zwischen Prosa und Lyrik.
Denkste: Der Mietvertrag, der ab 1. November seiner Gültigkeit besaß, wurde von der Verwaltung außerordentlich gekündigt. Begründung: "Der Betreiber ist seinen vertraglichen Pflichten nicht nachgekommen". Jetzt soll im Amt für Liegenschaften geprüft werden, ob es denn vielleicht weitere Betreiber gibt oder ob noch einmal neu ausgeschrieben werden muss.
Stylisch, aber geschlossen (Foto: nnz)
Demnächst also könnte es vielleicht einen Betreiber geben für das Café, die Inneneinrichtung ist - soweit es der Blick durch die verspiegelte Scheibe zulässt - fertiggestellt. Auf die Frage der nnz, wann nun eröffnet werden kann, heißt es aus dem Rathaus: "Ein offizieller Eröffnungstermin war uns noch nicht bekannt."
Wer nun vergeblich auf seinen Literatur-Kaffee wartet, der fragt sich bei der Inaugenscheinnahme eines Geländers gegenüber dem Café, ob es seitens des Bauherren überhaupt schon eine Bauabnahme gegeben habe? Man will ja nicht vermessen sein, wenn jedoch eine Firma an meinem Haus solch eine Arbeit abgeliefert hätte, der würde ich und jeder andere auch ordentlich Druck machen.
Unsere kleine Bilder-Galerie soll verdeutlichen, dass in punkto Kontrolle noch einiges getan werden muss. Vielleicht aber können das ja aufmerksame Besucher der Bibliothek übernehmen. Peter-Stefan Greiner
Ich habe mir am Tag der Architekturen auch mal erlaubt ein paar bauliche Details der KuBiBo etwas näher zu betrachten.
Dabei ist mir ehrlich gesagt schlecht geworden. So viele offensichtliche Unzulänglichkeiten bei der Bauausführung habe ich lange nicht gesehen.
Ob hier AG oder AN die Schuld tragen, weiß ich nicht. Eine Baukontrolle scheint es jedenfalls nicht gegeben zu haben.
Außerdem ist es eine Schande, dass durch so einen unwichtigen unpassenden Prunkbau nun andere sehr wichtige 'Säulen' der Stadt (Theater, Straba, Badehaus) zur Disposition stehen.