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Mi, 18:30 Uhr
15.01.2020
Begegnungsstätte bleibt bestehen

Gemeinschaft schafft Lebenswert

Was macht Lebensqualität im Alter aus? Vor allem: Gemeinschaft, meint man in Bleicherode. Im alten „AWG-Viertel“ wurde diese Idee über Jahre hinweg gelebt. Nur haben sich die Ansprechpartner von einst inzwischen aus dem ländlichen Raum zurückgezogen während die Bleicheröder Welt mit vielen neuen Mitgliedern auf dem Land deutlich gewachsen ist. Den Sinn für Gemeinschaft will man im neuen Gebilde nicht verloren geben und sucht nun mit engagierten Partnern nach neuen Wegen des Zusammenlebens…

Im "AWG-Viertel" in Bleicherode wird es mit neuen Partner weitergehen (Foto: Angelo Glashagel) Im "AWG-Viertel" in Bleicherode wird es mit neuen Partner weitergehen (Foto: Angelo Glashagel)

Bleicherode hat als Stadt seinen ganz eigenen Charakter. Groß genug, um als Magnet auf das Umland auszustrahlen, aber dabei gerade noch klein genug, um der allgemeinen Anonymität städtischen Lebens zu entgehen. Anders ausgedrückt: man kennt seine Stadt und ihre Menschen und weiß mit wem man reden kann, wenn es Probleme gibt.

Ein solches tat sich Mitte der vergangenen Jahres auf. Die Ortsgruppe der Volksolidarität, die seit den 1990er Jahren (mit Unterbrechungen) im „AWG-Viertel“ in der Löwentorstraße einen festen Anlaufpunkt für Hilfesuchende etabliert hatte, löste sich im Sommer auf. Die regionale Vertretung war im Erfurter Landesverband aufgegangen und der entschied, sich aus dem ländlichen Raum zurückzuziehen.

Damit stand auch das „Quartierskonzept“ auf der Kippe, das die „Hausdame“ des AWG-Viertels Elke Laub zusammen mit dem Seniorenvertreter René Fiedler und der Wohnungsbaugenossenschaft Südharz (WBG) ins Leben gerufen hatte, auf der Kippe. Die WBG hatte als Nachfolger der „Arbeiter-Wohngenossenschaft“ (AWG) zwischen 2015 und 2017 rund 3,7 Millionen Euro aus der eigenen Tasche in das Areal investiert, alte Gebäude abgerissen und den „Bleichpark“ geschaffen. Das „Seniorenwohnen Am Löwentor“ sollte nicht nur altersgerechten Wohnraum in der Stadtmitte bieten, sondern in Zusammenarbeit mit der Volkssolidarität auch Angebote zur Alltags-Unterstützung bieten um den Menschen den Verbleib in den eigenen vier Wänden auch im hohen Alter zu ermöglichen. Dazu gehörten soziale Dienstleistungen aber auch Tanz- und Bewegungsgruppen, Informationsveranstaltungen oder das gesellige Zusammensein bei Kaffee und Kuchen.

Mit „soweno“, der Altenpflegesparte des Jugendsozialwerks, konnte man in relativ kurzer Zeit einen neuen Partner finden, der das Projekt nicht nur fortführen sondern ausbauen will. „Wir sind einfach näher dran, die handelnden Personen sind Bleicheröder, da sieht man die Notwendigkeit vor Ort viel deutlicher“, sagte heute Andreas Weigel. Der Geschäftsführer des Jugendsozialwerks ist selber engagierter Bleicheröder und hat seine ersten beruflichen Schritte genau hier getan, im AWG-Viertel. Einer den man kennt in Bleicherode.

Angesichts der demographischen Entwicklung werde man nicht umhinkommen sich sehr viel früher mit dem Leben im Alter zu befassen, als das bisher der Fall ist, erklärte Weigel, die Entscheidung in ein Seniorenheim zu ziehen sollte erst dann fallen, wenn es in den eigenen vier Wänden gar nicht mehr gehe. Um das zu erreichen müsse man Unterstützungsketten aufbauen, die weit vor der ambulanten Pflege ansetzen und den Seniorinnen und Senioren ein sich selbst unterstützendes Wohn- und Lebensumfeld bieten können.

René Fiedler drückt es etwas einfacher aus: „die Gemeinschaft gewinnt im Alter enorm an Bedeutung, mehr als man sich das als Außenstehender vorstellen kann und hat direkten Einfluss auf die Gesundheit. Wir wollen Gemeinschaft organisieren und dafür sorgen, das dass Leben lebenswert bleibt“.

Bisher konzentrierte man sich dabei vor allem auf die älteren Mitbürger der Stadt Bleicherode. Mit der Schaffung der Landgemeinde sieht man im AWG-Viertel nun auch die Notwendigkeit aus dem Quartier hinauszugehen. Man wolle ein Anlaufpunkt für alle Seniorinnen und Senioren der Gemeinde sein, unterstrich Fiedler, nicht nur für die Bewohner der „AWG“.

Im "AWG-Viertel" in Bleicherode wird es mit neuen Partner weitergehen (Foto: Angelo Glashagel) Im "AWG-Viertel" in Bleicherode wird es mit neuen Partner weitergehen (Foto: Angelo Glashagel)

Den nötigen Rückenwind aus der Politik hat man, sowohl die Gemeinde wie auch der Landkreis haben sich zu dem Projekt bekannt. Die nötigen Finanzmittel in Höhe von rund 50.000 Euro kommen aus dem Landesprogramm „Zusammenleben der Generationen“. Die WBG unterstützt das Vorhaben in Person von Sozialarbeiterin Anette Jahns als Ansprechpartnerin sowie mit diversen Veranstaltungen. „Dennoch wird das eine Herausforderung. Ohne die Hilfe der Seniorenvertreter und viel ehrenamtlichem Engagement wird man die Versorgunglsage kaum abfangen können“, sagt Fiedler, der selber im Seniorenbeirat sitzt. Wenn man den Schwierigkeiten des ländlichen Raums begegnen wolle, brauche man neue Ideen und dafür müsse man „das Ohr an der Masse“ haben, „das wichtigste ist, dass die Senioren Gehör finden“. Um Probleme wahrzunehmen und anzugehen brauche es eine enge Zusammenarbeit von Senioren, Seniorenvertretung, der Politik und Partnern wie der WBG oder dem Jugendsozialwerk, so Fiedler weiter, "das ist nicht nur so herbeigeredet, das ist hier tägliches sein".

Die eine ganz große Hürde dürfte die Geographie sein. Mit der Landgemeinde hat man ein großes Aufgabengebiet abzudecken. An den Problemen im ÖPNV arbeite man, erklärte Fiedler, denkbar sei auch das Frau Elke Laub die Gemeinden selber besucht. Das Fiedler und Laub als handelnde Personen erhalten bleiben sei ein großer Vorteil, meinte Andreas Weigel, diese Arbeit lebe am Ende gerade auf dem Land von Personen, Gesichtern und Vertrauen. Man kennt sich eben. Oder wird sich kennen lernen. Die Erfahrung hat man in Bleicherode und muss sie nun auf die Landgemeinde übertragen.
Angelo Glashagel
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