Mi, 14:55 Uhr
15.09.2004
Sieger und Verlierer
Sieger und Verlierer (Foto: nnz)
Nordhausen (nnz). Mit einem (fast) Festakt ist heute der Vertrag zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft zwischen der Nordhäuser Arbeitsagentur und dem Landratsamt unterzeichnet worden. Und da wurde in vielen Reden eigentlich sich nur selber gedankt.Im Plenarsaal des historischen Landratsamt wurde der Festakt zelebriert. Attestiert wurden die Chefin der Arbeitsagentur, Dr. Simone Simon, und Landrat Joachim Claus dann auch noch durch den Leiter der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen, Max-Volker Dähne. Zuerst gab es viele Reden. Da berichtete die zweite Beigeordnete der Kreisverwaltung, Loni Grünwald, noch einmal den Anwesenden und Wissenden die Vorgeschichte des Vertragswerkes (siehe nnz-Archiv). Und Loni Grünwald bedankte sich natürlich bei allen Beteiligten, weil alles bisher so hervorragend geklappt hat. Auch Landrat Claus war in seiner kurzen Rede voll des Dankes an Georg Müller, Loni Grünwald, Matthias Jendricke (alle Kreisverwaltung), an den Kreistag selbst und natürlich an Dr. Simone Simon. Die wiederum dankte sofort den Mitarbeitern des Landratsamtes für die bisherige Zusammenarbeit.
Und den Oberdank, den entrichtete schließlich Max-Volker Dähne aus Halle. Und damit sich alle Nordhäuser Hartz-IV-Umsetzer auch richtig auf die Schultern klopfen können, verkündete Dähne das, auf was man im Plenarsaal gewartet hatte: Die Nordhäuser sind die 1. in Thüringen. Und wenn man Magdeburg als Pilotprojekt mal außer acht lasse, dann sind sie die Sieger in der gesamten Regionaldirektion.
Ob in dieser Stunde jemand an die rund 2.000 Frauen und Männer im Landkreis Nordhausen dachte, die ab 2005 überhaupt keine materiellen Leistungen mehr beziehen und kaum Aussicht auf Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt haben, konnte nicht recherchiert werden. Alle Akteure freuten sich zu sehr.
Doch mahnende Stimmen wurde trotzdem erhoben. Die Freude war bei Dr. Simon oder bei Dähne kurzzeitig verflogen, denn die Rücklaufquote der Anträge auf ALG II ist auch im Landkreis Nordhausen eher bescheiden. Da müßten sich die Betroffenen jetzt doch ein wenig sputen, denn schließlich müssen alle Daten dann eingegeben werden und man hoffe doch inständig, daß die Software ab Oktober dann auch funktioniere.
Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) wird im Anfangsstadium 75 Mitarbeiter haben, etwas mehr als 20 kommen aus dem Landratsamt. Ihnen stehen 60 befristet angestellte Mitarbeiter aus dem Heer der Arbeitslosen zur Seite. Jetzt schon sei klar, daß zur Bewältigung der Antragsflut Überstunden geschruppt werden müssen, in Schichten gearbeitet müsse und selbst am Sonntag und Samstag eben ein normaler Arbeitstag sei.
Und so wird die heutigen Akteure des heutigen Festaktes spätestens morgen die Wirklichkeit wieder eingeholt haben. Vielleicht schon heute Abend, denn einige wird man bei Sozialforum im Herder-Gymnasium wiedersehen. Und da ist mal als Sieger nicht mehr unter sich.


