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Sa, 11:06 Uhr
26.09.2015
Forum

Papst geißelt die Wirtschaft

Warum brauchen wir einen Papst, um den Raubbau an unserem Planeten zu beenden? – Vor den vereinten Nationen hielt er eine, von Medien als „Strafpredigt“ benannte Rede. Dabei wissen doch dessen Zuhörer seit Jahrzehnten, dass ein Weiterso unweigerlich in den Abgrund führt. Dazu ein Beitrag eines Lesers der Nordthüringer Online-Zeitungen...


„Der Mensch kann nur überleben, wenn die ökologische Umgebung günstig ist“, so der Pontifex. – Alle kennen diese naturwissenschaftliche Binsenweisheit. Und doch: Die US-dominierte Weltbank musste vor einigen Monaten eingestehen, dass sie ihre Nachhaltigkeitsziele selbst nicht selten durch kurzsichtige, gewinnorientierte Herangehensweisen verfehlt, dass Indigene im Zuge von Investitionen vertrieben und dass deren ökologische Auswirkungen zu wenig überprüft würden.

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Die Mitarbeiter würden daran gemessen, wie schnell das Geld „arbeite“, und eher weniger an den ökologischen Folgen ihres Tuns. Und das ist nur ein Beispiel von unzähigen.

Wie aber kann es denn sein, dass die gesamte Menschheit wider besseren Wissens auf dem Ast sägt, auf dem sie sitzt? Papst Franziskus gibt EINE Antwort: Die „unverantwortliche Zügellosigkeit einer allein von Gewinn- und Machtstreben geleiteten Weltwirtschaft“ dürfe nicht verharmlost werden.

Das wird sie aber. Wir sehen es täglich. In diesem Punkt sehne ich mich nach der DDR zurück, wo uns in unzähligen ML-Seminaren die menschenverachtende, alles zerstörende Lebens- und Produktionsweise des Kapitals und dessen Ursachen eingetrichtert wurden. Die tödliche Verharmlosung der Komplettzerstörung unserer Biosphäre heißt „Globalisierung“, und lächelt uns von unzähligen Werbebannern und Werbelinks, auch in dieser Zeitung, entgegen: „Kaufe, damit es Dir gut geht, damit Du Dich gut fühlst, damit Du dazugehörst.“

Und ich würde anfügen: „Und frag bitte nicht, was der ganze Firlefanz ökologisch und sozial anrichtet und ob Du ihn wirklich brauchst.“ – Die Medien sind die Träger der Verharmlosung, die der Papst geißelt: Vielfach sind sie materiell abhängig von den Firmen, die ihre Produkte in ihnen bewerben, beeinflusst genauso wie die Politiker von den Lobbyisten und durch die Plätze in den Aufsichtsräten. „Lobbyismus“ – das wieder so eine Verharmlosung, die der Papst meinen dürfte.

Angriffe auf das genannte Netzwerksystem werden von vielen Medien nicht oder nur beschönigend veröffentlicht: Immer wieder denke ich dabei an den Weihnachtsbrief 2014 der ehemaligen DDR-Bürgerrechtler, in dem sie die Pegida-Demonstranten zur Demonstration gegen die Mächtigen, also die Politik und die Wirtschaft aufruft.

Die Wurzeln für das Weltdesaster zu benennen, damit tun sich die Medien unsagbar schwer, hängen sie doch selbst an dem Tropf, an dem alle anderen auch hängen. Damit aber wird die Pressefreiheit relativiert. Das Wort „Lügenpresse“ erscheint mir korrekt. Da muss man schon Pabst sein, um die wahren Worte in die großen Blätter der Welt bringen zu können.

Energisch stellte sich der Papst gegen eine Politik die sich in "Deklarationen erschöpft" und "nur gute Vorsätze, Ziele und Zwecke" auflistet. "Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Institutionen wirklich effektiv sind im Kampf gegen diese Plagen." - Das schrieb die Berliner Morgenpost (http://www.morgenpost.de/politik/article205798187/Franziskus-geisselt-zuegellose-Weltwirtschaft.html). Auch diese Worte sollten bis in die Provinz gehört werden.
Aus der eigenen Naturschutzarbeit weiß ich, wie sehr politische Verlautbarungen in Thüringen, und die traurige Realität auseinanderklaffen. Wie sich Behörden hinter ihren Aktenordnern verstecken, nur um nicht gegen Widerstände aus der Wirtschaft handeln zu müssen, wie die Verantwortung auf die große Politik abgeschoben wird, die sie wiederum ignoriert oder in die Provinz zurückschiebt. Wie man selbst als Exot dasteht, als gefährlicher Idealist, nur weil dieser auf die wirksame Umsetzung bestehender Gesetze und Richtlinien im Sinne des darin geschriebenen Wortes pocht und auch entsprechend handelt.

Dabei leben wir in Deutschland und nicht in einem Land der so genannten Dritten Welt, in dem man eigentlich derartige Verhältnisse im Umweltbereich vermutet.
Viele Vertreter der internationalen Gemeinschaft werden bei den Worten des Papstes eifrig genickt haben. Ändern werden sie indes nichts. Den Profit und dessen Macher und Hintermänner zu bremsen, hieße, das kapitalistische System aus den Angeln zu heben. Und auch der Papst weiß, dass er von diesem System und vom den Kopf in den Sand stecken durchaus profitiert.
Bodo Schwarzberg
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
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Kommentare
Sparer
26.09.2015, 12:27 Uhr
Papst – Wikipedia
Immer diese Menschen mit den schweren Berufsbezeichnungen !
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