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Do, 07:00 Uhr
08.09.2016
AUF DEN SPUREN DES HARZER ROTEN HÖHENVIEHS

Unterwegs auf Waldpfaden

Auf den Spuren des Harzer Roten Höhenviehs. Unterwegs mit dem verdienten Züchter Wilfried Forst...

Wilfried Forst mit dem Rotvieh (Foto: Kurt Frank) Wilfried Forst mit dem Rotvieh (Foto: Kurt Frank)
Wir fahren einen Waldpfad entlang. Eingebettet zwischen hohen Bäumen. Die Sonnenstrahlen erreichen nur spärlich den Erdboden. Immer dunkler wird der Wald. Plötzlich tut sich vor uns eine kleine Lichtung auf. Wir steigen aus, sehen uns um. Totenstille. Ringsum.

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Forst lockt mit Rufen. Wie aus dem Nichts taucht hinter Bäumen eine Herde Harzer Rotvieh auf. „Exakt nennt es sich Harzer Rotes Höhenvieh“, klärt mich Wilfried auf. Nach weiteren Rufen des Züchters nähert sich die Herde dem Zaun. Auch Kälber sind darunter. Die scheinen zu wissen, dass sie mit Leckereien belohnt werden. In einem Eimer hat der 78-Jährige Fallobst mitgebracht. Die Roten lassen es sich schmecken.

„Ist das hier nicht romantisch?“, werde ich gefragt. Ich bestätige. Forst prüft den Elektrozaun. Der hat noch genügend Energie. „Steig ein, wir fahren zur nächsten Weide“, fordert mich der Wagenlenker auf. Unterwegs treffen wir ein Ehepaar auf Wandertour. Niederländer, wie sich herausstellt.

Beide sprechen ein gutes Deutsch. „Wundervoll ist der Harz“, schwärmt er. „Wir werden ihn jeden Tag ein Stück erwandern und erkunden“, versichert sie. Daheim hätten sie nur flaches Land. Wilfried erklärt ihnen, wo die Waldwege überall hinführen.

Wir sind auf der Alm in Rothesütte angelangt. Der letzten Station. Hier weide die größte Herde, sagt mein Tourenführer. Das gleiche Bild. Nach einigen Rufen kommen die Tiere angetrappelt. Barbaras führt sie an. Schon seiner stattlichen Größe wegen ist der Zuchtbulle nicht zu übersehen. „Wenig Saft“, stellt Forst nach der Prüfung des Weidezaunes fest. Er wechselt die Batterie aus.

Das Rote Höhenvieh sei die älteste und traditionsreichste Mittelgebirgsrasse Deutschlands, weiß Wilfried Forst. Entstanden sei es aus der alten Keltenkuh, durch vielfältige Kreuzung bis zum Mitteldeutschen Rotvieh. Ausgewachsene Tiere wiegen zwischen 500 und 1000 Kilogramm. Die Widerristhöhe betrage 130 bis 145 cm.

Die robusten Roten Höhenrinder seien hervorragend an ungünstige Standortbedingungen angepasst und kämen auch gut mit energiearmem Futter aus, erklärt mein Gegenüber. Die Tiere eigneten sich bestens für die extensive Beweidung der Gipskarstlandschaft im Südharz. Ohne sie würden die Flächen verbuschen und verfilzen.

Die Intensivierung der Landwirtschaft und die einseitige Zucht auf möglichst hohe Milchleistung führte in der Nachkriegszeit zum rapiden Niedergang des Rotviehs im Harz, erzählt Wilfried. Wie auf einem Video zu hören ist, habe es letztlich nur noch 25 Tiere gegeben, die man als Harzer Rotes Höhenvieh bezeichnen konnte. Kurz vor dem Exitus der edlen Rasse fassten sich engagierte Züchter ein Herz.

Unter ihnen Diana Forst und ihr Vater. Die Tochter erwarb das 26 Hektar große Gelände der ehemaligen sowjetischen Garnison auf dem Bergrücken zwischen Herreden und Hochstedt (nnz berichtete) und begann mit der Haltung und Zucht des Roten Höhenviehs und anderer vom Aussterben bedrohter Haus -und Nutztierrassen.

Der Bestand zählt derzeit 50 Mutterkühe, zehn Jungtiere, 30 Kälber und zwei Zuchtbullen. Sie gehören zum Harz wie die Harzquerbahn. Heute geben sich namhafte Züchter aus ganz Deutschland auf der Forst-Farm ein Stelldichein. Am ersten Wochenende im Oktober werden es Vertreter der Bundesarbeitsgemeinschaft Harzer Rotvieh sein.

Zahlreiche Pokale, Urkunden und Auszeichnungen finden sich auf Regalen und an den Wänden im Farm-Bistro bei Herreden. Sie künden vom Fleiß und der Leidenschaft des Forst-Teams. Der große Gastraum gibt den Blick frei auf die Reithalle, wo große Turniere im Reitsport erfolgen.
Kurt Frank
Auf den Spuren des Harzer Roten Höhenviehs (Foto: Kurt Frank)
Auf den Spuren des Harzer Roten Höhenviehs (Foto: Kurt Frank)
Auf den Spuren des Harzer Roten Höhenviehs (Foto: Kurt Frank)
Auf den Spuren des Harzer Roten Höhenviehs (Foto: Kurt Frank)
Autor: nnz

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