Do, 12:00 Uhr
31.10.2019
70 Jahre Wiederherstellung der Blasiikirche
Leben blüht aus den Ruinen
Wie war das vor 70 Jahren am Reformationstag, als das durch britische Bomben im April 1945 beschädigte Gotteshaus ab 9.30 Uhr in einer würdevollen Einweihung als "auferstanden aus Ruinen" wieder seine Pforten öffnen konnte? Heidelore Kneffel weiß es...
Im 12. Jahrbuch des Landkreises Nordhausen "Heute und einst" aus dem Jahr 2005, dem letzten, das herausgegeben werden konnte/durfte, habe ich auf mehreren Seiten, gefüllt mit Text und Bildern, vermerkt, was ich darüber in Zeitungsartikeln und Dokumenten innen den Archiven zusammentragen konnte.
Wer das Jahrbuch besitzt, kann sich ja das dabei von mir Entdeckte vor die Augen führen. Ansonsten findet man in der Stadtbibliothek "Rudolf Hagelstange" das über 300 Seiten umfassende Buch und wird noch so manches andere Bemerkenswerte darin entdecken. Zwei Wochen vor der Blasiikirche war nämlich auch das durch die Bombardierung beschädigte Theater, gleichfalls wieder hergerichtet, der Öffentlichkeit übergeben worden, wovon auch berichtet wird.
St. Blasii im Jahr 1947 (Foto: Heidelore Kneffel)
"Was uns die Blasiikirche erzählt" ist ein Beitrag von Pfarrer Friedrich Trautmann betitelt. Der Leser erfährt, dass diese Kirche in den Zeiten wiederholt in Gefahr gestanden habe. Pfarrer Kindervater überlieferte, dass "vor Menschengedenken" der nördliche Turm bei einem Gewitter stark zerstört und nicht wieder in der alten Höhe aufgerichtet wurde. In dem berühmten barocken Stich von Merian, der im stadtgeschichtlichen Museum Flohburg hängt, sind noch beide Türme in gleicher Höhe zu sehen. Eine große Bedrohung herrschte am 24.April 1624, als am Mittag ein großes Donnerwetter entstand und binnen einer Stunde auch in den hohen Turm der Blasiikirche schlug. Als im Jahr 1710 durch eine Feuersbrunst die Türme der Marktkirche/Nicolaikirche zerstört worden waren, siedelte der bis dahin dort behauste Türmer und Wächter in den Turmbau der Blasiikirche, übrigens bis 1895. Das ist bis heute bei der Turmbesteigung zu sehen.
Die Schlusssteine in den Kuppeln der Gewölbe der Kirche geben Hinweise über wichtige Bauabschnitte des Gotteshauses (Foto: Heidelore Kneffel)
Die Schlusssteine in den Kuppeln der Gewölbe der Kirche geben Hinweise über wichtige Bauabschnitte des Gotteshauses. Natürlich gibt es auch einen datiert 1945 - 1949.
Im Osten leuchten seit dem 31. Oktober 1949 intensiv drei große Fenster jedem Besucher der Kirche entgegen. Sie stammen von dem aus Schlesien stammenden Künstler Martin Domke, der kurz vor der Bombardierung in Nordhausen Zuflucht nahm, unbeschadet überlebte und im Judenturm eine Kunstschule einrichtete. Seine dortigen weiblichen und männlichen Schüler unterstützten ihn bei der Glasfenster-Erschaffung und wurden nach dem umfänglichen Studium in Nordhausen, ihrem Lehrmeister Domke nacheifernd, selbst Künstler wie Ilse Spangenberg, Heinz Dost, Helmut Müller/Philip Oeser, Hannes Gebhardt, Wolfgang Holzhäuser.
In einem Zeitungsartikel im "Thüringer Volk" vom 29. Oktober 1949 schreibt der damals in Nordhausen sehr bekannte Kurt Kohlmann über die Glasfenster u.a.: "Die Art der Gestaltung erinnert an die eines Bilderbuches. Siebzig Figuren befinden sich in den drei Fenstern, deren erster Eindruck wie ein Farbteppich wirkt. Dabei nahm sich Domke die künstlerische Freiheit, Dinge in seine Arbeit mit hineinzunehmen, die ursächlich keine Verbindung mit den darzustellenden Themen haben, jedoch keinesfalls als fehl am Platze empfunden werden. Ich denke dabei z. B. an die Flucht nach Ägypten, in deren Hintergrunde die Silhouette Nordhausens auftaucht..."
Der Bischof der Kirchenprovinz Sachsen, Ludolf Müller, Magdeburg, hielt die Weihepredigt: "Wir haben jetzt statt Haß Liebe, statt Lüge die Wahrheit zu säen, das ist die Aufgabe unserer Kirche: Die Kräfte der inneren Erneuerung zu pflegen. Nicht nur neue Mauern und Fenster sind zu errichten, sondern auch ein neuer Geist..."
Im Jahrbuch von 1996 beschreibt die damalige Leiterin des Meyenburgmuseums, Claudia Ehser, sehr anschaulich und persönlich eine Reise, die sie zum Künstler Domke nach Hepsisau führte. Domke stellte dann vom 8.10.1996 bis zum 5.1.1997 im Nordhäuser Museum aus und schenkte der Stadt mehrere Kunstwerke, auch Skizzen zu den Glasfenstern.
Heidelore Kneffel
Autor: redIm 12. Jahrbuch des Landkreises Nordhausen "Heute und einst" aus dem Jahr 2005, dem letzten, das herausgegeben werden konnte/durfte, habe ich auf mehreren Seiten, gefüllt mit Text und Bildern, vermerkt, was ich darüber in Zeitungsartikeln und Dokumenten innen den Archiven zusammentragen konnte.
Wer das Jahrbuch besitzt, kann sich ja das dabei von mir Entdeckte vor die Augen führen. Ansonsten findet man in der Stadtbibliothek "Rudolf Hagelstange" das über 300 Seiten umfassende Buch und wird noch so manches andere Bemerkenswerte darin entdecken. Zwei Wochen vor der Blasiikirche war nämlich auch das durch die Bombardierung beschädigte Theater, gleichfalls wieder hergerichtet, der Öffentlichkeit übergeben worden, wovon auch berichtet wird.
St. Blasii im Jahr 1947 (Foto: Heidelore Kneffel)
"Was uns die Blasiikirche erzählt" ist ein Beitrag von Pfarrer Friedrich Trautmann betitelt. Der Leser erfährt, dass diese Kirche in den Zeiten wiederholt in Gefahr gestanden habe. Pfarrer Kindervater überlieferte, dass "vor Menschengedenken" der nördliche Turm bei einem Gewitter stark zerstört und nicht wieder in der alten Höhe aufgerichtet wurde. In dem berühmten barocken Stich von Merian, der im stadtgeschichtlichen Museum Flohburg hängt, sind noch beide Türme in gleicher Höhe zu sehen. Eine große Bedrohung herrschte am 24.April 1624, als am Mittag ein großes Donnerwetter entstand und binnen einer Stunde auch in den hohen Turm der Blasiikirche schlug. Als im Jahr 1710 durch eine Feuersbrunst die Türme der Marktkirche/Nicolaikirche zerstört worden waren, siedelte der bis dahin dort behauste Türmer und Wächter in den Turmbau der Blasiikirche, übrigens bis 1895. Das ist bis heute bei der Turmbesteigung zu sehen.
Die Schlusssteine in den Kuppeln der Gewölbe der Kirche geben Hinweise über wichtige Bauabschnitte des Gotteshauses (Foto: Heidelore Kneffel)
Die Schlusssteine in den Kuppeln der Gewölbe der Kirche geben Hinweise über wichtige Bauabschnitte des Gotteshauses. Natürlich gibt es auch einen datiert 1945 - 1949.
Im Osten leuchten seit dem 31. Oktober 1949 intensiv drei große Fenster jedem Besucher der Kirche entgegen. Sie stammen von dem aus Schlesien stammenden Künstler Martin Domke, der kurz vor der Bombardierung in Nordhausen Zuflucht nahm, unbeschadet überlebte und im Judenturm eine Kunstschule einrichtete. Seine dortigen weiblichen und männlichen Schüler unterstützten ihn bei der Glasfenster-Erschaffung und wurden nach dem umfänglichen Studium in Nordhausen, ihrem Lehrmeister Domke nacheifernd, selbst Künstler wie Ilse Spangenberg, Heinz Dost, Helmut Müller/Philip Oeser, Hannes Gebhardt, Wolfgang Holzhäuser.
In einem Zeitungsartikel im "Thüringer Volk" vom 29. Oktober 1949 schreibt der damals in Nordhausen sehr bekannte Kurt Kohlmann über die Glasfenster u.a.: "Die Art der Gestaltung erinnert an die eines Bilderbuches. Siebzig Figuren befinden sich in den drei Fenstern, deren erster Eindruck wie ein Farbteppich wirkt. Dabei nahm sich Domke die künstlerische Freiheit, Dinge in seine Arbeit mit hineinzunehmen, die ursächlich keine Verbindung mit den darzustellenden Themen haben, jedoch keinesfalls als fehl am Platze empfunden werden. Ich denke dabei z. B. an die Flucht nach Ägypten, in deren Hintergrunde die Silhouette Nordhausens auftaucht..."
Der Bischof der Kirchenprovinz Sachsen, Ludolf Müller, Magdeburg, hielt die Weihepredigt: "Wir haben jetzt statt Haß Liebe, statt Lüge die Wahrheit zu säen, das ist die Aufgabe unserer Kirche: Die Kräfte der inneren Erneuerung zu pflegen. Nicht nur neue Mauern und Fenster sind zu errichten, sondern auch ein neuer Geist..."
Im Jahrbuch von 1996 beschreibt die damalige Leiterin des Meyenburgmuseums, Claudia Ehser, sehr anschaulich und persönlich eine Reise, die sie zum Künstler Domke nach Hepsisau führte. Domke stellte dann vom 8.10.1996 bis zum 5.1.1997 im Nordhäuser Museum aus und schenkte der Stadt mehrere Kunstwerke, auch Skizzen zu den Glasfenstern.
Heidelore Kneffel



