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Di, 09:45 Uhr
26.11.2019
Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Umwelt

Ein Stück Land am Friedhof und das Sterben

Der öffentliche Teil der Sitzung des städtischen Ausschusses für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Umwelt barg heute zwei interessante Punkte: die Bürgerfragestunde zum Vorkaufsrecht eines Grundstücks am Friedhof und den Bericht über das Sterben der Bäume in städtischer Verantwortung...


Die Investoren Wolfgang Oschinski und Christoph Tölle wollen ein Grundstück neben dem Hauptfriedhof erwerben, das dort schon viele Jahre brach liegt. Wohnraum wollten sie dort schaffen und staunen jetzt, dass die Stadt Nordhausen das Areal nun doch selbst nutzen möchte, um einen Freidhofserweiterungsbau dort anzusiedeln. Inzwischen ist die Angelegenheit im Dezember vor dem Verwaltungsgericht, nachdem Einsprüche getätigt, abgeschmettert und erneuert wurden, nachdem Widersprüche bis hin zur Kommunalaufsicht geschrieben waren.

Das Fazit der Argumentationslinie der Investoren lautet: es gibt zu viel Friedhof und zu wenig Bauland. Amtsleiter Juckeland hätte ihnen gesagt, die Stadt habe keinen Bedarf, der Oberbürgermeister habe Unterstützung versprochen, die Friedhofsverwaltung bräuchte die Fläche nach eigenen Aussagen nicht - und nun sei alles anders.

Ihre Forderung sei daher simpel: die Stadt solle ihren plötzlich erhobenen Nutzungsanspruch zurückziehen. Denn selbst wenn die Stadt den Rechtsstreit gewänne, müsse sie dort einen Friedhofsanbau errichten, etwas anders sei nach einem solchen Urteil nicht möglich.

Bürgermeisterin Jutta Krauth stellte gleich klar, dass die Verwaltung nicht die Absicht hege, das Vorkaufsrecht zurückzuziehen. Sie sähe auch gute Chancen, den Prozess zu gewinnen, fügte sie an. Detaillierte Auskunft könnte sie nicht geben, weil es sich um ein schwebendes Verfahren handele.

Einer der Bauherren, Christoph Tölle, betonte, dass man an einer Lösung interessiert sei, eventuell per Flächentausch und es sei niemals Absicht gewesen, mit Prozessen zu drohen. Allerdings sieht er eine anhaltende Verschleppungstaktik der Verwaltung, die ihn erzürnt.

„Wir setzen nur einen Stadtratsbeschluss durch“, erwiderte die Bürgermeisterin und handelte sich damit den Widerspruch des Ausschussvorsitzenden Andreas Wieninger ein. Der stellte klar, dass es ein Beschluss des Finanzausschusses war, der hier umgesetzt werden soll und nicht einer des Stadtrates. Wieninger empfahl den Investoren, sich an die Stadträte zu wenden.

Zweiter interessanter, wenn auch sehr trauriger Punkt der Sitzung war der Bericht über den Sachstand zum Zustand des städtischen Baumbestandes und der städtischen Forste. Amtsleiter Steffen Meyer und Stadtförster Axel Axt gaben den Ausschussmitgliedern Einblicke in den dramatischen Status quo. Der innerstädtische Baumbestand beläuft sich auf 29.500 Bäume. Weitere 26 300 stehen im städtischen Außenbereich. Hinzu kommen 320 ha Stadtwald mit rund 50 km Gehölzsaum.

Derzeit werde ein digitales Baumkataster erstelt, in dem bereits 20 000 Bäume erfasst sind, hauptsächlich die an Schulen, Kitas und ähnlich sensiblen Einrichtungen. Mit 18 Prozent des Bestandes ist Ahorn die verbreitetste Baumart im Nordhäuser Bestand, gefolgt von der Linde mit einem Anteil von immerhin 13 Prozent.

Davon, so referierte Axel Axt, seien 18,6 Prozent sehr stark geschädigt, 29,9 Prozent stark geschädigt, 28,7 Prozent geschädigt und nur 15 Prozent nicht geschädigt. Fichten, Buchen und Eschen sind die am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen Baumarten.

Bei den Straßenbäumen im Stadtgebiet seien relativ wenig Verluste durch Hitze zu beklagen, aber denen gehe es ohnehin schlecht. Betroffen sind hier 80-85 Prozent aller Bäume. Ein Prozentsatz von 15-20 sind so nachhaltig geschädigt, dass sie die nächsten 5 Jahre nicht überstehen werden.

Schlimm sieht es im Stadtpark aus, wie Axt anhand von Fotos demonstrierte. Hier könne er nur auf viel Feuchtigkeit hoffen, einen frostfreien, verregneten Winter, ein verregnetes Frühjahr und einen sehr kalten Mai. Nur dann bestünden reelle Chancen, dass sich ein Großteil der kranken Gehölze wieder erholen könnte.

Von der Fichte als Baumart, stellte Axel Axt fest, könnten wir uns unter 400 Höhenmeter in Zukunft verabschieden. 1 700 Quadratmeter Fichte sind schon entfernt worden und von den ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogenen Buchen wurden 650 Kubikmeter gefällt.

Hoffnung macht hingegen, dass im Sommer einen große Anpflanzung von Eichen mit viel Bewässerung und Pflege durchgebracht werden konnte. Fördermittel für solche und andere Maßnahmen, sich personelle Verstärkungen, seien beantragt und teilweise schon gekommen. Weiteres Geld von Bund und Ländern wird in Zukunft gebraucht, um den Wald zu erhalten. Die Holzpreise haben derweil den Kellerboden durchbrochen und suchen sich noch tiefere gefilde.

„Der Waldumbau läuft schon, aber das dauert noch“, sagte der Stadtförster. „Wir reden hier von zwei Generationen ehe ein Umbau zu sehen sein wird. Wir erleben die Ergebnisse jedenfalls nicht mehr.“

Demnächst soll die bedrückende Präsentation online gestellt werden, damit die Nordhäuser sich selbst ein Bild von den Auswirkungen der klimatischen Veränderungen der letzten Jahre machen können.
Olaf Schulze
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Kommentare

26.11.2019, 06.44 Uhr
Stechbarth | “Private Initiativen bei der Schaffung von Wohnraum unterstützen“
Auch dies ist ein Zitat aus dem Wahlprogramm von Herrn Kai Buchmann.

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26.11.2019, 11.45 Uhr
Paulinchen | Denn...
... sie wissen nicht so recht, was sie tun. Denke ich an die Info-Veranstaltung bezüglich der Garagenstandorte in Nord, sehe ich Parallelen zum Fall Oschinski/Toelle. Die Verantwortlichen der Stadtverwaltung haben offenbar noch nicht begriffen, dass man auch mal mit einem Kompromiss gut leben kann.
Wenn es um die Stadtentwicklung geht und im Besonderen um die Attraktivität des Zentrums (Rautenstrasse) kommen bei mir Zweifel am Sachverstand der Stadtverwaltung auf. Wo ist hier etwas, was Touristen und sonstige Gäste zum Bummeln bringen könnte? Krankenkassen, Versicherungen, Telefongeschaefte, EVN, Fahrschule, Schülerhilfe usw. Aber in Nordhausen Nord sollen Geschäfte entstehen? Was im Zentrum nicht gelingt, soll am Rand gelingen? Betrachte Ich mir die Arnoldstrasse, ist es die gleiche Katastrophe. Darf man eigentlich mal fragen, wo ist denn nun eigentlich das Stadtzentrum der Einkaufstadt Nordhausen?

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26.11.2019, 12.06 Uhr
Peterchen1983 | Wäre es nicht möglich..
Schulklassen und Kindergärten einzuladen, um in Projektwochen oder Unterrichtsstunden Bäume zu pflanzen und im Schulgarten zu ziehen? Somit würde man dem Nachwuchs Natur und Umwelt näher bringen anstatt Freitags planlos zu Demonstrieren.
Ich denke das die Kinder gerne mal raus in die Natur gehen würden!

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