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Mo, 19:00 Uhr
04.07.2016
Integrationsbeirat tagte

Man darf die Menschen nicht alleine lassen

Der neue Integrationsbeirat des Landkreises trat heute das erste Mal in ordentlicher Sitzung zusammen. Es sollte vor allem lediglich darum gehen, Aufgaben zu verteilen. Das es doch eine sehr interessante Sitzung wurde, hatte man unter anderem Medine Yilmaz, als Vertreterin des Freistaates und einem aufmerksamen Publikum mit vielen Fragen zu verdanken...

Die Sitzung des Ende Mai neu zusammengekommenen Integrationsbeirates eröffnete dessen Vorsitzender Mohammed Fayez Sayed. Man wolle mit guten Nachrichten beginnen, meinte Sayed, seit der letzten Sitzung sei einiges geschehen.

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Da war zum Beispiel der Besuch des Rates bei der Volkshochschule, die Situation dort ist allerdings weniger rosig. Von vier möglichen Stellen für Lehrer in Sachen Integration ist zur Zeit nur eine besetzt, hier will Sayed aktiv werden. Auch in die Verwaltung will man hineinwirken, und den Mitarbeitern des Landratsamtes beratend zur Seite stehen.

Gut besucht war auch der "Europatag" in der Rothleimmühle. An den Diskussionen vor gut einem Monat waren auch Mitglieder des Beirates beteiligt. Damals war auch schon Medine Yilmaz zu Gast, Ehrenamtskoordinatorin und Mitarbeiterin der Beauftragten des Freistaates Thüringen für Integration, Migration und Flüchtlinge. Frau Yilmaz saß heute ebenfalls im Plenum und sprach über Erfahrungen, Hürden und Möglichkeiten in der Integrationsarbeit.

Der neue Integrationsbeirat trat heute zu seiner ersten ordentlichen Sitzung zusammen (Foto: Angelo Glashagel) Der neue Integrationsbeirat trat heute zu seiner ersten ordentlichen Sitzung zusammen (Foto: Angelo Glashagel)

Beste Vorraussetzungen bringt die junge Frau dafür allemal mit - ihre Eltern sind türkische Kurden, der Vater ist Imam. Sie selbst wuchs im Berliner Brennpunktstadtteil Wedding auf. Seit fünf Jahren ist sie in Thürignen, hat hier ihren Master in Staatswissenschaften gemacht. Die Problematik Flucht und Integration begleite sie schon ein Leben lang, unter kurdischen Familien sei das schon in den 90er Jahren Thema gewesen.

Seit April ist sie in den Erfurter Regierungskreisen tätig, auch als Konferenzdolmetscherin, vorher war sie ehrenamtlich als Koordinatorin tätig. "Das war wichtig, wir waren damals alle ein wenig überwältigt von der großen Herausforderung", sagte Yilmaz mit Hinblick auf die letzten Monate des vergangenen Jahres.

Das ehrenamtliche Engagement müsse gewürdigt werden, es dürfe aber nicht soweit kommen, das Aufgaben von Regierungsstellen übernommen würden. Das Ministerium für Integration und Migration plant eine ganze Reihe Aktivitäten zur Stärkung der ehrenamtlichen Arbeit mit Geflüchteten, etwa Infoabende zu Fördertöpfen, Schulungsangeboten und kostenlosen Referenten. Außerdem wolle man die Selbstorganisation der Migranten fördern. Die gebe es auch schon jetzt, nur nicht in den klassischen Ehrenamtsstrukturen, die man kennt. Vor allem Migranten, die schon länger im Land leben wolle man dafür gewinnen, auch damit diese als Sprachrohr für diejenigen dienen können, die neu angekommen sind.

Von denen, die inzwischen die Anerkennung als Flüchtling erhalten haben, seit Januar seien das in Thüringen rund 9000 Personen gewesen, so Yilmaz, habe rund die Hälfte den Freistaat wieder verlassen. Es ziehe viele in die größeren Städte und Ballungsgebiete, sie gingen lieber in Gegenden, wo sie mehr vertraute Lebensräume vorfinden - den passenden Bäcker, den richtigen Friseur, eine Moschee, Freunde, Familie und Bekannte. So langsam aber dreht sich der Trend wieder, da die Wohnungssituation in Berlin oder Dortmund auch nicht besser sei als in Erfurt, Jena oder Weimar, meinte Yilmaz.

Womit die ländlichen Gegenden wieder mehr in den Fokus rücken. Der Beirat wollte denn auch wissen, wie man dafür sorgen könne, das die Leute gehalten werden können. Eine schwierige Frage, meinte die Ehrenamtskoordinatorin. Lebensräume zu schaffen sei wichtig, aber eben auch eine schwierige Aufgabe, wenn man verhindern wolle das dass nächste "Wedding" entstehe.

Ehrenamtskoordinatorin Medine Yilmaz und der Vorsitzende des Nordhäuser Integrationsbeirates Mohammed Sayed (Foto: Angelo Glashagel) Ehrenamtskoordinatorin Medine Yilmaz und der Vorsitzende des Nordhäuser Integrationsbeirates Mohammed Sayed (Foto: Angelo Glashagel) Neben Antidiskriminierungsarbeit müsse man deswegen vor allem Begegung schaffen. Sie selber habe etwa ein gemeinsames Fastenbrechen von Christen und Muslimen organisiert, das inzwischen regelmäßig stattfindet. Man ist gemeinsam, spricht und hört die jeweiligen Gebete und merkt das die Unterschiede so groß nicht sind. Man baut Angst ab, schafft vertrauen.

Man dürfe die Menschen nicht allein und nicht nur unter Ihresgleichen lassen, meinte Yilmaz, egal wo. "Auch aus einer Gemeinschaftsunterkunft von 130 Mann kann ein Ghetto werden", so Yilmaz weiter. Kommunikation und Sprache seien das A und O, nicht nur in Kursen sondern im Austausch. Man müsse beide Seiten, Migranten und Einheimische, über einander informieren.

Die Betreuung für Migranten zu organisieren gestaltet sich allerdings zunehmend schwierig. Nicht nur in Nordhausen ist man zur Zeit dabei Strukturen zurückzubauen. Ganz konkret heißt das: weniger professionelle Sozialarbeiter. Diese Stellen würde es so nicht mehr geben, sagte Yilmaz, die Situation hätte die Strukturen, wie die Erstaufnahmeeinrichtungen, damals notwendig gemacht, heute müssten sie aus Gründen der Kostenersparniss wieder abgebaut werden. Wobei Frau Yilmaz auch unumwunden zugab das man weder in Berlin noch Erfurt wirklich wisse, wie es in Zukunft weitergeht an Europas Grenzen.

Verschärft wird das Problem durch die schnelleren "Rechtskreiswechsel". Der war eigentlich eine vielfach vorgetragene Kernforderung: Asylbewerber sollten schneller die Anerkennung als Flüchtling erhalten. Nur das jetzt die sozialarbeiterische Betreuung nach dem Wechsel nicht mehr in den Händen der Landkreise liegt, sondern in denen der Jobcenter und diese hat man für diese Aufgaben bisher eher dürftig finanziell ausgestattet. Das Kritik ist nicht neu, die Landkreise sprächen die Problematik regelmäßig beim Land an, das wiederrum verweist auf den Bund, der eigentlich zuständig ist.

Viele Dinge würden durch den Wegfall der professionellen Betreuung ins Leere laufen, etwa wenn es um Dinge wie den Schuleintritt gehe, meinte Landrat Matthias Jendricke, man versuche das abzufangen, bekäme dies aber finanziell nicht vom Land gedeckelt. Am Ende stehe die Überlastung beim Sozialarbeiter oder ausgebrannten Ehrenamtlichen. Als Ehrenamtskoordinatorin hat Yilmaz hier keinen Einfluss, versprach aber die Kritik weiter zugeben.

Die Situation ist nicht leicht, aber auch nicht unmöglich, noch gibt es sehr viel ehrenamtliches Engagement. Um für ihre Aktivitäten Unterstützung zu finden, trat heute etwa Frau Wehmann an den Beirat heran. Die 73jährige ist fast blind, was sie nicht davon abgehalten hat, Kutschfahrten für Kinder von Migranten zu organisieren. Es gehe ihr um Annäherung sagte die Dame, man müsse den Leuten auch die Schönheit unserer Heimat zeigen, müsse die Kultur wieder zur Sprache bringen, etwa mit Volksliedern oder Gedichten, "neben Essen, trinken und lachen, sind auch das Dinge, die das leben ausmachen". Unterwegs war man schon in der Rüdigsdorfer Schweiz und in Sülzhayn während der Rhododendronblüte. Demnächst will man die Gegen um Neustadt erkunden.

Ein wenig mehr Hilfe würde sie sich freuen, vor allem aber war sie gekommen, weil man einen kleinen Film drehen möchte. Das sei das einzige, was etwas kosten würde. Mitmachen könne jedes Kind, "Hauptsache sie sind nett und wollen etwas lernen dann bin ich auch nett und will etwas weitergeben".

Bevor es, ganz wie in anderen Gremien der kommunalen Politik auch, in die Nicht-Öffentlichkeit ging, hatte Landrat Matthias Jendricke noch eine Aufgabe zu erledigen - die Mitglieder des neuen Beirates erhielten ihre offiziellen Ernennungsurkunden.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Nordhäuser Freiheit
04.07.2016, 21:29 Uhr
Das tägliche Jendrickefoto
Bitte den ganzen Sommer durch! Wie bei Honecker.

Herrlich!
Janko
05.07.2016, 09:52 Uhr
der tägliche aufmerksamkeitsdefizit-wahnsinn
schön, wenn man aus einem bericht aus ca. tausend wörtern, in dem es um integration, ehrenamt, staatliche aufgaben, strukturenschaffung und friedliche koexistenz geht, als einzige information nur mitnimmt, dass das persönliche politische rote tuch ebenfalls anwesend war.

wie bei k.e.v.schnitzler.

bedenklich.

dann doch lieber gar nicht kommentieren, NF.
Gudrun1974
05.07.2016, 13:10 Uhr
Unser Landrat hat eine gute Medienpräsenz
Da ist NF nur einfach neidisch. Matthias Jendricke ist eben aktiv und agil sowie nah am Bürger. Die Medien haben ihn gern weil er sie an seiner erfolgreichen Arbeit teil haben lässt.
Janko
05.07.2016, 13:35 Uhr
...dass ich vom riesen recht bekomme...
...war nicht meine absicht.
jetzt frage ich mich, was ich falsch gemacht habe. irgend etwas an meiner antwort muss falsch gewesen sein, sonst würde mir riese nicht zustimmen.
ich komme nur nicht darauf, was.
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