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Do, 14:00 Uhr
09.02.2017
Neue Technik für die Wende

Wir haben verdammt wenig Zeit

Wir leben in Zeiten, in denen das, was bis vor kurzem noch getrost als Science Fiction abtun konnte, Wirklichkeit wird. Den letzten Schrei in Sachen moderner Technik konnten heute einige Forscherinnen und Forscher an der Nordhäuser Hochschule ausprobieren. Im Kern ging es aber darum, wie der nächste Schritt in Richtung Zukunft aussehen kann...

Neue Technik für die Zukunft - an der Hochschule traf sich heute das Projekt "Recyclingregion Harz" (Foto: Angelo Glashagel) Neue Technik für die Zukunft - an der Hochschule traf sich heute das Projekt "Recyclingregion Harz" (Foto: Angelo Glashagel)

Hoch oben steht man, der Blick schweift in alle Richtungen frei über ein Fabrikgelände, unten rollen LKW vorbei. Ein Eindrucksvolles Bild, für das lediglich ein Kamerateam mit spezieller Ausrüstung dem kalten Novemberwind trotzen musste. Die Forscherinnen und Forscher, die heute im August-Kramer-Institut der Nordhäuser Hochschule zusammen kamen, konnten den 360 Grad Rundum- und Einblick in den Prozess des Kupferrecyclings gemütlich von ihrem Sitzplatz aus erleben. Möglich gemacht haben das "VR"-Brillen, nagelneue Technik, die ein bis dato undenkbares Maß an Immersion bietet.

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Virutelle Realität gehörte lange Zeit in den Bereich der Science Fiction. Die Erzählung von der Zukunft wird dieser Tage durch die Gegenwart eingeholt. Mit dem virtuellen Streifzug durch den Kupferkreislauf hat man an der Hochschule Nordhausen heute einen weiteren Schritt in Richtung Zukunft getan. Die Vorstellung des VR-Clips markiert den Startschuss für die Bildungsoffensive des Verbundes "Recyclingregion Harz" in Sachen Wertstoffwende 2.0, an dem sich neben den Nordhäuser Forschern auch die Hochschulen aus Clausthal-Zellerfeld und Magdeburg beteiligen.

Der Weg des Kupfers ist dabei durchaus interessant. Von der Zerlegung eines Smartphones in den Nordthüringer Werkstätten führt der Film über die Rohstoff-Rückgewinnung, die Kupferschmelze bis zur Wiederverwendung in kilometerlangen Kupferspulen und deren Bedeutung für ein weiteres Zukunftsthema - die Elektromobilität.

Mehr als ein Gimmick ist auch das VR-Video der Hochschule zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, die theoretischen Möglichkeiten der neuen Technik reichen aber weit über reines Entertainment hinaus.

Neue Technik für die Zukunft - an der Hochschule traf sich heute das Projekt "Recyclingregion Harz" (Foto: Angelo Glashagel) Neue Technik für die Zukunft - an der Hochschule traf sich heute das Projekt "Recyclingregion Harz" (Foto: Angelo Glashagel) Die virtuelle Realität taugt im Moment vor allem als Publikumsmagnet und Hingucker und auch das VR-Video der Hochschule ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht viel mehr als ein Gimmick. Die theoretischen Anwendungsmöglichkeiten der neuen Technik reichen aber weit über reines Entertainment hinaus. Ihr VR-Angebot will die Forschungsgruppe vor allem an Schulen nutzen um Schülerinnen und Schüler aber auch potentielle Studierende für ihr Fachgebiet zu begeistern. Das Video solle dabei aber nicht alleine stehen, erläuterte Christian Borowski, der das Projekt für die Nordhäuser Seite betreut. Man müsse die neue Technik didaktisch aufnehmen, in die Bildungsarbeit einbauen und weiter damit experimentieren.

Innerhalb des eigentlichen Anliegens der Forscher ist die Bildungsoffensive nur ein Teilaspekt. Im Kern geht es darum die "Wertstoffwende" vorzubereiten, erklärte Professor Jürgen Poerschke von der Hochschule Nordhausen.

Die wird dringend notwendig sein, hört man den Forscherinnen und Forschern zu. Im viel diskutierten Energiebereich werde man langfristig keine Probleme haben, so man die Energiewende denn umsetzt, erklärte etwa Professor Daniel Goldmann von der Technischen Universität Clausthal. Ganz anders sähe das im Bereich Rohstoffe aus. Der grundsätzliche Pro-Kopf-Verbrauch von seltenen Erden und "wirtschaftsstrategischen Rohstoffen" steige jährlich und auch die Anzahl der Köpfe nimmt beständig zu. Bis zum Jahr 2049 müssten rund 30% der weltweit verbrauchten Rohstoffe durch Recyclingmaßnahmen gewonnen werden, erklärte Goldmann, soll der Bedarf weiter gedeckt werden.

"Wir haben verdammt wenig Zeit" - Prof. Daniel Goldmann sprach über die Rohstoffwende 2049 (Foto: Angelo Glashagel) "Wir haben verdammt wenig Zeit" - Prof. Daniel Goldmann sprach über die Rohstoffwende 2049 (Foto: Angelo Glashagel) "32 Jahre das klingt lang, ist aber eigentlich verdammt wenig Zeit", sagt Goldmann, zumindest für die Aufgabe, die man vor sich hat. "Im Papier- und Glasrecycling erzielen wir schon lange gute Ergebnisse, bei anderen Rohstoffen ist die Quote aber bisher verschwindend gering. Da wo es eng ist, etwa bei Tantal oder Indium, liegen wir global unter 1%, das reicht hinten und vorne nicht." Man müsse Lösungen bringen, Prozesse und Steuerungsmöglichkeiten bedenken, am Konsumverhalten arbeiten, die Akzeptanz in der Gesellschaft für die Wertstoffwende als solches aber auch für Anlagen zur Rückgewinnung steigern, neue Technologien und effizientere Materialien finden. "Der Druck ist extrem hoch, deswegen schauen wir auch über Deutschland hinaus und gehen paralell und breitbandig an das Thema heran", so der Professor.

Ohne diese Rohstoffe sind viele Aspekte des modernen Lebens kaum denkbar, etwa mit Smartphone betriebene VR-Brillen, wie sie heute eingesetzt wurden. Um die Zukunftvision von gestern weiter leben zu können, braucht es die Zukunftsvision von morgen, könnte man sagen. Ob auch die zur Realität werden kann, daran wollen die Hochschulen des Harzes ihren Beitrag leisten. Ob die Menschheit dazu in der Lage ist Science Fiction auch abseits des Entertainment wahr werden zu lassen, steht auf einem anderen Blatt. Der Grundstein dafür muss in der Gegenwart gelegt werden. Genauer am 23. Februar. Dann will man in Nordhausen die Zusammenarbeit der Hochschulen im Projekt "Recyclingregion Harz" auch symbolisch zementieren.
Angelo Glashagel
Autor: red

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