Mo, 20:36 Uhr
27.09.2004
Schlaue Bauern in Nordhausen
Nordhausen (nnz). Mordowien-wo liegt das eigentlich? Selbst ein Blick in den Schulatlas gibt keine Auskunft. Und ausgerechnet aus dieser Ecke hat es junge Männer nach Nordhausen verschlagen. Warum sie hier waren, nnz verrät es.
Schlaue Bauern in Nordhausen (Foto: nnz)
Mordowien, eine Teilrepublik der russischen Föderation, so klein, daß sie auf Karten meist im großen Rußland untergeht. Zwischen Moskau und dem Ural liegt der Landstrich, der über recht ertragreiche Böden verfügt. Angebaut wird aber eher uneffektiv, dabei braucht Rußland Nahrungsmittel. Anders als bei uns tragen Bauern dort noch zur Grundversorgung der Menschen bei, berichtet Egon Primas, der agrarpolitische Sprecher der CDU. Er hat das Gebiet besucht, nie ohne Begleitschutz durch russische Sicherheitskräfte versteht sich.
Der Kontakt mit den Thüringern kam zustande, als der Mordowische Vorsitzende der Staatsversammlung, etwa gleichzusetzen mit unserem Landtag, Deutschland bereiste. Vor zwei Jahren kam zum ersten Mal eine Anfrage, ob der Bauernverband nicht Studenten zum Praktikum nach Deutschland einladen könne. 14 Jugendliche kamen damals her und wurden im ganzen Bundesland verteilt.
Zwei Jahre später war es wieder soweit, zehn junge Männer kamen Anfang Juli nach Nordhausen. Sie wollten erfahren, wie in Deutschland Landwirtschaft betrieben wird, welche modernen Maschinen es gibt und welche Möglichkeiten sich zur Verbesserung der Arbeit bieten. Die jungen Landwirte von der Universität in Saransk sollten vor allem die Hauptphase mit der Ernte und der Neuaussaat kennenlernen, die sich über die Monate Juli bis September erstreckt.
Die Agrargenossenschaften in Görsbach, Urbach, Wolkramshausen und Bleicherode, der Südharzer Landhandel, Van Asten Tierzucht und das Landratsamt Nordhausen boten den Studenten ein interessantes und lehrreiches Programm. Einziges Problem blieb die Sprache, dagegen half der schnell dazwischen geschobene, einwöchige Deutschkurs auch nur ein wenig.
Auswahlkriterium für den dreimonatigen Aufenthalt in Deutschland waren besonders gute Leistungen im Studium und die Möglichkeit nach der Rückkehr eine verantwortungsvolle Position in einem Betrieb zu bekommen. Sprachkenntnisse waren auch gewünscht, zumindest von deutscher Seite, weil es einfach leichter ist etwas zu lernen, wenn die Verständigung klappt. Nur wenige Studenten hatten sich aber bisher am freiwilligen Deutschkurs ihrer Uni beteiligt.
Auch Ralf Mackrodt, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, hatte einen jungen Mann in seine Immenröder Landwirtschaft geholt. Sehr fleißig sei der Student Alexander gewesen. In seiner Freizeit habe er vor allem Deutsch gelernt. Entgegen der landläufigen Meinung über den Russen und den Alkohol hätte er ihm ein Bier förmlich aufnötigen müssen. Erst seien ihm drei Monate sehr lang erschienen, da ein Praktikum mit einem fremdsprachigen Studenten ziemlich aufwendig ist, sagt Mackrodt. Dann ging die Zeit doch sehr schnell um. Gern hätte er Alexander noch einen weiteren Monat behalten, da er besonders interessiert war und kräftig mit zupacken konnte.
Viel Bürokratie war zu erledigen, bis die Einreise und der Aufenthalt möglich waren. Daß es ein Erfolg ist, für die jungen Leute und auch für die Bauern, die so ihr vergessenes Schulrussisch wieder aufpolieren konnten, dessen ist sich Egon Primas sicher. Eine Neuauflage dieser bäuerlichen Entwicklungshilfe hält er für sehr wahrscheinlich, da es von der einheimischen Landwirtschaft sehr gut angenommen wurde.
Heute Abend verabschiedete Primas die Studenten im Hotel Zur Goldenen Aue in Bielen. Neben guten Wünschen und dem Vorschlag weiter in Kontakt zu bleiben, gab es auch für jeden einen Beutel mit Andenken und einer Reiseverpflegung aus Thüringer Landwirtschaft.
Autor: wf
Schlaue Bauern in Nordhausen (Foto: nnz)
Mordowien, eine Teilrepublik der russischen Föderation, so klein, daß sie auf Karten meist im großen Rußland untergeht. Zwischen Moskau und dem Ural liegt der Landstrich, der über recht ertragreiche Böden verfügt. Angebaut wird aber eher uneffektiv, dabei braucht Rußland Nahrungsmittel. Anders als bei uns tragen Bauern dort noch zur Grundversorgung der Menschen bei, berichtet Egon Primas, der agrarpolitische Sprecher der CDU. Er hat das Gebiet besucht, nie ohne Begleitschutz durch russische Sicherheitskräfte versteht sich. Der Kontakt mit den Thüringern kam zustande, als der Mordowische Vorsitzende der Staatsversammlung, etwa gleichzusetzen mit unserem Landtag, Deutschland bereiste. Vor zwei Jahren kam zum ersten Mal eine Anfrage, ob der Bauernverband nicht Studenten zum Praktikum nach Deutschland einladen könne. 14 Jugendliche kamen damals her und wurden im ganzen Bundesland verteilt.
Zwei Jahre später war es wieder soweit, zehn junge Männer kamen Anfang Juli nach Nordhausen. Sie wollten erfahren, wie in Deutschland Landwirtschaft betrieben wird, welche modernen Maschinen es gibt und welche Möglichkeiten sich zur Verbesserung der Arbeit bieten. Die jungen Landwirte von der Universität in Saransk sollten vor allem die Hauptphase mit der Ernte und der Neuaussaat kennenlernen, die sich über die Monate Juli bis September erstreckt.
Die Agrargenossenschaften in Görsbach, Urbach, Wolkramshausen und Bleicherode, der Südharzer Landhandel, Van Asten Tierzucht und das Landratsamt Nordhausen boten den Studenten ein interessantes und lehrreiches Programm. Einziges Problem blieb die Sprache, dagegen half der schnell dazwischen geschobene, einwöchige Deutschkurs auch nur ein wenig.
Auswahlkriterium für den dreimonatigen Aufenthalt in Deutschland waren besonders gute Leistungen im Studium und die Möglichkeit nach der Rückkehr eine verantwortungsvolle Position in einem Betrieb zu bekommen. Sprachkenntnisse waren auch gewünscht, zumindest von deutscher Seite, weil es einfach leichter ist etwas zu lernen, wenn die Verständigung klappt. Nur wenige Studenten hatten sich aber bisher am freiwilligen Deutschkurs ihrer Uni beteiligt.
Auch Ralf Mackrodt, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, hatte einen jungen Mann in seine Immenröder Landwirtschaft geholt. Sehr fleißig sei der Student Alexander gewesen. In seiner Freizeit habe er vor allem Deutsch gelernt. Entgegen der landläufigen Meinung über den Russen und den Alkohol hätte er ihm ein Bier förmlich aufnötigen müssen. Erst seien ihm drei Monate sehr lang erschienen, da ein Praktikum mit einem fremdsprachigen Studenten ziemlich aufwendig ist, sagt Mackrodt. Dann ging die Zeit doch sehr schnell um. Gern hätte er Alexander noch einen weiteren Monat behalten, da er besonders interessiert war und kräftig mit zupacken konnte.
Viel Bürokratie war zu erledigen, bis die Einreise und der Aufenthalt möglich waren. Daß es ein Erfolg ist, für die jungen Leute und auch für die Bauern, die so ihr vergessenes Schulrussisch wieder aufpolieren konnten, dessen ist sich Egon Primas sicher. Eine Neuauflage dieser bäuerlichen Entwicklungshilfe hält er für sehr wahrscheinlich, da es von der einheimischen Landwirtschaft sehr gut angenommen wurde.
Heute Abend verabschiedete Primas die Studenten im Hotel Zur Goldenen Aue in Bielen. Neben guten Wünschen und dem Vorschlag weiter in Kontakt zu bleiben, gab es auch für jeden einen Beutel mit Andenken und einer Reiseverpflegung aus Thüringer Landwirtschaft.

