Sa, 09:08 Uhr
26.08.2017
Forum
Das christliche Menschenbild der CDU
Am Donnerstag waren auf dem Marktreiben am Rathaus auch wieder Parteien mit ihren Ständen vertreten. Die SPD mit Jutta Krauth und die CDU für Inge Klaan warben für Stimmen zur Bürgermeisterwahl. Dazu Anmerkungen eines nnz-Lesers...
Ich selbst beteiligte mich am Stand des Bündnis Grundeinkommen (BGE), um über die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens und über Gründe zu informieren, warum wir das Grundeinkommen zukünftig für notwendig erachten. Um mehr über die Positionen anderer Parteien und deren Kandidaten zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen zu erfahren, nahm ich selbstverständlich die Chance wahr, bei beiden Ständen der Bürgermeisterkandidatinnen nachzufragen.
Am Stand der SPD war man grundsätzlich einverstanden, dass so etwas kommen muss, aber es sei noch zu früh. Ich antwortete, dass es wegen der bekanntermaßen langsamen politischen Prozesse bereits jetzt sinnvoll sei, mit der Diskussion auch in der Bevölkerung zu beginnen. Die Entgegnung lautete wiederum, es sei zu früh.
Auch am Stand der CDU stellte ich die Frage, nach der Haltung zum bedingungslosen Grundeinkommen. Hier wurde direkt abgeblockt, die CDU vertrete ein anderes Konzept. Ich wollte mehr darüber erfahren und bohrte nach. Digitalisierung und Automatisierung wurden abgetan mit Bemerkungen wie, na, wenn sie es so wollen. Als ob der zunehmende Einsatz von Robotern, selbstfahrenden Fahrzeugen auf Straße und Schiene oder der vollautomatische Supermarkt ein Wunschkonzert für Bürger und Politik sei. Die Wirtschaft wird definitiv nicht fragen ob sie darf. Und für die autonom fahrenden Lkw und PKW ist der Gesetzgebungsprozess ja schließlich bereits angelaufen.
Nun gut, ein Nordhäuser Bürgermeister benötigt offenbar wenigstens Überblickskenntnisse dazu nicht. Auch die Idee des Bürgergeldes vom ehemaligen Thüringer CDU Ministerpräsidenten Althaus zählt offenbar nicht mehr.
Mein Verweis auf die aktuelle Erwerbslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit und auf Niedriglöhne führte allerdings zum Satz des Jahres: Dann muss eben jeder drei Jobs haben, wenn er vernünftig leben will. Das sollte man mal einer alleinerziehenden Mutter sagen, die ohne Erfolg versucht hat, Unterhalt vom sich der Verantwortung entziehenden Kindesvater zu erhalten.
Abgesehen davon, dass hier eklatante Unkenntnis zur Gesetzeslage vorliegt. Schließlich muss jeder, der eine Erwerbsarbeit als Geringverdiener annimmt durch Unterschrift erklären, dass er keinen weiteren Job hat. Und jeder Arbeitgeber weigert sich für den zweiten 450 Euro Job die Sozialversicherungsbeiträge abzuführen. Das sind Erfahrungswerte.
Das erschreckende an diesem Satz ist aber, was für ein fragwürdiges Menschenbild einer sich christlich nennenden Partei dahinter verbirgt.
H.-G. Renkewitz
Autor: redIch selbst beteiligte mich am Stand des Bündnis Grundeinkommen (BGE), um über die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens und über Gründe zu informieren, warum wir das Grundeinkommen zukünftig für notwendig erachten. Um mehr über die Positionen anderer Parteien und deren Kandidaten zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen zu erfahren, nahm ich selbstverständlich die Chance wahr, bei beiden Ständen der Bürgermeisterkandidatinnen nachzufragen.
Am Stand der SPD war man grundsätzlich einverstanden, dass so etwas kommen muss, aber es sei noch zu früh. Ich antwortete, dass es wegen der bekanntermaßen langsamen politischen Prozesse bereits jetzt sinnvoll sei, mit der Diskussion auch in der Bevölkerung zu beginnen. Die Entgegnung lautete wiederum, es sei zu früh.
Auch am Stand der CDU stellte ich die Frage, nach der Haltung zum bedingungslosen Grundeinkommen. Hier wurde direkt abgeblockt, die CDU vertrete ein anderes Konzept. Ich wollte mehr darüber erfahren und bohrte nach. Digitalisierung und Automatisierung wurden abgetan mit Bemerkungen wie, na, wenn sie es so wollen. Als ob der zunehmende Einsatz von Robotern, selbstfahrenden Fahrzeugen auf Straße und Schiene oder der vollautomatische Supermarkt ein Wunschkonzert für Bürger und Politik sei. Die Wirtschaft wird definitiv nicht fragen ob sie darf. Und für die autonom fahrenden Lkw und PKW ist der Gesetzgebungsprozess ja schließlich bereits angelaufen.
Nun gut, ein Nordhäuser Bürgermeister benötigt offenbar wenigstens Überblickskenntnisse dazu nicht. Auch die Idee des Bürgergeldes vom ehemaligen Thüringer CDU Ministerpräsidenten Althaus zählt offenbar nicht mehr.
Mein Verweis auf die aktuelle Erwerbslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit und auf Niedriglöhne führte allerdings zum Satz des Jahres: Dann muss eben jeder drei Jobs haben, wenn er vernünftig leben will. Das sollte man mal einer alleinerziehenden Mutter sagen, die ohne Erfolg versucht hat, Unterhalt vom sich der Verantwortung entziehenden Kindesvater zu erhalten.
Abgesehen davon, dass hier eklatante Unkenntnis zur Gesetzeslage vorliegt. Schließlich muss jeder, der eine Erwerbsarbeit als Geringverdiener annimmt durch Unterschrift erklären, dass er keinen weiteren Job hat. Und jeder Arbeitgeber weigert sich für den zweiten 450 Euro Job die Sozialversicherungsbeiträge abzuführen. Das sind Erfahrungswerte.
Das erschreckende an diesem Satz ist aber, was für ein fragwürdiges Menschenbild einer sich christlich nennenden Partei dahinter verbirgt.
H.-G. Renkewitz
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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