Mo, 20:40 Uhr
30.08.2004
Trotz Regen
Nordhausen (nnz). Wer dachte, dass wegen des Regens nur einige Hundert Menschen vor das Nordhäuser Rathaus kommen würden, der sah sich am Abend getäuscht. Unter dem Motto Nordhausen macht mobil waren es heute...
Trotz Regen (Foto: nnz)
...nach Veranstalterangaben 1.800, vielleicht waren es auch einige hundert weniger. Jedenfalls: Sie machten rund eine Stunde lang ihrem Unmut über Hartz IV Luft. Doch es waren nicht nur die Töne zu hören, die sich gegen Hartz und Folgen wandten. Es geht nach Einschätzung von Beobachtern immer mehr gegen das System an sich. Gleich zu Beginn bekamen mehrere Politiker ihr Fett ab. So zum Beispiel Vera Lengsfeld (CDU), die einstige Vorzeige-Bürgerrechtlerin aus Sondershausen. Jürgen Nagel machte ihr klar, das die Menschen, die hier in Nordhausen auf die Straße gehen, die wahren Bürgerrechtler seien.
Ein Vertreter der Arbeitsloseninitiative lud die Menschen zum Mitmachen und Weitermachen ein. Die Politik dürfe den Arbeitslosen nicht nur nehmen, sie solle endliche für Arbeitsplätze sorgen. Arbeit müsse her, und das zu menschenwürdigen Löhnen. Dann war ein Redner an der Reihe, der sich als Stimmenimitator des Altbundeskanzlers Helmut Kohl ausgab und von blühenden Landschaften berichtete. Zum Beispiel auf dem Reemtsma-Standort oder in der IFA. Es war eigentlich Matthias Mitteldorf (PDS), der sich mit der Kohl-Stimme versuchte. Er, der nach seinen Worten im kommenden Jahr ebenfalls von Hartz IV betroffen sei, fühle sich von der Politik – ob nun von CDU, SPD oder den Grünen – über Jahre hinweg verarscht.
Es müsse nicht nur gegen Hartz auf die Straßen gegangen werden, sondern gegen eine neoliberale Politik. Voller Hohn erinnerte sich Mitteldorf an die SPD-Plakate zu den Kommunalwahlen, auf den denen Das haben wir geschafft zu lesen war. Auch die Grünen hätte das geschafft, was die Menschen aus Angst auf die Straße treibe, Aus der Agenda 2010 müsse eine soziale Agenda werden. Gerechtigkeit sei etwas anderes.
Dann war Armin Witt an der Reihe. Er sprach vor allem die Leute an, die noch Arbeit haben: Ihr seid die Nächsten! rief er ihnen zu und deshalb müssen sie sich jetzt wehren. Seine Quintessenz: Diese Regierung müsse weg und schon gar ein Bundespräsident als Marionette. Und schließlich müssen auch noch die Diätenfresser da in Berlin weg. Dafür gab es, wie schon an den anderen Montagen, den meisten Beifall.
Die Worten des Christen und PDS-Kommunalpolitikers Sebastian Drechsler aus den Lukas-Versen der Bibel kamen hingegen bei den Protestierenden nicht so an, dafür verschaffte sich Dauer-Protestiererin Jutta Wehmann mehr Gehör. Sie verlas einen Forderungskatalog, der von der Abschaffung des Reichtums der Reichen bis hin zur Tourismusförderung an den Kiesteichen reichte. Wenn auch sonst immer wieder vor amerikanischen Verhältnissen gewarnt wird, bei den Ladenöffnungszeiten waren sie Jutta Wehmann willkommen. Moderator Jürgen Nagel forderte schließlich die Zuhörer auf Vorschläge zu machen, wenn sie beim nächsten Mal hören wollen. Landrat Joachim Claus (CDU) sollen den Menschen seinen Standpunkt darlegen, statt in Bielen seinen Vorgarten zu pflegen. Auch Ministerpräsident Althaus (CDU)oder Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) seien die kommenden gefragten Montagsredner.
Im Anschluß an die Kundgebung zogen die 1.800 Menschen wieder durch die Stadt. Sie haben den Kanal voll, auch strömender Regen kann sie nicht mehr vom Protest abhalten.
Autor: nnz
Trotz Regen (Foto: nnz)
...nach Veranstalterangaben 1.800, vielleicht waren es auch einige hundert weniger. Jedenfalls: Sie machten rund eine Stunde lang ihrem Unmut über Hartz IV Luft. Doch es waren nicht nur die Töne zu hören, die sich gegen Hartz und Folgen wandten. Es geht nach Einschätzung von Beobachtern immer mehr gegen das System an sich. Gleich zu Beginn bekamen mehrere Politiker ihr Fett ab. So zum Beispiel Vera Lengsfeld (CDU), die einstige Vorzeige-Bürgerrechtlerin aus Sondershausen. Jürgen Nagel machte ihr klar, das die Menschen, die hier in Nordhausen auf die Straße gehen, die wahren Bürgerrechtler seien.
Ein Vertreter der Arbeitsloseninitiative lud die Menschen zum Mitmachen und Weitermachen ein. Die Politik dürfe den Arbeitslosen nicht nur nehmen, sie solle endliche für Arbeitsplätze sorgen. Arbeit müsse her, und das zu menschenwürdigen Löhnen. Dann war ein Redner an der Reihe, der sich als Stimmenimitator des Altbundeskanzlers Helmut Kohl ausgab und von blühenden Landschaften berichtete. Zum Beispiel auf dem Reemtsma-Standort oder in der IFA. Es war eigentlich Matthias Mitteldorf (PDS), der sich mit der Kohl-Stimme versuchte. Er, der nach seinen Worten im kommenden Jahr ebenfalls von Hartz IV betroffen sei, fühle sich von der Politik – ob nun von CDU, SPD oder den Grünen – über Jahre hinweg verarscht.
Es müsse nicht nur gegen Hartz auf die Straßen gegangen werden, sondern gegen eine neoliberale Politik. Voller Hohn erinnerte sich Mitteldorf an die SPD-Plakate zu den Kommunalwahlen, auf den denen Das haben wir geschafft zu lesen war. Auch die Grünen hätte das geschafft, was die Menschen aus Angst auf die Straße treibe, Aus der Agenda 2010 müsse eine soziale Agenda werden. Gerechtigkeit sei etwas anderes.
Dann war Armin Witt an der Reihe. Er sprach vor allem die Leute an, die noch Arbeit haben: Ihr seid die Nächsten! rief er ihnen zu und deshalb müssen sie sich jetzt wehren. Seine Quintessenz: Diese Regierung müsse weg und schon gar ein Bundespräsident als Marionette. Und schließlich müssen auch noch die Diätenfresser da in Berlin weg. Dafür gab es, wie schon an den anderen Montagen, den meisten Beifall.
Die Worten des Christen und PDS-Kommunalpolitikers Sebastian Drechsler aus den Lukas-Versen der Bibel kamen hingegen bei den Protestierenden nicht so an, dafür verschaffte sich Dauer-Protestiererin Jutta Wehmann mehr Gehör. Sie verlas einen Forderungskatalog, der von der Abschaffung des Reichtums der Reichen bis hin zur Tourismusförderung an den Kiesteichen reichte. Wenn auch sonst immer wieder vor amerikanischen Verhältnissen gewarnt wird, bei den Ladenöffnungszeiten waren sie Jutta Wehmann willkommen. Moderator Jürgen Nagel forderte schließlich die Zuhörer auf Vorschläge zu machen, wenn sie beim nächsten Mal hören wollen. Landrat Joachim Claus (CDU) sollen den Menschen seinen Standpunkt darlegen, statt in Bielen seinen Vorgarten zu pflegen. Auch Ministerpräsident Althaus (CDU)oder Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) seien die kommenden gefragten Montagsredner.
Im Anschluß an die Kundgebung zogen die 1.800 Menschen wieder durch die Stadt. Sie haben den Kanal voll, auch strömender Regen kann sie nicht mehr vom Protest abhalten.

